In der vierten Woche seines Aufenthalts auf dem Lidomachte Gustav von Aschenbach einigedie Außenwelt betreffende unheimliche Wahrnehmungen.Erstens schien es ihm,als ob bei steigender Jahreszeitdie Frequenz seines Gasthofes eher ab-als zunähme,und, insbesondere,als ob die deutsche Sprache um ihn her versiege und verstumme,so daß bei Tisch und am Strandendlich nur noch fremde Laute sein Ohr trafen.Eines Tages dann fing er beim Coiffeur,den er jetzt häufig besuchte,im Gespräche ein Wort auf,das ihn stutzig machte.Der Mann hatte