Um Mitternacht war es,da nahm Zarathustra seinen Wegdass er mit dem frühen Morgenan das andre Gestade käme:denn dort wollte er zu Schiff steigen.Es gab nämlich allda eine gute Rhede,an der auch fremde Schiffegern vor Anker giengen;die nahmen Manchen mit sich,der von den glückseligen Inselnüber das Meer wollte.Als nun Zarathustra so den Berg hinanstieg,gedachte er unterwegs des vielen einsamen Wandernsvon Jugend an,und wie viele Berge und Rückenund Gipfel er schon gestiegen sei.
Ich bin ein Wanderer und ein Bergsteiger,sagte er zu seinem Herzen,ich liebe die Ebenen nichtund es scheint, ich kann nicht lange still sitzen.
Und was mir nun auch nochals Schicksal und Erlebniss komme, —ein Wandern wird darin seinund ein Bergsteigen:man erlebt endlich nur noch sich selber.
Die Zeit ist abgeflossen,wo mir noch Zufälle begegnen durften;und was könnte jetzt noch zu mir fallen,was nicht schon mein Eigen wäre!
Es kehrt nur zurück,es kommt mir endlich heim —mein eigen Selbst,und was von ihm lange in der Fremde warund zerstreut unter alle Dinge und Zufälle.
Und noch Eins weiss ich:ich stehe jetzt vor meinem letzten Gipfelund vor dem, was mir am längsten aufgespart war.Ach, meinen härtesten Weg muss ich hinan!Ach, ich begann meine einsamste Wanderung!
Wer aber meiner Art ist,der entgeht einer solchen Stunde nicht:der Stunde, die zu ihm redet:„Jetzo erst gehst du deinen Weg der Grösse!Gipfel und Abgrund —das ist jetzt in Eins beschlossen!
Du gehst deinen Weg der Grösse:nun ist deine letzte Zuflucht worden,was bisher deine letzte Gefahr hiess!
Du gehst deinen Weg der Grösse:das muss nun dein bester Muth sein,dass es hinter dir keinen Weg mehr giebt!
Du gehst deinen Weg der Grösse;hier soll dir Keiner nachschleichen!Dein Fuss selber löschte hinter dir den Weg aus,und über ihm steht geschrieben: Unmöglichkeit.
Und wenn dir nunmehr alle Leitern fehlen,so musst du verstehen,noch auf deinen eigenen Kopf zu steigen:wie wolltest du anders aufwärts steigen?
Auf deinen eigenen Kopfund hinweg über dein eigenes Herz!Jetzt muss das Mildeste an dirnoch zum Härtesten werden.
Wer sich stets viel geschont hat,der kränkelt zuletzt an seiner vielen Schonung.Gelobt sei, was hart macht!Ich lobe das Land nicht,wo Butter und Honig — fliesst!
Von sich absehn lernen ist nöthig,um Viel zu sehn: —diese Härte thut jedem Berge-Steigenden Noth.
Wer aber mit den Augen zudringlich istals Erkennender,wie sollte der von allen Dingenmehr als ihre vorderen Gründe sehn!
Du aber, oh Zarathustra,wolltest aller Dinge Grund schaun und Hintergrund:so musst du schon über dich selber steigen, —hinan, hinauf, bis du auch deine Sternenoch unter dir hast!
Ja! Hinab auf mich selber sehnund noch auf meine Sterne:das erst hiesse mir mein Gipfel,das blieb mir noch zurück als mein letzter Gipfel! —“
Also sprach Zarathustra im Steigen zu sich,mit harten Sprüchlein sein Herz tröstend:denn er war wund am Herzenwie noch niemals zuvor.Und als er auf die Höhe des Bergrückens kam,siehe, da lag das andere Meer vor ihm ausgebreitet:und er stand still und schwieg lange.Die Nacht aber war kalt in dieser Höheund klar und hellgestirnt.
Ich erkenne mein Loos, sagte er endlich mit Trauer.Wohlan! Ich bin bereit.Eben begann meine letzte Einsamkeit.
Ach, diese schwarze traurige See unter mir!Ach, diese schwangere nächtliche Verdrossenheit!Ach, Schicksal und See!Zu euch muss ich nun hinab steigen!
Vor meinem höchsten Berge stehe ichund vor meiner längsten Wanderung:darum muss ich erst tiefer hinabals ich jemals stieg:
— tiefer hinab in den Schmerzals ich jemals stieg,bis hinein in seine schwärzeste Fluth!So will es mein Schicksal: Wohlan! Ich bin bereit.
Woher kommen die höchsten Berge?so fragte ich einst.Da lernte ich, dass sie aus dem Meere kommen.
Diess Zeugniss ist in ihr Gestein geschriebenund in die Wände ihrer Gipfel.Aus dem Tiefsten muss das Höchstezu seiner Höhe kommen. —
Also sprach Zarathustra auf der Spitze des Berges,wo es kalt war;als er aber in die Nähe des Meeres kamund zuletzt allein unter den Klippen stand,da war er unterwegs müde gewordenund sehnsüchtiger als noch zuvor.
Es schläft jetzt Alles noch, sprach er;auch das Meer schläft.Schlaftrunken und fremd blickt sein Auge nach mir.
Aber es athmet warm, das fühle ich.Und ich fühle auch, dass es träumt.Es windet sich träumend auf harten Kissen.
Horch! Horch! Wie es stöhnt von bösen Erinnerungen!Oder bösen Erwartungen?
Ach, ich bin traurig mit dir, du dunkles Ungeheuer,und mir selber noch gram um deinetwillen.
Ach, dass meine Hand nicht Stärke genug hat!Gerne, wahrlich, möchte ich dichvon bösen Träumen erlösen! —
Und indem Zarathustra so sprach,lachte er mit Schwermuth und Bitterkeit über sich selber.„Wie! Zarathustra! sagte er,willst du noch dem Meere Trost singen?
Ach, du liebreicher Narr Zarathustra,du Vertrauens-Überseliger!Aber so warst du immer:immer kamst du vertraulich zu allem Furchtbaren.
Jedes Ungethüm wolltest du noch streicheln.Ein Hauch warmen Athems,ein Wenig weiches Gezottel an der Tatze —:und gleich warst du bereit, es zu lieben und zu locken.
Die Liebe ist die Gefahr des Einsamsten,die Liebe zu Allem, wenn es nur lebt!Zum Lachen ist wahrlich meine Narrheitund meine Bescheidenheit in der Liebe!“ —
Also sprach Zarathustra und lachte dabei zum andern Male:da aber gedachte er seiner verlassenen Freunde —,und wie als ob er sich mit seinen Gedankenan ihnen vergangen habe,zürnte er sich ob seiner Gedanken.Und alsbald geschah es, dass der Lachende weinte: —vor Zorn und Sehnsucht weinte Zarathustra bitterlich.
*
* * Von Gesicht und Räthsel. 1.
Als es unter den Schiffsleuten ruchbar wurde,dass Zarathustra auf dem Schiffe sei, —denn es war ein Mann zugleich mit ihm an Bord gegangen,der von den glückseligen Inseln kam —da entstand eine grosse Neugierde und Erwartung.Aber Zarathustra schwieg zwei Tageund war kalt und taub vor Traurigkeit,also, dass er weder auf Blicke noch auf Fragen antwortete.Am Abende aber des zweiten Tagesthat er seine Ohren wieder auf,ob er gleich noch schwieg:denn es gab viel Seltsames und Gefährlichesauf diesem Schiffe anzuhören,welches weither kam und noch weiterhin wollte.Zarathustra aber war ein Freund aller Solchen,die weite Reisen thun und nicht ohne Gefahr leben mögen.Und siehe! zuletzt wurde ihm im Zuhören die eigne Zunge gelöst,und das Eis seines Herzens brach: —da begann er also zu reden:
Euch, den kühnen Suchern, Versuchern,und wer je sich mit listigen Segelnauf furchtbare Meere einschiffte, —
euch, den Räthsel-Trunkenen, den Zwielicht-Frohen,deren Seele mit Flöten zu jedem Irr-Schlunde gelockt wird:
— denn nicht wollt ihr mit feiger Hand einem Faden nachtasten;und, wo ihr errathen könnt,da hasst ihr es, zu erschliessen —
euch allein erzähle ich das Räthsel, das ich sah, —das Gesicht des Einsamsten. —
Düster gieng ich jüngst durch leichenfarbne Dämmerung, —düster und hart, mit gepressten Lippen.Nicht nur Eine Sonne war mir untergegangen.
Ein Pfad, der trotzig durch Geröll stieg,ein boshafter, einsamer,dem nicht Kraut, nicht Strauch mehr zusprach:ein Berg-Pfad knirschte unter dem Trotz meines Fusses.
Stumm über höhnischem Geklirr von Kieseln schreitend,den Stein zertretend, der ihn gleiten liess:also zwang mein Fuss sich aufwärts.
Aufwärts: — dem Geiste zum Trotz, der ihn abwärts zog,abgrundwärts zog, dem Geiste der Schwere,meinem Teufel und Erzfeinde.
Aufwärts: — obwohl er auf mir sass, halb Zwerg, halb Maulwurf;lahm; lähmend; Blei durch mein Ohr,Bleitropfen-Gedanken in mein Hirn träufelnd.
„Oh Zarathustra, raunte er höhnisch Silb’ um Silbe,du Stein der Weisheit!Du warfst dich hoch, aber jeder geworfene Stein muss — fallen!
Oh Zarathustra, du Stein der Weisheit,du Schleuderstein, du Stern-Zertrümmerer!Dich selber warfst du so hoch, —aber jeder geworfene Stein — muss fallen!
Verurtheilt zu dir selber und zur eignen Steinigung:oh Zarathustra, weit warfst du ja den Stein, —aber auf dich wird er zurückfallen!“
Drauf schwieg der Zwerg; und das währte lange.Sein Schweigen aber drückte mich;und solchermaassen zu Zweinist man wahrlich einsamer als zu Einem!
Ich stieg, ich stieg, ich träumte, ich dachte, —aber Alles drückte mich.Einem Kranken glich ich,den seine schlimme Marter müde macht,und den wieder ein schlimmerer Traumaus dem Einschlafen weckt. —
Aber es giebt Etwas in mir, das ich Muth heisse:das schlug bisher mir jeden Unmuth todt.Dieser Muth hiess mich endlich stille stehn und sprechen:„Zwerg! Du! Oder ich!“ —
Muth nämlich ist der beste Todtschläger, —Muth, welcher angreift:denn in jedem Angriffe ist klingendes Spiel.
Der Mensch aber ist das muthigste Thier:damit überwand er jedes Thier.Mit klingendem Spiele überwand er noch jeden Schmerz;Menschen-Schmerz aber ist der tiefste Schmerz.
Der Muth schlägt auch den Schwindel todt an Abgründen:und wo stünde der Mensch nicht an Abgründen!Ist Sehen nicht selber — Abgründe sehen?
Muth ist der beste Todtschläger:der Muth schlägt auch das Mitleiden todt.Mitleiden aber ist der tiefste Abgrund:so tief der Mensch in das Leben sieht,so tief sieht er auch in das Leiden.
Muth aber ist der beste Todtschläger, Muth, der angreift:der schlägt noch den Tod todt, denn er spricht:„War das das Leben? Wohlan! Noch Ein Mal!“
In solchem Spruche aber ist viel klingendes Spiel.Wer Ohren hat, der höre. —
*
* * 2.
„Halt! Zwerg! sprach ich. Ich! Oder du!Ich aber bin der Stärkere von uns Beiden —:du kennst meinen abgründlichen Gedanken nicht!Den — könntest du nicht tragen!“ —
Da geschah, was mich leichter machte:denn der Zwerg sprang mir von der Schulter, der Neugierige!Und er hockte sich auf einen Stein vor mich hin.Es war aber gerade da ein Thorweg, wo wir hielten.
„Siehe diesen Thorweg! Zwerg! sprach ich weiter:der hat zwei Gesichter.Zwei Wege kommen hier zusammen:die gieng noch Niemand zu Ende.
Diese lange Gasse zurück: die währt eine Ewigkeit.Und jene lange Gasse hinaus —das ist eine andre Ewigkeit.
Sie widersprechen sich, diese Wege;sie stossen sich gerade vor den Kopf: —und hier, an diesem Thorwege, ist es, wo sie zusammen kommen.Der Name des Thorwegs steht oben geschrieben: „Augenblick“.
Aber wer Einen von ihnen weiter gienge —und immer weiter und immer ferner:glaubst du, Zwerg, dass diese Wege sich ewig widersprechen?“ —
„Alles Gerade lügt, murmelte verächtlich der Zwerg.Alle Wahrheit ist krumm, die Zeit selber ist ein Kreis.“
„Du Geist der Schwere! sprach ich zürnend,mache dir es nicht zu leicht!Oder ich lasse dich hocken, wo du hockst, Lahmfuss, —und ich trug dich hoch!
Siehe, sprach ich weiter, diesen Augenblick!Von diesem Thorwege Augenblickläuft eine lange ewige Gasse rückwärts:hinter uns liegt eine Ewigkeit.
Muss nicht, was laufen kann von allen Dingen,schon einmal diese Gasse gelaufen sein?Muss nicht, was geschehn kann von allen Dingen,schon einmal geschehn, gethan, vorübergelaufen sein?
Und wenn Alles schon dagewesen ist:was hältst du Zwerg von diesem Augenblick?Muss auch dieser Thorweg nicht schon — dagewesen sein?
Und sind nicht solchermaassen fest alle Dinge verknotet,dass dieser Augenblick alle kommenden Dinge nach sich zieht?Also — — sich selber noch?
Denn, was laufen kann von allen Dingen:auch in dieser langen Gasse hinaus —muss es einmal noch laufen! —
Und diese langsame Spinne, die im Mondscheine kriecht,und dieser Mondschein selber,und ich und du im Thorwege, zusammen flüsternd,von ewigen Dingen flüsternd —müssen wir nicht Alle schon dagewesen sein?
— und wiederkommen und in jener anderen Gasse laufen,hinaus, vor uns, in dieser langen schaurigen Gasse —müssen wir nicht ewig wiederkommen? —“
Also redete ich, und immer leiser:denn ich fürchtete mich vor meinen eignen Gedanken und Hintergedanken.Da, plötzlich, hörte ich einen Hund nahe heulen.
Hörte ich jemals einen Hund so heulen?Mein Gedanke lief zurück. Ja!Als ich Kind war, in fernster Kindheit:
— da hörte ich einen Hund so heulen.Und sah ihn auch, gesträubt, den Kopf nach Oben, zitternd,in stillster Mitternacht, wo auch Hunde an Gespenster glauben:
— also dass es mich erbarmte.Eben nämlich gieng der volle Mond, todtschweigsam, über das Haus,eben stand er still, eine runde Gluth, —still auf flachem Dache, gleich als auf fremdem Eigenthume: —
darob entsetzte sich damals der Hund:denn Hunde glauben an Diebe und Gespenster.Und als ich wieder so heulen hörte,da erbarmte es mich abermals.
Wohin war jetzt Zwerg? Und Thorweg?Und Spinne? Und alles Flüstern?Träumte ich denn? Wachte ich auf?Zwischen wilden Klippen stand ich mit Einem Male,allein, öde, im ödesten Mondscheine.
Aber da lag ein Mensch! Und da!Der Hund, springend, gesträubt, winselnd, —jetzt sah er mich kommen — da heulte er wieder,da schrie er: —hörte ich je einen Hund so Hülfe schrein?
Und, wahrlich, was ich sah, desgleichen sah ich nie.Einen jungen Hirten sah ich,sich windend, würgend, zuckend, verzerrten Antlitzes,dem eine schwarze schwere Schlange aus dem Munde hieng.
Sah ich je so viel Ekel und bleiches Grauenauf Einem Antlitze?Er hatte wohl geschlafen?Da kroch ihm die Schlange in den Schlund —da biss sie sich fest.
Meine Hand riss die Schlange und riss: — umsonst!sie riss die Schlange nicht aus dem Schlunde.Da schrie es aus mir: „Beiss zu! Beiss zu!
Den Kopf ab! Beiss zu!“ —so schrie es aus mir, mein Grauen, mein Hass, mein Ekel,mein Erbarmen, all mein Gutes und Schlimmesschrie mit Einem Schrei aus mir. —
Ihr Kühnen um mich! Ihr Sucher, Versucher,und wer von euch mit listigen Segelnsich in unerforschte Meere einschiffte!Ihr Räthsel-Frohen!
So rathet mir doch das Räthsel, das ich damals schaute,so deutet mir doch das Gesicht des Einsamsten!
Denn ein Gesicht war’s und ein Vorhersehn: —was sah ich damals im Gleichnisse?Und wer ist, der einst noch kommen muss?
Wer ist der Hirt, dem also die Schlange in den Schlund kroch?Wer ist der Mensch, dem also alles Schwerste, Schwärzestein den Schlund kriechen wird?
— Der Hirt aber biss, wie mein Schrei ihm rieth;er biss mit gutem Bisse!Weit weg spie er den Kopf der Schlange—:und sprang empor. —
Nicht mehr Hirt, nicht mehr Mensch, —ein Verwandelter, ein Umleuchteter, welcher lachte!Niemals noch auf Erden lachte je ein Mensch, wie er lachte!
Oh meine Brüder, ich hörte ein Lachen,das keines Menschen Lachen war, — —und nun frisst ein Durst an mir,eine Sehnsucht, die nimmer stille wird.
Meine Sehnsucht nach diesem Lachen frisst an mir:oh wie ertrage ich noch zu leben!Und wie ertrüge ich’s, jetzt zu sterben! —
Also sprach Zarathustra.
*
* * Von der Seligkeit wider Willen.
Mit solchen Räthseln und Bitternissen im Herzenfuhr Zarathustra über das Meer.Als er aber vier Tagereisen fern warvon den glückseligen Inseln und von seinen Freunden,da hatte er allen seinen Schmerz überwunden —:siegreich und mit festen Füssenstand er wieder auf seinem Schicksal.Und damals redete Zarathustra alsozu seinem frohlockenden Gewissen:
Allein bin ich wieder und will es sein,allein mit reinem Himmel und freiem Meere;und wieder ist Nachmittag um mich.
Des Nachmittags fand ich zum ersten Male einst meine Freunde,des Nachmittags auch zum anderen Male: —zur Stunde, da alles Licht stiller wird.
Denn was von Glück noch unterwegs istzwischen Himmel und Erde,das sucht sich nun zur Herberge noch eine lichte Seele:vor Glück ist alles Licht jetzt stiller worden.
Oh Nachmittag meines Lebens!Einst stieg auch mein Glück zu Thale,dass es sich eine Herberge suche:da fand es diese offnen gastfreundlichen Seelen.
Oh Nachmittag meines Lebens!Was gab ich nicht hin, dass ich Eins hätte:diese lebendige Pflanzung meiner Gedankenund diess Morgenlicht meiner höchsten Hoffnung!
Gefährten suchte einst der Schaffendeund Kinder seiner Hoffnung:und siehe, es fand sich, dass er sie nicht finden könne,es sei denn, er schaffe sie selber erst.
Also bin ich mitten in meinem Werke,zu meinen Kindern gehend und von ihnen kehrend:um seiner Kinder willen muss Zarathustra sich selbst vollenden.
Denn von Grund aus liebt man nur sein Kind und Werk;und wo grosse Liebe zu sich selber ist,da ist sie der Schwangerschaft Wahrzeichen: so fand ich’s.
Noch grünen mir meine Kinder in ihrem ersten Frühlinge,nahe bei einander stehend und gemeinsam von Winden geschüttelt,die Bäume meines Gartens und besten Erdreichs.
Und wahrlich! Wo solche Bäume bei einander stehn,da sind glückselige Inseln!
Aber einstmals will ich sie aushebenund einen Jeden für sich allein stellen:dass er Einsamkeit lerne und Trotz und Vorsicht.
Knorrig und gekrümmt und mit biegsamer Härtesoll er mir dann am Meere dastehn,ein lebendiger Leuchtthurm unbesiegbaren Lebens.
Dort, wo die Stürme hinab in’s Meer stürzen,und des Gebirgs Rüssel Wasser trinkt,da soll ein Jeder einmal seine Tag- und Nachtwachen haben,zu seiner Prüfung und Erkenntniss.
Erkannt und geprüft soll er werden, darauf,ob er meiner Art und Abkunft ist, —ob er eines langen Willens Herr sei,schweigsam, auch wenn er redet, und nachgebend also,dass er im Geben nimmt: —
— dass er einst mein Gefährte werdeund ein Mitschaffender und Mitfeiernder Zarathustra’s —:ein Solcher, der mir meinen Willen auf meine Tafeln schreibt:zu aller Dinge vollerer Vollendung.
Und um seinetwillen und seines Gleichenmuss ich selber mich vollenden:darum weiche ich jetzt meinem Glücke ausund biete mich allem Unglücke an —zu meiner letzten Prüfung und Erkenntniss.
Und wahrlich, Zeit war’s, dass ich gieng;und des Wanderers Schatten und die längste Weileund die stillste Stunde — alle redeten mir zu:„es ist höchste Zeit!“
Der Wind blies mir durch’s Schlüsselloch und sagte „Komm!“Die Thür sprang mir listig auf und sagte „Geh!“
Aber ich lag angekettet an die Liebe zu meinen Kindern:das Begehren legte mir diese Schlinge,das Begehren nach Liebe,dass ich meiner Kinder Beute würde und mich an sie verlöre.
Begehren — das heisst mir schon: mich verloren haben.Ich habe euch, meine Kinder!In diesem Haben soll Alles Sicherheitund Nichts Begehren sein.
Aber brütend lag die Sonne meiner Liebe auf mir,im eignen Safte kochte Zarathustra, —da flogen Schatten und Zweifel über mich weg.
Nach Frost und Winter gelüstete mich schon:„oh dass Frost und Winter mich wieder knackenund knirschen machten!“ seufzte ich: —da stiegen eisige Nebel aus mir auf.
Meine Vergangenheit brach ihre Gräber,manch lebendig begrabner Schmerz wachte auf —:ausgeschlafen hatte er sich nur,versteckt in Leichen-Gewänder.
Also rief mir Alles in Zeichen zu: „es ist Zeit!“Aber ich — hörte nicht:bis endlich mein Abgrund sich rührteund mein Gedanke mich biss.
Ach, abgründlicher Gedanke, der du mein Gedanke bist!Wann finde ich die Stärke,dich graben zu hören und nicht mehr zu zittern?
Bis zur Kehle hinauf klopft mir das Herz,wenn ich dich graben höre!Dein Schweigen noch will mich würgen,du abgründlich Schweigender!
Noch wagte ich niemals, dich herauf zu rufen:genug schon, dass ich dich mit mir — trug!Noch war ich nicht stark genugzum letzten Löwen-Übermuthe und -Muthwillen.
Genug des Furchtbaren war mir immer schon deine Schwere:aber einst soll ich noch die Stärke findenund die Löwen-Stimme, die dich herauf ruft!
Wenn ich mich dessen erst überwunden habe,dann will ich mich auch des Grösseren noch überwinden;und ein Sieg soll meiner Vollendung Siegel sein! —
Inzwischen treibe ich noch auf ungewissen Meeren;der Zufall schmeichelt mir, der glattzüngige;vorwärts und rückwärts schaue ich —,noch schaue ich kein Ende.
Noch kam mir die Stunde meines letzten Kampfes nicht, —oder kommt sie wohl mir eben?Wahrlich, mit tückischer Schönheitschaut mich rings Meer und Leben an!
Oh Nachmittag meines Lebens! Oh Glück vor Abend!Oh Hafen auf hoher See! Oh Friede im Ungewissen!Wie misstraue ich euch Allen!
Wahrlich, misstrauisch bin ich gegen eure tückische Schönheit!Dem Liebenden gleiche ich,der allzusammtenem Lächeln misstraut.
Wie er die Geliebteste vor sich her stösst,zärtlich noch in seiner Härte, der Eifersüchtige —,also stosse ich diese selige Stunde vor mir her.
Hinweg mit dir, du selige Stunde!Mit dir kam mir eine Seligkeit wider Willen!Willig zu meinem tiefsten Schmerze stehe ich hier: —zur Unzeit kamst du!
Hinweg mit dir, du selige Stunde!Lieber nimm Herberge dort — bei meinen Kindern!Eile! und segne sie vor Abend noch mit meinem Glücke!
Da naht schon der Abend: die Sonne sinkt.Dahin — mein Glück! —
Also sprach Zarathustra.Und er wartete auf sein Unglück die ganze Nacht:aber er wartete umsonst.Die Nacht blieb hell und still,und das Glück selber kam ihm immer näher und näher.Gegen Morgen aber lachte Zarathustra zu seinem Herzenund sagte spöttisch:„das Glück läuft mir nach.Das kommt davon, dass ich nicht den Weibern nachlaufe.Das Glück aber ist ein Weib.“
*
* * Vor Sonnen-Aufgang.
Oh Himmel über mir, du Reiner! Tiefer!Du Licht-Abgrund!Dich schauend schaudere ich vor göttlichen Begierden.
In deine Höhe mich zu werfen — das ist meine Tiefe!In deine Reinheit mich zu bergen — das ist meine Unschuld!
Den Gott verhüllt seine Schönheit: so verbirgst du deine Sterne.Du redest nicht: so kündest du mir deine Weisheit.
Stumm über brausendem Meere bist du heut mir aufgegangen,deine Liebe und deine Schamredet Offenbarung zu meiner brausenden Seele.
Dass du schön zu mir kamst, verhüllt in deine Schönheit,dass du stumm zu mir sprichst, offenbar in deiner Weisheit:
Oh wie erriethe ich nicht alles Schamhafte deiner Seele!Vor der Sonne kamst du zu mir, dem Einsamsten.
Wir sind Freunde von Anbeginn:uns ist Gram und Grauen und Grund gemeinsam;noch die Sonne ist uns gemeinsam.
Wir reden nicht zu einander, weil wir zu Vieles wissen —:wir schweigen uns an,wir lächeln uns unser Wissen zu.
Bist du nicht das Licht zu meinem Feuer?Hast du nicht die Schwester-Seele zu meiner Einsicht?
Zusammen lernten wir Alles;zusammen lernten wir über uns zu uns selber aufsteigenund wolkenlos lächeln: —
— wolkenlos hinab lächeln aus lichten Augenund aus meilenweiter Ferne,wenn unter uns Zwang und Zweck und Schuldwie Regen dampfen.
Und wanderte ich allein:wes hungerte meine Seele in Nächten und Irr-Pfaden?Und stieg ich Berge,wen suchte ich je, wenn nicht dich, auf Bergen?
Und all mein Wandern und Bergsteigen:eine Noth war’s nur und ein Behelf des Unbeholfenen: —fliegen allein will mein ganzer Wille, in dich hinein fliegen!
Und wen hasste ich mehr, als ziehende Wolkenund Alles, was dich befleckt?Und meinen eignen Hass hasste ich noch,weil er dich befleckte!
Den ziehenden Wolken bin ich gram,diesen schleichenden Raub-Katzen:sie nehmen dir und mir, was uns gemein ist, —das ungeheure unbegrenzte Ja- und Amen-sagen.
Diesen Mittlern und Mischern sind wir gram,den ziehenden Wolken:diesen Halb- und Halben, welche weder segnen lernten,noch von Grund aus fluchen.
Lieber will ich noch unter verschlossnem Himmel in der Tonne sitzen,lieber ohne Himmel im Abgrund sitzen,als dich, Licht-Himmel, mit Zieh-Wolken befleckt sehn!
Und oft gelüstete mich,sie mit zackichten Blitz-Golddrähten festzuheften,dass ich, gleich dem Donner,auf ihrem Kessel-Bauche die Pauke schlüge: —
— ein zorniger Paukenschläger, weil sie mir dein Ja!und Amen! rauben,du Himmel über mir, du Reiner! Lichter! Du Licht-Abgrund! —weil sie dir mein Ja! und Amen! rauben.
Denn lieber noch will ich Lärm und Donner und Wetter-Flüche,als diese bedächtige zweifelnde Katzen-Ruhe;und auch unter Menschen hasse ich am besten alle Leisetreterund Halb- und Halben und zweifelnde, zögernde Zieh-Wolken.
Und „wer nicht segnen kann, der soll fluchen lernen!“ —diese helle Lehre fiel mir aus hellem Himmel,dieser Stern steht auch noch in schwarzen Nächten an meinem Himmel.
Ich aber bin ein Segnender und ein Ja-sager,wenn du nur um mich bist, du Reiner! Lichter! Du Licht-Abgrund! —in alle Abgründe trage ich da noch mein segnendes Ja-sagen.
Zum Segnenden bin ich worden und zum Ja-sagenden:und dazu rang ich lange und war ein Ringer,dass ich einst die Hände frei bekäme zum Segnen.
Das aber ist mein Segnen:über jedwedem Ding als sein eigener Himmel stehn,als sein rundes Dach, seine azurne Glocke und ewige Sicherheit:und selig ist, wer also segnet!
Denn alle Dinge sind getauft am Borne der Ewigkeitund jenseits von Gut und Böse;Gut und Böse selber aber sind nur Zwischenschattenund feuchte Trübsale und Zieh-Wolken.
Wahrlich, ein Segnen ist es und kein Lästern, wenn ich lehre:„über allen Dingen steht der Himmel Zufall, der Himmel Unschuld,der Himmel Ohngefähr, der Himmel Übermuth.“
„Von Ohngefähr“ — das ist der älteste Adel der Welt,den gab ich allen Dingen zurück,ich erlöste sie von der Knechtschaft unter dem Zwecke.
Diese Freiheit und Himmels-Heiterkeit stellte ichgleich azurner Glocke über alle Dinge, als ich lehrte,dass über ihnen und durch sie kein „ewiger Wille“ — will.
Diesen Übermuth und diese Narrheit stellte ich an die Stelle jenes Willens,als ich lehrte:„bei Allem ist Eins unmöglich — Vernünftigkeit!“
Ein Wenig Vernunft zwar, ein Same der Weisheitzerstreut von Stern zu Stern, —dieser Sauerteig ist allen Dingen eingemischt:um der Narrheit willen ist Weisheit allen Dingen eingemischt!
Ein Wenig Weisheit ist schon möglich;aber diese selige Sicherheit fand ich an allen Dingen:dass sie lieber noch auf den Füssen des Zufalls— tanzen.
Oh Himmel über mir, du Reiner! Hoher!Das ist mir nun deine Reinheit,dass es keine ewige Vernunft-Spinne und -Spinnennetze giebt: —
— dass du mir ein Tanzboden bist für göttliche Zufälle,dass du mir ein Göttertisch bistfür göttliche Würfel und Würfelspieler! —
Doch du erröthest? Sprach ich Unaussprechbares?Lästerte ich, indem ich dich segnen wollte?
Oder ist es die Scham zu Zweien, welche dich erröthen machte? —Heissest du mich gehn und schweigen,weil nun — der Tag kommt?
Die Welt ist tief —:und tiefer als je der Tag gedacht hat.Nicht Alles darf vor dem Tage Worte haben.Aber der Tag kommt: so scheiden wir nun!
Oh Himmel über mir, du Schamhafter! Glühender!Oh du mein Glück vor Sonnen-Aufgang!Der Tag kommt: so scheiden wir nun! —
Also sprach Zarathustra.
*
* * Von der verkleinernden Tugend. 1.
Als Zarathustra wieder auf dem festen Lande war,gieng er nicht stracks auf sein Gebirgeund seine Höhle los,sondern that viele Wege und Fragenund erkundete diess und das,also, dass er von sich selber im Scherze sagte:„siehe einen Fluss, der in vielen Windungenzurück zur Quelle fliesst!“Denn er wollte in Erfahrung bringen,was sich inzwischen mit dem Menschen zugetragen habe:ob er grösser oder kleiner geworden sei.Und ein Mal sah er eine Reihe neuer Häuser;da wunderte er sich und sagte:
Was bedeuten diese Häuser?Wahrlich, keine grosse Seele stellte sie hin,sich zum Gleichnisse!
Nahm wohl ein blödes Kind sie aus seiner Spielschachtel?Dass doch ein anderes Kind sie wieder in seine Schachtel thäte!
Und diese Stuben und Kammern:können Männer da aus- und eingehen?Gemacht dünken sie mich für Seiden-Puppen;oder für Naschkatzen, die auch wohl an sich naschen lassen.
Und Zarathustra blieb stehn und dachte nach.Endlich sagte er betrübt:„Es ist Alles kleiner geworden!“
Überall sehe ich niedrigere Thore:wer meiner Art ist, geht da wohl noch hindurch,aber — er muss sich bücken!
Oh wann komme ich wieder in meine Heimat,wo ich mich nicht mehr bücken muss —nicht mehr bücken muss vor den Kleinen!“ —Und Zarathustra seufzte und blickte in die Ferne.—
Desselbigen Tages aber redete er seine Redeüber die verkleinernde Tugend. 2.
Ich gehe durch diess Volk und halte meine Augen offen:sie vergeben mir es nicht,dass ich auf ihre Tugenden nicht neidisch bin.
Sie beissen nach mir, weil ich zu ihnen sage:für kleine Leute sind kleine Tugenden nöthig —und weil es mir hart eingeht,dass kleine Leute nöthig sind!
Noch gleiche ich dem Hahn hier auf fremdem Gehöfte,nach dem auch die Hennen beissen;doch darob bin ich diesen Hennen nicht ungut.
Ich bin höflich gegen sie wie gegen alles kleine Aergerniss;gegen das Kleine stachlicht zu seindünkt mich eine Weisheit für Igel.
Sie reden Alle von mir, wenn sie Abends um’s Feuer sitzen, —sie reden von mir, aber Niemand denkt — an mich!
Diess ist die neue Stille, die ich lernte:ihr Lärm um mich breitet einen Mantel über meine Gedanken.
Sie lärmen unter einander: „was will uns diese düstere Wolke?sehen wir zu, dass sie uns nicht eine Seuche bringe!“
Und jüngst riss ein Weib sein Kind an sich, das zu mir wollte:„nehmt die Kinder weg! schrie es;solche Augen versengen Kinder-Seelen.“
Sie husten, wenn ich rede:sie meinen, Husten sei ein Einwand gegen starke Winde, —sie errathen Nichts vom Brausen meines Glückes!
„Wir haben noch keine Zeit für Zarathustra“ — so wenden sie ein;aber was liegt an einer Zeit,die für Zarathustra „keine Zeit hat“?
Und wenn sie gar mich rühmen:wie könnte ich wohl auf ihrem Ruhme einschlafen?Ein Stachel-Gürtel ist mir ihr Lob:es kratzt mich noch, wenn ich es von mir thue.
Und auch das lernte ich unter ihnen:der Lobende stellt sich, als gäbe er zurück,in Wahrheit aber will er mehr beschenkt sein!
Fragt meinen Fuss, ob ihm ihre Lob- und Lock-Weise gefällt!Wahrlich, nach solchem Takt und Tiktakmag er weder tanzen, noch stille stehn.
Zur kleinen Tugend möchten sie mich locken und loben;zum Tiktak des kleinen Glücks möchten sie meinen Fuss überreden.
Ich gehe durch diess Volk und halte die Augen offen:sie sind kleiner geworden und werden immer kleiner: —das aber macht ihre Lehre von Glück und Tugend.
Sie sind nämlich auch in der Tugend bescheiden —denn sie wollen Behagen.Mit Behagen aber verträgt sich nur die bescheidene Tugend.
Wohl lernen auch sie auf ihre Art Schreiten und Vorwärts-Schreiten:das heisse ich ihr Humpeln —.Damit werden sie Jedem zum Anstosse, der Eile hat.
Und Mancher von ihnen geht vorwärtsund blickt dabei zurück, mit versteiftem Nacken:dem renne ich gern wider den Leib.
Fuss und Augen sollen nicht lügen,noch sich einander Lügen strafen.Aber es ist viel Lügnerei bei den kleinen Leuten.
Einige von ihnen wollen, aber die Meisten werden nur gewollt.Einige von ihnen sind ächt,aber die Meisten sind schlechte Schauspieler.
Es giebt Schauspieler wider Wissen unter ihnenund Schauspieler wider Willen —,die Ächten sind immer selten, sonderlich die ächten Schauspieler.
Des Mannes ist hier wenig: darum vermännlichen sich ihre Weiber.Denn nur wer Mannes genug ist,wird im Weibe das Weib — erlösen.
Und diese Heuchelei fand ich unter ihnen am schlimmsten:dass auch Die, welche befehlen, die Tugenden Derer heucheln,welche dienen.
„Ich diene, du dienst, wir dienen“ —so betet hier auch die Heuchelei der Herrschenden, —und wehe, wenn der erste Herr nur der erste Diener ist!
Ach, auch in ihre Heucheleien verflog sich wohl meines Auges Neugier;und gut errieth ich all ihr Fliegen-Glückund ihr Summen um besonnte Fensterscheiben.
Rund, rechtlich und gütig sind sie mit einander,wie Sandkörnchen rund, rechtlich und gütig mit Sandkörnchen sind.
Bescheiden ein kleines Glück umarmen — das heissen sie „Ergebung“!und dabei schielen sie bescheiden schonnach einem neuen kleinen Glücke aus.
Sie wollen im Grunde einfältiglich Eins am meisten:dass ihnen Niemand wehe thue.So kommen sie Jedermann zuvor und thun ihm wohl.
Diess aber ist Feigheit: ob es schon „Tugend“ heisst. —
Und wenn sie einmal rauh reden, diese kleinen Leute:ich höre darin nur ihre Heiserkeit, —jeder Windzug nämlich macht sie heiser.
Klug sind sie, ihre Tugenden haben kluge Finger.Aber ihnen fehlen die Fäuste,ihre Finger wissen nicht, sich hinter Fäuste zu verkriechen.
Tugend ist ihnen das, was bescheiden und zahm macht:damit machten sie den Wolf zum Hundeund den Menschen selber zu des Menschen bestem Hausthiere.
„Wir setzten unsern Stuhl in die Mitte —das sagt mir ihr Schmunzeln —und ebenso weit weg von sterbenden Fechternwie von vergnügten Säuen.“
Diess aber ist — Mittelmässigkeit: ob es schon Mässigkeit heisst. —
3.
Ich gehe durch diess Volk und lasse manches Wort fallen:aber sie wissen weder zu nehmen noch zu behalten.
Sie wundern sich, dass ich nicht kam,auf Lüste und Laster zu lästern;und wahrlich, ich kam auch nicht,dass ich vor Taschendieben warnte!
Sie wundern sich, dass ich nicht bereit bin,ihre Klugheit noch zu witzigen und zu spitzigen:als ob sie noch nicht genug der Klüglinge hätten,deren Stimme mir gleich Schieferstiften kritzelt!
Und wenn ich rufe: „Flucht allen feigen Teufeln in euch,die gerne winseln und Hände falten und anbeten möchten“:so rufen sie: „Zarathustra ist gottlos“.Und sonderlich rufen es ihre Lehrer der Ergebung —;aber gerade ihnen liebe ich’s, in das Ohr zu schrein:Ja! Ich bin Zarathustra, der Gottlose!
Diese Lehrer der Ergebung!Überall hin, wo es klein und krank und grindig ist,kriechen sie, gleich Läusen;und nur mein Ekel hindert mich, sie zu knacken.
Wohlan! Diess ist meine Predigt für ihre Ohren:ich bin Zarathustra, der Gottlose, der da spricht„wer ist gottloser denn ich,dass ich mich seiner Unterweisung freue?“
Ich bin Zarathustra, der Gottlose:wo finde ich Meines-Gleichen?Und alle Die sind Meines-Gleichen,die sich selber ihren Willen gebenund alle Ergebung von sich abthun.
Ich bin Zarathustra, der Gottlose:ich koche mir noch jeden Zufall in meinem Topfe.Und erst, wenn er da gar gekocht ist,heisse ich ihn willkommen, als meine Speise.
Und wahrlich, mancher Zufall kam herrisch zu mir:aber herrischer noch sprach zu ihm mein Wille, —da lag er schon bittend auf den Knieen —
— bittend, dass er Herberge finde und Herz bei mir,und schmeichlerisch zuredend:„sieh doch, oh Zarathustra, wie nur Freund zu Freunde kommt!“ —
Doch was rede ich, wo Niemand meine Ohren hat!Und so will ich es hinaus in alle Winde rufen:
Ihr werdet immer kleiner, ihr kleinen Leute!Ihr bröckelt ab, ihr Behaglichen!Ihr geht mir noch zu Grunde —
— an euren vielen kleinen Tugenden,an eurem vielen kleinen Unterlassen,an eurer vielen kleinen Ergebung!
Zu viel schonend, zu viel nachgebend: so ist euer Erdreich!Aber dass ein Baum gross werde,dazu will er um harte Felsen harte Wurzeln schlagen!
Auch was ihr unterlasst, webt am Gewebe aller Menschen-Zukunft;auch euer Nichts ist ein Spinnennetz und eine Spinne,die von der Zukunft Blute lebt.
Und wenn ihr nehmt, so ist es wie stehlen,ihr kleinen Tugendhaften;aber noch unter Schelmen spricht die Ehre:„man soll nur stehlen, wo man nicht rauben kann.“
„Es giebt sich“ — das ist auch eine Lehre der Ergebung.Aber ich sage euch, ihr Behaglichen:es nimmt sich und wird immer mehr noch von euch nehmen!
Ach, dass ihr alles halbe Wollen von euch abthätetund entschlossen würdet zur Trägheit wie zur That!
Ach, dass ihr mein Wort verstündet:„thut immerhin, was ihr wollt,—aber seid erst Solche, die wollen können!“
„Liebt immerhin euren Nächsten gleich euch, —aber seid mir erst Solche, die sich selber lieben —
— mit der grossen Liebe lieben,mit der grossen Verachtung lieben!“Also spricht Zarathustra, der Gottlose. —
Doch was rede ich, wo Niemand meine Ohren hat!Es ist hier noch eine Stunde zu früh für mich.
Mein eigner Vorläufer bin ich unter diesem Volke,mein eigner Hahnen-Ruf durch dunkle Gassen.
Aber ihre Stunde kommt! Und es kommt auch die meine!Stündlich werden sie kleiner, ärmer, unfruchtbarer, —armes Kraut! armes Erdreich!
Und bald sollen sie mir dastehn wie dürres Gras und Steppe,und wahrlich! ihrer selber müde —und mehr, als nach Wasser, nach Feuer lechzend!
Oh gesegnete Stunde des Blitzes! Oh Geheimniss vor Mittag! —Laufende Feuer will ich einst noch aus ihnen machenund Verkünder mit Flammen-Zungen: —
— verkünden sollen sie einst noch mit Flammen-Zungen:Er kommt, er ist nahe, der grosse Mittag!
Also sprach Zarathustra.
*
* * Auf dem Oelberge.
Der Winter, ein schlimmer Gast, sitzt bei mir zu Hause;blau sind meine Hände von seiner Freundschaft Händedruck.
Ich ehre ihn, diesen schlimmen Gast,aber lasse gerne ihn allein sitzen.Gerne laufe ich ihm davon;und, läuft man gut, so entläuft man ihm!
Mit warmen Füssen und warmen Gedanken laufe ich dorthin,wo der Wind stille steht, —zum Sonnen-Winkel meines Oelbergs.
Da lache ich meines gestrengen Gastes und bin ihm noch gut,dass er zu Hause mir die Fliegen wegfängtund vielen kleinen Lärm stille macht.
Er leidet es nämlich nicht, wenn eine Mücke singen will,oder gar zwei; noch die Gasse macht er einsam,dass der Mondschein drin Nachts sich fürchtet.
Ein harter Gast ist er, — aber ich ehre ihn,und nicht bete ich, gleich den Zärtlingen,zum dickbäuchichten Feuer-Götzen.
Lieber noch ein Wenig zähneklappern als Götzen anbeten! —so will’s meine Art.Und sonderlich bin ich allen brünstigen dampfendendumpfigen Feuer-Götzen gram.
Wen ich liebe, den liebe ich Winters besser als Sommers;besser spotte ich jetzt meiner Feinde und herzhafter,seit der Winter mir im Hause sitzt.
Herzhaft wahrlich, selbst dann noch, wenn ich zu Bett krieche —:da lacht und muthwillt noch mein verkrochenes Glück;es lacht noch mein Lügen-Traum.
Ich ein — Kriecher?Niemals kroch ich im Leben vor Mächtigen;und log ich je, so log ich aus Liebe.Desshalb bin ich froh auch im Winter-Bette.
Ein geringes Bett wärmt mich mehr als ein reiches,denn ich bin eifersüchtig auf meine Armuth.Und im Winter ist sie mir am treuesten.
Mit einer Bosheit beginne ich jeden Tag,ich spotte des Winters mit einem kalten Bade:darob brummt mein gestrenger Hausfreund.
Auch kitzle ich ihn gerne mit einem Wachskerzlein:dass er mir endlich den Himmel herauslasseaus aschgrauer Dämmerung.
Sonderlich boshaft bin ich nämlich des Morgens:zur frühen Stunde, da der Eimer am Brunnen klirrtund die Rosse warm durch graue Gassen wiehern: —
Ungeduldig warte ich da, dass mir endlich der lichte Himmel aufgehe,der schneebärtige Winter-Himmel, der Greis und Weisskopf,—
— der Winter-Himmel, der schweigsame,der oft noch seine Sonne verschweigt!
Lernte ich wohl von ihm das lange lichte Schweigen?Oder lernte er’s von mir?Oder hat ein Jeder von uns es selbst erfunden?
Aller guten Dinge Ursprung ist tausendfältig, —alle guten muthwilligen Dinge springen vor Lust in’s Dasein:wie sollten sie das immer nur — Ein Mal thun!
Ein gutes muthwilliges Ding ist auch das lange Schweigenund gleich dem Winter-Himmel blicken aus lichtem rundäugichten Antlitze: —
— gleich ihm seine Sonne verschweigenund seinen unbeugsamen Sonnen-Willen:wahrlich, diese Kunst und diesen Winter-Muthwillen lernte ich gut!
Meine liebste Bosheit und Kunst ist es,dass mein Schweigen lernte, sich nicht durch Schweigen zu verrathen.
Mit Worten und Würfeln klappernd überliste ich mir die feierlichen Warter:allen diesen gestrengen Aufpassernsoll mein Wille und Zweck entschlüpfen.
Dass mir Niemand in meinen Grund und letzten Willen hinab sehe, —dazu erfand ich mir das lange lichte Schweigen.
So manchen Klugen fand ich: der verschleierte sein Antlitzund trübte sein Wasser,dass Niemand ihm hindurch und hinuntersehe.
Aber zu ihm gerade kamen die klügeren Misstrauer und Nussknacker:ihm gerade fischte man seinen verborgensten Fisch heraus!
Sondern die Hellen, die Wackern, die Durchsichtigen —das sind mir die klügsten Schweiger:denen so tief ihr Grund ist,dass auch das hellste Wasser ihn nicht — verräth. —
Du schneebärtiger schweigender Winter-Himmel,du rundäugichter Weisskopf über mir!Oh du himmlisches Gleichniss meiner Seele und ihres Muthwillens!
Und muss ich mich nicht verbergen,gleich Einem, der Gold verschluckt hat, —dass man mir nicht die Seele aufschlitze?
Muss ich nicht Stelzen tragen,dass sie meine langen Beine übersehen, —alle diese Neidbolde und Leidholde, die um mich sind?
Diese räucherigen, stubenwarmen, verbrauchten, vergrünten, vergrämelten Seelen —wie könnte ihr Neid mein Glück ertragen!
So zeige ich ihnen nur das Eis und den Winter auf meinen Gipfeln —und nicht, dass mein Berg noch alle Sonnengürtel um sich schlingt!
Sie hören nur meine Winter-Stürme pfeifen:und nicht, dass ich auch über warme Meere fahre,gleich sehnsüchtigen, schweren, heissen Südwinden.
Sie erbarmen sich noch meiner Unfälle und Zufälle: —aber mein Wort heisst: „lasst den Zufall zu mir kommen:unschuldig ist er, wie ein Kindlein!“
Wie könnten sie mein Glück ertragen,wenn ich nicht Unfälle und Winter-Nötheund Eisbären-Mützen und Schneehimmel-Hüllen um mein Glück legte!
— wenn ich mich nicht selbst ihres Mitleids erbarmte:des Mitleids dieser Neidbolde und Leidholde!
— wenn ich nicht selber vor ihnen seufzte und frostklapperteund mich geduldsam in ihr Mitleid wickeln liesse!
Diess ist der weise Muthwille und Wohlwille meiner Seele,dass sie ihren Winter und ihre Froststürme nicht verbirgt;sie verbirgt auch ihre Frostbeulen nicht.
Des Einen Einsamkeit ist die Flucht des Kranken;des Andern Einsamkeit die Flucht vor den Kranken.
Mögen sie mich klappern und seufzen hören vor Winterkälte,alle diese armen scheelen Schelme um mich!Mit solchem Geseufz und Geklapperflüchte ich noch vor ihren geheizten Stuben.
Mögen sie mich bemitleiden und bemitseufzen ob meiner Frostbeulen:„am Eis der Erkenntniss erfriert er uns noch!“ — so klagen sie.
Inzwischen laufe ich mit warmen Füssenkreuz und quer auf meinem Oelberge:im Sonnen-Winkel meines Oelberges singe und spotte ich alles Mitleids. —
Also sang Zarathustra.
*
* * Vom Vorübergehen.
Also, durch viel Volk und vielerlei Städte langsam hindurchschreitend,gieng Zarathustra auf Umwegen zurück zu seinem Gebirgeund seiner Höhle.Und siehe, dabei kam er unversehens auch an das Stadtthorder grossen Stadt:hier aber sprang ein schäumender Narrmit ausgebreiteten Händen auf ihn zu und trat ihm in den Weg.Diess aber war der selbige Narr,welchen das Volk „den Affen Zarathustra’s“ hiess:denn er hatte ihm Etwas vom Satz und Fall der Rede abgemerktund borgte wohl auch gerne vom Schatze seiner Weisheit.Der Narr aber redete also zu Zarathustra:
„Oh Zarathustra, hier ist die grosse Stadt:hier hast du Nichts zu suchen und Alles zu verlieren.
Warum wolltest du durch diesen Schlamm waten?Habe doch Mitleiden mit deinem Fusse!Speie lieber auf das Stadtthor und — kehre um!
Hier ist die Hölle für Einsiedler-Gedanken:hier werden grosse Gedanken lebendig gesotten und klein gekocht.
Hier verwesen alle grossen Gefühle:hier dürfen nur klapperdürre Gefühlchen klappern!
Riechst du nicht schon die Schlachthäuser und Garküchen des Geistes?Dampft nicht diese Stadt vom Dunst geschlachteten Geistes?
Siehst du nicht die Seelen hängenwie schlaffe schmutzige Lumpen? —Und sie machen noch Zeitungen aus diesen Lumpen!
Hörst du nicht, wie der Geist hier zum Wortspiel wurde?Widriges Wort-Spülicht bricht er heraus! —Und sie machen noch Zeitungen aus diesem Wort-Spülicht.
Sie hetzen einander und wissen nicht, wohin?Sie erhitzen einander und wissen nicht, warum?Sie klimpern mit ihrem Bleche, sie klingeln mit ihrem Golde.
Sie sind kalt und suchen sich Wärme bei gebrannten Wassern;sie sind erhitzt und suchen Kühle bei gefrorenen Geistern;sie sind Alle siech und süchtig an öffentlichen Meinungen.
Alle Lüste und Laster sind hier zu Hause;aber es giebt hier auch Tugendhafte,es giebt viel anstellige angestellte Tugend: —
Viel anstellige Tugend mit Schreibfingernund hartem Sitz- und Warte-Fleische,gesegnet mit kleinen Bruststernen und ausgestopften steisslosen Töchtern.
Es giebt hier auch viel Frömmigkeitund viel gläubige Speichel-Leckerei,Schmeichel-Bäckerei vor dem Gott der Heerschaaren.
„Von Oben“ her träufelt ja der Stern und der gnädige Speichel;nach Oben hin sehnt sich jeder sternenlose Busen.
Der Mond hat seinen Hof, und der Hof hat seine Mondkälber:zu Allem aber, was vom Hofe kommt,betet das Bettel-Volk und alle anstellige Bettel-Tugend.
„Ich diene, du dienst, wir dienen“ —so betet alle anstellige Tugend hinauf zum Fürsten:dass der verdiente Stern sich endlich an den schmalen Busen hefte!
Aber der Mond dreht sich noch um alles Irdische:so dreht sich auch der Fürst noch um das Aller-Irdischste —:das aber ist das Gold der Krämer.
Der Gott der Heerschaaren ist kein Gott der Goldbarren;der Fürst denkt, aber der Krämer — lenkt!
Bei Allem, was licht und stark und gut in dir ist, oh Zarathustra!Speie auf diese Stadt der Krämer und kehre um!
Hier fliesst alles Blut faulicht und lauicht und schaumichtdurch alle Adern:speie auf die grosse Stadt, welche der grosse Abraum ist,wo aller Abschaum zusammenschäumt!
Speie auf die Stadt der eingedrückten Seelen und schmalen Brüste,der spitzen Augen, der klebrigen Finger —
— auf die Stadt der Aufdringlinge, der Unverschämten,der Schreib- und Schreihälse, der überheizten Ehrgeizigen: —
— wo alles Anbrüchige, Anrüchige, Lüsterne, Düstere,Übermürbe, Geschwürige, Verschwörerische zusammenschwärt: —
— speie auf die grosse Stadt und kehre um!“ — —
Hier aber unterbrach Zarathustra den schäumenden Narrenund hielt ihm den Mund zu.
„Höre endlich auf! rief Zarathustra,mich ekelt lange schon deiner Rede und deiner Art!
Warum wohntest du so lange am Sumpfe,dass du selber zum Frosch und zur Kröte werden musstest?
Fliesst dir nicht selber nun ein faulichtes schaumichtes Sumpf-Blutdurch die Adern, dass du also quaken und lästern lerntest?
Warum giengst du nicht in den Wald?Oder pflügtest die Erde?Ist das Meer nicht voll von grünen Eilanden?
Ich verachte dein Verachten; und wenn du mich warntest, —warum warntest du dich nicht selber?
Aus der Liebe allein soll mir mein Verachtenund mein warnender Vogel auffliegen:aber nicht aus dem Sumpfe! —
Man heisst dich meinen Affen, du schäumender Narr:aber ich heisse dich mein Grunze-Schwein, —durch Grunzen verdirbst du mir noch mein Lob der Narrheit.
Was war es denn, was dich zuerst grunzen machte?Dass Niemand dir genug geschmeichelt hat: —darum setztest du dich hin zu diesem Unrathe,dass du Grund hättest viel zu grunzen,—
— dass du Grund hättest zu vieler Rache!Rache nämlich, du eitler Narr, ist all dein Schäumen,ich errieth dich wohl!
Aber dein Narren-Wort thut mir Schaden,selbst, wo du Recht hast!Und wenn Zarathustra’s Wort sogar hundert Mal Recht hätte:du würdest mit meinem Wort immer — Unrecht thun!“
Also sprach Zarathustra; und er blickte die grosse Stadt an,seufzte und schwieg lange. Endlich redete er also:
Mich ekelt auch dieser grossen Stadt und nicht nur dieses Narren.Hier und dort ist Nichts zu bessern, Nichts zu bösern.
Wehe dieser grossen Stadt! —Und ich wollte, ich sähe schon die Feuersäule,in der sie verbrannt wird!
Denn solche Feuersäulen müssen dem grossen Mittage vorangehn.Doch diess hat seine Zeit und sein eigenes Schicksal. —
Diese Lehre aber gebe ich dir, du Narr, zum Abschiede:wo man nicht mehr lieben kann,da soll man — vorübergehn! —
Also sprach Zarathustra und gieng an dem Narrenund der grossen Stadt vorüber.
*
* * Von den Abtrünnigen. 1.
Ach, liegt Alles schon welk und grau,was noch jüngst auf dieser Wiese grün und bunt stand?Und wie vielen Honig der Hoffnung trug ich von hierin meine Bienenkörbe!
Diese jungen Herzen sind alle schon alt geworden, —und nicht alt einmal! nur müde, gemein, bequem: —sie heissen es „wir sind wieder fromm geworden.“
Noch jüngst sah ich sie in der Früheauf tapferen Füssen hinauslaufen:aber ihre Füsse der Erkenntniss wurden müde,und nun verleumden sie auch noch ihre Morgen-Tapferkeit!
Wahrlich, Mancher von ihnen hob einst die Beine wie ein Tänzer,ihm winkte das Lachen in meiner Weisheit: —da besann er sich.Eben sah ich ihn krumm — zum Kreuze kriechen.
Um Licht und Freiheit flatterten sie einstgleich Mücken und jungen Dichtern.Ein Wenig älter, ein Wenig kälter:und schon sind sie Dunkler und Munkler und Ofenhocker.
Verzagte ihnen wohl das Herz darob,dass mich die Einsamkeit verschlang gleich einem Wallfische?Lauschte ihr Ohr wohl sehnsüchtig-lange umsonst nach mirund meinen Trompeten- und Herolds-Rufen?
— Ach! Immer sind ihrer nur Wenige,deren Herz einen langen Muth und Übermuth hat;und solchen bleibt auch der Geist geduldsam.Der Rest aber ist feige.
Der Rest: das sind immer die Allermeisten, der Alltag,der Überfluss, die Viel-zu-Vielen — diese alle sind feige! —
Wer meiner Art ist, dem werden auch die Erlebnisse meiner Artüber den Weg laufen:also, dass seine ersten Gesellen Leichname und Possenreisser sein müssen.
Seine zweiten Gesellen aber — die werden sich seine Gläubigen heissen:ein lebendiger Schwarm, viel Liebe, viel Thorheit,viel unbärtige Verehrung.
An diese Gläubigen soll Der nicht sein Herz binden,wer meiner Art unter Menschen ist;an diese Lenze und bunte Wiesen soll Der nicht glauben,wer die flüchtig-feige Menschenart kennt!
Könnten sie anders, so würden sie auch anders wollen.Halb- und Halbe verderben alles Ganze.Dass Blätter welk werden, — was ist da zu klagen!
Lass sie fahren und fallen, oh Zarathustra, und klage nicht!Lieber noch blase mit raschelnden Winden unter sie, —
— blase unter diese Blätter, oh Zarathustra:dass alles Welke schneller noch von dir davonlaufe! —
*
* * 2.
„Wir sind wieder fromm geworden“ — so bekennen diese Abtrünnigen;und Manche von ihnen sind noch zu feige, also zu bekennen.
Denen sehe ich in’s Auge, — denen sage ich es in’s Gesichtund in die Röthe ihrer Wangen:ihr seid Solche, welche wieder beten!
Es ist aber eine Schmach, zu beten!Nicht für Alle, aber für dich und michund wer auch im Kopfe sein Gewissen hat.Für dich ist es eine Schmach, zu beten!
Du weisst es wohl: dein feiger Teufel in dir,der gerne Hände-falten und Hände-in-den-Schooss-legenund es bequemer haben möchte: —dieser feige Teufel redet dir zu „es giebt einen Gott!“
Damit aber gehörst du zur lichtscheuen Art,denen Licht nimmer Ruhe lässt;nun musst du täglich deinen Kopf tiefer in Nacht und Dunst stecken!
Und wahrlich, du wähltest die Stunde gut:denn eben wieder fliegen die Nachtvögel aus.Die Stunde kam allem lichtscheuen Volke, die Abend- und Feierstunde,wo es nicht — „feiert.“
Ich höre und rieche es: es kam ihre Stunde für Jagd und Umzug,nicht zwar für eine wilde Jagd,sondern für eine zahme lahme schnüffelnde Leisetreter- und Leisebeter-Jagd, —
— für eine Jagd auf seelenvolle Duckmäuser:alle Herzens-Mausefallen sind jetzt wieder aufgestellt!Und wo ich einen Vorhang aufhebe,da kommt ein Nachtfalterchen herausgestürzt.
Hockte es da wohl zusammen mit einem andern Nachtfalterchen?Denn überall rieche ich kleine verkrochne Gemeinden;und wo es Kämmerlein giebt, da giebt es neue Bet-Brüder drinund den Dunst von Bet-Brüdern.
Sie sitzen lange Abende bei einander und sprechen:„lasset uns wieder werden wie die Kindlein und „lieber Gott“ sagen!“ —an Mund und Magen verdorben durch die frommen Zuckerbäcker.
Oder sie sehen lange Abende einer listigen lauernden Kreuzspinne zu,welche den Spinnen selber Klugheit predigt und also lehrt:„unter Kreuzen ist gut spinnen!“
Oder sie sitzen Tags über mit Angelruthen an Sümpfenund glauben sich tief damit;aber wer dort fischt, wo es keine Fische giebt,den heisse ich noch nicht einmal oberflächlich!
Oder sie lernen fromm-froh die Harfe schlagen bei einem Lieder-Dichter,der sich gern jungen Weibchen in’s Herz harfnen möchte: —denn er wurde der alten Weibchen müde und ihres Lobpreisens.
Oder sie lernen gruseln bei einem gelahrten Halb-Tollen,der in dunklen Zimmern wartet, dass ihm die Geister kommen —und der Geist ganz davonläuft!
Oder sie horchen einem alten umgetriebnen Schnurr- und Knurrpfeifer zu,der trüben Winden die Trübsal der Töne ablernte;nun pfeift er nach dem Winde und predigt in trüben Tönen Trübsal.
Und Einige von ihnen sind sogar Nachtwächter geworden:die verstehen jetzt in Hörner zu blasen und Nachts umherzugehnund alte Sachen aufzuwecken, die lange schon eingeschlafen sind.
Fünf Worte von alten Sachen hörte ich gestern Nachtsan der Garten-Mauer:die kamen von solchen alten betrübten trocknen Nachtwächtern.
„Für einen Vater sorgt er nicht genug um seine Kinder:Menschen-Väter thun diess besser!“ —
„Er ist zu alt! Er sorgt schon gar nicht mehr um seine Kinder“ —also antwortete der andre Nachtwächter.
„Hat er denn Kinder?Niemand kann’s beweisen, wenn er’s selber nicht beweist!Ich wollte längst, er bewiese es einmal gründlich.“
„Beweisen? Als ob Der je Etwas bewiesen hätte!Beweisen fällt ihm schwer;er hält grosse Stücke darauf, dass man ihm glaubt.“
„Ja! Ja! Der Glaube macht ihn selig, der Glaube an ihn.Das ist so die Art alter Leute! So geht’s uns auch!“ —
— Also sprachen zu einander die zwei alten Nachtwächterund Lichtscheuchen,und tuteten darauf betrübt in ihre Hörner:so geschah’s gestern Nachts an der Garten-Mauer.
Mir aber wand sich das Herz vor Lachenund wollte brechen und wusste nicht, wohin?und sank in’s Zwerchfell.
Wahrlich, das wird noch mein Tod sein,dass ich vor Lachen ersticke, wenn ich Esel betrunken seheund Nachtwächter also an Gott zweifeln höre.
Ist es denn nicht lange vorbei auch für alle solche Zweifel?Wer darf noch solche alte eingeschlafne lichtscheue Sachen aufwecken!
Mit den alten Göttern gieng es ja lange schon zu Ende: —und wahrlich, ein gutes fröhliches Götter-Ende hatten sie!
Sie „dämmerten“ sich nicht zu Tode, — das lügt man wohl!Vielmehr: sie haben sich selber einmal zu Tode — gelacht!
Das geschah, als das gottloseste Wort von einem Gotte selber ausgieng, —das Wort „Es ist Ein Gott!Du sollst keinen andern Gott haben neben mir!“ —
— ein alter Grimm-Bart von Gott, ein eifersüchtiger vergass sich also: —
Und alle Götter lachten damals und wackelten auf ihren Stühlenund riefen: „Ist das nicht eben Göttlichkeit,dass es Götter, aber keinen Gott giebt?“
Wer Ohren hat, der höre. —
Also redete Zarathustra in der Stadt, die er liebteund welche zubenannt ist „die bunte Kuh.“Von hier nämlich hatte er nur noch zwei Tage zu gehen,dass er wieder in seine Höhle käme und zu seinen Thieren;seine Seele aber frohlockte beständigob der Nähe seiner Heimkehr. —
*
* * Die Heimkehr.
Oh Einsamkeit! Du meine Heimat Einsamkeit!Zu lange lebte ich wild in wilder Fremde,als dass ich nicht mit Thränen zu dir heimkehrte!
Nun drohe mir nur mit dem Finger, wie Mütter drohn,nun lächle mir zu, wie Mütter lächeln,nun sprich nur: „Und wer war das,der wie ein Sturmwind einst von mir davonstürmte? —
„— der scheidend rief: zu lange sass ich bei der Einsamkeit,da verlernte ich das Schweigen!Das — lerntest du nun wohl?
„Oh Zarathustra, Alles weiss ich:und dass du unter den Vielen verlassener warst,du Einer, als je bei mir!
„Ein Anderes ist Verlassenheit, ein Anderes Einsamkeit:Das — lerntest du nun!Und dass du unter Menschen immer wild und fremd sein wirst:
„—wild und fremd auch noch, wenn sie dich lieben:denn zuerst von Allem wollen sie geschont sein!
„Hier aber bist du bei dir zu Heim und Hause;hier kannst du Alles hinausreden und alle Gründe ausschütten,Nichts schämt sich hier versteckter, verstockter Gefühle.
„Hier kommen alle Dinge liebkosend zu deiner Redeund schmeicheln dir: denn sie wollen auf deinem Rücken reiten.Auf jedem Gleichniss reitest du hier zu jeder Wahrheit.
„Aufrecht und aufrichtig darfst du hier zu allen Dingen reden:und wahrlich, wie Lob klingt es ihren Ohren,dass Einer mit allen Dingen — gerade redet!
„Ein Anderes aber ist Verlassensein.Denn, weisst du noch, oh Zarathustra?Als damals dein Vogel über dir schrie,als du im Walde standest, unschlüssig, wohin?unkundig, einem Leichnam nahe: —
„— als du sprachst: mögen mich meine Thiere führen!Gefährlicher fand ich’s unter Menschen, als unter Thieren: —Das war Verlassenheit!
„Und weisst du noch, oh Zarathustra?Als du auf deiner Insel sassest,unter leeren Eimern ein Brunnen Weins,gebend und ausgebend, unter Durstigen schenkend und ausschenkend:
„— bis du endlich durstig allein unter Trunkenen sassestund nächtlich klagtest „ist Nehmen nicht seliger als Geben?Und Stehlen noch seliger als Nehmen?“ —Das war Verlassenheit!
„Und weisst du noch, oh Zarathustra?Als deine stillste Stunde kam und dich von dir selber forttrieb,als sie mit bösem Flüstern sprach: „Sprich und zerbrich!“ —
„— als sie dir all dein Warten und Schweigen leid machteund deinen demüthigen Muth entmuthigte:Das war Verlassenheit!“ —
Oh Einsamkeit! Du meine Heimat Einsamkeit!Wie selig und zärtlich redet deine Stimme zu mir!
Wir fragen einander nicht, wir klagen einander nicht,wir gehen offen mit einander durch offne Thüren.
Denn offen ist es bei dir und hell;und auch die Stunden laufen hier auf leichteren Füssen.Im Dunklen nämlich trägt man schwerer an der Zeit, als im Lichte.
Hier springen mir alles Seins Worte und Wort-Schreine auf:alles Sein will hier Wort werden,alles Werden will hier von mir reden lernen.
Da unten aber — da ist alles Reden umsonst!Da ist Vergessen und Vorübergehn die beste Weisheit:Das — lernte ich nun!
Wer Alles bei den Menschen begreifen wollte,der müsste Alles angreifen.Aber dazu habe ich zu reinliche Hände.
Ich mag schon ihren Athem nicht einathmen;ach, dass ich so lange unter ihrem Lärmund üblem Athem lebte!
Oh selige Stille um mich! Oh reine Gerüche um mich!Oh wie aus tiefer Brust diese Stille reinen Athem holt!Oh wie sie horcht, diese selige Stille!
Aber da unten — da redet Alles, da wird Alles überhört.Man mag seine Weisheit mit Glocken einläuten:die Krämer auf dem Markte werden sie mit Pfennigen überklingeln!
Alles bei ihnen redet, Niemand weiss mehr zu verstehn.Alles fällt in’s Wasser, Nichts fällt mehr in tiefe Brunnen.
Alles bei ihnen redet, Nichts geräth mehr und kommt zu Ende.Alles gackert, aber wer will noch still auf dem Neste sitzenund Eier brüten?
Alles bei ihnen redet, Alles wird zerredet.Und was gestern noch zu hart war für die Zeit selberund ihren Zahn:heute hängt es zerschabt und zernagt aus den Mäulern der Heutigen.
Alles bei ihnen redet, Alles wird verrathen.Und was einst Geheimniss hiess und Heimlichkeit tiefer Seelen,heute gehört es den Gassen-Trompetern und andern Schmetterlingen.
Oh Menschenwesen, du wunderliches! Du Lärm auf dunklen Gassen!Nun liegst du wieder hinter mir: —meine grösste Gefahr liegt hinter mir!
Im Schonen und Mitleiden lag immer meine grösste Gefahr;und alles Menschenwesen will geschont und gelitten sein.
Mit verhaltenen Wahrheiten, mit Narrenhand und vernarrtem Herzenund reich an kleinen Lügen des Mitleidens: —also lebte ich immer unter Menschen.
Verkleidet sass ich unter ihnen, bereit, mich zu verkennen,dass ich sie ertrüge, und gern mir zuredend„du Narr, du kennst die Menschen nicht!“
Man verlernt die Menschen, wenn man unter Menschen lebt:zu viel Vordergrund ist an allen Menschen, —was sollen da weitsichtige, weit-süchtige Augen!
Und wenn sie mich verkannten:ich Narr schonte sie darob mehr, als mich:gewohnt zur Härte gegen mich und oft noch an mir selber mich rächendfür diese Schonung.
Zerstochen von giftigen Fliegen und ausgehöhlt,dem Steine gleich, von vielen Tropfen Bosheit,so sass ich unter ihnen und redete mir noch zu:„unschuldig ist alles Kleine an seiner Kleinheit!“
Sonderlich Die, welche sie „die Guten“ heissen,fand ich als die giftigsten Fliegen:sie stechen in aller Unschuld, sie lügen in aller Unschuld;wie vermöchten sie, gegen mich — gerecht zu sein!
Wer unter den Guten lebt, den lehrt Mitleid lügen.Mitleid macht dumpfe Luft allen freien Seelen.Die Dummheit der Guten nämlich ist unergründlich.
Mich selber verbergen und meinen Reichthum —das lernte ich da unten:denn Jeden fand ich noch arm am Geiste.Das war der Lug meines Mitleidens, dass ich bei Jedem wusste,
— dass ich Jedem es ansah und anroch, was ihm Geistes genugund was ihm schon Geistes zuviel war!
Ihre steifen Weisen: ich hiess sie weise, nicht steif, —so lernte ich Worte verschlucken.Ihre Todtengräber: ich hiess sie Forscher und Prüfer, —so lernte ich Worte vertauschen.
Die Todtengräber graben sich Krankheiten an.Unter altem Schutte ruhn schlimme Dünste.Man soll den Morast nicht aufrühren.Man soll auf Bergen leben.
Mit seligen Nüstern athme ich wieder Berges-Freiheit!Erlöst ist endlich meine Nase vom Geruch alles Menschenwesens!
Von scharfen Lüften gekitzelt, wie von schäumenden Weinen,niest meine Seele, — niest und jubelt sich zu: Gesundheit!
Also sprach Zarathustra.
*
* * Von den drei Bösen. 1.
Im Traum, im letzten Morgentraume stand ich heut auf einem Vorgebirge, —jenseits der Welt, hielt eine Wage und wog die Welt.
Oh dass zu früh mir die Morgenröthe kam:die glühte mich wach, die Eifersüchtige!Eifersüchtig ist sie immer auf meine Morgentraum-Gluthen.
Messbar für Den, der Zeit hat, wägbar für einen guten Wäger,erfliegbar für starke Fittige, errathbar für göttliche Nüsseknacker:also fand mein Traum die Welt: —
Mein Traum, ein kühner Segler, halb Schiff, halb Windsbraut,gleich Schmetterlingen schweigsam, ungeduldig gleich Edelfalken:wie hatte er doch zum Welt-Wägen heute Geduld und Weile!
Sprach ihm heimlich wohl meine Weisheit zu,meine lachende wache Tags-Weisheit,welche über alle „unendliche Welten“ spottet?Denn sie spricht: „wo Kraft ist, wird auch die Zahl Meisterin:die hat mehr Kraft.“
Wie sicher schaute mein Traum auf diese endliche Welt,nicht neugierig, nicht altgierig, nicht fürchtend, nicht bittend: —
— als ob ein voller Apfel sich meiner Hand böte,ein reifer Goldapfel, mit kühl-sanfter sammtener Haut: —so bot sich mir die Welt: —
— als ob ein Baum mir winke, ein breitästiger, starkwilliger,gekrümmt zur Lehne und noch zum Fussbrett für den Wegmüden:so stand die Welt auf meinem Vorgebirge: —
— als ob zierliche Hände mir einen Schrein entgegentrügen, —einen Schrein offen für das Entzücken schamhafter verehrender Augen:also bot sich mir heute die Welt entgegen: —
— nicht Räthsel genug, um Menschen-Liebe davon zu scheuchen,nicht Lösung genug, um Menschen-Weisheit einzuschläfern: —ein menschlich gutes Ding war mir heut die Welt,der man so Böses nachredet!
Wie danke ich es meinem Morgentraum,dass ich also in der Frühe heut die Welt wog!Als ein menschlich gutes Ding kam er zu mir,dieser Traum und Herzenströster!
Und dass ich’s ihm gleich thue am Tageund sein Bestes ihm nach- und ablerne:will ich jetzt die drei bösesten Dinge auf die Wage thunund menschlich gut abwägen. —
Wer da segnen lehrte, der lehrte auch fluchen:welches sind in der Welt die drei bestverfluchten Dinge?Diese will ich auf die Wage thun.
Wollust, Herrschsucht, Selbstsucht:diese Drei wurden bisher am besten verfluchtund am schlimmsten beleu- und belügenmundet, —diese Drei will ich menschlich gut abwägen.
Wohlauf! Hier ist mein Vorgebirg und da das Meer:das wälzt sich zu mir heran, zottelig, schmeichlerisch,das getreue alte hundertköpfige Hunds-Ungethüm, das ich liebe.
Wohlauf! Hier will ich die Wage halten über gewälztem Meere:und auch einen Zeugen wähle ich, dass er zusehe, —dich, du Einsiedler-Baum, dich starkduftigen, breitgewölbten,den ich liebe! —
Auf welcher Brücke geht zum Dereinst das Jetzt?Nach welchem Zwange zwingt das Hohe sich zum Niederen?Und was heisst auch das Höchste noch — hinaufwachsen? —
Nun steht die Wage gleich und still:drei schwere Fragen warf ich hinein,drei schwere Antworten trägt die andre Wagschale.
*
* * 2.
Wollust: allen busshemdigen Leib-Verächtern ihr Stachel und Pfahl,und als „Welt“ verflucht bei allen Hinterweltlern:denn sie höhnt und narrt alle Wirr- und Irr-Lehrer.
Wollust: dem Gesindel das langsame Feuer,auf dem es verbrannt wird;allem wurmichten Holze, allen stinkenden Lumpender bereite Brunst- und Brodel-Ofen.
Wollust: für die freien Herzen unschuldig und frei,das Garten-Glück der Erde,aller Zukunft Dankes-Überschwang an das Jetzt.
Wollust: nur dem Welken ein süsslich Gift,für die Löwen-Willigen aber die grosse Herzstärkung,und der ehrfürchtig geschonte Wein der Weine.
Wollust: das grosse Gleichniss-Glück für höheres Glückund höchste Hoffnung.Vielem nämlich ist Ehe verheissen und mehr als Ehe, —
— Vielem, das fremder sich ist, als Mann und Weib: —und wer begriff es ganz, wie fremd sich Mann und Weib sind!
Wollust: — doch ich will Zäune um meine Gedanken habenund auch noch um meine Worte:dass mir nicht in meine Gärten die Schweine und Schwärmer brechen! —
Herrschsucht: die Glüh-Geissel der härtesten Herzensharten;die grause Marter, die sich dem Grausamsten selber aufspart;die düstre Flamme lebendiger Scheiterhaufen.
Herrschsucht: die boshafte Bremse,die den eitelsten Völkern aufgesetzt wird;die Verhöhnerin aller ungewissen Tugend;die auf jedem Rosse und jedem Stolze reitet.
Herrschsucht: das Erdbeben, das alles Morsche und Höhlichte brichtund aufbricht;die rollende grollende strafende Zerbrecherin übertünchter Gräber;das blitzende Fragezeichen neben vorzeitigen Antworten.
Herrschsucht: vor deren Blick der Mensch kriecht und ducktund fröhnt und niedriger wird als Schlange und Schwein: —bis endlich die grosse Verachtung aus ihm aufschreit —,Herrschsucht: die furchtbare Lehrerin der grossen Verachtung,welche Städten und Reichen in’s Antlitz predigt „hinweg mit dir!“ —bis es aus ihnen selber aufschreit „hinweg mit mir!“
Herrschsucht: die aber lockend auch zu Reinenund Einsamen und hinauf zu selbstgenugsamen Höhen steigt,glühend gleich einer Liebe,welche purpurne Seligkeiten lockend an Erdenhimmel malt.
Herrschsucht: doch wer hiesse es Sucht,wenn das Hohe hinab nach Macht gelüstet!Wahrlich, nichts Sieches und Süchtiges ist an solchem Gelüstenund Niedersteigen!
Dass die einsame Höhe sich nicht ewig vereinsame und selbst begnüge;dass der Berg zu Thale komme und die Winde der Höhezu den Niederungen: —
Oh wer fände den rechten Tauf- und Tugendnamen für solche Sehnsucht!„Schenkende Tugend“ — so nannte das Unnennbare einst Zarathustra.
Und damals geschah es auch, —und wahrlich, es geschah zum ersten Male! —dass sein Wort die Selbstsucht selig pries,die heile, gesunde Selbstsucht, die aus mächtiger Seele quillt: —
— aus mächtiger Seele, zu welcher der hohe Leib gehört,der schöne, sieghafte, erquickliche,um den herum jedwedes Ding Spiegel wird:
— der geschmeidige überredende Leib, der Tänzer,dessen Gleichniss und Auszug die selbst-lustige Seele ist.Solcher Leiber und Seelen Selbst-Lust heisst sich selber „Tugend.“
Mit ihren Worten von Gut und Schlecht schirmt sich solche Selbst-Lustwie mit heiligen Hainen;mit den Namen ihres Glücks bannt sie von sich alles Verächtliche.
Von sich weg bannt sie alles Feige;sie spricht: Schlecht — das ist feige!Verächtlich dünkt ihr der immer Sorgende, Seufzende, Kläglicheund wer auch die kleinsten Vortheile aufliest.
Sie verachtet auch alle wehselige Weisheit:denn, wahrlich, es giebt auch Weisheit, die im Dunklen blüht,eine Nachtschatten-Weisheit:als welche immer seufzt: „Alles ist eitel!“
Das scheue Misstrauen gilt ihr gering,und Jeder, wer Schwüre statt Blicke und Hände will:auch alle allzu misstrauische Weisheit, —denn solche ist feiger Seelen Art.
Geringer noch gilt ihr der Schnell-Gefällige, der Hündische,der gleich auf dem Rücken liegt, der Demüthige;und auch Weisheit giebt es, die demüthig und hündischund fromm und schnellgefällig ist.
Verhasst ist ihr gar und ein Ekel, wer nie sich wehren will,wer giftigen Speichel und böse Blicke hinunterschluckt,der All-zu-Geduldige, Alles-Dulder, Allgenügsame:das nämlich ist die knechtische Art.
Ob Einer vor Göttern und göttlichen Fusstritten knechtisch ist,ob vor Menschen und blöden Menschen-Meinungen:alle Knechts-Art speit sie an, diese selige Selbstsucht!
Schlecht: so heisst sie Alles, was geknicktund knickerisch-knechtisch ist,unfreie Zwinker-Augen, gedrückte Herzen,und jene falsche nachgebende Art,welche mit breiten feigen Lippen küsst.
Und After-Weisheit: so heisst sie Alles,was Knechte und Greise und Müde witzeln;und sonderlich die ganze schlimme aberwitzige,überwitzige Priester-Narrheit!
Die After-Weisen aber, alle die Priester, Weltmüdenund wessen Seele von Weibs- und Knechtsart ist, —oh wie hat ihr Spiel von jeher der Selbstsucht übel mitgespielt!
Und Das gerade sollte Tugend sein und Tugend heissen,dass man der Selbstsucht übel mitspiele!Und „selbstlos“ — so wünschten sich selber mit gutem Grundealle diese weltmüden Feiglinge und Kreuzspinnen!
Aber denen Allen kommt nun der Tag, die Wandlung,das Richtschwert, der grosse Mittag:da soll Vieles offenbar werden!
Und wer das Ich heil und heilig spricht und die Selbstsucht selig,wahrlich, der spricht auch, was er weiss, ein Weissager:„Siehe, er kommt, er ist nahe, der grosse Mittag!“
Also sprach Zarathustra.
*
* * Vom Geist der Schwere. 1.
Mein Mundwerk — ist des Volks:zu grob und herzlich rede ich für die Seidenhasen.Und noch fremder klingt mein Wortallen Tinten-Fischen und Feder-Füchsen.
Meine Hand — ist eine Narrenhand:wehe allen Tischen und Wänden,und was noch Platz hat für Narren-Zierath, Narren-Schmierath!
Mein Fuss — ist ein Pferdefuss;damit trapple und trabe ich über Stock und Stein,kreuz- und querfeld-einund bin des Teufels vor Lust bei allem schnellen Laufen.
Mein Magen — ist wohl eines Adlers Magen?Denn er liebt am liebsten Lammfleisch.Gewisslich aber ist er eines Vogels Magen.
Von unschuldigen Dingen genährt und von Wenigem,bereit und ungeduldig zu fliegen, davonzufliegen —das ist nun meine Art:wie sollte nicht Etwas daran von Vogel-Art sein!
Und zumal, dass ich dem Geist der Schwere feind bin,das ist Vogel-Art: und wahrlich, todfeind, erzfeind, urfeind!Oh wohin flog und verflog sich nicht schon meine Feindschaft!
Davon könnte ich schon ein Lied singen — —und will es singen:ob ich gleich allein in leerem Hause binund es meinen eignen Ohren singen muss.
Andre Sänger giebt es freilich,denen macht das volle Haus erst ihre Kehle weich,ihre Hand gesprächig, ihr Auge ausdrücklich, ihr Herz wach: —Denen gleiche ich nicht. —
2.
Wer die Menschen einst fliegen lehrt,der hat alle Grenzsteine verrückt;alle Grenzsteine selber werden ihm in die Luft fliegen,die Erde wird er neu taufen — als „die Leichte.“
Der Vogel Strauss läuft schneller als das schnellste Pferd,aber auch er steckt noch den Kopf schwer in schwere Erde:also der Mensch, der noch nicht fliegen kann.
Schwer heisst ihm Erde und Leben;und so will es der Geist der Schwere!Wer aber leicht werden will und ein Vogel,der muss sich selber lieben: — also lehre ich.
Nicht freilich mit der Liebe der Siechen und Süchtigen:denn bei denen stinkt auch die Eigenliebe!
Man muss sich selber lieben lernen — also lehre ich —mit einer heilen und gesunden Liebe:dass man es bei sich selber aushalte und nicht umherschweife.
Solches Umherschweifen tauft sich „Nächstenliebe“:mit diesem Worte ist bisher am besten gelogen und geheuchelt worden,und sonderlich von Solchen, die aller Welt schwer fielen.
Und wahrlich, das ist kein Gebot für Heute und Morgen,sich lieben lernen.Vielmehr ist von allen Künsten diese die feinste, listigste,letzte und geduldsamste.
Für seinen Eigener ist nämlich alles Eigene gut versteckt;und von allen Schatzgruben wird die eigne am spätesten ausgegraben, —also schafft es der Geist der Schwere.
Fast in der Wiege giebt man uns schon schwere Worteund Werthe mit: „gut“ und „böse“ —so heisst sich diese Mitgift.Um derentwillen vergiebt man uns, dass wir leben.
Und dazu lässt man die Kindlein zu sich kommen,dass man ihnen bei Zeiten wehre, sich selber zu lieben:also schafft es der Geist der Schwere.
Und wir — wir schleppen treulich, was man uns mitgiebt,auf harten Schultern und über rauhe Berge!Und schwitzen wir, so sagt man uns:„Ja, das Leben ist schwer zu tragen!“
Aber der Mensch nur ist sich schwer zu tragen!Das macht, er schleppt zu vieles Fremde auf seinen Schultern.Dem Kameele gleich kniet er nieder und lässt sich gut aufladen.
Sonderlich der starke, tragsame Mensch, dem Ehrfurcht innewohnt:zu viele fremde schwere Worte und Werthe lädt er auf sich, —nun dünkt das Leben ihm eine Wüste!
Und wahrlich! Auch manches Eigene ist schwer zu tragen!Und viel Inwendiges am Menschen ist der Auster gleich,nämlich ekel und schlüpfrig und schwer erfasslich —,
— also dass eine edle Schale mit edler Zierath fürbitten muss.Aber auch diese Kunst muss man lernen:Schale haben und schönen Schein und kluge Blindheit!
Abermals trügt über Manches am Menschen,dass manche Schale gering und traurig und zu sehr Schale ist.Viel verborgene Güte und Kraft wird nie errathen;die köstlichsten Leckerbissen finden keine Schmecker!
Die Frauen wissen das, die köstlichsten:ein Wenig fetter, ein Wenig magerer —oh wie viel Schicksal liegt in so Wenigem!
Der Mensch ist schwer zu entdecken und sich selber noch am schwersten;oft lügt der Geist über die Seele.Also schafft es der Geist der Schwere.
Der aber hat sich selber entdeckt, welcher spricht:Das ist mein Gutes und Böses:damit hat er den Maulwurf und Zwerg stumm gemacht,welcher spricht „Allen gut, Allen bös.“
Wahrlich, ich mag auch Solche nicht,denen jegliches Ding gut und diese Welt gar die beste heisst.Solche nenne ich die Allgenügsamen.
Allgenügsamkeit, die Alles zu schmecken weiss:das ist nicht der beste Geschmack!Ich ehre die widerspänstigen wählerischen Zungen und Mägen,welche „Ich“ und „Ja“ und „Nein“ sagen lernten.
Alles aber kauen und verdauen — das ist eine rechte Schweine-Art!Immer I-a sagen — das lernte allein der Esel,und wer seines Geistes ist! —
Das tiefe Gelb und das heisse Roth: so will es mein Geschmack, —der mischt Blut zu allen Farben.Wer aber sein Haus weiss tüncht,der verräth mir eine weissgetünchte Seele.
In Mumien verliebt die Einen, die Andern in Gespenster;und Beide gleich feind allem Fleisch und Blute —oh wie gehen Beide mir wider den Geschmack!Denn ich liebe Blut.
Und dort will ich nicht wohnen und weilen,wo Jedermann spuckt und speit: das ist nun mein Geschmack, —lieber noch lebte ich unter Dieben und Meineidigen.Niemand trägt Gold im Munde.
Widriger aber sind mir noch alle Speichellecker;und das widrigste Thier von Mensch, das ich fand,das taufte ich Schmarotzer:das wollte nicht lieben und doch von Liebe leben.
Unselig heisse ich Alle, die nur Eine Wahl haben:böse Thiere zu werden oder böse Thierbändiger:bei Solchen würde ich mir keine Hütten bauen.
Unselig heisse ich auch Die, welche immer warten müssen, —die gehen mir wider den Geschmack:alle die Zöllner und Krämer und Königeund andren Länder- und Ladenhüter.
Wahrlich, ich lernte das Warten auch und von Grund aus, —aber nur das Warten auf mich.Und über Allem lernte ich stehn und gehn und laufenund springen und klettern und tanzen.
Das ist aber meine Lehre: wer einst fliegen lernen will,der muss erst stehn und gehn und laufen und klettern und tanzen lernen: —man erfliegt das Fliegen nicht!
Mit Strickleitern lernte ich manches Fenster erklettern,mit hurtigen Beinen klomm ich auf hohe Masten:auf hohen Masten der Erkenntniss sitzendünkte mich keine geringe Seligkeit, —
— gleich kleinen Flammen flackern auf hohen Masten:ein kleines Licht zwar,aber doch ein grosser Trost für verschlagene Schiffer und Schiffbrüchige! —
Auf vielerlei Weg und Weise kam ich zu meiner Wahrheit;nicht auf Einer Leiter stieg ich zur Höhe,wo mein Auge in meine Ferne schweift.
Und ungern nur fragte ich stets nach Wegen, —das gieng mir immer wider den Geschmack!Lieber fragte und versuchte ich die Wege selber.
Ein Versuchen und Fragen war all mein Gehen: —und wahrlich, auch antworten muss man lernen auf solches Fragen!Das aber — ist mein Geschmack:
— kein guter, kein schlechter, aber mein Geschmack,dessen ich weder Scham noch Hehl mehr habe.
„Das — ist nun mein Weg, — wo ist der eure?“so antwortete ich Denen, welche mich „nach dem Wege“ fragten.Den Weg nämlich — den giebt es nicht!
Also sprach Zarathustra.
*
* * Von alten und neuen Tafeln. 1.
Hier sitze ich und warte, alte zerbrochene Tafeln um michund auch neue halb beschriebene Tafeln.Wann kommt meine Stunde?
— die Stunde meines Niederganges, Unterganges:denn noch Ein Mal will ich zu den Menschen gehn.
Dess warte ich nun: denn erst müssen mir die Zeichen kommen,dass es meine Stunde sei, —nämlich der lachende Löwe mit dem Taubenschwarme.
Inzwischen rede ich als Einer, der Zeit hat, zu mir selber.Niemand erzählt mir Neues: so erzähle ich mir mich selber. —
*
* * 2.
Als ich zu den Menschen kam, da fand ich sie sitzen auf einem alten Dünkel:Alle dünkten sich lange schon zu wissen,was dem Menschen gut und böse sei.
Eine alte müde Sache dünkte ihnen alles Reden von Tugend;und wer gut schlafen wollte,der sprach vor Schlafengehen noch von „Gut“ und „Böse“.
Diese Schläferei störte ich auf, als ich lehrte:was gut und böse ist, das weiss noch Niemand: —es sei denn der Schaffende!
— Das aber ist Der, welcher des Menschen Ziel schafftund der Erde ihren Sinn giebt und ihre Zukunft:Dieser erst schafft es, dass Etwas gut und böse ist.
Und ich hiess sie ihre alten Lehr-Stühle umwerfen,und wo nur jener alte Dünkel gesessen hatte;ich hiess sie lachen über ihre grossen Tugend-Meisterund Heiligen und Dichter und Welt-Erlöser.
Über ihre düsteren Weisen hiess ich sie lachen,und wer je als schwarze Vogelscheuche warnendauf dem Baume des Lebens gesessen hatte.
An ihre grosse Gräberstrasse setzte ich michund selber zu Aas und Geiern —und ich lachte über all ihr Einstund seine mürbe verfallende Herrlichkeit.
Wahrlich, gleich Busspredigern und Narrnschrie ich Zorn und Zeter über all ihr Grosses und Kleines, —dass ihr Bestes so gar klein ist!Dass ihr Bösestes so gar klein ist! — also lachte ich.
Meine weise Sehnsucht schrie und lachte also aus mir,die auf Bergen geboren ist, eine wilde Weisheit wahrlich! —meine grosse flügelbrausende Sehnsucht.
Und oft riss sie mich fort und hinauf und hinwegund mitten im Lachen:da flog ich wohl schaudernd, ein Pfeil,durch sonnentrunkenes Entzücken:
— hinaus in ferne Zukünfte, die kein Traum noch sah,in heissere Süden, als je sich Bildner träumten:dorthin, wo Götter tanzend sich aller Kleider schämen: —
— dass ich nämlich in Gleichnissen rede und gleich Dichtern hinkeund stammle: und wahrlich, ich schäme mich,dass ich noch Dichter sein muss! —
Wo alles Werden mich Götter-Tanz und Götter-Muthwillen dünkte,und die Welt los- und ausgelassen und zu sich selber zurückfliehend: —
— als ein ewiges Sich-fliehn und -Wiedersuchen vieler Götter,als das selige Sich-Widersprechen, Sich-Wieder-hören,Sich-Wieder-Zugehören vieler Götter: —
Wo alle Zeit mich ein seliger Hohn auf Augenblicke dünkte,wo die Nothwendigkeit die Freiheit selber war,die selig mit dem Stachel der Freiheit spielte: —
Wo ich auch meinen alten Teufel und Erzfeind wiederfand,den Geist der Schwere und Alles, was er schuf:Zwang, Satzung, Noth und Folge und Zweck und Willeund Gut und Böse: —
Denn muss nicht dasein, über das getanzt, hinweggetanzt werde?Müssen nicht um der Leichten, Leichtesten willen —Maulwürfe und schwere Zwerge dasein? — —
*
* * 3.
Dort war’s auch, wo ich das Wort „Übermensch“ vom Wege auflas,und dass der Mensch Etwas sei,das überwunden werden müsse,
— dass der Mensch eine Brücke sei und kein Zweck:sich selig preisend ob seines Mittags und Abends,als Weg zu neuen Morgenröthen:
— das Zarathustra-Wort vom grossen Mittage,und was sonst ich über den Menschen aufhängte,gleich purpurnen zweiten Abendröthen.
Wahrlich, auch neue Sterne liess ich sie sehn sammt neuen Nächten;und über Wolken und Tag und Nachtspannte ich noch das Lachen aus wie ein buntes Gezelt.
Ich lehrte sie all mein Dichten und Trachten:in Eins zu dichten und zusammen zu tragen,was Bruchstück ist am Menschen und Räthsel und grauser Zufall, —
— als Dichter, Räthselrather und Erlöser des Zufallslehrte ich sie an der Zukunft schaffen,und Alles, das war —, schaffend zu erlösen.
Das Vergangne am Menschen zu erlösenund alles „Es war“ umzuschaffen,bis der Wille spricht: „Aber so wollte ich es!So werde ich’s wollen —“
— Diess hiess ich ihnen Erlösung,Diess allein lehrte ich sie Erlösung heissen. — —
Nun warte ich meiner Erlösung —,dass ich zum letzten Male zu ihnen gehe.
Denn noch Ein Mal will ich zu den Menschen:unter ihnen will ich untergehen, sterbend will ich ihnenmeine reichste Gabe geben!
Der Sonne lernte ich Das ab, wenn sie hinabgeht, die Überreiche:Gold schüttet sie da in’s Meer aus unerschöpflichem Reichthume, —
— also, dass der ärmste Fischer noch mit goldenem Ruder rudert!Diess nämlich sah ich einst und wurde der Thränen nicht satt im Zuschauen. — —
Der Sonne gleich will auch Zarathustra untergehn:nun sitzt er hier und wartet, alte zerbrochne Tafeln um sichund auch neue Tafeln, — halbbeschriebene.
*
* * 4.
Siehe, hier ist eine neue Tafel:aber wo sind meine Brüder,die sie mit mir zu Thale und in fleischerne Herzen tragen? —
Also heischt es meine grosse Liebe zu den Fernsten:schone deinen Nächsten nicht!Der Mensch ist Etwas, das überwunden werden muss.
Es giebt vielerlei Weg und Weise der Überwindung:da siehe du zu!Aber nur ein Possenreisser denkt:„der Mensch kann auch übersprungen werden.“
Überwinde dich selber noch in deinem Nächsten:und ein Recht, das du dir rauben kannst,sollst du dir nicht geben lassen!
Was du thust, das kann dir Keiner wieder thun.Siehe, es giebt keine Vergeltung.
Wer sich nicht befehlen kann, der soll gehorchen.Und Mancher kann sich befehlen, aber da fehlt noch Viel,dass er sich auch gehorche!
*
* * 5.
Also will es die Art edler Seelen:sie wollen Nichts umsonst haben, am wenigsten das Leben.
Wer vom Pöbel ist, der will umsonst leben;wir Anderen aber, denen das Leben sich gab, —wir sinnen immer darüber, was wir am besten dagegen geben!
Und wahrlich, diess ist eine vornehme Rede, welche spricht:„was uns das Leben verspricht,das wollen wir — dem Leben halten!“
Man soll nicht geniessen wollen, wo man nicht zu geniessen giebt.Und — man soll nicht geniessen wollen!
Genuss und Unschuld nämlich sind die schamhaftesten Dinge:Beide wollen nicht gesucht sein.Man soll sie haben —, aber man soll eher nochnach Schuld und Schmerzen suchen! —
*
* * 6.
Oh meine Brüder, wer ein Erstling ist, der wird immer geopfert.Nun aber sind wir Erstlinge.
Wir bluten Alle an geheimen Opfertischen,wir brennen und braten Alle zu Ehren alter Götzenbilder.
Unser Bestes ist noch jung: das reizt alte Gaumen.Unser Fleisch ist zart, unser Fell ist nur ein Lamm-Fell: —wie sollten wir nicht alte Götzenpriester reizen!
In uns selber wohnt er noch, der alte Götzenpriester,der unser Bestes sich zum Schmause brät.Ach, meine Brüder, wie sollten Erstlinge nicht Opfer sein!
Aber so will es unsre Art; und ich liebe Die,welche sich nicht bewahren wollen.Die Untergehenden liebe ich mit meiner ganzen Liebe:denn sie gehn hinüber. —
*
* * 7.
Wahr sein — das können Wenige!Und wer es kann, der will es noch nicht!Am wenigsten aber können es die Guten.
Oh diese Guten! — Gute Menschen reden nie die Wahrheit;für den Geist ist solchermaassen gut sein eine Krankheit.
Sie geben nach, diese Guten, sie ergeben sich,ihr Herz spricht nach, ihr Grund gehorcht:wer aber gehorcht, der hört sich selber nicht!
Alles, was den Guten böse heisst, muss zusammen kommen,dass Eine Wahrheit geboren werde:oh meine Brüder, seid ihr auch böse genug zu dieser Wahrheit?
Das verwegene Wagen, das lange Misstrauen, das grausame Nein,der Überdruss, das Schneiden in’s Lebendige —wie selten kommt das zusammen!Aus solchem Samen aber wird — Wahrheit gezeugt!
Neben dem bösen Gewissen wuchs bisher alles Wissen!Zerbrecht, zerbrecht mir, ihr Erkennenden, die alten Tafeln!
*
* * 8.
Wenn das Wasser Balken hat,wenn Stege und Geländer über den Fluss springen:wahrlich, da findet Keiner Glauben, der da spricht:„Alles ist im Fluss.“
Sondern selber die Tölpel widersprechen ihm.„Wie? sagen die Tölpel, Alles wäre im Flusse?Balken und Geländer sind doch über dem Flusse!“
„Über dem Flusse ist Alles fest, alle die Werthe der Dinge,die Brücken, Begriffe, alles „Gut“ und „Böse“:das ist Alles fest!“—
Kommt gar der harte Winter, der Fluss-Thierbändiger:dann lernen auch die Witzigsten Misstrauen;und, wahrlich, nicht nur die Tölpel sprechen dann:„Sollte nicht Alles — stille stehn?“
„Im Grunde steht Alles stille“ —, das ist eine rechte Winter-Lehre,ein gut Ding für unfruchtbare Zeit,ein guter Trost für Winterschläfer und Ofenhocker.
„Im Grund steht Alles still“ —: dagegen aber predigt der Thauwind!
Der Thauwind, ein Stier, der kein pflügender Stier ist, —ein wüthender Stier, ein Zerstörer,der mit zornigen Hörnern Eis bricht!Eis aber — — bricht Stege!
Oh meine Brüder, ist jetzt nicht Alles im Flusse?Sind nicht alle Geländer und Stege in’s Wasser gefallen?Wer hielte sich noch an „Gut“ und „Böse“?
„Wehe uns! Heil uns! Der Thauwind weht!“ —Also predigt mir, oh meine Brüder, durch alle Gassen!
*
* * 9.
Es giebt einen alten Wahn, der heisst Gut und Böse.Um Wahrsager und Sterndeuter drehte sich bisher das Rad dieses Wahns.
Einst glaubte man an Wahrsager und Sterndeuter:und darum glaubte man „Alles ist Schicksal:du sollst, denn du musst!“
Dann wieder misstraute man allen Wahrsagern und Sterndeutern:und darum glaubte man „Alles ist Freiheit:du kannst, denn du willst!“
Oh meine Brüder, über Sterne und Zukunft ist bisher nur gewähnt,nicht gewusst worden:und darum ist über Gut und Böse bisher nur gewähnt,nicht gewusst worden!
*
* * 10.
„Du sollst nicht rauben! Du sollst nicht todtschlagen!“ —solche Worte hiess man einst heilig;vor ihnen beugte man Knie und Köpfe und zog die Schuhe aus.
Aber ich frage euch: wo gab es je bessere Räuberund Todtschläger in der Welt,als es solche heilige Worte waren?
Ist in allem Leben selber nicht — Rauben und Todtschlagen?Und dass solche Worte heilig hiessen,wurde damit die Wahrheit selber nicht — todtgeschlagen?
Oder war es eine Predigt des Todes,dass heilig hiess, was allem Leben widersprach und widerrieth? —Oh meine Brüder, zerbrecht, zerbrecht mir die alten Tafeln!
*
* * 11.
Diess ist mein Mitleid mit allem Vergangenen, dass ich sehe:es ist preisgegeben, —
— der Gnade, dem Geiste, dem Wahnsinne jedes Geschlechtes preisgegeben,das kommt und Alles, was war, zu seiner Brücke umdeutet!
Ein grosser Gewalt-Herr könnte kommen, ein gewitzter Unhold,der mit seiner Gnade und Ungnade alles Vergangene zwänge und zwängte:bis es ihm Brücke würde und Vorzeichen und Herold und Hahnenschrei.
Diess aber ist die andre Gefahr und mein andres Mitleiden: —wer vom Pöbel ist, dessen Gedenken geht zurück bis zum Grossvater, —mit dem Grossvater aber hört die Zeit auf.
Also ist alles Vergangene preisgegeben:denn es könnte einmal kommen,dass der Pöbel Herr würdeund in seichten Gewässern alle Zeit ertränke.
Darum, oh meine Brüder, bedarf es eines neuen Adels,der allem Pöbel und allem Gewalt-Herrischen Widersacher istund auf neue Tafeln neu das Wort schreibt „edel“.
Vieler Edlen nämlich bedarf es und vielerlei Edlen,dass es Adel gebe!Oder, wie ich einst im Gleichniss sprach:„Das eben ist Göttlichkeit, dass es Götter,aber keinen Gott giebt!“
*
* * 12.
Oh meine Brüder, ich weihe und weise euch zu einem neuen Adel:ihr sollt mir Zeuger und Züchter werdenund Säemänner der Zukunft, —
— wahrlich, nicht zu einem Adel,den ihr kaufen könntet gleich den Krämern und mit Krämer-Golde:denn wenig Werth hat Alles, was seinen Preis hat.
Nicht, woher ihr kommt, mache euch fürderhin eure Ehre,sondern wohin ihr geht!Euer Wille und euer Fuss, der über euch selber hinaus will, —das mache eure neue Ehre!
Wahrlich nicht, dass ihr einem Fürsten gedient habt —was liegt noch an Fürsten! —oder dem, was steht, zum Bollwerk wurdet, dass es fester stünde!
Nicht, dass euer Geschlecht an Höfen höfisch wurde,und ihr lerntet, bunt, einem Flamingo ähnlich,lange Stunden in flachen Teichen stehn.
— Denn Stehen-können ist ein Verdienst bei Höflingen;und alle Höflinge glauben,zur Seligkeit nach dem Tode gehöre —Sitzen-dürfen! —
Nicht auch, dass ein Geist, den sie heilig nennen,eure Vorfahren in gelobte Länder führte, die ich nicht lobe:denn wo der schlimmste aller Bäume wuchs, das Kreuz, —an dem Lande ist Nichts zu loben! —
— und wahrlich, wohin dieser „heilige Geist“ auch seine Ritter führte,immer liefen bei solchen Zügen — Ziegen und Gänseund Kreuz- und Querköpfe voran! —
Oh meine Brüder, nicht zurück soll euer Adel schauen,sondern hinaus!Vertriebene sollt ihr sein aus allen Vater- und Urväterländern!
Eurer Kinder Land sollt ihr lieben:diese Liebe sei euer neuer Adel, —das unentdeckte, im fernsten Meere!Nach ihm heisse ich eure Segel suchen und suchen!
An euren Kindern sollt ihr gut machen,dass ihr eurer Väter Kinder seid:alles Vergangene sollt ihr so erlösen!Diese neue Tafel stelle ich über euch!
*
* * 13.
„Wozu leben? Alles ist eitel! Leben — das ist Stroh dreschen;Leben — das ist sich verbrennen und doch nicht warm werden.“ —
Solch alterthümliches Geschwätz gilt immer noch als „Weisheit“;dass es aber alt ist und dumpfig riecht,darum wird es besser geehrt. Auch der Moder adelt. —
Kinder durften so reden: die scheuen das Feuer, weil es sie brannte!Es ist viel Kinderei in den alten Büchern der Weisheit.
Und wer immer „Stroh drischt“,wie sollte der auf das Dreschen lästern dürfen!Solchem Narren müsste man doch das Maul verbinden!
Solche setzen sich zu Tisch und bringen Nichts mit,selbst den guten Hunger nicht: —und nun lästern sie „Alles ist eitel!“
Aber gut essen und trinken, oh meine Brüder,ist wahrlich keine eitle Kunst!Zerbrecht, zerbrecht mir die Tafeln der Nimmer-Frohen!
*
* * 14.
„Dem Reinen ist Alles rein“ — so spricht das Volk.Ich aber sage euch: den Schweinen wird Alles Schwein!
Darum predigen die Schwärmer und Kopfhänger,denen auch das Herz niederhängt:„die Welt selber ist ein kothiges Ungeheuer.“
Denn diese Alle sind unsäuberlichen Geistes;sonderlich aber jene, welche nicht Ruhe, noch Rast haben,es sei denn, sie sehen die Welt von hinten, — die Hinterweltler!
Denen sage ich in’s Gesicht, ob es gleich nicht lieblich klingt:die Welt gleicht darin dem Menschen, dass sie einen Hintern hat, —so Viel ist wahr!
Es giebt in der Welt viel Koth: so Viel ist wahr!Aber darum ist die Welt selber noch kein kothiges Ungeheuer!
Es ist Weisheit darin, dass Vieles in der Welt übel riecht:der Ekel selber schafft Flügel und quellenahnende Kräfte!
An dem Besten ist noch Etwas zum Ekeln;und der Beste ist noch Etwas, das überwunden werden muss! —
Oh meine Brüder, es ist viel Weisheit darin,dass viel Koth in der Welt ist! —
*
* * 15.
Solche Sprüche hörte ich fromme Hinterweltlerzu ihrem Gewissen reden; und wahrlich, ohne Arg und Falsch, —ob es schon nichts Falscheres in der Welt giebt, noch Ärgeres.
„Lass doch die Welt die Welt sein!Hebe dawider auch nicht Einen Finger auf!“
„Lass, wer da wolle, die Leute würgen und stechenund schneiden und schaben:hebe dawider auch nicht Einen Finger auf!Darob lernen sie noch der Welt absagen.“
„Und deine eigne Vernunft — die sollst du selber görgeln und würgen;denn es ist eine Vernunft von dieser Welt, —darob lernst du selber der Welt absagen.“ —
— Zerbrecht, zerbrecht mir, oh meine Brüder,diese alten Tafeln der Frommen!Zersprecht mir die Sprüche der Welt-Verleumder!
*
* * 16.
„Wer viel lernt, der verlernt alles heftige Begehren“ —das flüstert man heute sich zu auf allen dunklen Gassen.
„Weisheit macht müde, es lohnt sich — Nichts;du sollst nicht begehren!“ —diese neue Tafel fand ich hängen selbst auf offnen Märkten.
Zerbrecht mir, oh meine Brüder, zerbrecht mir auch diese neue Tafel!Die Welt-Müden hängten sie hin und die Prediger des Todes,und auch die Stockmeister:denn seht, es ist auch eine Predigt zur Knechtschaft! —
Dass sie schlecht lernten und das Beste nicht,und Alles zu früh und Alles zu geschwind:dass sie schlecht assen, daher kam ihnen jener verdorbene Magen, —
— ein verdorbener Magen ist nämlich ihr Geist: der räth zum Tode!Denn wahrlich, meine Brüder, der Geist ist ein Magen!
Das Leben ist ein Born der Lust:aber aus wem der verdorbene Magen redet, der Vater der Trübsal,dem sind alle Quellen vergiftet.
Erkennen: das ist Lust dem Löwen-willigen!Aber wer müde wurde, der wird selber nur „gewollt“,mit dem spielen alle Wellen.
Und so ist es immer schwacher Menschen Art:sie verlieren sich auf ihren Wegen.Und zuletzt fragt noch ihre Müdigkeit:„wozu giengen wir jemals Wege! Es ist Alles gleich!“
Denen klingt es lieblich zu Ohren, dass gepredigt wird:„Es verlohnt sich Nichts! Ihr sollt nicht wollen!“Diess aber ist eine Predigt zur Knechtschaft.
Oh meine Brüder, ein frischer Brause-Wind kommt Zarathustraallen Weg-Müden; viele Nasen wird er noch niesen machen!
Auch durch Mauern bläst mein freier Athem,und hinein in Gefängnisse und eingefangne Geister!
Wollen befreit: denn Wollen ist Schaffen: so lehre ich.Und nur zum Schaffen sollt ihr lernen!
Und auch das Lernen sollt ihr erst von mir lernen, das Gut-Lernen! —Wer Ohren hat, der höre!
*
* * 17.
Da steht der Nachen, —dort hinüber geht es vielleicht in’s grosse Nichts. —Aber wer will in diess „Vielleicht“ einsteigen?
Niemand von euch will in den Todes-Nachen einsteigen!Wieso wollt ihr dann Welt-Müde sein!
Weltmüde! Und noch nicht einmal Erd-Entrückte wurdet ihr!Lüstern fand ich euch immer noch nach Erde,verliebt noch in die eigne Erd-Müdigkeit!
Nicht umsonst hängt euch die Lippe herab: —ein kleiner Erden-Wunsch sitzt noch darauf!Und im Auge — schwimmt da nicht ein Wölkchenunvergessner Erden-Lust?
Es giebt auf Erden viel gute Erfindungen,die einen nützlich, die andern angenehm:derentwegen ist die Erde zu lieben.
Und mancherlei so gut Erfundenes giebt es da,dass es ist wie des Weibes Busen:nützlich zugleich und angenehm.
Ihr Welt-Müden aber! Ihr Erden-Faulen!Euch soll man mit Ruthen streichen!Mit Ruthenstreichen soll man euch wieder muntre Beine machen.
Denn: seid ihr nicht Kranke und verlebte Wichte,deren die Erde müde ist,so seid ihr schlaue Faulthiereoder naschhafte verkrochene Lust-Katzen.Und wollt ihr nicht wieder lustig laufen,so sollt ihr— dahinfahren!
An Unheilbaren soll man nicht Arzt sein wollen:also lehrt es Zarathustra: — so sollt ihr dahinfahren!
Aber es gehört mehr Muth dazu, ein Ende zu machen,als einen neuen Vers: das wissen alle Ärzte und Dichter. —
*
* * 18.
Oh meine Brüder, es giebt Tafeln, welche die Ermüdung,und Tafeln, welche die Faulheit schuf, die faulige:ob sie schon gleich reden,so wollen sie doch ungleich gehört sein. —
Seht hier diesen Verschmachtenden!Nur eine Spanne weit ist er noch von seinem Ziele,aber vor Müdigkeit hat er sich trotzig hier in den Staub gelegt:dieser Tapfere!
Vor Müdigkeit gähnt er Weg und Erde und Ziel und sich selber an:keinen Schritt will er noch weiter thun, — dieser Tapfere!
Nun glüht die Sonne auf ihn, und die Hunde lecken nach seinem Schweisse:aber er liegt da in seinem Trotze und will lieber verschmachten: —
— eine Spanne weit von seinem Ziele verschmachten!Wahrlich, ihr werdet ihn noch an den Haarenin seinen Himmel ziehen müssen, — diesen Helden!
Besser noch, ihr lasst ihn liegen, wohin er sich gelegt hat,dass der Schlaf ihm komme, der Tröster,mit kühlendem Rausche-Regen:
Lasst ihn liegen, bis er von selber wach wird, —bis er von selber alle Müdigkeit widerruftund was Müdigkeit aus ihm lehrte!
Nur, meine Brüder, dass ihr die Hunde von ihm scheucht,die faulen Schleicher, und all das schwärmende Geschmeiss: —
— all das schwärmende Geschmeiss der „Gebildeten“,das sich am Schweisse jedes Helden — gütlich thut! —
*
* * 19.
Ich schliesse Kreise um mich und heilige Grenzen;immer Wenigere steigen mit mir auf immer höhere Berge, —ich baue ein Gebirge aus immer heiligeren Bergen. —
Wohin ihr aber auch mit mir steigen mögt, oh meine Brüder:seht zu, dass nicht ein Schmarotzer mit euch steige!
Schmarotzer: das ist ein Gewürm, ein kriechendes, geschmiegtes,das fett werden will an euren kranken wunden Winkeln.
Und das ist seine Kunst, dass er steigende Seelen erräth,wo sie müde sind: in euren Gram und Unmuth,in eure zarte Scham baut er sein ekles Nest.
Wo der Starke schwach, der Edle allzumild ist, —dahinein baut er sein ekles Nest:der Schmarotzer wohnt, wo der Grosse kleine wunde Winkel hat.
Was ist die höchste Art alles Seienden und was die geringste?Der Schmarotzer ist die geringste Art;wer aber höchster Art ist, der ernährt die meisten Schmarotzer.
Die Seele nämlich, welche die längste Leiter hatund am tiefsten hinunter kann:wie sollten nicht an der die meisten Schmarotzer sitzen? —
— die umfänglichste Seele, welche am weitesten in sich laufenund irren und schweifen kann;die nothwendigste, welche sich aus Lust in den Zufall stürzt: —
— die seiende Seele, welche in’s Werden taucht;die habende, welche in’s Wollen und Verlangen will: —
— die sich selber fliehende, die sich selber im weitesten Kreise einholt;die weiseste Seele, welcher die Narrheit am süssesten zuredet: —
— die sich selber liebendste, in der alle Dinge ihr Strömenund Wiederströmen und Ebbe und Fluth haben: —oh wie sollte die höchste Seelenicht die schlimmsten Schmarotzer haben?
*
* * 20.
Oh meine Brüder, bin ich denn grausam?Aber ich sage: was fällt, das soll man auch noch stossen!
Das Alles von Heute — das fällt, das verfällt:wer wollte es halten!Aber ich — ich will es noch stossen!
Kennt ihr die Wollust, die Steine in steile Tiefen rollt? —Diese Menschen von heute:seht sie doch, wie sie in meine Tiefen rollen!
Ein Vorspiel bin ich besserer Spieler, oh meine Brüder!Ein Beispiel! Thut nach meinem Beispiele!
Und wen ihr nicht fliegen lehrt, den lehrt mir — schneller fallen! —
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* * 21.
Ich liebe die Tapferen: aber es ist nicht genug, Hau-Degen sein, —man muss auch wissen Hau-schau-Wen!
Und oft ist mehr Tapferkeit darin, dass Einer an sich hältund vorübergeht: damit er sich dem würdigeren Feinde aufspare!
Ich sollt nur Feinde haben, die zu hassen sind,aber nicht Feinde zum Verachten:ihr müsst stolz auf euren Feind sein:also lehrte ich schon Ein Mal.
Dem würdigeren Feinde, oh meine Freunde, sollt ihr euch aufsparen:darum müsst ihr an Vielem vorübergehn, —
— sonderlich an vielem Gesindel,das euch in die Ohren lärmt von Volk und Völkern.
Haltet euer Auge rein von ihrem Für und Wider!Da giebt es viel Recht, viel Unrecht:wer da zusieht, wird zornig.
Dreinschaun, dreinhaun — das ist da Eins:darum geht weg in die Wälder und legt euer Schwert schlafen!
Geht eure Wege! Und lasst Volk und Völker die ihren gehn! —dunkle Wege wahrlich, auf denen auch nicht Eine Hoffnungmehr wetterleuchtet!
Mag da der Krämer herrschen, wo Alles, was noch glänzt—Krämer-Gold ist! Es ist die Zeit der Könige nicht mehr:was sich heute Volk heisst, verdient keine Könige.
Seht doch, wie diese Völker jetzt selber den Krämern gleich thun:sie lesen sich die kleinsten Vortheile noch aus jedem Kehricht!
Sie lauern einander auf, sie lauern einander Etwas ab, —das heissen sie „gute Nachbarschaft.“Oh selige ferne Zeit, wo ein Volk sich sagte:„ich will über Völker — Herr sein!“
Denn, meine Brüder: das Beste soll herrschen,das Beste will auch herrschen!Und wo die Lehre anders lautet, da — fehlt es am Besten.
*
* * 22.
Wenn Die — Brod umsonst hätten, wehe!Wonach würden Die schrein!Ihr Unterhalt — das ist ihre rechte Unterhaltung;und sie sollen es schwer haben!
Raubthiere sind es: in ihrem „Arbeiten“ — da ist auch noch Rauben,in ihrem „Verdienen“ — da ist auch noch Überlisten!Darum sollen sie es schwer haben!
Bessere Raubthiere sollen sie also werden,feinere, klügere, menschen-ähnlichere:der Mensch nämlich ist das beste Raubthier.
Allen Thieren hat der Mensch schon ihre Tugenden abgeraubt:das macht, von allen Thieren hat es der Mensch am schwersten gehabt.
Nur noch die Vögel sind über ihm.Und wenn der Mensch noch fliegen lernte, wehe!wohinauf — würde seine Raublust fliegen!
*
* * 23.
So will ich Mann und Weib: kriegstüchtig den Einen,gebärtüchtig das Andre, beide aber tanztüchtig mit Kopf und Beinen.
Und verloren sei uns der Tag, wo nicht Ein Mal getanzt wurde!Und falsch heisse uns jede Wahrheit,bei der es nicht Ein Gelächter gab!
*
* * 24.
Euer Eheschliessen: seht zu, dass es nicht ein schlechtes Schliessen sei!Ihr schlosset zu schnell: so folgt daraus — Ehebrechen!
Und besser noch Ehebrechen als Ehe-biegen, Ehelügen! —So sprach mir ein Weib: „wohl brach ich die Ehe,aber zuerst brach die Ehe — mich!“
Schlimm-Gepaarte fand ich immer als die schlimmsten Rachsüchtigen:sie lassen es aller Welt entgelten,dass sie nicht mehr einzeln laufen.
Desswillen will ich, dass Redliche zu einander reden:„wir lieben uns: lasst uns zusehn, dass wir uns lieb behalten!Oder soll unser Versprechen ein Versehen sein?“
— „Gebt uns eine Frist und kleine Ehe, dass wir zusehn,ob wir zur grossen Ehe taugen!Es ist ein grosses Ding, immer zu Zwein sein!“
Also rathe ich allen Redlichen; und was wäre denn meine Liebezum Übermenschen und zu Allem, was kommen soll,wenn ich anders riethe und redete!
Nicht nur fort euch zu pflanzen, sondern hinauf —dazu, oh meine Brüder, helfe euch der Garten der Ehe!
*
* * 25.
Wer über alte Ursprünge weise wurde, siehe,der wird zuletzt nach Quellen der Zukunft suchenund nach neuen Ursprüngen. —
Oh meine Brüder, es ist nicht über lange,da werden neue Völker entspringenund neue Quellen hinab in neue Tiefen rauschen.
Das Erdbeben nämlich — das verschüttet viel Brunnen,das schafft viel Verschmachten:das hebt auch innre Kräfte und Heimlichkeiten an’s Licht.
Das Erdbeben macht neue Quellen offenbar.Im Erdbeben alter Völker brechen neue Quellen aus.
Und wer da ruft: „Siehe hier ein Brunnen für viele Durstige,Ein Herz für viele Sehnsüchtige,Ein Wille für viele Werkzeuge“: —um den sammelt sich ein Volk, das ist: viel Versuchende.
Wer befehlen kann, wer gehorchen muss — Das wird da versucht!Ach, mit welch langem Suchen und Rathen und Missrathenund Lernen und Neu-Versuchen!
Die Menschen-Gesellschaft: die ist ein Versuch, so lehre ich’s, —ein langes Suchen: sie sucht aber den Befehlenden! —
— ein Versuch, oh meine Brüder! Und kein „Vertrag“!Zerbrecht, zerbrecht mir solch Wort der Weich-Herzen und Halb-und Halben!
*
* * 26.
Oh meine Brüder! Bei Welchen liegt doch die grösste Gefahraller Menschen-Zukunft?Ist es nicht bei den Guten und Gerechten? —
— als bei Denen, die sprechen und im Herzen fühlen:„wir wissen schon, was gut ist und gerecht, wir haben es auch;wehe Denen, die hier noch suchen!“
Und was für Schaden auch die Bösen thun mögen:der Schaden der Guten ist der schädlichste Schaden!
Und was für Schaden auch die Welt-Verleumder thun mögen:der Schaden der Guten ist der schädlichste Schaden.
Oh meine Brüder, den Guten und Gerechten sah Einer einmal in’s Herz,der da sprach: „es sind die Pharisäer.“Aber man verstand ihn nicht.
Die Guten und Gerechten selber durften ihn nicht verstehen:ihr Geist ist eingefangen in ihr gutes Gewissen.Die Dummheit der Guten ist unergründlich klug.
Das aber ist die Wahrheit: die Guten müssen Pharisäer sein, —sie haben keine Wahl!
Die Guten müssen Den kreuzigen, der sich seine eigne Tugend erfindet!Das ist die Wahrheit!
Der Zweite aber, der ihr Land entdeckte,Land, Herz und Erdreich der Guten und Gerechten:das war, der da fragte: „wen hassen sie am meisten?“
Den Schaffenden hassen sie am meisten:den, der Tafeln bricht und alte Werthe, den Brecher —den heissen sie Verbrecher.
Die Guten nämlich — die können nicht schaffen:die sind immer der Anfang vom Ende: —
— sie kreuzigen Den, der neue Werthe auf neue Tafeln schreibt,sie opfern sich die Zukunft, — sie kreuzigen alle Menschen-Zukunft!
Die Guten — die waren immer der Anfang vom Ende. —
*
* * 27.
Oh meine Brüder, verstandet ihr auch diess Wort?Und was ich einst sagte vom „letzten Menschen“? — —
Bei Welchen liegt die grösste Gefahr aller Menschen-Zukunft?Ist es nicht bei den Guten und Gerechten?
Zerbrecht, zerbrecht mir die Guten und Gerechten! —Oh meine Brüder, verstandet ihr auch diess Wort?
*
* * 28.
Ihr flieht von mir? Ihr seid erschreckt?Ihr zittert vor diesem Worte?
Oh meine Brüder, als ich euch die Guten zerbrechen hiessund die Tafeln der Guten:da erst schiffte ich den Menschen ein auf seine hohe See.
Und nun erst kommt ihm der grosse Schrecken, das grosse Um-sich-sehn,die grosse Krankheit, der grosse Ekel, die grosse See-Krankheit.
Falsche Küsten und falsche Sicherheiten lehrten euch die Guten;in Lügen der Guten wart ihr geboren und geborgen.Alles ist in den Grund hinein verlogen und verbogen durch die Guten.
Aber wer das Land „Mensch“ entdeckte,entdeckte auch das Land „Menschen-Zukunft“.Nun sollt ihr mir Seefahrer sein, wackere, geduldsame!
Aufrecht geht mir bei Zeiten, oh meine Brüder, lernt aufrecht gehn!Das Meer stürmt: Viele wollen an euch sich wieder aufrichten.
Das Meer stürmt: Alles ist im Meere.Wohlan! Wohlauf! Ihr alten Seemanns-Herzen!
Was Vaterland! Dorthin will unser Steuer, wo unser Kinder-Land ist!Dorthinaus, stürmischer als das Meer, stürmt unsre grosse Sehnsucht! —
*
* * 29.
„Warum so hart! — sprach zum Diamanten einst die Küchen-Kohle;sind wir denn nicht Nah-Verwandte?“ —
Warum so weich? Oh meine Brüder, also frage ich euch:seid ihr denn nicht — meine Brüder?
Warum so weich, so weichend und nachgebend?Warum ist so viel Leugnung, Verleugnung in eurem Herzen?So wenig Schicksal in eurem Blicke?
Und wollt ihr nicht Schicksale sein und Unerbittliche:wie könntet ihr mit mir — siegen?
Und wenn eure Härte nicht blitzen und scheiden und zerschneiden will:wie könntet ihr einst mit mir — schaffen?
Die Schaffenden nämlich sind hart.Und Seligkeit muss es euch dünken,eure Hand auf Jahrtausende zu drücken wie auf Wachs, —
— Seligkeit, auf dem Willen von Jahrtausenden zu schreiben wie auf Erz, —härter als Erz, edler als Erz.Ganz hart ist allein das Edelste.
Diese neue Tafel, oh meine Brüder, stelle ich über euch:werdet hart! —
*
* * 30.
Oh du mein Wille! Du Wende aller Noth, du meine Nothwendigkeit!Bewahre mich vor allen kleinen Siegen!
Du Schickung meiner Seele, die ich Schicksal heisse!Du In-mir! Über-mir!Bewahre und spare mich auf zu Einem grossen Schicksale!
Und deine letzte Grösse, mein Wille, spare dir für dein Letztes auf, —dass du unerbittlich bist in deinem Siege!Ach, wer unterlag nicht seinem Siege!
Ach, wessen Auge dunkelte nicht in dieser trunkenen Dämmerung!Ach, wessen Fuss taumelte nicht und verlernte im Siege — stehen! —
— Dass ich einst bereit und reif sei im grossen Mittage:bereit und reif gleich glühendem Erze, blitzschwangrer Wolkeund schwellendem Milch-Euter: —
— bereit zu mir selber und zu meinem verborgensten Willen:ein Bogen brünstig nach seinem Pfeile,ein Pfeil brünstig nach seinem Sterne: —
— ein Stern bereit und reif in seinem Mittage, glühend, durchbohrt,selig vor vernichtenden Sonnen-Pfeilen: —
— eine Sonne selber und ein unerbittlicher Sonnen-Wille,zum Vernichten bereit im Siegen!
Oh Wille, Wende aller Noth, du meine Nothwendigkeit!Spare mich auf zu Einem grossen Siege! — —
Also sprach Zarathustra.
*
* * Der Genesende. 1.
Eines Morgens, nicht lange nach seiner Rückkehr zur Höhle,sprang Zarathustra von seinem Lager auf wie ein Toller,schrie mit furchtbarer Stimme und gebärdete sich,als ob noch Einer auf dem Lager läge, der nicht davon aufstehn wolle;und also tönte Zarathustra’s Stimme,dass seine Thiere erschreckt hinzukamen,und dass aus allen Höhlen und Schlupfwinkeln,die Zarathustra’s Höhle benachbart waren, alles Gethier davon huschte, —fliegend, flatternd, kriechend, springend,wie ihm nur die Art von Fuss und Flügel gegeben war.Zarathustra aber redete diese Worte:
Herauf, abgründlicher Gedanke, aus meiner Tiefe!Ich bin dein Hahn und Morgen-Grauen, verschlafener Wurm: auf! auf!Meine Stimme soll dich schon wach krähen!
Knüpfe die Fessel deiner Ohren los: horche! Denn ich will dich hören!Auf! Auf! Hier ist Donners genug, dass auch Gräber horchen lernen!
Und wische den Schlaf und alles Blöde, Blinde aus deinen Augen!Höre mich auch mit deinen Augen:meine Stimme ist ein Heilmittel noch für Blindgeborne.
Und bist du erst wach, sollst du mir ewig wach bleiben.Nicht ist das meine Art, Urgrossmütter aus dem Schlafe wecken,dass ich sie heisse — weiterschlafen!
Du regst dich, dehnst dich, röchelst? Auf! Auf!Nicht röcheln — reden sollst du mir!Zarathustra ruft dich, der Gottlose!
Ich, Zarathustra, der Fürsprecher des Lebens,der Fürsprecher des Leidens, der Fürsprecher des Kreises —dich rufe ich, meinen abgründlichsten Gedanken!
Heil mir! Du kommst — ich höre dich!Mein Abgrund redet, meine letzte Tiefe habe ich an’s Licht gestülpt!
Heil mir! Heran! Gieb die Hand — — ha! lass! Haha! — —Ekel, Ekel, Ekel — — — wehe mir!
*
* * 2.
Kaum aber hatte Zarathustra diese Worte gesprochen,da stürzte er nieder gleich einem Todtenund blieb lange wie ein Todter.Als er aber wieder zu sich kam, da war er bleich und zitterteund blieb liegen und wollte lange nicht essen noch trinken.Solches Wesen dauerte an ihm sieben Tage;seine Thiere verliessen ihn aber nicht bei Tag und Nacht,es sei denn, dass der Adler ausflog, Speise zu holen.Und was er holte und zusammenraubte,das legte er auf Zarathustra’s Lager:also dass Zarathustra endlich unter gelben und rothen Beeren,Trauben, Rosenäpfeln, wohlriechendem Krautwerke und Pinien-Zapfen lag.Zu seinen Füssen aber waren zwei Lämmer gebreitet,welche der Adler mit Mühe ihren Hirten abgeraubt hatte.
Endlich, nach sieben Tagen, richtete sich Zarathustraauf seinem Lager auf, nahm einen Rosenapfel in die Hand,roch daran und fand seinen Geruch lieblich.Da glaubten seine Thiere, die Zeit sei gekommen,mit ihm zu reden.
„Oh Zarathustra, sagten sie, nun liegst du schon sieben Tage so,mit schweren Augen:willst du dich nicht endlich wieder auf deine Füsse stellen?
Tritt hinaus aus deiner Höhle: die Welt wartet dein wie ein Garten.Der Wind spielt mit schweren Wohlgerüchen, die zu dir wollen;und alle Bäche möchten dir nachlaufen.
Alle Dinge sehnen sich nach dir, dieweil du sieben Tage allein bliebst, —tritt hinaus aus deiner Höhle! Alle Dinge wollen deine Ärzte sein!
Kam wohl eine neue Erkenntniss zu dir, eine saure, schwere?Gleich angesäuertem Teige lagst du,deine Seele gieng auf und schwoll über alle ihre Ränder. —“
— Oh meine Thiere, antwortete Zarathustra,schwätzt also weiter und lasst mich zuhören!Es erquickt mich so, dass ihr schwätzt:wo geschwätzt wird, da liegt mir schon die Welt wie ein Garten.
Wie lieblich ist es, dass Worte und Töne da sind:sind nicht Worte und Töne Regenbogenund Schein-Brücken zwischen Ewig-Geschiedenem?
Zu jeder Seele gehört eine andre Welt;für jede Seele ist jede andre Seele eine Hinterwelt.
Zwischen dem Ähnlichsten gerade lügt der Schein am schönsten;denn die kleinste Kluft ist am schwersten zu überbrücken.
Für mich — wie gäbe es ein Ausser-mir? Es giebt kein Aussen!Aber das vergessen wir bei allen Tönen;wie lieblich ist es, dass wir vergessen!
Sind nicht den Dingen Namen und Töne geschenkt,dass der Mensch sich an den Dingen erquicke?Es ist eine schöne Narrethei, das Sprechen:damit tanzt der Mensch über alle Dinge.
Wie lieblich ist alles Reden und alle Lüge der Töne!Mit Tönen tanzt unsre Liebe auf bunten Regenbögen. —
— „Oh Zarathustra, sagten darauf die Thiere,Solchen, die denken wie wir,tanzen alle Dinge selber:das kommt und reicht sich die Handund lacht und flieht — und kommt zurück.
Alles geht, Alles kommt zurück;ewig rollt das Rad des Seins.Alles stirbt, Alles blüht wieder auf,ewig läuft das Jahr des Seins.
Alles bricht, Alles wird neu gefügt;ewig baut sich das gleiche Haus des Seins.Alles scheidet, Alles grüsst sich wieder;ewig bleibt sich treu der Ring des Seins.
In jedem Nu beginnt das Sein;um jedes Hier rollt sich die Kugel Dort.Die Mitte ist überall.Krumm ist der Pfad der Ewigkeit.“ —
— Oh ihr Schalks-Narren und Drehorgeln!antwortete Zarathustra und lächelte wieder,wie gut wisst ihr,was sich in sieben Tagen erfüllen musste: —
— und wie jenes Unthier mir in den Schlund krochund mich würgte!Aber ich biss ihm den Kopf abund spie ihn weg von mir.
Und ihr, — ihr machtet schon ein Leier-Lied daraus?Nun aber liege ich da,müde noch von diesem Beissen und Wegspein,krank noch von der eigenen Erlösung.
Und ihr schautet dem Allen zu?Oh meine Thiere, seid auch ihr grausam?Habt ihr meinem grossen Schmerze zuschaun wollen,wie Menschen thun?Der Mensch nämlich ist das grausamste Thier.
Bei Trauerspielen, Stierkämpfen und Kreuzigungenist es ihm bisher am wohlsten geworden auf Erden;und als er sich die Hölle erfand, siehe,da war das sein Himmel auf Erden.
Wenn der grosse Mensch schreit —:flugs läuft der kleine hinzu;und die Zunge hängt ihm aus dem Halse vor Lüsternheit.Er aber heisst es sein „Mitleiden.“
Der kleine Mensch, sonderlich der Dichter —wie eifrig klagt er das Leben in Worten an!Hört hin, aber überhört mir die Lust nicht,die in allem Anklagen ist!
Solche Ankläger des Lebens:die überwindet das Leben mit einem Augenblinzeln.„Du liebst mich? sagt die Freche;warte noch ein Wenig,noch habe ich für dich nicht Zeit.“
Der Mensch ist gegen sich selber das grausamste Thier;und bei Allem, was sich „Sünder“und „Kreuzträger“ und „Büsser“ heisst,überhört mir die Wollust nicht,die in diesem Klagen und Anklagen ist!
Und ich selber — will ich damit des Menschen Ankläger sein?Ach, meine Thiere, Das allein lernte ich bisher,dass dem Menschen sein Bösestes nöthig ist zu seinem Besten, —
— dass alles Böseste seine beste Kraft istund der härteste Stein dem höchsten Schaffenden;und dass der Mensch besser und böser werden muss: —
Nicht an diess Marterholz war ich geheftet,dass ich weiss: der Mensch ist böse, —sondern ich schrie, wie noch Niemand geschrien hat:
„Ach dass sein Bösestes so gar klein ist!Ach dass sein Bestes so gar klein ist!“
Der grosse Überdruss am Menschen —der würgte mich und war mir in den Schlund gekrochen:und was der Wahrsager wahrsagte:„Alles ist gleich, es lohnt sich Nichts, Wissen würgt.“
Eine lange Dämmerung hinkte vor mir her,eine todesmüde, todestrunkene Traurigkeit,welche mit gähnendem Munde redete.
„Ewig kehrt er wieder, der Mensch,dess du müde bist, der kleine Mensch“ —so gähnte meine Traurigkeit und schleppte den Fussund konnte nicht einschlafen.
Zur Höhle wandelte sich mir die Menschen-Erde,ihre Brust sank hinein,alles Lebendige ward mir Menschen-Moderund Knochen und morsche Vergangenheit.
Mein Seufzen sass auf allen Menschen-Gräbernund konnte nicht mehr aufstehn;mein Seufzen und Fragen unkte und würgteund nagte und klagte bei Tag und Nacht:
— „ach, der Mensch kehrt ewig wieder!Der kleine Mensch kehrt ewig wieder!“ —
Nackt hatte ich einst Beide gesehn,den grössten Menschen und den kleinsten Menschen:allzuähnlich einander, —allzumenschlich auch den Grössten noch!
Allzuklein der Grösste! —Das war mein Überdruss am Menschen!Und ewige Wiederkunft auch des Kleinsten! —Das war mein Überdruss an allem Dasein!
Ach, Ekel! Ekel! Ekel! — —Also sprach Zarathustra und seufzte und schauderte;denn er erinnerte sich seiner Krankheit.Da liessen ihn aber seine Thiere nicht weiter reden.
„Sprich nicht weiter, du Genesender! —so antworteten ihm seine Thiere,sondern geh hinaus, wo die Welt auf dich wartet,gleich einem Garten.
Geh hinaus zu den Rosen und Bienen und Taubenschwärmen!Sonderlich aber zu den Singe-Vögeln:dass du ihnen das Singen ablernst!
Singen nämlich ist für Genesende;der Gesunde mag reden.Und wenn auch der Gesunde Lieder will,will er andre Lieder doch als der Genesende.“
— „Oh ihr Schalks-Narren und Drehorgeln, so schweigt doch! —antwortete Zarathustra und lächelte über seine Thiere.Wie gut ihr wisst,welchen Trost ich mir selber in sieben Tagen erfand!
Dass ich wieder singen müsse, —den Trost erfand ich mir und diese Genesung:wollt ihr auch daraus gleich wieder ein Leier-Lied machen?“
— „Sprich nicht weiter, antworteten ihm abermals seine Thiere;lieber noch, du Genesender, mache dir erst eine Leier zurecht,eine neue Leier!
Denn siehe doch, oh Zarathustra!Zu deinen neuen Liedern bedarf es neuer Leiern.
Singe und brause über, oh Zarathustra,heile mit neuen Liedern deine Seele:dass du dein grosses Schicksal tragest,das noch keines Menschen Schicksal war!
Denn deine Thiere wissen es wohl, oh Zarathustra,wer du bist und werden musst:siehe, du bist der Lehrer der ewigen Wiederkunft —,das ist nun dein Schicksal!
Dass du als der Erste diese Lehre lehren musst, —wie sollte diess grosse Schicksalnicht auch deine grösste Gefahr und Krankheit sein!
Siehe, wir wissen, was du lehrst:dass alle Dinge ewig wiederkehren und wir selber mit,und dass wir schon ewige Male dagewesen sind,und alle Dinge mit uns.
Du lehrst, dass es ein grosses Jahr des Werdens giebt,ein Ungeheuer von grossem Jahre:das muss sich, einer Sanduhr gleich,immer wieder von Neuem umdrehn,damit es von Neuem ablaufe und auslaufe: —
— so dass alle diese Jahre sich selber gleich sind,im Grössten und auch im Kleinsten, —so dass wir selber in jedem grossen Jahreuns selber gleich sind, im Grössten und auch im Kleinsten.
Und wenn du jetzt sterben wolltest, oh Zarathustra:siehe, wir wissen auch, wie du da zu dir sprechen würdest: —aber deine Thiere bitten dich, dass du noch nicht sterbest!
Du würdest sprechen und ohne Zittern,vielmehr aufathmend vor Seligkeit:denn eine grosse Schwere und Schwülewäre von dir genommen, du Geduldigster! —
„Nun sterbe und schwinde ich, würdest du sprechen,und im Nu bin ich ein Nichts.Die Seelen sind so sterblich wie die Leiber.
Aber der Knoten von Ursachen kehrt wieder,in den ich verschlungen bin, —der wird mich wieder schaffen!Ich selber gehöre zu den Ursachen der ewigen Wiederkunft.
Ich komme wieder, mit dieser Sonne, mit dieser Erde,mit diesem Adler, mit dieser Schlange —nicht zu einem neuen Leben oder besseren Lebenoder ähnlichen Leben:
— ich komme ewig wieder zu diesem gleichen und selbigen Leben,im Grössten und auch im Kleinsten,dass ich wieder aller Dinge ewige Wiederkunft lehre, —
— dass ich wieder das Wort sprechevom grossen Erden- und Menschen-Mittage,dass ich wieder den Menschen den Übermenschen künde.
Ich sprach mein Wort, ich zerbreche an meinem Wort:so will es mein ewiges Loos —,als Verkündiger gehe ich zu Grunde!
Die Stunde kam nun,dass der Untergehende sich selber segnet.Also — endet Zarathustras Untergang.“— —
Als die Thiere diese Worte gesprochen hatten,schwiegen sie und warteten,dass Zarathustra Etwas zu ihnen sagen werde:aber Zarathustra hörte nicht, dass sie schwiegen.Vielmehr lag er still, mit geschlossenen Augen,einem Schlafenden ähnlich, ob er schon nicht schlief:denn er unterredete sich eben mit seiner Seele.Die Schlange aber und der Adler,als sie ihn solchermaassen schweigsam fanden,ehrten die grosse Stille um ihnund machten sich behutsam davon.
Von der grossen Sehnsucht.
Oh meine Seele, ich lehrte dich „Heute“ sagenwie „Einst“ und „Ehemals“und über alles Hier und Da und Dortdeinen Reigen hinweg tanzen.
Oh meine Seele, ich erlöste dich von allen Winkeln,ich kehrte Staub, Spinnen und Zwielicht von dir ab.
Oh meine Seele, ich wusch die kleine Schamund die Winkel-Tugend von dir abund überredete dich, nackt vor den Augen der Sonne zu stehn.
Mit dem Sturme, welcher „Geist“ heisst,blies ich über deine wogende See;alle Wolken blies ich davon,ich erwürgte selbst die Würgerin, die „Sünde“ heisst.
Oh meine Seele, ich gab dir das Recht,Nein zu sagen wie der Sturmund Ja zu sagen wie offner Himmel Ja sagt:still wie Licht stehst duund gehst du nun durch verneinende Stürme.
Oh meine Seele, ich gab dir die Freiheit zurücküber Erschaffnes und Unerschaffnes:und wer kennt, wie du sie kennst,die Wollust des Zukünftigen?
Oh meine Seele, ich lehrte dich das Verachten,das nicht wie ein Wurmfrass kommt,das grosse, das liebende Verachten,welches am meisten liebt, wo es am meisten verachtet.
Oh meine Seele, ich lehrte dich so überreden,dass du zu dir die Gründe selber überredest:der Sonne gleich,die das Meer noch zu seiner Höhe überredet.
Oh meine Seele, ich nahm von dir alles GehorchenKniebeugen und Herr-Sagen;ich gab dir selber den Namen „Wende der Noth“ und „Schicksal“.Oh meine Seele, ich gab dir neue Namen und bunte Spielwerke,ich hiess dich „Schicksal“ und „Umfang der Umfänge“und „Nabelschnur der Zeit“ und „azurne Glocke“.
Oh meine Seele, deinem Erdreich gab ich alle Weisheit zu trinken,alle neuen Weine und auch alleunvordenklich alten starken Weine der Weisheit.
Oh meine Seele, jede Sonne goss ich auf dichund jede Nacht und jedes Schweigen und jede Sehnsucht: —da wuchsest du mir auf wie ein Weinstock.
Oh meine Seele, überreich und schwer stehst du nun da,ein Weinstock mit schwellenden Euternund gedrängten braunen Gold-Weintrauben: —
— gedrängt und gedrückt von deinem Glücke,wartend vor Überflusseund schamhaft noch ob deines Wartens.
Oh meine Seele, es giebt nun nirgends eine Seele,die liebender wäre und umfangender und umfänglicher!Wo wäre Zukunft und Vergangnes näher beisammen als bei dir?
Oh meine Seele, ich gab dir Alles,und alle meine Hände sind an dich leer geworden: — und nun!Nun sagst du mir lächelnd und voll Schwermuth:„Wer von uns hat zu danken? —
— hat der Geber nicht zu danken, dass der Nehmende nahm?Ist Schenken nicht eine Nothdurft?Ist Nehmen nicht — Erbarmen?“ —
Oh meine Seele, ich verstehe das Lächeln deiner Schwermuth:dein Über-Reichthum selber streckt nun sehnende Hände aus!
Deine Fülle blickt über brausende Meere hinund sucht und wartet;die Sehnsucht der Über-Fülle blicktaus deinem lächelnden Augen-Himmel!
Und wahrlich, oh meine Seele!Wer sähe dein Lächeln und schmölze nicht vor Thränen?Die Engel selber schmelzen vor Thränenob der Über-Güte deines Lächelns.
Deine Güte und Über-Güte ist es,die nicht klagen und weinen will:und doch sehnt sich, oh meine Seele,dein Lächeln nach Thränenund dein zitternder Mund nach Schluchzen.
„Ist alles Weinen nicht ein Klagen?Und alles Klagen nicht ein Anklagen?“Also redest du zu dir selber, und darum willst du,oh meine Seele, lieber lächeln, als dein Leid ausschütten
— in stürzende Thränen ausschütten all dein Leidüber deine Fülle und über all die Drängniss des Weinstocksnach Winzer und Winzermesser!
Aber willst du nicht weinen,nicht ausweinen deine purpurne Schwermuth,so wirst du singen müssen, oh meine Seele! —Siehe, ich lächle selber, der ich dir solches vorhersage:
— singen, mit brausendem Gesange,bis alle Meere still werden,dass sie deiner Sehnsucht zuhorchen, —
— bis über stille sehnsüchtige Meere der Nachen schwebt,das güldene Wunder, um dessen Goldalle guten schlimmen wunderlichen Dinge hüpfen: —
— auch vieles grosse und kleine Gethier und Alles,was leichte wunderliche Füsse hat,dass es auf veilchenblauen Pfaden laufen kann, —
— hin zu dem güldenen Wunder,dem freiwilligen Nachen und zu seinem Herrn:das aber ist der Winzer,der mit diamantenem Winzermesser wartet, —
— dein grosser Löser, oh meine Seele, der Namenlose — —dem zukünftige Gesänge erst Namen finden!Und wahrlich, schon duftet dein Athemnach zukünftigen Gesängen, —
— schon glühst du und träumst,schon trinkst du durstigan allen tiefen klingenden Trost-Brunnen,schon ruht deine Schwermuthin der Seligkeit zukünftiger Gesänge! — —
Oh meine Seele, nun gab ich dir Alles und auch mein Letztes,und alle meine Hände sind an dich leer geworden: —dass ich dich singen hiess, siehe, das war mein Letztes!
Dass ich dich singen hiess, sprich nun, sprich:wer von uns hat jetzt — zu danken? —Besser aber noch: singe mir, singe, oh meine Seele!Und mich lass danken! —
Also sprach Zarathustra.
* Das andere Tanzlied. 1.
„In dein Auge schaute ich jüngst, oh Leben:Gold sah ich in deinem Nacht-Auge blinken, —mein Herz stand still vor dieser Wollust:
— einen goldenen Kahn sah ich blinken auf nächtigen Gewässern,einen sinkenden, trinkenden,wieder winkenden goldenen Schaukel-Kahn!
Nach meinem Fusse, dem tanzwüthigen, warfst du einen Blick,einen lachenden fragenden schmelzenden Schaukel-Blick:
Zwei Mal nur regtest du deine Klapper mit kleinen Händen —da schaukelte schon mein Fuss vor Tanz-Wuth. —
Meine Fersen bäumten sich, meine Zehen horchten,dich zu verstehen:trägt doch der Tänzer sein Ohr — in seinen Zehen!
Zu dir hin sprang ich: da flohst du zurück vor meinem Sprunge;und gegen mich züngelte deines fliehenden fliegenden Haars Zunge!
Von dir weg sprang ich und von deinen Schlangen:da standst du schon, halbgewandt,das Auge voll Verlangen.
Mit krummen Blicken — lehrst du mich krumme Bahnen;auf krummen Bahnen lernt mein Fuss — Tücken!
Ich fürchte dich Nahe, ich liebe dich Ferne;deine Flucht lockt mich, dein Suchen stockt mich: —ich leide, aber was litt ich um dich nicht gerne!
Deren Kälte zündet, deren Hass verführt,deren Flucht bindet, deren Spott — rührt:
Wohin ziehst du mich jetzt, du Ausbund und Unband?Und jetzt fliehst du mich wieder,du süsser Wildfang und Undank!
Ich tanze dir nach, ich folge dir auch auf geringer Spur.Wo bist du? Gieb mir die Hand! Oder einen Finger nur!
Hier sind Höhlen und Dickichte: wir werden uns verirren! —Halt! Steh still! Siehst du nicht Eulenund Fledermäuse schwirren?
Du Eule! Du Fledermaus! Du willst mich äffen?Wo sind wir? Von den Hunden lerntest du diess Heulen und Kläffen.
Du fletschest mich lieblich an mit weissen Zähnlein,deine bösen Augen springen gegen mich aus lockichtem Mähnlein!
Das ist ein Tanz über Stock und Stein:ich bin der Jäger, —willst du mein Hund oder meine Gemse sein?
Jetzt neben mir! Und geschwind, du boshafte Springerin!Jetzt hinauf! Und hinüber! —Wehe! Da fiel ich selber im Springen hin!
Oh sieh mich liegen, du Übermuth, und um Gnade flehn!Gerne möchte ich mit dir — lieblichere Pfade gehn!
— der Liebe Pfade durch stille bunte Büsche!Oder dort den See entlang:da schwimmen und tanzen Goldfische!
Du bist jetzt müde? Da drüben sind Schafe und Abendröthen:ist es nicht schön, zu schlafen, wenn Schäfer flöten?
Du bist so arg müde? Ich trage dich hin,lass nur die Arme sinken!Und hast du Durst, — ich hätte wohl Etwas,aber dein Mund will es nicht trinken! —
— Oh diese verfluchte flinke gelenke Schlange und Schlupf-Hexe!Wo bist du hin? Aber im Gesicht fühle ich von deiner Handzwei Tupfen und rothe Klexe!
Ich bin es wahrlich müde, immer dein schafichter Schäfer zu sein!Du Hexe, habe ich dir bisher gesungen,nun sollst du mir — schrein!
Nach dem Takt meiner Peitsche sollst du mir tanzen und schrein!Ich vergass doch die Peitsche nicht? — Nein!“ —
* 2.
Da antwortete mir das Leben alsound hielt sich dabei die zierlichen Ohren zu:
„Oh Zarathustra! Klatsche doch nicht so fürchterlich mit deiner Peitsche!Du weisst es ja: Lärm mordet Gedanken, —und eben kommen mir so zärtliche Gedanken.
Wir sind Beide zwei rechte Thunichtgute und Thunichtböse.Jenseits von Gut und Böse fanden wir unser Eilandund unsre grüne Wiese — wir Zwei allein!Darum müssen wir schon einander gut sein!
Und lieben wir uns auch nicht von Grund aus —,muss man sich denn gram sein,wenn man sich nicht von Grund aus liebt?
Und dass ich dir gut bin und oft zu gut,Das weisst du: und der Grund ist,dass ich auf deine Weisheit eifersüchtig bin.Ah, diese tolle alte Närrin von Weisheit!
Wenn dir deine Weisheit einmal davonliefe, ach!da liefe dir schnell auch meine Liebe noch davon.“ —
Darauf blickte das Leben nachdenklich hinter sichund um sich und sagte leise:„Oh Zarathustra, du bist mir nicht treu genug!
Du liebst mich lange nicht so sehr wie du redest;ich weiss, du denkst daran,dass du mich bald verlassen willst.
Es giebt eine alte schwere schwere Brumm-Glocke:die brummt Nachts bis zu deiner Höhle hinauf: —
— hörst du diese Glocke Mitternachts die Stunde schlagen,so denkst du zwischen Eins und Zwölf daran —
— du denkst daran, oh Zarathustra, ich weiss es,dass du mich bald verlassen willst!“ —
„Ja, antwortete ich zögernd, aber du weisst es auch —“Und ich sagte ihr Etwas in’s Ohr,mitten hinein zwischen ihre verwirrten gelben thörichten Haar-Zotteln.
Du weisst Das, oh Zarathustra? Das weiss Niemand. — —
Und wir sahen uns an und blickten auf die grüne Wiese,über welche eben der kühle Abend lief,und weinten mit einander. —Damals aber war mir das Leben lieber, als je alle meine Weisheit.
Also sprach Zarathustra.
* 3.
Eins! Oh Mensch! Gieb Acht!
Zwei! Was spricht die tiefe Mitternacht?
Drei! „Ich schlief, ich schlief —,
Vier! „Aus tiefem Traum bin ich erwacht: —
Fünf! „Die Welt ist tief,
Sechs! „Und tiefer als der Tag gedacht.
Sieben! „Tief ist ihr Weh —,
Acht! „Lust — tiefer noch als Herzeleid:
Neun! „Weh spricht: Vergeh!
Zehn! „Doch alle Lust will Ewigkeit —,
Elf! „— will tiefe, tiefe Ewigkeit!
Zwölf!
* Die sieben Siegel. (Oder: das Ja- und Amen-Lied.) 1.
Wenn ich ein Wahrsager bin und voll jenes wahrsagerischen Geistes,der auf hohem Joche zwischen zwei Meeren wandelt, —
zwischen Vergangenem und Zukünftigem als schwere Wolke wandelt, —schwülen Niederungen feind und Allem,was müde ist und nicht sterben, noch leben kann:
zum Blitze bereit im dunklen Busenund zum erlösenden Lichtstrahle,schwanger von Blitzen, die Ja! sagen, Ja! lachen,zu wahrsagerischen Blitzstrahlen: —
— selig aber ist der also Schwangere!Und wahrlich, lange muss als schweres Wetter am Berge hängen,wer einst das Licht der Zukunft zünden soll! —
oh wie sollte ich nicht nach der Ewigkeit brünstig seinund nach dem hochzeitlichen Ring der Ringe, —dem Ring der Wiederkunft!
Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte,es sei denn dieses Weib, das ich liebe:denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
* 2.
Wenn mein Zorn je Gräber brach, Grenzsteine rückteund alte Tafeln zerbrochen in steile Tiefen rollte:
Wenn mein Hohn je vermoderte Worte zerblies,und ich wie ein Besen kam den Kreuzspinnenund als Fegewind alten verdumpften Grabkammern:
Wenn ich je frohlockend sass, wo alte Götter begraben liegen,weltsegnend, weltliebend neben den Denkmalen alter Welt-Verleumder: —
— denn selbst Kirchen und Gottes-Gräber liebe ich,wenn der Himmel erst reinen Auges durch ihre zerbrochenen Decken blickt;gern sitze ich gleich Gras und rothem Mohneauf zerbrochnen Kirchen —
Oh wie sollte ich nicht nach der Ewigkeit brünstig seinund nach dem hochzeitlichen Ring der Ringe, —dem Ring der Wiederkunft?
Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte,es sei denn dieses Weib, das ich liebe:denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
* 3.
Wenn je ein Hauch zu mir kam vom schöpferischen Haucheund von jener himmlischen Noth, die noch Zufälle zwingt,Sternen-Reigen zu tanzen:
Wenn ich je mit dem Lachen des schöpferischen Blitzes lachte,dem der lange Donner der That grollend,aber gehorsam nachfolgt:
Wenn ich je am Göttertisch der Erde mit Göttern Würfel spielte,dass die Erde bebte und brachund Feuerflüsse heraufschnob: —
— denn ein Göttertisch ist die Erde,und zitternd von schöpferischen neuen Worten und Götter-Würfen: —
Oh wie sollte ich nicht nach der Ewigkeit brünstig seinund nach dem hochzeitlichen Ring der Ringe, —dem Ring der Wiederkunft?
Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte,es sei denn dieses Weib, das ich liebe:denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
* 4.
Wenn ich je vollen Zuges trankaus jenem schäumenden Würz- und Mischkruge,in dem alle Dinge gut gemischt sind:
Wenn meine Hand je Fernstes zum Nächsten gossund Feuer zu Geist und Lust zu Leidund Schlimmstes zum Gütigsten:
Wenn ich selber ein Korn bin von jenem erlösenden Salze,welches macht, dass alle Dinge im Mischkruge gut sich mischen: —
— denn es giebt ein Salz, das Gutes mit Bösem bindet;und auch das Böseste ist zum Würzen würdigund zum letzten Überschäumen: —
Oh wie sollte ich nicht nach der Ewigkeit brünstig seinund nach dem hochzeitlichen Ring der Ringe, —dem Ring der Wiederkunft?
Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte,es sei denn dieses Weib, das ich liebe:denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
* 5.
Wenn ich dem Meere hold bin und Allem, was Meeres-Art ist,und am holdesten noch, wenn es mir zornig widerspricht:
Wenn jene suchende Lust in mir ist,die nach Unentdecktem die Segel treibt,wenn eine Seefahrer-Lust in meiner Lust ist:
Wenn je mein Frohlocken rief: „die Küste schwand, —nun fiel mir die letzte Kette ab —
— das Grenzenlose braust um mich,weit hinaus glänzt mir Raum und Zeit,wohlan! wohlauf! altes Herz!“ —
Oh wie sollte ich nicht nach der Ewigkeit brünstig seinund nach dem hochzeitlichen Ring der Ringe, —dem Ring der Wiederkunft?
Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte,es sei denn dieses Weib, das ich liebe:denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
* 6.
Wenn meine Tugend eines Tänzers Tugend ist,und ich oft mit beiden Füssenin gold-smaragdenes Entzücken sprang:
Wenn meine Bosheit eine lachende Bosheit ist,heimisch unter Rosenhängen und Lilien-Hecken:
— im Lachen nämlich ist alles Böse bei einander,aber heilig- und losgesprochen durch seine eigne Seligkeit: —
Und wenn Das mein A und O ist, dass alles Schwere leicht,aller Leib Tänzer, aller Geist Vogel werde:und wahrlich, Das ist mein A und O! —
Oh wie sollte ich nicht nach der Ewigkeit brünstig seinund nach dem hochzeitlichen Ring der Ringe, —dem Ring der Wiederkunft!
Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte,es sei denn dieses Weib, das ich liebe:denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
* 7.
Wenn ich je stille Himmel über mir ausspannteund mit eignen Flügeln in eigne Himmel flog:
Wenn ich spielend in tiefen Licht-Fernen schwamm,und meiner Freiheit Vogel-Weisheit kam: —
— so aber spricht Vogel-Weisheit: „Siehe, es giebt kein Oben,kein Unten! Wirf dich umher, hinaus, zurück, du Leichter!Singe! sprich nicht mehr!
— „sind alle Worte nicht für die Schweren gemacht?Lügen dem Leichten nicht alle Worte! Singe! sprich nicht mehr!“ —
Oh wie sollte ich nicht nach der Ewigkeit brünstig seinund nach dem hochzeitlichen Ring der Ringe, —dem Ring der Wiederkunft?
Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte,es sei denn dieses Weib, das ich liebe:denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
* *
THUS SPOKE ZARATHUSTRA III
The Wanderer.
It was at midnightthat Zarathustra made his wayacross the ridge of the island,so that he might reach the other shoreby early morning:for there he meant to take ship.There was, in that place, a good roadsteadwhere foreign ships alsoliked to drop anchor;they took many a man with themwho wished to cross the seafrom the blessed isles.Now as Zarathustra was climbing the mountain,he recalled along the way his many solitary wanderingsfrom his youth on,and how many mountains and ridgesand summits he had already climbed.
I am a wanderer and a mountain-climber,he said to his heart,I do not love the plains,and it seems I cannot long sit still.
And whatever may yet come to meas destiny and experience—a wandering will be in it,and a mountain-climbing:in the end, one experiences only oneself.
The time is pastwhen accidents could still befall me;and what could now fall to my lotthat was not already my own!
It only returns,it comes home to me at last—my own Self,and those parts of it that were long abroadand scattered among all things and accidents.
And one thing more I know:I now stand before my final summit,and before that which has been saved for me the longest.Ah, I must climb my hardest path!Ah, I have begun my loneliest wandering!
But whoever is of my kinddoes not escape such an hour:the hour that says to him,“Only now do you go your way to greatness!Summit and abyss—they are now bound in one!
You go your way to greatness:now what was hitherto your ultimate dangerhas become your ultimate refuge!
You go your way to greatness:this must now be your best courage,that there is no longer any path behind you!
You go your way to greatness:here no one shall creep after you!Your own foot has erased the path behind you,and over it is written: Impossibility.
And if you now lack all ladders,you must understand howto climb upon your own head:how else would you climb upward?
Upon your own head,and beyond your own heart!Now the mildest in youmust become the hardest.
He who has always spared himself much,at last becomes sick from his great sparing.Praised be what makes us hard!I do not praise the landwhere butter and honey—flow!
To learn to look away from oneself is necessaryto see much:—this hardness is needed by every mountain-climber.
But he who is obtrusive with his eyesas a knower,how should he see more of all thingsthan their foregrounds!
But you, O Zarathustra,would behold the ground and background of all things:so you must climb above yourself,—onward, upward, until you have even your starsbeneath you!
Yes! To look down upon myselfand even upon my stars:that alone would I call my summit,that has remained for me as my last summit!” —
Thus spoke Zarathustra to himself as he climbed,comforting his heart with hard maxims:for he was wounded in his heartas never before.And when he reached the height of the mountain ridge,behold, the other sea lay spread out before him:and he stood still and was long silent.The night, however, was cold at this height,and clear, and bright with stars.
I recognize my fate, he said at last with sadness.Well then! I am ready.My last solitude has just begun.
Ah, this black, mournful sea below me!Ah, this pregnant nightly discontent!Ah, destiny and sea!Down to you I must now descend!
Before my highest mountain I stand,and before my longest wandering:therefore I must first descend deeperthan I ever ascended:
—deeper into painthan I ever ascended,even into its blackest flood!So my destiny wills it. Well then! I am ready.
Whence come the highest mountains?so I once asked.Then I learned that they come from the sea.
This testimony is written in their stoneand in the walls of their summits.From the deepest must the highestcome to its height. —
Thus spoke Zarathustra at the peak of the mountain,where it was cold;but when he came into the vicinity of the seaand at last stood alone among the cliffs,he had grown weary on his wayand more longing than before.
Everything is still asleep now, he spoke;the sea, too, is asleep.Drowsy and strange, its eye gazes at me.
But it breathes warm, I feel it.And I feel, too, that it is dreaming.It writhes, dreaming, on hard pillows.
Hark! Hark! How it groans from evil memories!Or evil expectations?
Ah, I am sad with you, you dark monster,and for your own sake I am still angry with myself.
Ah, that my hand has not strength enough!Gladly, truly, would I deliver youfrom evil dreams! —
And as Zarathustra spoke thus,he laughed at himself with melancholy and bitterness.“What! Zarathustra!” he said,“would you sing comfort even to the sea?
Ah, you loving fool Zarathustra,you over-blessed in trust!But you were always so:you always came confidentially to all that is fearsome.
You wanted to caress every monster.A breath of warm air,a bit of soft fleece on its paw—:and at once you were ready to love and entice it.
Love is the danger of the loneliest one,love for anything, if only it lives!For laughter, truly, is my follyand my modesty in love!” —
Thus spoke Zarathustra, and laughed a second time:but then he thought of his abandoned friends—,and as if he had wronged themwith his thoughts,he grew angry with himself for his thoughts.And forthwith it happened that the laughing one wept:—with anger and longing Zarathustra wept bitterly.
Of the Vision and the Riddle. 1.
When it became known among the ship’s crewthat Zarathustra was on board—for a man who came from the blessed isleshad boarded at the same time as he—a great curiosity and expectation arose.But Zarathustra was silent for two daysand was cold and deaf with sadness,so that he answered neither glances nor questions.On the evening of the second day, however,he opened his ears again,though he still remained silent:for there were many strange and perilous thingsto be heard on this ship,which came from afar and was bound for still farther.Zarathustra, however, was a friend to all suchwho make long voyages and do not like to live without danger.And behold! at last, in listening, his own tongue was loosened,and the ice of his heart broke:—then he began to speak thus:
To you, the bold seekers, the attempters,and whoever has embarked with cunning sailsupon dreadful seas,—
to you, the riddle-drunk, the twilight-joyful,whose soul is lured by flutes to every treacherous abyss:
—for you do not want to grope along a thread with a cowardly hand;and where you can guess,you hate to deduce—
to you alone I tell the riddle that I saw,—the vision of the loneliest one. —
Gloomily I walked recently through corpse-colored twilight,—gloomily and hard, with pressed lips.Not just one sun had set for me.
A path that climbed defiantly through rubble,a malicious, lonely path,to which no herb, no shrub any longer spoke:a mountain path crunched under the defiance of my foot.
Striding silently over the mocking clatter of pebbles,crushing the stone that made it slip:thus my foot forced its way upward.
Upward:—in defiance of the spirit that drew it downward,toward the abyss, the spirit of gravity,my devil and arch-enemy.
Upward:—although he sat upon me, half dwarf, half mole;lame; laming; pouring lead through my ear,lead-drop thoughts into my brain.
“O Zarathustra,” he whispered mockingly, syllable by syllable,“you stone of wisdom!You threw yourself high, but every stone that is thrown must—fall!
O Zarathustra, you stone of wisdom,you sling-stone, you star-smasher!You threw yourself so high,—but every stone that is thrown—must fall!
Condemned to yourself and to your own stoning:O Zarathustra, far indeed did you throw the stone,—but upon yourself it will fall back!”
Then the dwarf fell silent; and that lasted a long time.His silence, however, oppressed me;and to be two in such a wayis truly lonelier than to be one!
I climbed, I climbed, I dreamed, I thought,—but everything oppressed me.I was like a sick man,whom his wicked torment makes weary,and who is awakened from falling asleepby a still more wicked dream. —
But there is something in me I call courage:it has slain all my discouragement until now.This courage at last bade me stand still and speak:“Dwarf! You! Or I!” —
For courage is the best slayer,—courage that attacks:for in every attack there is resounding play.
But man is the most courageous animal:with that he overcame every other animal.With resounding play he overcame even every pain;but human pain is the deepest pain.
Courage also slays dizziness at the edge of abysses:and where does man not stand at the edge of abysses!Is not seeing itself—seeing abysses?
Courage is the best slayer:courage also slays pity.But pity is the deepest abyss:as deep as man sees into life,so deep does he also see into suffering.
But courage is the best slayer, courage that attacks:it slays even death itself, for it says:“Was that life? Well then! Once more!”
In such a saying, however, there is much resounding play.He who has ears, let him hear. —
2.
“Stop! Dwarf!” I said. “I! Or you!But I am the stronger of the two of us—:you do not know my abysmal thought!That—you could not bear!” —
Then happened what made me lighter:for the dwarf leaped from my shoulder, the inquisitive one!And he crouched upon a stone before me.But it was precisely there, where we stopped, that there was a gateway.
“Behold this gateway! Dwarf!” I continued,“it has two faces.Two paths come together here:no one has yet followed them to the end.
This long lane back: it lasts an eternity.And that long lane outward—that is another eternity.
They contradict each other, these paths;they clash head-on:—and it is here, at this gateway, that they come together.The name of the gateway is written above: ‘Moment.’
But whoever were to follow one of them further—and ever further and ever more distant:do you believe, dwarf, that these paths would contradict each other eternally?” —
“Everything straight lies,” murmured the dwarf contemptuously.“All truth is crooked; time itself is a circle.”
“You spirit of gravity!” I said angrily,“do not make things too easy for yourself!Or I shall leave you crouching where you crouch, lame-foot,—and I carried you high!
Behold,” I continued, “this Moment!From this gateway, Moment,a long, eternal lane runs backward:behind us lies an eternity.
Must not whatever can run of all thingshave already run down this lane once?Must not whatever can happen of all thingshave already happened, been done, run past once?
And if everything has already been here:what do you think, dwarf, of this Moment?Must not this gateway, too, have already—been here?
And are not all things knotted together so firmlythat this Moment draws all future things after it?Therefore——itself as well?
For whatever can run of all things:in this long lane outward, too—it must run once more! —
And this slow spider that creeps in the moonlight,and this moonlight itself,and I and you in the gateway, whispering together,whispering of eternal things—must we not all have been here before?
—and must we not return and run in that other lane,outward, before us, in this long, dreadful lane—must we not eternally return?” —
Thus I spoke, and ever more softly:for I was afraid of my own thoughts and after-thoughts.Then, suddenly, I heard a dog howl nearby.
Had I ever heard a dog howl like that?My thoughts ran back. Yes!When I was a child, in my most distant childhood:
—then I heard a dog howl like that.And I saw him, too, bristles up, head raised, trembling,in the stillest midnight, when even dogs believe in ghosts:
—so that it moved me to pity.For just then the full moon, deathly silent, was passing over the house;just then it stood still, a round ember,—still on the flat roof, as if on another’s property: —
at that the dog was terrified:for dogs believe in thieves and ghosts.And when I heard such howling again,I was moved to pity once more.
Where now was the dwarf? And the gateway?And the spider? And all the whispering?Was I dreaming then? Was I waking up?I stood suddenly between wild cliffs,alone, desolate, in the most desolate moonlight.
But there lay a man! And there!The dog, leaping, bristling, whining,—now it saw me coming—then it howled again,then it cried out:—had I ever heard a dog cry so for help?
And truly, what I saw, I had never seen the like.I saw a young shepherd,writhing, choking, convulsing, his face distorted,and a black, heavy snake hung out of his mouth.
Had I ever seen so much disgust and pale horroron one face?He had probably been asleep?Then the snake crawled into his throat—and there bit itself fast.
My hand tore at the snake and tore:—in vain!it did not tear the snake from his throat.Then a cry broke from me: “Bite! Bite!
Bite its head off! Bite!”—so it cried out of me, my horror, my hatred, my disgust,my pity, all my good and my wickedcried out of me with a single cry. —
You bold ones around me! You seekers, you attempters,and whoever among you has embarked with cunning sailson unexplored seas!You who rejoice in riddles!
Solve for me then the riddle that I saw then,interpret for me the vision of the loneliest one!
For it was a vision and a foresight:—what did I see then in a parable?And who is he who must one day yet come?
Who is the shepherd into whose throat the snake thus crawled?Who is the man into whose throat all that is heaviest, blackest,will thus crawl?
— But the shepherd bit, as my cry advised him;he bit with a good bite!Far away he spat the snake’s head—:and sprang to his feet. —
No longer shepherd, no longer man,—one transformed, one illumined, who laughed!Never yet on earth has a man laughed as he laughed!
O my brothers, I heard a laughterthat was no man’s laughter,— —and now a thirst consumes me,a longing that is never stilled.
My longing for this laughter consumes me:oh, how can I still bear to live!And how could I bear to die now! —
Thus spoke Zarathustra.
Of Involuntary Bliss.
With such riddles and bitternesses in his heart,Zarathustra journeyed across the sea.But when he was four days’ travelfrom the blessed isles and from his friends,he had overcome all his pain—:victorious and with firm feethe stood once more upon his destiny.And at that time Zarathustra spoke thusto his exultant conscience:
Alone again I am and want to be,alone with a pure sky and the open sea;and afternoon is around me again.
In the afternoon I first found my friends,in the afternoon also for the second time:—at the hour when all light becomes stiller.
For whatever happiness is still underwaybetween heaven and earth,it now seeks for its lodging a luminous soul:out of happiness, all light has now become stiller.
O afternoon of my life!Once my happiness, too, descended to the valleyto seek a lodging for itself:there it found these open, hospitable souls.
O afternoon of my life!What did I not give to have this one thing:this living plantation of my thoughtsand this morning light of my highest hope!
Companions the creator once sought,and children of his hope:and behold, it turned out that he could not find them,unless he first created them himself.
Thus I am in the midst of my work,going to my children and returning from them:for his children’s sake, Zarathustra must perfect himself.
For from the heart one loves only one’s child and one’s work;and where there is great love for oneself,it is a sign of pregnancy: so I have found.
My children are still green in their first spring,standing near one another and shaken by common winds,the trees of my garden and my best soil.
And truly! Where such trees stand together,there are blessed isles!
But one day I will lift them outand place each one by itself:that it may learn solitude and defiance and caution.
Gnarled and crooked and with supple hardnessshall it then stand by the sea,a living lighthouse of unconquerable life.There, where the storms plunge down into the sea,and the mountain’s snout drinks water,there each one shall one day have its day- and night-watches,for its testing and recognition.
Recognized and tested it shall be,whether it is of my kind and origin,—whether it is master of a long will,silent even when it speaks, and yielding in such a waythat it takes in giving: —
—so that it may one day become my companionand a co-creator and co-celebrator with Zarathustra—:such a one who writes my will upon my tablets:for the fuller perfection of all things.
And for its sake and the sake of its likeI must perfect myself:therefore I now shun my happinessand offer myself to all unhappiness—for my final test and recognition.
And truly, it was time that I went;and the wanderer’s shadow and the longest whileand the stillest hour—all spoke to me:“it is high time!”
The wind blew through my keyhole and said, “Come!”The door sprang slyly open and said, “Go!”
But I lay chained to the love for my children:desire laid this snare for me,the desire for love,that I might become my children’s prey and lose myself to them.
Desiring—that already means to me: to have lost myself.I have you, my children!In this having, all shall be securityand nothing desire.
But the sun of my love lay brooding upon me,Zarathustra stewed in his own juice,—then shadows and doubts flew over me.
For frost and winter I already longed:“oh, that frost and winter would make me crackand crunch again!” I sighed:—then icy mists arose from me.
My past broke open its graves,many a pain buried alive awoke—:it had only slept itself out,hidden in burial shrouds.
Thus everything called to me in signs: “it is time!”But I—did not hear:until at last my abyss stirredand my thought bit me.
Ah, abysmal thought, you that are my thought!When shall I find the strengthto hear you digging and no longer tremble?
My heart pounds up to my throatwhen I hear you digging!Even your silence wants to choke me,you abysmal silent one!
Never yet have I dared to call you up:it has been enough that I carried you—with me!I was not yet strong enoughfor the ultimate lion’s-wantonness and -willfulness.
Your gravity has always been terrible enough for me:but one day I shall yet find the strengthand the lion’s voice to call you up!
When I have first overcome myself in this,then I will overcome myself in something greater still;and a victory shall be the seal of my perfection! —
Meanwhile, I still drift on uncertain seas;chance flatters me, the smooth-tongued;forward and backward I look—,I still see no end.
The hour of my final struggle has not yet come to me,—or is it perhaps coming to me now?Truly, with insidious beauty,sea and life gaze at me all around!
O afternoon of my life! O happiness before evening!O harbor on the high seas! O peace in uncertainty!How I mistrust you all!
Truly, I am mistrustful of your insidious beauty!I am like the loverwho mistrusts an all-too-velvety smile.
As he pushes his most beloved away from him,tender even in his harshness, the jealous one—,so I push this blessed hour away from me.
Away with you, you blessed hour!With you came to me an involuntary bliss!Willing for my deepest pain I stand here:—at the wrong time you came!
Away with you, you blessed hour!Rather take shelter there—with my children!Hurry! and bless them before evening with my happiness!
Already evening draws near: the sun is sinking.Gone—my happiness! —
Thus spoke Zarathustra.And he waited for his unhappiness the whole night:but he waited in vain.The night remained clear and still,and happiness itself came ever nearer and nearer to him.Towards morning, however, Zarathustra laughed to his heartand said mockingly:“Happiness runs after me.That is because I do not run after women.But happiness is a woman.”
Before Sunrise.
O heaven above me, you pure one! you profound one!You abyss of light!Gazing at you, I shudder with divine desires.
To cast myself into your height—that is my depth!To hide myself in your purity—that is my innocence!
The god is veiled by his beauty: thus you hide your stars.You do not speak: thus you proclaim to me your wisdom.
Silent above the roaring sea you have risen for me today,your love and your shamespeak revelation to my roaring soul.
That you came to me beautiful, veiled in your beauty,that you speak to me silently, manifest in your wisdom:
Oh, how should I not guess all that is bashful in your soul!Before the sun you came to me, the loneliest one.
We are friends from the beginning:to us are common grief and dread and ground;even the sun is common to us.
We do not speak to one another, because we know too much—:we are silent to each other,we smile our knowledge to each other.
Are you not the light to my fire?Have you not the sister-soul to my insight?
Together we learned everything;together we learned to ascend above ourselves to ourselvesand to smile without clouds: —
—to smile down without clouds from luminous eyesand from a distance of miles,when below us constraint and purpose and guiltsteam like rain.
And when I wandered alone:for what did my soul hunger in nights and on errant paths?And when I climbed mountains,whom did I ever seek, if not you, on mountains?
And all my wandering and mountain-climbing:it was but a need and a makeshift of the helpless:—to fly alone is what my whole will wants, to fly into you!
And whom did I hate more than the drifting cloudsand all that stains you?And I even hated my own hatredbecause it stained you!
I am angry with the drifting clouds,these stealthy predator-cats:they take from you and me what is common to us,—the immense, unbounded Yea- and Amen-saying.
These mediators and mixers we loathe,the drifting clouds:these half-and-halfs, who have learned neither to blessnor to curse from the heart.
Rather would I sit in a tub under a closed sky,rather sit in an abyss without a sky,than see you, sky of light, stained with drifting clouds!
And often I have longedto pin them fast with the jagged golden wires of lightning,that I, like the thunder,might beat the drum upon their kettle-bellies: —
—an angry drummer, because they rob me of your Yea!and Amen!,you heaven above me, you pure one! Luminous one! You abyss of light! —because they rob you of my Yea! and Amen!
For I prefer noise and thunder and curses of weatherto this cautious, doubtful cat-repose;and also among men I hate most of all the soft-treadersand half-and-halfs and doubtful, hesitating, drifting clouds.
And “he who cannot bless shall learn to curse!”—this bright doctrine fell to me from a bright sky,this star stands in my heaven even in black nights.
But I am a blesser and a Yea-sayer,if only you are around me, you pure one! Luminous one! You abyss of light!—into all abysses I then still carry my blessing Yea-saying.
A blesser I have become and a Yea-sayer:and for this I wrestled long and was a wrestler,that I might one day get my hands free for blessing.
But this is my blessing:to stand over every thing as its own heaven,as its round roof, its azure bell and eternal security:and blessed is he who blesses thus!
For all things are baptized at the fount of eternityand beyond good and evil;good and evil themselves, however, are but intervening shadowsand damp afflictions and drifting clouds.
Truly, it is a blessing and no blasphemy when I teach:“over all things stands the heaven of chance, the heaven of innocence,the heaven of contingency, the heaven of wantonness.”
“By contingency”—that is the most ancient nobility of the world,which I gave back to all things;I delivered them from the bondage under purpose.
This freedom and heavenly serenity I placedlike an azure bell over all things when I taughtthat above them and through them no “eternal will”—wills.
This wantonness and this folly I placed in the stead of that willwhen I taught:“with all things, one thing is impossible—rationality!”
A little reason, to be sure, a seed of wisdomscattered from star to star,—this leaven is mixed into all things:for folly’s sake, wisdom is mixed into all things!
A little wisdom is possible indeed;but this blessed security I found in all things:that they prefer to dance on the feet of—chance.
O heaven above me, you pure one! you high one!This is now your purity to me,that there is no eternal reason-spider and spider-web: —
—that you are to me a dance floor for divine chances,that you are to me a gods’ tablefor divine dice and dice-players! —
But you blush? Did I speak the unspeakable?Did I blaspheme, meaning to bless you?
Or is it the shame of being two that made you blush?—Do you bid me go and be silent,because now—the day is coming?
The world is deep—:and deeper than ever the day has thought.Not everything may have words before the day.But the day is coming: so let us part now!
O heaven above me, you bashful one! you glowing one!O you, my happiness before sunrise!The day is coming: so let us part now! —
Thus spoke Zarathustra.
Of the Diminishing Virtue. 1.
When Zarathustra was again on the firm land,he did not go straight to his mountainand his cave,but took many paths and asked many questionsand ascertained this and that,so that he said of himself in jest:“behold a river that flows back to its sourcein many windings!”For he wanted to learnwhat had happened to man in the meantime:whether he had become greater or smaller.And once he saw a row of new houses;then he marveled and said:
What do these houses mean?Truly, no great soul put them up,as a likeness of itself!
Did some foolish child take them out of its toy-box?Would that another child put them back into its box!
And these rooms and chambers:can men go in and out there?They seem to me made for silk-dolls;or for dainty eaters, who also let others nibble at them.
And Zarathustra stood still and reflected.At last he said sadly:“Everything has become smaller!”
Everywhere I see lower gates:whoever is of my kind can still pass through, it is true,but—he must stoop!
Oh, when will I return to my homeland,where I no longer have to stoop—no longer have to stoop before the small!” —And Zarathustra sighed and gazed into the distance.—
That same day, however, he gave his discourseon the diminishing virtue. 2.
I walk through this people and keep my eyes open:they do not forgive mefor not being envious of their virtues.
They snap at me because I say to them:for little people, little virtues are necessary—and because it is hard for me to graspthat little people are necessary!
I am still like the rooster here in a strange farmyard,at which even the hens bite;yet for that reason I am not ill-disposed toward these hens.
I am courteous to them as to all small vexations;to be prickly toward the smallseems to me a wisdom for hedgehogs.
They all talk of me when they sit around the fire in the evening,—they talk of me, but no one thinks—of me!
This is the new silence I have learned:their noise about me spreads a cloak over my thoughts.
They clamor among themselves: “what does this gloomy cloud want with us?let us see to it that it does not bring us a plague!”
And recently a woman pulled her child to her, who wanted to come to me:“take the children away!” she cried;“such eyes scorch children’s souls.”
They cough when I speak:they think coughing is an objection to strong winds,—they guess nothing of the roaring of my happiness!
“We have no time for Zarathustra yet”—so they object;but what does a time matterthat “has no time” for Zarathustra?
And even when they praise me:how could I fall asleep on their praise?A belt of thorns is their praise to me:it scratches me even when I take it off.
And this too I learned among them:the one who praises pretends to be giving back,but in truth he wants to be given more!
Ask my foot whether it likes their manner of praise and enticement!Truly, to such a beat and tick-tockit likes neither to dance nor to stand still.
To the small virtue they would entice and praise me;to the tick-tock of a small happiness they would persuade my foot.
I walk through this people and keep my eyes open:they have become smaller and are becoming ever smaller:—but this is caused by their doctrine of happiness and virtue.
For they are modest even in virtue—because they want comfort.But only modest virtue is compatible with comfort.
To be sure, they also learn, in their way, to stride and to stride forward:that is what I call their hobbling—.With it they become a stumbling block to everyone who is in a hurry.
And many of them go forwardand look backward as they do, with a stiffened neck:I am glad to run into them.
Foot and eye should not lie,nor give the lie to one another.But there is much lying among the little people.
Some of them will, but most are only willed.Some of them are genuine,but most are bad actors.
There are actors among them without knowing itand actors against their will—,the genuine are always rare, especially the genuine actors.
There is little of the man here: therefore their women make themselves masculine.For only he who is man enoughwill—redeem—the woman in woman.
And this hypocrisy I found worst among them:that even those who command, feign the virtues of thosewho serve.
“I serve, you serve, we serve”—so prays here even the hypocrisy of the rulers,—and woe, if the first lord is only the first servant!
Ah, even into their hypocrisies my eye’s curiosity flew;and well I guessed all their fly-happinessand their buzzing around sun-warmed window-panes.
So much kindness, so much weakness I see.So much justice and pity, so much weakness.
Round, righteous, and kind they are to one another,as grains of sand are round, righteous, and kind to grains of sand.
Modestly to embrace a little happiness—that they call “resignation”!and in doing so they are already squinting modestlytoward a new little happiness.
At bottom, they want one thing most of all, in their simplicity:that no one hurt them.So they anticipate everyone and do them good.
This, however, is cowardice: though it be called “virtue.” —
And when they occasionally speak harshly, these little people:I hear in it only their hoarseness,—for every draft of wind makes them hoarse.
Clever they are, their virtues have clever fingers.But they lack the fists,their fingers do not know how to hide themselves behind fists.
Virtue to them is that which makes modest and tame:with it they have made the wolf a dog,and man himself man’s best domestic animal.
“We set our chair in the middle—so their smirk tells me—and just as far from dying gladiatorsas from contented swine.”
This, however, is—mediocrity: though it be called moderation. —
3.
I go through this people and let many a word fall:but they know neither how to take nor how to keep.
They wonder that I did not cometo rail at lusts and vices;and truly, I did not cometo warn against pickpockets either!
They wonder that I am not readyto make their cleverness still wittier and sharper:as if they did not have enough clever ones already,whose voices grate on me like slate-pencils!
And when I cry: “Curse all the cowardly devils in you,who like to whimper and fold their hands and adore”:then they cry: “Zarathustra is godless.”And especially their teachers of resignation cry it—;but it is precisely to them that I love to cry into the ear:Yes! I am Zarathustra, the godless!
These teachers of resignation!Wherever it is small and sick and scabby,they creep, like lice;and only my disgust prevents me from cracking them.
Well then! This is my sermon for their ears:I am Zarathustra, the godless, who says,“who is more godless than I,that I may rejoice in his instruction?”
I am Zarathustra, the godless:where do I find my like?And all those are my likewho give themselves their own willand cast off all resignation.
I am Zarathustra, the godless:I still cook every chance in my pot.And only when it is cooked throughdo I welcome it as my food.
And truly, many a chance came to me imperiously:but my will spoke to it still more imperiously,—then it already lay pleading on its knees—
—pleading that it find lodging and heart with me,and speaking flatteringly:“see now, O Zarathustra, how only a friend comes to a friend!” —
But why do I speak where no one has my ears!And so I will cry it out to all the winds:
You are becoming ever smaller, you little people!You are crumbling away, you comfortable ones!You will yet perish—
—from your many little virtues,from your many little omissions,from your many little resignations!
Too sparing, too yielding: so is your soil!But for a tree to become great,it wants to strike hard roots around hard rocks!
Even what you omit weaves at the web of all human future;even your nothing is a spider-web and a spiderthat lives on the blood of the future.
And when you take, it is like stealing,you little virtuous ones;but even among scoundrels, honor says:“one should only steal where one cannot rob.”
“It gives itself”—that is also a doctrine of resignation.But I say to you, you comfortable ones:it takes for itself, and will take more and more from you!
Ah, that you would cast off all half-willingand become resolute for idleness as for action!
Ah, that you would understand my word:“do whatever you will,—but first be such as can will!”
“Love your neighbor as yourself, by all means,—but first be such as love themselves—
—love with the great love,love with the great contempt!”Thus speaks Zarathustra, the godless. —
But why do I speak where no one has my ears!It is still an hour too early for me here.
I am my own forerunner among this people,my own cock’s-crow through dark alleys.
But their hour is coming! And mine is coming too!Hourly they become smaller, poorer, more barren,—poor herb! poor soil!
And soon they shall stand before me like dry grass and steppe,and truly! weary of themselves—and thirsting for fire more than for water!
O blessed hour of the lightning! O mystery before noon!—Running fires I will one day make of themand heralds with tongues of flame: —
—they shall one day proclaim with tongues of flame:He is coming, he is near, the great noon!
Thus spoke Zarathustra.
On the Mount of Olives.
Winter, an evil guest, sits at home with me;my hands are blue from his friendship’s handshake.
I honor him, this evil guest,but gladly leave him to sit alone.Gladly I run from him;and, if one runs well, one escapes him!
With warm feet and warm thoughts I run to wherethe wind is still,—to the sunny corner of my Mount of Olives.
There I laugh at my stern guest and am still fond of himfor chasing the flies from my houseand stilling many a small noise.
For he does not suffer it when a gnat wants to sing,or even two; he even makes the alley lonely,so that the moonlight is afraid there at night.
He is a hard guest,—but I honor him,and I do not pray, like the delicate,to the pot-bellied fire-idol.
Better to chatter my teeth a little than to worship idols!—so my nature wills it.And I am especially angry with all ardent, steaming,musty fire-idols.
Whom I love, I love better in winter than in summer;I mock my enemies better and more heartily now,since winter sits in my house.
Heartily, truly, even when I creep into bed—:there my hidden happiness still laughs and is wanton;my lying dream still laughs.
I a—creeper?Never in my life did I creep before the mighty;and if I ever lied, I lied out of love.Therefore I am cheerful even in my winter-bed.
A humble bed warms me more than a rich one,for I am jealous of my poverty.And in winter it is most faithful to me.
With a piece of wickedness I begin each day,I mock the winter with a cold bath:at this my stern house-friend grumbles.
I also like to tickle him with a wax taper:that he might finally let the sky outof its ash-gray twilight.
For I am especially wicked in the morning:at the early hour, when the bucket clatters at the welland the horses whinny warmly through gray alleys: —
Impatiently I wait there, that the bright sky may finally open up for me,the snow-bearded winter-sky, the old man and white-head,—
—the winter-sky, the silent one,that often conceals even its sun!
Did I perhaps learn from it the long, bright silence?Or did it learn it from me?Or has each of us invented it himself?
The origin of all good things is a thousandfold,—all good wanton things leap into existence for joy:how should they do that always only—once!
A good wanton thing is also the long silenceand to look, like the winter-sky, out of a bright, round-eyed face: —
—like it to conceal one’s sunand one’s inflexible sun-will:truly, this art and this winter-wantonness I have learned well!
My dearest wickedness and art is this,that my silence has learned not to betray itself by silence.
Rattling with words and dice, I outwit the solemn waiters:all these stern watchersshall my will and purpose elude.
That no one may look down into my ground and ultimate will,—for that I invented my long, bright silence.
Many a clever man I found: who veiled his faceand muddied his water,that no one might see through and down into him.
But precisely to him came the cleverer mistrustful ones and nut-crackers:precisely from him they fished out his most hidden fish!
But the bright, the bold, the transparent—these are to me the cleverest silences:whose ground is so deepthat even the clearest water does not—betray it. —
You snow-bearded, silent winter-sky,you round-eyed white-head above me!O you heavenly likeness of my soul and its wantonness!
And must I not hide myself,like one who has swallowed gold,—lest my soul be slit open?
Must I not wear stilts,that they may overlook my long legs,—all these enviers and harm-doers who are around me?
These smoky, room-warm, used-up, green-tinged, embittered souls—how could their envy endure my happiness!
So I show them only the ice and the winter on my summits—and not that my mountain still winds all the sun-belts around it!
They hear only my winter-storms whistling:and not that I also travel over warm seas,like longing, heavy, hot south winds.
They still pity my accidents and chances:—but my word is: “let chance come to me:it is innocent, like a little child!”
How could they endure my happiness,if I did not lay accidents and winter-hardshipsand polar-bear caps and snow-sky coverings around my happiness!
—if I did not myself have pity on their pity:the pity of these enviers and harm-doers!
—if I did not myself sigh and chatter with frost before themand patiently let myself be wrapped in their pity!
This is the wise wantonness and benevolence of my soul,that it does not hide its winter and its frost-storms;it does not hide its frostbites either.
One man’s solitude is the flight of the sick;another’s solitude is the flight from the sick.
Let them hear me chatter and sigh from the winter cold,all these poor, squinting scoundrels around me!With such sighing and chatteringI still flee from their heated rooms.
Let them pity me and sigh with me over my frostbites:“at the ice of knowledge he is freezing to death for us yet!”—so they lament.
Meanwhile I run with warm feetcriss-cross on my Mount of Olives:in the sunny corner of my Mount of Olives I sing and mock all pity. —
Thus sang Zarathustra.
Of Passing By.
Thus, passing slowly through much people and diverse cities,Zarathustra went by round-about ways back to his mountainand his cave.And behold, in so doing he came unawares also to the city gateof the great city:here, however, a foaming foolwith outstretched hands sprang at him and stood in his way.This, however, was the same foolwhom the people called “Zarathustra’s ape”:for he had gathered something from the cadence and fall of his speechand also gladly borrowed from the treasure of his wisdom.The fool, however, spoke thus to Zarathustra:
“O Zarathustra, here is the great city:here you have nothing to seek and everything to lose.
Why would you wade through this mud?Have pity on your foot!Rather spit on the city gate and—turn back!
Here is the hell for hermits’ thoughts:here great thoughts are boiled alive and cooked small.
Here all great feelings decay:here only rattling-dry little feelings may rattle!
Do you not already smell the slaughterhouses and cook-shops of the spirit?Does this city not steam with the fumes of slaughtered spirit?
Do you not see the souls hanginglike limp, dirty rags?—And they even make newspapers out of these rags!
Do you not hear how the spirit here has become a play on words?It belches out nauseating word-slops!—And they even make newspapers out of this word-slop.
They incite one another and know not whither?They inflame one another and know not why?They jingle with their tin, they ring with their gold.
They are cold and seek warmth from distilled waters;they are inflamed and seek coolness from frozen spirits;they are all sick and addicted to public opinions.
All lusts and vices are at home here;but there are also virtuous people here,there is much serviceable, employed virtue: —
Much serviceable virtue with writing-fingersand hard sitting- and waiting-flesh,blessed with little breast-stars and stuffed, rump-less daughters.
There is also much piety hereand much faithful saliva-licking,flattery-baking before the God of hosts.
‘From Above’ after all, trickles the star and the gracious saliva;towards Above yearns every starless bosom.
The moon has its court, and the court has its moon-calves:but to all that comes from the court,the beggar-folk and all serviceable beggar-virtue pray.
‘I serve, you serve, we serve’—so prays all serviceable virtue up to the prince:that the deserved star may at last attach itself to the narrow breast!
But the moon still revolves around all that is earthly:so the prince, too, still revolves around what is most earthly of all—:but that is the gold of the shopkeepers.
The God of hosts is no god of gold bars;the prince thinks, but the shopkeeper—directs!
By all that is light and strong and good in you, O Zarathustra!Spit on this city of shopkeepers and turn back!
Here all blood flows foully and tepidly and frothilythrough all veins:spit on the great city, which is the great refuse heap,where all scum foams together!
Spit on the city of compressed souls and narrow breasts,of pointed eyes, of sticky fingers—
—on the city of the obtrusive, the shameless,the scribblers and screamers, the over-heated ambitious: —
Here, however, Zarathustra interrupted the foaming fooland held his mouth shut.
“Stop at last!” cried Zarathustra,“I have long been sick of your speech and your kind!
Why did you live so long by the swampthat you yourself had to become a frog and a toad?
Does not a foul, frothy swamp-blood now flowthrough your own veins, that you have learned to croak and blaspheme so?
Why did you not go into the forest?Or plow the earth?Is the sea not full of green isles?
I despise your despising; and when you warned me,—why did you not warn yourself?
Out of love alone shall my despisingand my warning bird take flight:but not out of the swamp! —
They call you my ape, you foaming fool:but I call you my grunting-pig,—through grunting you will yet spoil my praise of folly.
What was it then that first made you grunt?That no one flattered you enough:—therefore you sat down in this filth,that you might have reason to grunt much,—
—that you might have reason for much revenge!For revenge, you vain fool, is all your foaming,I guessed you well!
But your fool’s word does me harm,even where you are right!And even if Zarathustra’s word were a hundred times right:you would with my word always—do wrong!”
Thus spoke Zarathustra; and he looked at the great city,sighed, and was silent for a long time. At last he spoke thus:
I am sick of this great city, too, and not only of this fool.Here and there is nothing to be made better, nothing to be made worse.
Woe to this great city!—And I wish I could already see the pillar of firein which it will be burned!
For such pillars of fire must precede the great noon.But this has its time and its own fate. —
This teaching, however, I give you, you fool, as a farewell:where one can no longer love,there one should—pass by! —
Thus spoke Zarathustra, and passed by the fooland the great city.
Of the Apostates. 1.
Alas, does all now lie withered and graythat of late stood green and colorful upon this meadow?And how much honey of hope did I carry from hereto my beehives!
These young hearts have all grown old already,—and not even old! Merely weary, common, comfortable:—they call it “we have become pious again.”
Of late I saw them run out in the morningon valiant feet:but the feet of their knowledge grew weary,and now they slander even their morning valor!
Verily, many of them once lifted their legs like a dancer,to whom the laughter in my wisdom beckoned:—then he had second thoughts.Just now I saw him crooked—crawling to the cross.
Around light and freedom they once flutteredlike gnats and young poets.A little older, a little colder:and already they are obscurantists and mumblers and oven-squatters.
Did their hearts perhaps fail thembecause solitude devoured me like a whale?Did their ear perhaps listen long and longingly in vain for meand my trumpet-calls and herald’s cries?
—Alas! There are ever but a fewwhose hearts possess a long-lasting courage and exuberance;and in such men, the spirit too remains patient.But the rest are cowards.
The rest: they are always the vast majority, the everyday,the superfluous, the all-too-many—all these are cowards!—
He who is of my kind will also have the experiences of my kindcross his path:so that his first companions must be corpses and buffoons.
His second companions, however—they will call themselves his believers:a living swarm, much love, much folly,much beardless veneration.
To these believers,he who is of my kind among men shall not bind his heart;in these springtimes and colorful meadows,he who knows the fleeting, cowardly race of men shall not believe!
Could they do otherwise, they would also will otherwise.The half-and-half spoil every whole.That leaves wither—what is there to lament in that!
Let them go and fall, O Zarathustra, and do not lament!Better still to blow among them with rustling winds,—
—blow among these leaves, O Zarathustra:that all that is withered may flee from you even faster!—
2.
“We have become pious again”—so confess these apostates;and some of them are too cowardly even to confess it thus.
I look them in the eye,—I say it to their facesand to the blush on their cheeks:you are such as those who pray again!
But it is a disgrace to pray!Not for all, but for you and meand whoever has his conscience in his head.For you it is a disgrace to pray!
You know it well: the cowardly devil in you,who would gladly fold his hands and place them in his lapand be more comfortable:—this cowardly devil persuades you, “there is a God!”
But with that you belong to the light-shunning kind,for whom light never grants peace;now you must daily stick your head deeper into night and vapor!
And verily, you chose the hour well:for just now the night-birds fly out again.The hour has come for all light-shunning folk, the evening hour and festival hour,when they do not—“celebrate.”
I hear and smell it: their hour has come for the hunt and the procession,not for a wild hunt, to be sure,but for a tame, lame, snuffling, soft-stepping and soft-praying hunt,—
—for a hunt of soulful cringers:all the heart’s mousetraps are now set again!And wherever I lift a curtain,a little moth comes fluttering out.
Did it huddle there together with another little moth?For everywhere I smell small, hidden congregations;and where there are small chambers, there are new praying-brethren within,and the vapor of praying-brethren.
They sit together for long evenings and say:“let us become like little children again and say ‘dear God’!”—their mouths and stomachs spoiled by the pious confectioners.
Or they watch for long evenings a cunning, lurking cross-spider,which preaches prudence to spiders themselves and thus teaches:“it is good to spin beneath crosses!”
Or they sit all day by swamps with fishing rods,and believe themselves profound for it;but whoever fishes where there are no fish,I do not even call him superficial!
Or they learn, piously and joyfully, to play the harp from a song-poetwho would gladly harp his way into the hearts of young wenches:—for he has grown tired of old wenches and their praises.
Or they learn to shudder from a learned half-madman,who waits in dark rooms for spirits to come to him—while the spirit runs away from him entirely!
Or they listen to an old, wandering hummer and grumbler of a piper,who has learned the sorrow of tones from sorrowful winds;now he pipes as the wind blows and preaches sorrow in sorrowful tones.
And some of them have even become night-watchmen:they now know how to blow horns and walk about at nightand awaken old things that have long since fallen asleep.
Five words about old things I heard last nightby the garden wall:they came from such old, sorrowful, dry night-watchmen.
“As a father, he does not care enough for his children:human fathers do this better!”—
“He is too old! He no longer cares for his children at all”—thus answered the other night-watchman.
“Does he even have children?No one can prove it if he does not prove it himself!I have long wished he would prove it for once, thoroughly.”
“Prove? As if he had ever proven anything!Proving is hard for him;he sets great store by being believed.”
“Yes! Yes! Faith makes him blessed, faith in him.That is the way of old people! So it is with us too!”—
—Thus spoke to one another the two old night-watchmenand light-shunners,and then blew sorrowfully on their horns:so it happened last night by the garden wall.
But my heart writhed with laughterand wanted to break and knew not where to go,and sank into my diaphragm.
Verily, this will be the death of me yet,that I suffocate with laughter when I see asses drunkand hear night-watchmen doubt God thus.
Has not the time for all such doubts long passed?Who may still awaken such old, sleeping, light-shunning things!
For with the old gods, it came to an end long ago:—and verily, they had a good and cheerful end for gods!
They did not “twilight” themselves to death,—that is surely a lie!Rather: they laughed themselves to death—one day!
That happened when the most godless word went forth from a god himself,—the word: “There is one God!You shall have no other god before me!”—
—an old grim-beard of a god, a jealous one, thus forgot himself:—
And all the gods laughed then and rocked on their chairsand cried: “Is not divinity itself precisely this:that there are gods, but no God?”
He who has ears, let him hear.—
Thus spoke Zarathustra in the city he loved,which is called “The Pied Cow.”For from here he had only two more days to walkto reach his cave again and his animals;but his soul rejoiced constantlyat the nearness of his homecoming.—
The Homecoming.
O Solitude! You my homeland, Solitude!Too long have I lived wildly in wild foreign landsnot to return to you with tears!
Now just threaten me with your finger, as mothers threaten,now smile at me, as mothers smile,now just say: “And who was it thatonce, like a whirlwind, stormed away from me?—
“—who, departing, cried: too long have I sat with solitude,I have unlearned how to be silent!That—you have surely learned now?
“O Zarathustra, I know everything:and that in the midst of the many you were more forsaken,you, the one, than ever you were with me!
“To be forsaken is one thing, solitude is another:that—you have learned now!And that among men you will always be wild and strange:
“—wild and strange even when they love you:for first and foremost they want to be spared!
“But here you are at home and in your own house;here you can speak everything out and pour out all your reasons,here nothing is ashamed of hidden, hardened feelings.
“Here all things come caressingly to your speechand flatter you: for they want to ride on your back.On every parable you ride here to every truth.
“Upright and frankly you may speak here to all things:and verily, it sounds like praise to their ears,that one speaks to all things—straight!
“But to be forsaken is another thing.For, do you remember, O Zarathustra?When your bird shrieked above you that time,when you stood in the forest, undecided where to go,ignorant, near a corpse:—
“—when you spoke: may my animals lead me!I found it more dangerous among men than among animals:—That was being forsaken!
“And do you remember, O Zarathustra?When you sat on your island,a well of wine among empty buckets,giving and dispensing, pouring and sharing among the thirsty:
“—until at last you sat thirsty alone among the drunkenand lamented nightly, ‘is not taking more blessed than giving?And stealing even more blessed than taking?’—That was being forsaken!
“And do you remember, O Zarathustra?When your stillest hour came and drove you away from yourself,when it spoke with a wicked whisper: ‘Speak and break!’—
“—when it made all your waiting and silence odious to youand discouraged your humble courage:That was being forsaken!”—
O Solitude! You my homeland, Solitude!How blessedly and tenderly your voice speaks to me!
We do not question each other, we do not complain to each other,we walk openly with each other through open doors.
For with you all is open and bright;and even the hours run here on lighter feet.In darkness, namely, one bears time more heavily than in light.
Here all the words and word-shrines of being spring open for me:all being here wants to become word,all becoming here wants to learn from me how to speak.
But down there—all speech is in vain!There, to forget and to pass by is the best wisdom:that—I have learned now!
He who would comprehend everything among menwould have to attack everything.But for that my hands are too clean.
I do not even like to breathe their breath;alas, that I lived so long amidst their noiseand foul breath!
O blessed stillness around me! O pure scents around me!Oh, how from a deep breast this stillness draws a pure breath!Oh, how it listens, this blessed stillness!
But down there—everything speaks, everything is unheard.One may ring in one's wisdom with bells:the shopkeepers in the marketplace will out-jingle it with pennies!
Everything among them speaks, no one knows how to understand anymore.Everything falls into the water, nothing falls into deep wells anymore.
Everything among them speaks, nothing prospers and comes to an end anymore.Everything cackles, but who still wants to sit quietly on the nestand hatch eggs?
Everything among them speaks, everything is talked to pieces.And what was yesterday still too hard for time itselfand its tooth,today hangs shredded and gnawed from the mouths of the men of today.
Everything among them speaks, everything is betrayed.And what was once called the secret and secrecy of profound souls,today belongs to the street-trumpeters and other butterflies.
O human creature, you wondrous thing! You noise on dark streets!Now you lie behind me again:—my greatest danger lies behind me!
In sparing and in pity lay ever my greatest danger;and all of human nature wants to be spared and pitied.
With truths held back, with a fool’s hand and a foolish heart,and rich in the small lies of pity:—thus I always lived among men.
Disguised I sat among them, ready to misjudge myselfso that I might endure them, and gladly persuading myself,“You fool, you do not know men!”
One unlearns men when one lives among men:there is too much foreground to all men,—what use there for far-seeing, far-seeking eyes!
And when they misjudged me,I, fool that I am, spared them more for it than I spared myself:accustomed to hardness against myself, and often taking revenge on myselffor this sparing.
Stung by venomous flies and hollowed out,like a stone, by many drops of malice,so I sat among them and still told myself:“all that is small is innocent of its smallness!”
Especially those whom they call “the good,”I found to be the most venomous flies:they sting in all innocence, they lie in all innocence;how could they—be just—to me!
He who lives among the good is taught by pity to lie.Pity makes the air stale for all free souls.For the stupidity of the good is unfathomable.
To hide myself and my wealth—that I learned down there:for I still found everyone poor in spirit.That was the lie of my pity, that I knew in everyone’s case,
—that I saw and smelled in everyone’s case what was spirit enough for him,and what was already too much spirit for him!
Their stiff sages: I called them wise, not stiff,—thus I learned to swallow words.Their gravediggers: I called them researchers and testers,—thus I learned to exchange words.
The gravediggers dig up diseases for themselves.Under old rubble lie evil vapors.One should not stir up the mire.One should live on mountains.
With blessed nostrils I breathe mountain-freedom again!Redeemed at last is my nose from the smell of all human existence!
Tickled by sharp breezes, as by sparkling wines,my soul sneezes,—sneezes and exults to itself: To your health!
Thus spoke Zarathustra.
Of the Three Evils. 1.
In a dream, in the last dream of morning, I stood today upon a promontory—beyond the world, held a scale, and weighed the world.
Oh, that the dawn came to me too early:she glowed me awake, the jealous one!Jealous she is always of my morning-dream’s ardors.
Measurable for him who has time, weighable for a good weigher,attainable for strong wings, guessable for divine nut-crackers:thus my dream found the world:—
My dream, a bold sailor, half ship, half whirlwind,silent as butterflies, impatient as noble falcons:how it had patience and leisure today for world-weighing!
Did my wisdom perhaps speak to it in secret,my laughing, waking day-wisdom,which scoffs at all “infinite worlds”?For it says: “where there is force, number too becomes master:it has more force.”
How securely my dream looked upon this finite world,not curious, not greedy for the old, not fearful, not pleading:—
—as if a full apple offered itself to my hand,a ripe golden apple, with a cool-soft, velvety skin:—thus the world offered itself to me:—
—as if a tree beckoned to me, broad-branched, strong-willed,curved for a backrest and even for a footstool for the way-weary:thus the world stood on my promontory:—
—as if delicate hands carried a shrine toward me,—a shrine open for the delight of bashful, adoring eyes:thus the world offered itself to me today:—
—not riddle enough to frighten away human love,not solution enough to lull to sleep human wisdom:—a humanly good thing was the world to me today,of which such evil things are said!
How I thank my morning-dreamthat I thus weighed the world at this early hour!As a humanly good thing it came to me,this dream and heart-consoler!
And that I may do as it did by day,and learn from it its best,I will now place the three most evil things on the scaleand weigh them in a humanly good way.—
He who taught to bless, also taught to curse:which are the three best-cursed things in the world?These I will place on the scale.
Lust, lust for power, selfishness:these three have hitherto been best cursedand most ill-reputed and belied,—these three I will weigh in a humanly good way.
Well then! Here is my promontory and there the sea:it rolls toward me, shaggy, fawning,the faithful, old, hundred-headed dog-monster that I love.
Well then! Here I will hold the scale over the rolling sea:and I choose a witness too, to look on,—you, you hermit-tree, you strong-scented, broad-vaulted one,that I love!—
Upon which bridge does the Now cross to the Then?By what compulsion does the high compel itself to the low?And what bids even the highest—to grow still higher?—
Now the scale stands even and still:three heavy questions I have thrown in,three heavy answers the other scale-pan bears.
2.
Lust: to all hairshirt-wearing body-despisers their sting and stake,and cursed as “the world” by all afterworldsmen:for it mocks and fools all teachers of confusion and error.
Lust: for the rabble the slow fireon which it is burned;for all worm-eaten wood, all stinking rags,the ready furnace for burning and boiling.
Lust: for free hearts, innocent and free,the garden-happiness of the earth,all the future’s thankful exuberance to the Now.
Lust: only for the withered a sweet poison,but for the lion-willed the great cordial,and the reverently spared wine of wines.
Lust: the great parable-happiness for higher happinessand highest hope.For to many marriage is promised and more than marriage,—
—to many that are stranger to each other than man and woman:—and who has fully comprehended how strange man and woman are to each other!
Lust:—but I will have hedges around my thoughtsand even around my words:lest swine and enthusiasts break into my gardens!—
Lust for power: the glowing scourge of the hardest of the hard-hearted;the gruesome torment that is reserved for the most cruel themselves;the gloomy flame of living pyres.
Lust for power: the malicious gadflythat is set upon the vainest peoples;the mocker of all uncertain virtue;that rides upon every horse and every pride.
Lust for power: the earthquake that breaks and opens up all that is rotten and hollow;the rolling, growling, punishing destroyer of whited sepulchers;the flashing question mark beside premature answers.
Lust for power: before whose gaze man creeps and cringesand drudges and becomes lower than snake and swine:—until at last the great contempt cries out from him—,Lust for power: the fearsome teacher of the great contempt,which preaches to the face of cities and empires, “Away with you!”—until it cries out from them themselves, “Away with me!”
Lust for power: which, however, also alluringly ascends to the pureand solitary and up to self-sufficient heights,glowing like a lovethat alluringly paints purple bliss on earthly skies.
Lust for power: but who would call it a lust,when the high desires to stoop for power!Verily, there is nothing sick or lustful in such desiringand descending!
That the lonely height should not forever be lonely and self-sufficient;that the mountain should come to the valley and the winds of the heightto the lowlands:—
Oh, who could find the right name of baptism and virtue for such a longing!“Giving virtue”—thus Zarathustra once named the unnamable.
And then it also happened,—and verily, it happened for the first time!—that his word blessed selfishness,the whole, healthy selfishness that wells from a mighty soul:—
—from a mighty soul, to which the high body belongs,the beautiful, victorious, refreshing body,around which everything becomes a mirror:—the lithe, persuasive body, the dancer,whose parable and abstract is the self-pleasuring soul.The self-pleasure of such bodies and souls calls itself “virtue.”
With its words of good and evil such self-pleasure protects itselfas with sacred groves;with the names of its happiness it banishes from itself all that is contemptible.
From itself it banishes all that is cowardly;it says: bad—that is cowardly!Contemptible it seems to it, he who is always anxious, sighing, complaining,and he who picks up even the smallest advantages.
It also despises all woeful wisdom:for verily, there is also wisdom that blooms in the dark,a nightshade-wisdom:which always sighs: “All is vain!”
Shy mistrust it holds in low esteem,and everyone who wants oaths instead of glances and hands:also all-too-mistrustful wisdom,—for such is the manner of cowardly souls.
Lower still it holds the quick-to-oblige, the dog-like,who at once lies on his back, the humble;and there is also wisdom that is humble and dog-likeand pious and quick-to-oblige.
Hateful to it and an abomination is he who will never defend himself,who swallows poisonous spittle and evil glances,the all-too-patient, all-enduring, all-contented:for that is the servile kind.
Whether one is servile before gods and divine kicks,or before men and stupid human opinions:all servile kinds it spits on, this blessed selfishness!
Bad: so it calls all that is bowedand niggardly-servile,unfree winking eyes, oppressed hearts,and that false, yielding mannerwhich kisses with broad, cowardly lips.
And pseudo-wisdom: so it calls all thatwhich slaves and graybeards and the weary jest;and especially the whole evil, extravagant,over-clever priest-folly!
The pseudo-wise, however, all the priests, the world-weary,and those whose soul is of a womanish and servile kind,—oh, how their game has always played foul with selfishness!
And that very thing was supposed to be virtue and be called virtue,that one played foul with selfishness!And “selfless”—soall these world-weary cowards and cross-spiders wished themselves, with good reason!
But for all of them the day is now coming, the transformation,the sword of judgment, the great noon:then shall much be revealed!
And he who declares the I to be whole and holy, and selfishness blessed,verily, he, a prophet, also speaks what he knows:“Behold, he is coming, he is near, the great noon!”
Thus spoke Zarathustra.
Of the Spirit of Gravity. 1.
My mouthpiece—is of the people:I speak too coarsely and cordially for the silk-hares.And stranger still my word soundsto all ink-fish and pen-foxes.
My hand—is a fool’s hand:woe to all tables and walls,and whatever else has room for fool’s ornament, fool’s scrawl!
My foot—is a horse’s foot;with it I clatter and trot over stick and stone,cross-country and afield,and am the very devil for joy in all swift running.
My stomach—is it perhaps an eagle’s stomach?For it loves lamb’s flesh best of all.But certainly it is a bird’s stomach.
Nourished by innocent things and by little,ready and impatient to fly, to fly away—that is now my nature:how should there not be something of a bird’s nature in it!
And especially that I am an enemy to the spirit of gravity,that is a bird’s nature: and verily, a mortal enemy, an arch-enemy, a primal enemy!Oh, where has my enmity not already flown and strayed!
Of that I could already sing a song— —and will sing it:though I am alone in an empty houseand must sing it to my own ears.
There are other singers, to be sure,for whom only the full house makes their throat soft,their hand eloquent, their eye expressive, their heart awake:—I am not like them.—
2.
Whoever one day teaches men to flywill have moved all boundary stones;all boundary stones themselves will fly into the air for him,the earth he will baptize anew—as “the Light one.”
The ostrich runs faster than the fastest horse,but he too still sticks his head heavily into heavy earth:thus it is with the man who cannot yet fly.
Heavy he calls earth and life;and so the spirit of gravity wills it!But he who wants to become light and a birdmust love himself:—thus I teach.
Not, to be sure, with the love of the sick and the sickly:for with them even self-love stinks!
One must learn to love oneself—thus I teach—with a whole and healthy love:that one may endure to be with oneself and not roam about.
Such roaming about baptizes itself “love of one’s neighbor”:with this phrase the best lies and hypocrisy have been practiced so far,and especially by those who were a heavy burden to all the world.
And verily, it is no command for today and tomorrowto learn to love oneself.Rather, of all arts this is the finest, most cunning,ultimate, and most patient.
For to its owner all that is his own is well hidden;and of all treasure troves, one’s own is the last to be dug up,—thus the spirit of gravity brings it about.
Almost in the cradle we are already given heavy wordsand values: “good” and “evil”—so this dowry calls itself.For its sake we are forgiven for being alive.
And for this purpose one lets little children come unto one,to forbid them in good time to love themselves:thus the spirit of gravity brings it about.
And we—we faithfully drag what is given to us,on hard shoulders and over rough mountains!And if we sweat, we are told:“Yes, life is hard to bear!”
But only man is hard to bear for himself!That is because he drags too many foreign things on his shoulders.Like the camel he kneels down and lets himself be well loaded.
Especially the strong, load-bearing man, in whom reverence dwells:too many foreign heavy words and values he loads upon himself,—now life seems to him a desert!
And verily! Much that is one’s own is also hard to bear!And much that is inward in man is like the oyster,namely, disgusting and slippery and hard to grasp—,
—so that a noble shell with noble ornament must plead for it.But this art too one must learn:to have a shell and a beautiful appearance and a wise blindness!
Again, it is deceptive about much in manthat many a shell is poor and sad and too much of a shell.Much hidden goodness and strength is never guessed;the most exquisite delicacies find no tasters!
Women know this, the most exquisite ones:a little fatter, a little leaner—oh, how much fate lies in so little!
Man is hard to discover, and hardest of all to himself;often the spirit lies about the soul.Thus the spirit of gravity brings it about.
But he has discovered himself who says:This is my good and evil:with that he has silenced the mole and dwarfwho says, “Good for all, evil for all.”
Verily, I do not like those eitherfor whom every thing is good and this world the best of all.Such I call the all-contented.
All-contentedness, which knows how to taste everything:that is not the best taste!I honor the refractory, fastidious tongues and stomachs,which have learned to say “I” and “Yes” and “No.”
But to chew and digest everything—that is a proper swine’s nature!Always to say I-a—that only the ass has learned,and he who is of his spirit!—
The deep yellow and the hot red: so my taste wills it,—it mixes blood with all colors.But he who whitewashes his housebetrays to me a whitewashed soul.
Some are in love with mummies, others with phantoms;and both alike are enemies to all flesh and blood—oh, how both go against my taste!For I love blood.
And I will not dwell and abidewhere everyone spits and spews: that is now my taste,—I would rather live among thieves and perjurers.No one carries gold in his mouth.
But more repulsive to me are all lickspittles;and the most repulsive animal of a man that I found,I baptized parasite:it did not want to love and yet wanted to live by love.
Unhappy I call all who have only one choice:to become evil beasts or evil beast-tamers:among such I would not build my huts.
Unhappy I also call those who must always wait,—they go against my taste:all the tax-collectors and shopkeepers and kingsand other guardians of land and shop.
Verily, I learned to wait too, and thoroughly,—but only to wait for myself.And above all I learned to stand and to walk and to runand to jump and to climb and to dance.
But this is my doctrine: whoever wants to learn to fly one daymust first learn to stand and walk and run and climb and dance:—one does not fly into flying!
With rope ladders I learned to climb many a window,with nimble legs I climbed high masts:to sit on high masts of knowledgeseemed to me no small bliss,—
—to flicker like small flames on high masts:a small light, to be sure,but nevertheless a great comfort for shipwrecked sailors and the shipwrecked!—
By many paths and in many ways I came to my truth;not on one ladder did I climb to the heightwhere my eye roams into my distance.
And only reluctantly did I ever ask about ways,—that always went against my taste!I preferred to ask and try the ways myself.
A trying and a questioning was all my going:—and verily, one must also learn to answer such questioning!That, however,—is my taste:
—not a good, not a bad, but my taste,of which I no longer have either shame or concealment.
“This—is now my way,—where is yours?”thus I answered those who asked me “the way.”For the way—that does not exist!
Thus spoke Zarathustra.
Of Old and New Tablets. 1.
Here I sit and wait, old broken tablets around meand new tablets, too, half-written.When will my hour come?
—the hour of my declining, my down-going:for once more I want to go to men.
For that I now wait: for first the signs must come to methat it is my hour,—namely, the laughing lion with the flock of doves.
In the meantime, as one who has time, I speak to myself.No one tells me anything new: so I tell myself to myself.—
2.
When I came to men, I found them sitting on an old conceit:all of them long thought they knewwhat was good and evil for man.
An old, weary matter all speech about virtue seemed to them;and whoever wanted to sleep wellstill spoke of “good” and “evil” before going to sleep.
This slumber I disturbed when I taught:what is good and evil, no one knows yet:—unless it be the creator!
—But that is he who creates man’s goaland gives the earth its meaning and its future:he it is who first creates that something is good and evil.
And I bade them overturn their old professorial chairs,and wherever that old conceit had sat;I bade them laugh at their great masters of virtueand saints and poets and world-redeemers.
At their somber sages I bade them laugh,and whoever had ever sat as a black scarecrow, warning,on the tree of life.
I sat down by their great tomb-roadand even with carrion and vultures—and I laughed at all their pastand its crumbling, decaying glory.
Verily, like penitential preachers and foolsI cried wrath and clamor over all their greatness and smallness,—that their best is so very small!That their worst is so very small!—thus I laughed.
My wise longing cried and laughed thus out of me,she who was born on mountains, a wild wisdom, verily!—my great, wing-rustling longing.
And often she tore me forth and up and awayand in the midst of laughter:then I flew, shuddering, an arrow,through sun-drunken delight:
—out into far futures, which no dream had yet seen,into hotter souths than sculptors ever dreamed of:there, where gods, dancing, are ashamed of all clothes:—
—that is to say, I speak in parables and, like poets, haltand stammer: and verily, I am ashamedthat I must still be a poet!—
Where all becoming seemed to me a dance of gods and a divine wantonness,and the world unleashed and unbridled and fleeing back to itself:—
—as an eternal fleeing-from and seeking-again of one another by many gods,as the blessed contradicting, hearing-again,belonging-again to one another of many gods:—
Where all time seemed to me a blessed mockery of moments,where necessity was freedom itself,which played blessedly with the sting of freedom:—
Where I also rediscovered my old devil and arch-enemy,the spirit of gravity, and all that he created:compulsion, statute, need and consequence and purpose and willand good and evil:—
For must there not be that over which one dances, dances away?Must there not, for the sake of the light, the lightest—be moles and heavy dwarfs?— —
3.
It was there, too, that I picked up the word “Overman” from the path,and that man is somethingthat must be overcome,
—that man is a bridge and not a purpose:blessing himself on account of his noon and evening,as a way to new dawns:
—the Zarathustra-word of the great noon,and whatever else I hung up over man,like purple second evening-glows.
Verily, I also let them see new stars along with new nights;and over clouds and day and nightI still stretched out laughter like a colorful tent.
I taught them all my creating and striving:to create into one and bring togetherwhat is fragment in man and riddle and dreadful chance,—
—as a poet, riddle-reader, and redeemer of chance,I taught them to work on the future,and to redeem all that was—by creating.
To redeem the past in manand to recreate all “It was”until the will speaks: “But thus I willed it!Thus shall I will it—”
—This I called redemption for them,this alone I taught them to call redemption.— —
Now I await my redemption—,that I may go to them for the last time.
For once more I want to go to men:among them I want to go under, dying I want to give themmy richest gift!
This I learned from the sun, when she goes down, the over-rich one:she then pours gold into the sea out of inexhaustible riches,—
—so that even the poorest fisherman rows with a golden oar!For this I once saw and did not tire of weeping as I watched.— —
Like the sun, Zarathustra too wants to go under:now he sits here and waits, old broken tablets around himand new tablets, too—half-written.
4.
Behold, here is a new tablet:but where are my brotherswho will carry it with me to the valley and into hearts of flesh?—
Thus my great love for the most distant demands it:do not spare your neighbor!Man is something that must be overcome.
There are many kinds of ways and means of overcoming:see to it yourself!But only a buffoon thinks:“man can also be overleapt.”
Overcome yourself even in your neighbor:and a right that you can seize,you shall not let be given to you!
What you do, no one can do to you in return.Behold, there is no retribution.
He who cannot command himself shall obey.And many can command themselves, but much is still lackingbefore they also obey themselves!
5.
Thus wills the nature of noble souls:they want to have nothing for free, least of all life.
He who is of the rabble wants to live for free;we others, however, to whom life gave itself,—we are always pondering what we can best give in return!
And verily, this is a noble speech which says:“what life promises us,that we want to—keep—for life!”
One should not want to enjoy where one does not give enjoyment.And—one should not want to enjoy!
For enjoyment and innocence are the most bashful things:neither wants to be sought.One should have them—, but one should rather seekfor guilt and pain!—
6.
O my brothers, whoever is a firstling is always sacrificed.Now, however, we are firstlings.
We all bleed at secret sacrificial altars,we all burn and are roasted in honor of old idols.
Our best is still young: that tempts old palates.Our flesh is tender, our skin is but a lamb-skin:—how should we not tempt old idol-priests!
In ourselves he still dwells, the old idol-priest,who roasts our best for his feast.Alas, my brothers, how should firstlings not be sacrifices!
But so our kind wills it; and I love thosewho do not want to preserve themselves.The down-going ones I love with my whole love:for they are going across.—
7.
To be true—few are able to!And he who is able, does not yet want to!But least of all are the good able.
Oh, these good people!—Good men never speak the truth;for the spirit, to be good in such a way is a sickness.
They give way, these good people, they surrender,their heart repeats, their ground obeys:but he who obeys, does not hear himself!
All that the good call evil must come togetherfor one truth to be born:O my brothers, are you also evil enough for this truth?
The daring venture, the long mistrust, the cruel No,the disgust, the cutting into the living—how seldom this comes together!But from such seed—truth is begotten!
Alongside a bad conscience, all knowledge has grown so far!Break, break for me, you knowers, the old tablets!
8.
When the water has beams,when footbridges and railings span the river:verily, no one finds credence who says:“Everything is in flux.”
Rather, even the dolts contradict him.“What?” say the dolts, “Everything in flux?Beams and railings are, after all, over the river!”
“Over the river everything is firm, all the values of things,the bridges, concepts, all ‘good’ and ‘evil’:all that is firm!”—
When the hard winter comes, the river-tamer:then even the wittiest learn mistrust;and, verily, not only the dolts then say:“Should not everything—stand still?”
“At bottom everything stands still”—, that is a proper winter-doctrine,a good thing for barren times,a good comfort for winter-sleepers and oven-squatters.
“At bottom everything stands still”—: but against that, the thaw-wind preaches!
The thaw-wind, a bull that is no ploughing-bull,—a raging bull, a destroyer,that breaks ice with wrathful horns!Ice, however— —breaks footbridges!
O my brothers, is not everything in flux now?Have not all railings and footbridges fallen into the water?Who could still hold on to “good” and “evil”?
“Woe to us! Hail to us! The thaw-wind blows!”—Thus preach, O my brothers, through all the streets!
9.
There is an old delusion that is called Good and Evil.Around soothsayers and stargazers the wheel of this delusion has revolved so far.
Once one believed in soothsayers and stargazers:and therefore one believed, “Everything is fate:you shall, for you must!”
Then again one mistrusted all soothsayers and stargazers:and therefore one believed, “Everything is freedom:you can, for you will!”
O my brothers, about stars and the future there has hitherto only been delusion,not knowledge:and therefore, about good and evil there has hitherto only been delusion,not knowledge!
10.
“You shall not rob! You shall not kill!”—such words were once called holy;before them one bent the knee and the head and took off one’s shoes.
But I ask you: where have there ever been better robbersand killers in the worldthan such holy words were?
Is there not in all life itself—robbing and killing?And that such words were called holy,was not truth itself thereby—killed?
Or was it a sermon of deaththat called holy what contradicted and advised against all life?—O my brothers, break, break for me the old tablets!
11.
This is my pity for all that is past, that I see:it is given over,—
—given over to the grace, the spirit, the madness of every generationthat comes and reinterprets all that was as a bridge for itself!
A great potentate could come, a cunning monster,who with his grace and disgrace would force and constrain all that is past:until it became a bridge for him and an omen and a herald and a cock’s-crow.
But this is the other danger and my other pity:—he who is of the rabble, his memory goes back to his grandfather,—with the grandfather, however, time ceases.
Thus all that is past is given over:for it could one day happenthat the rabble would become masterand drown all time in shallow waters.
Therefore, O my brothers, a new nobility is needed,which is an adversary to all rabble and all that is despoticand writes anew on new tablets the word “noble.”
For many noble ones are needed, and many kinds of noble ones,for there to be nobility!Or, as I once said in a parable:“That is precisely divinity, that there are gods,but no God!”
12.
O my brothers, I consecrate and direct you to a new nobility:you shall become for me begetters and breedersand sowers of the future,—
—verily, not to a nobilitythat you could buy like shopkeepers and with shopkeepers’ gold:for little worth has all that has its price.
Not whence you come shall henceforth be your honor,but whither you go!Your will and your foot, which wants to go beyond you yourself,—that shall be your new honor!
Verily not, that you have served a prince—what do princes matter anymore!—or have become a bulwark to that which stands, that it might stand more firmly!
Not that your lineage became courtly at courts,and you learned, colorful, like a flamingo,to stand for long hours in shallow ponds.
—For being-able-to-stand is a merit with courtiers;and all courtiers believethat among the bliss after death is—being-allowed-to-sit!—
Nor that a spirit they call holyled your forefathers into promised lands, which I do not praise:for where the worst of all trees grew, the cross,—in that land there is nothing to praise!—
—and verily, wherever this “holy spirit” led its knights,always in such processions—goats and geeseand cross- and wrong-heads ran on ahead!—
O my brothers, not backward shall your nobility look,but outward!Exiles shall you be from all fatherlands and forefather-lands!
Your children’s land you shall love:let this love be your new nobility,—the undiscovered land in the farthest sea!For it I bid your sails to seek and seek!
In your children you shall make amendsfor being the children of your fathers:all that is past you shall thus redeem!This new tablet I place over you!
13.
“Why live? All is vain! To live—that is to thresh straw;to live—that is to burn oneself and yet not get warm.”—
Such ancient chatter is still considered “wisdom”;but because it is old and smells musty,it is the more honored. Even mold ennobles.—
Children might speak thus: they are afraid of the fire because it has burned them!There is much childishness in the old books of wisdom.
And he who is always “threshing straw,”how should he be allowed to blaspheme against threshing!Such a fool one ought to muzzle!
Such people sit down to table and bring nothing with them,not even a good hunger:—and now they blaspheme, “All is vain!”
But to eat and drink well, O my brothers,is verily no vain art!Break, break for me the tablets of the never-joyful!
14.
“To the pure all things are pure”—so say the people.I, however, say to you: to the swine all things become swine!
Therefore the enthusiasts and head-hangers,whose hearts also hang down,preach: “The world itself is a filthy monster.”
For all these have an unclean spirit;but especially those who have no peace or restunless they see the world from behind,—the afterworldsmen!
To them I say it to their face, though it may not sound lovely:the world is like man in this, that it has a backside,—so much is true!
There is much filth in the world: so much is true!But the world itself is not therefore a filthy monster!
There is wisdom in the fact that much in the world smells bad:disgust itself creates wings and wellspring-divining powers!
In the best there is still something to be disgusted by;and the best is still something that must be overcome!—
O my brothers, there is much wisdom in the factthat there is much filth in the world!—
15.
Such sayings I heard pious afterworldsmenspeak to their conscience; and verily, without malice or falsehood,—although there is nothing in the world more false, nor more malicious.
“Let the world be the world!Do not lift even one finger against it!”
“Let whoever wants to choke and staband cut and scrape people do so:do not lift even one finger against it!Thereby they will yet learn to renounce the world.”
“And your own reason—you should yourself gag and choke it;for it is a reason of this world,—thereby you yourself will learn to renounce the world.”—
—Break, break for me, O my brothers,these old tablets of the pious!Shatter for me the sayings of the world-slanderers!
16.
“He who learns much, unlearns all vehement desiring”—that is what people whisper to each other today in all the dark alleys.
“Wisdom makes weary, nothing is worthwhile;you shall not desire!”—this new tablet I found hanging even in open marketplaces.
Break for me, O my brothers, break for me also this new tablet!The world-weary hung it up, and the preachers of death,and the jailers too:for behold, it is also a sermon for slavery!—
Because they learned badly and not the best,and everything too early and everything too quickly:because they ate badly, thence came to them that spoiled stomach,—
—for a spoiled stomach is their spirit: it advises death!For verily, my brothers, the spirit is a stomach!
Life is a wellspring of pleasure:but for him from whom the spoiled stomach speaks, the father of affliction,all springs are poisoned.
To know: that is a pleasure for the lion-willed!But he who has become weary is himself only “willed,”with him all waves play.
And this is always the way of weak men:they lose themselves on their ways.And at last their weariness still asks:“why did we ever go on ways! It is all the same!”
To their ears it sounds lovely that it is preached:“Nothing is worthwhile! You shall not will!”This, however, is a sermon for slavery.
O my brothers, a fresh, roaring wind Zarathustra comesto all the way-weary; many noses will he yet make sneeze!
Even through walls my free breath blows,and into prisons and imprisoned spirits!
Willing liberates: for willing is creating: thus I teach.And only for creating shall you learn!
And even learning you shall first learn from me, learning well!—He who has ears, let him hear!
17.
There stands the boat,—over there it goes perhaps into the great nothingness.—But who wants to step into this “Perhaps”?
None of you wants to step into the death-boat!Why then do you want to be world-weary!
World-weary! And not even yet weaned from the earth!I have always found you still lusting for the earth,still in love with your own earth-weariness!
Not for nothing does your lip hang down:—a small earthly wish still sits upon it!And in your eye—does there not swim a little cloudof unforgotten earthly pleasure?
There are many good inventions on earth,some useful, others pleasant:for their sake the earth is to be loved.
And many a thing is so well invented therethat it is like a woman’s breast:useful and pleasant at the same time.
But you world-weary ones! You earth-lazy ones!You should be beaten with rods!With strokes of the rod one should make your legs spry again.
For: if you are not sick and worn-out wretches,of whom the earth is weary,then you are sly sluggardsor dainty, hidden pleasure-cats.And if you do not want to run joyfully again,then you shall—pass away!
One should not want to be a physician to the incurable:thus Zarathustra teaches:—so you shall pass away!
But it takes more courage to make an endthan to make a new verse: all physicians and poets know that.—
18.
O my brothers, there are tablets which weariness created,and tablets which laziness created, the putrid kind:although they speak alike,they want to be heard differently.—
See here this languishing one!He is only a span away from his goal,but out of weariness he has defiantly laid himself down here in the dust:this valiant one!
Out of weariness he yawns at the path and the earth and the goal and himself:he will not take another step,—this valiant one!
Now the sun glows down on him, and the dogs lick his sweat:but he lies there in his defiance and would rather languish:—
—languish a span away from his goal!Verily, you will have to drag him to his heaven by his hair,—this hero!
Better still, you leave him lying where he has laid himself down,that sleep may come to him, the comforter,with a cooling pattering rain:
Let him lie, until he awakens of himself,—until he himself revokes all wearinessand what weariness taught from him!
Only, my brothers, that you shoo the dogs away from him,the lazy sneaks, and all the swarming vermin:—
—all the swarming vermin of the “educated,”which feeds sweetly on the sweat of every hero!—
19.
I draw circles around me and sacred boundaries;fewer and fewer climb with me up ever higher mountains,—I am building a mountain range out of ever more sacred mountains.—
But wherever you may climb with me, O my brothers:see to it that no parasite climbs with you!
Parasite: that is a worm, a creeping, fawning thing,that wants to grow fat on your sick, sore spots.
And this is its art, that it divines where rising souls are weary:in your grief and displeasure,in your tender shame, it builds its loathsome nest.
Where the strong is weak, the noble all-too-mild,—therein it builds its loathsome nest:the parasite dwells where the great have small, sore spots.
What is the highest species of all being and what is the lowest?The parasite is the lowest species;but he who is of the highest species nourishes the most parasites.
The soul, namely, which has the longest ladderand can go down deepest:how should not the most parasites sit on it?—
—the most comprehensive soul, which can runand stray and roam furthest within itself;the most necessary, which out of pleasure hurls itself into chance:—
—the soul that is, which dips into becoming;the soul that has, which wants to enter into willing and desiring:—
—the soul that flees itself, that catches up with itself in the widest circle;the wisest soul, to which folly speaks most sweetly:—
—the most self-loving soul, in which all things have their currentand counter-current and ebb and flow:—oh, how should the highest soulnot have the worst parasites?
20.
O my brothers, am I then cruel?But I say: what is falling, one should also push!
All of today—it is falling, it is decaying:who would want to hold it up!But I—I want to push it still!
Do you know the pleasure that rolls stones into steep depths?—These men of today:see them, how they roll into my depths!
A prelude am I to better players, O my brothers!An example! Do according to my example!
And he whom you do not teach to fly, teach him—to fall faster!—
21.
I love the brave: but it is not enough to be a swordsman,—one must also know whom to strike!
And often there is more bravery in restraining oneselfand passing by: so that one may save oneself for a worthier enemy!
You should have only enemies who are to be hated,but not enemies to be despised:you must be proud of your enemy:thus I taught once before.
For the worthier enemy, O my friends, you should save yourselves:therefore you must pass by much,—
—especially much rabble,that dins your ears with talk of people and peoples.
Keep your eye clear of their For and Against!There is much right, much wrong:he who looks on becomes angry.
To look on, to strike out—that is all one here:therefore go away into the forests and lay your sword to sleep!
Go your own ways! And let the people and peoples go theirs!—dark ways, verily, on which not one hopeany longer flashes like lightning!
Let the shopkeeper rule where everything that still glimmers is—shopkeeper’s gold! It is no longer the time of kings:what today calls itself people deserves no kings.
See how these peoples now themselves do as the shopkeepers do:they pick up the smallest advantages out of every piece of rubbish!
They lie in wait for one another, they spy things out from one another,—that they call “good neighborliness.”O blessed far-off time when a people said to itself:“I want to be—master—over peoples!”
For, my brothers: the best shall rule,the best also wants to rule!And where the doctrine is different, there—the best is lacking.
22.
If they—had bread for nothing, woe!What would they cry for!Their sustenance—that is their proper entertainment;and they shall have it hard!
Beasts of prey they are: in their “working”—there is also robbing,in their “earning”—there is also outwitting!Therefore they shall have it hard!
Better beasts of prey they shall thus become,finer, cleverer, more man-like:for man is the best beast of prey.
From all animals man has already robbed their virtues:that is why of all animals man has had it the hardest.
Only the birds are still above him.And if man yet learned to fly, woe!to what height—would his lust for prey fly!
23.
Thus I want man and woman: the one fit for war,the other fit for childbearing, but both fit for dancing with head and legs.
And lost be the day to us on which we did not dance at least once!And false be every truth to uswhich was not accompanied by at least one laugh!
24.
Your contracting of marriage: see to it that it is not a bad contracting!You have contracted too quickly: so there follows from it—adultery!
And better adultery than marriage-bending, marriage-lying!—Thus spoke a woman to me: “indeed I broke the marriage,but first the marriage broke—me!”
The ill-matched I have always found to be the most vengeful:they make the whole world pay for the factthat they no longer run singly.
For this reason I want the honest to say to one another:“we love each other: let us see to it that we remain in love!Or shall our promise be a mistake?”
—“Give us a probationary period and a small marriage, that we may seeif we are fit for the great marriage!It is a great thing always to be two!”
Thus I advise all the honest; and what then would be my lovefor the Overman and for all that is to come,if I advised and spoke otherwise!
Not only to propagate yourselves, but to propagate yourselves upward—thereto, O my brothers, may the garden of marriage help you!
25.
He who has become wise about ancient origins, behold,he will at last seek for the springs of the futureand for new origins.—
O my brothers, it will not be longbefore new peoples will spring upand new springs will rush down into new depths.
The earthquake, namely—that buries many wells,that creates much languishing:that also brings to light inner forces and secrets.
The earthquake reveals new springs.In the earthquake of old peoples, new springs break forth.
And whoever calls out: “Behold, here a well for many thirsty ones,one heart for many longing ones,one will for many instruments”:—around him a people gathers, that is: many who are trying.
Who can command, who must obey—that is tried there!Ah, with what long searching and divining and failingand learning and re-trying!
Human society: that is an attempt, so I teach,—a long seeking: but it seeks the commander!—
—an attempt, O my brothers! And not a “contract”!Break, break for me such a word of the soft-hearted and half-and-half!
26.
O my brothers! In whom lies the greatest dangerto all of man’s future?Is it not in the good and the just?—
—as in those who speak and feel in their hearts:“we already know what is good and just, we have it too;woe to those who are still seeking here!”
And whatever harm the wicked may do:the harm of the good is the most harmful harm!
And whatever harm the world-slanderers may do:the harm of the good is the most harmful harm.
O my brothers, someone once looked into the hearts of the good and the just,who said: “they are the Pharisees.”But he was not understood.
The good and the just themselves were not allowed to understand him:their spirit is imprisoned in their good conscience.The stupidity of the good is unfathomably clever.
But this is the truth: the good must be Pharisees,—they have no choice!
The good must crucify him who invents his own virtue!That is the truth!
The second one, however, who discovered their land,the land, heart, and soil of the good and the just:it was he who asked: “whom do they hate most?”
The creator they hate most:him who breaks tablets and old values, the breaker—him they call a criminal.
The good, namely—they cannot create:they are always the beginning of the end:—
—they crucify him who writes new values on new tablets,they sacrifice the future to themselves,—they crucify all of man’s future!
The good—they have always been the beginning of the end.—
27.
O my brothers, did you understand this word too?And what I once said about the “last man”?— —
In whom lies the greatest danger to all of man’s future?Is it not in the good and the just?
Break, break for me the good and the just!—O my brothers, did you understand this word too?
28.
You flee from me? You are terrified?You tremble at this word?
O my brothers, when I bade you to break the goodand the tablets of the good:only then did I embark man on his high sea.
And only now comes to him the great terror, the great looking-around,the great sickness, the great nausea, the great sea-sickness.
False coasts and false securities the good have taught you;in the lies of the good you were born and bred.Everything has been lied and twisted to its very foundation by the good.
But he who discovered the land “Man,”also discovered the land “Man’s Future.”Now you shall be seafarers for me, brave, patient!
Walk upright in your time, O my brothers, learn to walk upright!The sea is stormy: many want to right themselves with your help.
The sea is stormy: everything is in the sea.Well then! Come on! You old seaman’s-hearts!
What fatherland! Thither our helm wants to steer, where our children’s land is!Out thither, stormier than the sea, storms our great longing!—
29.
“Why so hard!”—the kitchen-coal once said to the diamond;“are we not near relations?”—
Why so soft? O my brothers, thus I ask you:are you not—my brothers?
Why so soft, so yielding and submissive?Why is there so much denial, self-denial in your hearts?So little fate in your gaze?
And if you do not want to be fates and inexorable ones:how could you—be victorious—with me?
And if your hardness does not want to flash and cut and cut through:how could you one day—create—with me?
For the creators are hard.And it must seem a bliss to youto press your hand upon millennia as upon wax,—
—bliss to write upon the will of millennia as upon bronze,—harder than bronze, nobler than bronze.Wholly hard is only the noblest.
This new tablet, O my brothers, I place over you:become hard!—
30.
O you my will! You turning-point of all need, you my necessity!Preserve me from all small victories!
You destiny of my soul, which I call fate!You in-me! Above-me!Preserve and spare me for one great fate!
And your last greatness, my will, spare for your last—that you may be inexorable in your victory!Ah, who has not succumbed to his victory!
Ah, whose eye has not darkened in this drunken twilight!Ah, whose foot has not staggered and unlearned in victory—how to stand!—
—That I may one day be ready and ripe in the great noon:ready and ripe like glowing bronze, a cloud pregnant with lightning,and a swelling udder of milk:—
—ready for myself and for my most hidden will:a bow lusting for its arrow,an arrow lusting for its star:—
—a star ready and ripe in its noon, glowing, pierced,blessed by annihilating sun-arrows:—
—a sun itself and an inexorable sun-will,ready for annihilation in victory!
O will, turning-point of all need, you my necessity!Spare me for one great victory!— —
Thus spoke Zarathustra.
The Convalescent. 1.
One morning, not long after his return to the cave,Zarathustra sprang up from his resting-place like a madman,cried with a terrible voice, and behavedas if someone else were lying on the resting-place who did not want to get up from it;and Zarathustra’s voice resounded in such a waythat his animals came to him in fright,and that from all the caves and hiding-placesthat were adjacent to Zarathustra’s cave all the creatures scurried away,—flying, fluttering, creeping, jumping,according to the kind of foot or wing given to them.But Zarathustra spoke these words:
Up, abysmal thought, from my depth!I am your cock and morning-dawn, you sleepy worm: up! up!My voice shall crow you awake!
Unbind the fetters of your ears: listen! For I want to hear you!Up! Up! Here is thunder enough for even graves to learn to listen!
And wipe the sleep and all the dullness, all the blindness from your eyes!Hear me with your eyes too:my voice is a remedy even for the blind-born.
And once you are awake, you shall remain eternally awake for me.It is not my way to wake great-grandmothers from their sleeponly to bid them—to sleep on!
You stir, you stretch, you rattle? Up! Up!Not rattle—speak you shall to me!Zarathustra calls you, the godless one!
I, Zarathustra, the advocate of life,the advocate of suffering, the advocate of the circle—I call you, my most abysmal thought!
Hail to me! You are coming—I hear you!My abyss speaks, my ultimate depth I have turned out into the light!
Hail to me! Come on! Give me your hand— —ha! let go! Haha!— —Disgust, disgust, disgust— —woe is me!
2.
Scarcely, however, had Zarathustra spoken these words,than he collapsed like a dead manand remained like a dead man for a long time.But when he came to himself again, he was pale and tremblingand remained lying, and for a long time would neither eat nor drink.This state lasted for seven days;his animals, however, did not leave him by day or by night,except that the eagle flew out to fetch food.And what he fetched and gathered,he laid on Zarathustra’s resting-place:so that Zarathustra at last lay among yellow and red berries,grapes, rose-apples, fragrant herbs, and pine-cones.At his feet, however, two lambs were spread out,which the eagle had with difficulty snatched from their shepherds.
At last, after seven days, Zarathustra raised himself upon his resting-place, took a rose-apple in his hand,smelled it and found its scent lovely.Then his animals believed the time had cometo speak with him.
“O Zarathustra,” they said, “now you have been lying like this for seven days,with heavy eyes:will you not at last stand on your feet again?
Step out of your cave: the world awaits you like a garden.The wind plays with heavy fragrances that want to come to you;and all the brooks would like to run after you.
All things long for you, since you remained alone for seven days,—step out of your cave! All things want to be your physicians!
Has some new knowledge come to you, a sour, heavy one?Like soured dough you lay,your soul rose and swelled over all its rims.—”
—O my animals, answered Zarathustra,chatter on thus and let me listen!It refreshes me so that you chatter:where there is chattering, the world already lies before me like a garden.
How lovely it is that there are words and sounds:are not words and sounds rainbowsand illusory bridges between the eternally separated?
To every soul belongs another world;for every soul every other soul is an afterworld.
Precisely between the most similar, appearance lies most beautifully;for the smallest chasm is the hardest to bridge.
For me—how could there be an outside-of-me? There is no outside!But that we forget with all sounds;how lovely it is that we forget!
Have not names and sounds been given to thingsthat man may refresh himself with things?Speaking is a beautiful folly:with it man dances over all things.
How lovely is all speaking and all the lies of sounds!With sounds our love dances on colorful rainbows.—
—“O Zarathustra,” said the animals then,“for those who think as we do,all things themselves dance:they come and offer their handand laugh and flee—and come back.
Everything goes, everything comes back;eternally rolls the wheel of being.Everything dies, everything blossoms again,eternally runs the year of being.
Everything breaks, everything is joined anew;eternally the same house of being is built.Everything parts, everything greets every other thing again;eternally the ring of being remains true to itself.
In every Now, being begins;around every Here rolls the sphere There.The middle is everywhere.Crooked is the path of eternity.”—
—O you rogue-fools and barrel-organs!answered Zarathustra and smiled again,how well you knowwhat had to be fulfilled in seven days:—
—and how that monster crept into my throatand choked me!But I bit off its headand spat it away from me.
And you,—you have already made a lyre-song out of it?But now I lie here,still tired from this biting and spitting away,still sick from my own redemption.
And you watched all this?O my animals, are you too cruel?Did you want to watch my great pain,as men do?For man is the most cruel animal.
At tragedies, bullfights, and crucifixionshe has hitherto felt most at ease on earth;and when he invented hell for himself, behold,that was his heaven on earth.
When the great man cries out—:the small one quickly runs to him;and his tongue hangs out of his throat from lustfulness.But he calls it his “pity.”
The small man, especially the poet—how eagerly he accuses life in words!Listen, but do not fail to hear the pleasurethat is in all accusing!
Such accusers of life:life overcomes them with the blinking of an eye.“You love me?” says the insolent one;“wait a little,I do not yet have time for you.”
Man is the most cruel animal against himself;and in all that calls itself “sinner”and “cross-bearer” and “penitent,”do not fail to hear the voluptuousnessthat is in this lamenting and accusing!
And I myself—do I thereby want to be man’s accuser?Ah, my animals, this alone have I learned so far,that man needs his worst for his best,—
—that all that is worst is his best forceand the hardest stone for the highest creator;and that man must become better and more evil:—
Not to this wood of torment was I nailed,that I know: man is evil,—but I cried out, as no one has ever cried out:
“Ah, that his worst is so very small!Ah, that his best is so very small!”
The great disgust with man—it choked me and had crept into my throat:and what the soothsayer prophesied:“All is the same, nothing is worthwhile, knowledge chokes.”
A long twilight limped before me,a death-weary, death-drunken sadness,which spoke with a yawning mouth.
“Eternally he returns, the manof whom you are weary, the small man”—so yawned my sadness and dragged its footand could not fall asleep.
The human earth turned into a cave for me,its breast caved in,all that is living became human moldand bones and decayed past for me.
My sighing sat on all human gravesand could no longer get up;my sighing and questioning croaked and chokedand gnawed and lamented by day and by night:
—“ah, man returns eternally!The small man returns eternally!”—
Naked I had once seen them both,the greatest man and the smallest man:all-too-similar to each other,—all-too-human even the greatest!
All-too-small the greatest!—That was my disgust with man!And eternal recurrence even of the smallest!—That was my disgust with all existence!
Ah, disgust! Disgust! Disgust!— —Thus spoke Zarathustra and sighed and shuddered;for he remembered his sickness.But then his animals did not let him speak further.
“Speak no further, you convalescent!—so his animals answered him,but go out where the world awaits you,like a garden.
Go out to the roses and bees and flocks of doves!But especially to the singing-birds:that you may learn their singing from them!
For singing is for convalescents;the healthy may speak.And even if the healthy wants songs,he still wants other songs than the convalescent.”
—“O you rogue-fools and barrel-organs, do be silent!—answered Zarathustra and smiled at his animals.How well you knowwhat comfort I invented for myself in seven days!
That I had to sing again,—that comfort I invented for myself and this convalescence:do you want to make a lyre-song out of that right away?”
—“Speak no further,” his animals answered him again;“rather, you convalescent, first make yourself a lyre,a new lyre!
For behold, O Zarathustra!For your new songs, new lyres are needed.
Sing and bubble over, O Zarathustra,heal your soul with new songs:that you may bear your great fate,which was not yet any man’s fate!
For your animals know it well, O Zarathustra,who you are and must become:behold, you are the teacher of the eternal recurrence—,that is now your fate!
That you must be the first to teach this doctrine,—how should this great fatenot also be your greatest danger and sickness!
Behold, we know what you teach:that all things recur eternally and we ourselves with them,and that we have already been here eternal times,and all things with us.
You teach that there is a great year of becoming,a monster of a great year:it must, like an hourglass,always turn over anew,that it may run down and run out anew:—
—so that all these years are alike to themselves,in the greatest and also in the smallest,—so that we ourselves in every great yearare alike to ourselves, in the greatest and also in thesmallest.
And if you wanted to die now, O Zarathustra:behold, we also know how you would then speak to yourself:—but your animals beg you not to die yet!
You would speak, and without trembling,rather breathing a sigh of relief from bliss:for a great weight and sultrinesswould be taken from you, you most patient one!—
“Now I die and fade away,” you would say,“and in an instant I am a nothing.Souls are as mortal as bodies.
But the knot of causes returns,in which I am entangled,—it will create me again!I myself belong to the causes of the eternal recurrence.
I will come again, with this sun, with this earth,with this eagle, with this serpent—not to a new life or a better lifeor a similar life:
—I will come again eternally to this same and selfsame life,in the greatest and also in the smallest,that I may again teach the eternal recurrence of all things,—
—that I may again speak the wordof the great noon of earth and man,that I may again proclaim the Overman to man.
I have spoken my word, I am breaking on my word:so my eternal lot wills it—,as a proclaimer I perish!
The hour has now comefor the down-going one to bless himself.Thus—ends Zarathustra’s down-going.”— —
When the animals had spoken these words,they fell silent and waitedfor Zarathustra to say something to them:but Zarathustra did not hear that they were silent.Rather, he lay still, with his eyes closed,like one sleeping, although he was not asleep:for he was conversing with his soul.The serpent and the eagle, however,when they found him silent in this way,honored the great stillness around himand cautiously withdrew.
Of the Great Longing.
O my soul, I taught you to say “Today”as well as “Once” and “Formerly”and to dance your round dance awayover all Here and There and Yonder.
O my soul, I redeemed you from all nooks,I swept dust, spiders, and twilight from you.
O my soul, I washed the small shameand the nook-virtue from youand persuaded you to stand naked before the eyes of the sun.
With the storm that is called “spirit”I blew over your surging sea;all clouds I blew away,I strangled even the strangler that is called “sin.”
O my soul, I gave you the rightto say No like the stormand to say Yes as the open sky says Yes:still as light you now standand walk through storms of negation.
O my soul, I gave you back the freedomover the created and the uncreated:and who knows, as you know,the voluptuousness of the future?
O my soul, I taught you the contemptthat does not come like a cankerworm,the great, the loving contempt,which loves most where it despises most.
O my soul, I taught you to persuadeso that you persuade the very grounds to your side:like the sun,which persuades even the sea to its height.
O my soul, I took from you all obeying,knee-bending, and lord-saying;I myself gave you the name “turning-point of need” and “fate”.O my soul, I gave you new names and colorful playthings,I called you “fate” and “compass of compasses”and “umbilical cord of time” and “azure bell.”
O my soul, to your soil I gave all wisdom to drink,all new wines and also allimmemorially old, strong wines of wisdom.
O my soul, every sun I poured out upon youand every night and every silence and every longing:—then you grew up for me like a vine.
O my soul, over-rich and heavy you now stand there,a vine with swelling uddersand crowded brown golden-grapes:—
—crowded and pressed by your happiness,waiting in overabundanceand still ashamed of your waiting.
O my soul, there is now nowhere a soulthat would be more loving and more encompassing and more comprehensive!Where would future and past be closer together than with you?
O my soul, I gave you everything,and all my hands have become empty for you:—and now!Now you say to me, smiling and full of melancholy:“Which of us has to thank?—
—does not the giver have to thank that the taker took?Is not giving a necessity?Is not taking—a mercy?”—
O my soul, I understand the smile of your melancholy:your over-richness itself now stretches out longing hands!
Your fullness looks out over roaring seasand seeks and waits;the longing of over-fullness looksout of your smiling eye-sky!
And verily, O my soul!Who could see your smile and not melt into tears?The angels themselves melt into tearsat the over-goodness of your smile.
It is your goodness and over-goodnessthat does not want to complain and weep:and yet, O my soul,your smile longs for tearsand your trembling mouth for sobs.
“Is not all weeping a complaining?And all complaining an accusing?”Thus you speak to yourself, and therefore, O my soul,you would rather smile than pour out your sorrow
—pour out in rushing tears all your sorrowover your fullness and over all the urgency of the vinefor the vintner and the vintner’s knife!
But if you will not weep,not weep out your purple melancholy,then you will have to sing, O my soul!—Behold, I myself smile, who foretells such things to you:
—sing, with a roaring song,until all seas become still,that they may listen to your longing,—
—until over still, longing seas the boat glides,the golden wonder, around whose goldall good, bad, wondrous things leap:—
—also many large and small creatures and everythingthat has light, wondrous feet,that it can run on violet-blue paths,—
—towards the golden wonder,the voluntary boat and its master:but that is the vintnerwho waits with a diamond vintner’s-knife,—
—your great redeemer, O my soul, the nameless one— —for whom future songs will first find names!And verily, your breath already smellsof future songs,—
—already you glow and dream,already you drink thirstilyfrom all deep, resounding wells of comfort,already your melancholy restsin the bliss of future songs!— —
O my soul, now I have given you everything and even my last,and all my hands have become empty for you:—that I bade you sing, behold, that was my last!
That I bade you sing, speak now, speak:which of us now has—to thank?—But better still: sing to me, sing, O my soul!And let me thank!—
Thus spoke Zarathustra.
The Other Dance Song. 1.
“Into your eye I looked of late, O Life:gold I saw glittering in your night-eye,—my heart stood still before this voluptuousness:
—a golden boat I saw glittering on nightly waters,a sinking, drinking,re-beckoning golden rocking-boat!
At my foot, the dance-furious, you cast a glance,a laughing, questioning, melting, rocking-glance:
Twice only you stirred your rattle with small hands—then my foot was already rocking with dance-fury.—
My heels reared up, my toes listenedto understand you:for the dancer carries his ear—in his toes!
Toward you I leaped: then you fled back from my leap;and against me licked the tongue of your fleeing, flying hair!
Away from you I leaped and from your serpents:then you stood there already, half-turned,your eye full of desire.
With crooked glances—you teach me crooked paths;on crooked paths my foot learns—tricks!
I fear you near, I love you far;your flight lures me, your seeking stops me:—I suffer, but what would I not gladly suffer for you!
You whose coldness ignites, whose hate seduces,whose flight binds, whose mockery—stirs:
—who would not hate you, you great binder,encircler, tempter, seeker, finder!Who would not love you, you innocent, impatient,wind-swift, child-eyed sinner!
Where are you drawing me now, you paragon and scamp?And now you flee from me again,you sweet hoyden and ingrate!
I dance after you, I follow you even on a faint track.Where are you? Give me your hand! Or just a finger!
Here are caves and thickets: we will lose our way!—Halt! Stand still! Do you not see owlsand bats whirring?
You owl! You bat! You want to mock me?Where are we? From the dogs you learned this howling and yelping.
You bare your little white teeth at me lovably,your evil eyes leap at me from a curly little mane!
This is a dance over stock and stone:I am the hunter,—will you be my hound or my chamois?
Now beside me! And swift, you malicious jumper!Now up! And over!—Woe! In jumping I fell myself!
Oh, see me lie, you high spirit, and plead for grace!Gladly would I walk with you—on lovelier paths!
—the paths of love through silent colorful bushes!Or there along the lake:there goldfish swim and dance!
You are tired now? Over there are sheep and evening-glows:is it not beautiful to sleep when shepherds are playing their flutes?
You are so very tired? I will carry you there,just let your arms sink!And if you are thirsty,—I would have something,but your mouth does not want to drink it!—
—Oh, this cursed, nimble, supple snake and slippery-witch!Where have you gone? But on my face I feel from your handtwo marks and red blotches!
I am truly weary of always being your sheepish shepherd!You witch, if I have sung for you so far,now you shall—scream for me!
To the beat of my whip you shall dance and scream for me!I did not forget the whip, did I?—No!”—
2.
Then Life answered me thus,and thereby covered her delicate ears:
“O Zarathustra! Do not crack your whip so dreadfully!You know it well: noise murders thoughts,—and just now such tender thoughts are coming to me.
We are both of us two real good-for-nothings and evil-for-nothings.Beyond Good and Evil we found our islandand our green meadow—we two alone!Therefore we must be good to each other!
And even if we do not love each other from the very bottom,—must one bear a grudgeif one does not love from the very bottom?
And that I am good to you, and often too good,that you know: and the reason isthat I am jealous of your wisdom.Ah, this mad old fool of a wisdom!
If your wisdom should one day run away from you, ah!then my love would also quickly run away from you.”—
Thereupon Life looked thoughtfully behind herand around her and said softly:“O Zarathustra, you are not faithful enough to me!
You do not love me nearly as much as you say;I know you are thinkingof leaving me soon.
There is an old, heavy, heavy tolling-bell:it tolls at night all the way up to your cave:—
—when you hear this bell strike the hour at midnight,you think between one and twelve—
—you think, O Zarathustra, I know it,of leaving me soon!”—
“Yes,” I answered hesitantly, “but you also know—”And I said something into her ear,right into the middle of her tangled, yellow, foolish tufts of hair.
“You know that, O Zarathustra? No one knows that.”— —
And we looked at each other and gazed at the green meadow,over which the cool evening was just then running,and we wept together.—But then Life was dearer to me than all my wisdom has ever been.
Thus spoke Zarathustra.
3.
One! O man! Take heed!
Two! What does the deep midnight say?
Three! “I slept, I slept—,
Four! “From a deep dream I have awakened:—
Five! “The world is deep,
Six! “And deeper than the day had thought.
Seven! “Deep is its woe—,
Eight! “Joy—deeper still than heart’s affliction:
Nine! “Woe speaks: Perish!
Ten! “But all joy wants eternity—,
Eleven! “—wants deep, deep eternity!
Twelve!
The Seven Seals. (Or: The Yes and Amen Song.) 1.
If I am a soothsayer and full of that soothsaying spiritthat wanders on a high ridge between two seas,—
wanders between past and future as a heavy cloud,—hostile to sultry lowlands and to allthat is weary and can neither die nor live:
ready for the lightning in its dark bosomand for the redeeming beam of light,pregnant with lightnings that say Yes! laugh Yes!,with soothsaying lightning-beams:—
—blessed, however, is he who is thus pregnant!And verily, long must he hang as a heavy storm on the mountain,who shall one day kindle the light of the future!—
oh, how should I not be ardent for Eternityand for the nuptial ring of rings,—the ring of recurrence!
Never yet have I found the woman from whom I wanted children,unless it be this woman whom I love:for I love you, O Eternity!
For I love you, O Eternity!
2.
If ever my wrath broke graves, moved boundary stones,and rolled old tablets, broken, into steep depths:
If ever my mockery blew away moldered words,and I came like a broom to the cross-spidersand as a sweeping wind to old, musty burial vaults:
If ever I sat rejoicing where old gods lie buried,world-blessing, world-loving, beside the monuments of old world-slanderers:—
—for I love even churches and God’s-tombs,if only heaven looks with a pure eye through their broken ceilings;gladly I sit like grass and red poppieson broken churches—
Oh, how should I not be ardent for Eternityand for the nuptial ring of rings,—the ring of recurrence?
Never yet have I found the woman from whom I wanted children,unless it be this woman whom I love:for I love you, O Eternity!
For I love you, O Eternity!
3.
If ever a breath came to me of the creative breath,and of that heavenly need that compels even chancesto dance star-rounds:
If ever I laughed with the laughter of the creative lightning,which the long thunder of the deed follows, grumblingbut obedient:
If ever I played dice with gods at the gods’ table of the earth,so that the earth quaked and brokeand snorted up rivers of fire:—
—for a gods’ table is the earth,and trembling with creative new words and gods’-throws:—
Oh, how should I not be ardent for Eternityand for the nuptial ring of rings,—the ring of recurrence?
Never yet have I found the woman from whom I wanted children,unless it be this woman whom I love:for I love you, O Eternity!
For I love you, O Eternity!
4.
If ever I drank a full draughtfrom that foaming spice- and mixing-jugin which all things are well mixed:
If ever my hand poured the most distant into the nearest,and fire into spirit and pleasure into sorrowand the worst into the kindest:
If I myself am a grain of that redeeming saltwhich makes all things mix well in the mixing-jug:—
—for there is a salt that binds good with evil;and even the most evil is worthy of being a spiceand a final foaming-over:—
Oh, how should I not be ardent for Eternityand for the nuptial ring of rings,—the ring of recurrence?
Never yet have I found the woman from whom I wanted children,unless it be this woman whom I love:for I love you, O Eternity!
For I love you, O Eternity!
5.
If I am fond of the sea and all that is of the sea’s kind,and fondest of all when it contradicts me wrathfully:
If that seeking pleasure is in methat drives sails toward the undiscovered,if a seafarer’s-pleasure is in my pleasure:
If ever my rejoicing cried: “the coast has vanished,—now my last chain has fallen from me——the boundless roars around me,far out space and time glimmer for me,well then! come on! old heart!”—
Oh, how should I not be ardent for Eternityand for the nuptial ring of rings,—the ring of recurrence?
Never yet have I found the woman from whom I wanted children,unless it be this woman whom I love:for I love you, O Eternity!
For I love you, O Eternity!
6.
If my virtue is a dancer’s virtue,and I have often leaped with both feetinto gold-emerald delight:
If my wickedness is a laughing wickedness,at home among rose-bowers and lily-hedges:
—for in laughter all that is evil is present together,but sanctified and absolved by its own bliss:—
And if this is my Alpha and Omega, that all that is heavy should become light,all that is body a dancer, all that is spirit a bird:and verily, that is my Alpha and Omega!—
Oh, how should I not be ardent for Eternityand for the nuptial ring of rings,—the ring of recurrence!
Never yet have I found the woman from whom I wanted children,unless it be this woman whom I love:for I love you, O Eternity!
For I love you, O Eternity!
7.
If ever I spread out silent heavens above meand flew with my own wings into my own heavens:
If I swam, playing, in deep light-distances,and the bird-wisdom of my freedom came:—
—but thus speaks bird-wisdom: “Behold, there is no above,no below! Throw yourself about, outward, backward, you light one!Sing! speak no more!
—“are not all words made for the heavy?Do not all words lie to the light one? Sing! speak no more!”—
Oh, how should I not be ardent for Eternityand for the nuptial ring of rings,—the ring of recurrence?
Never yet have I found the woman from whom I wanted children,unless it be this woman whom I love:for I love you, O Eternity!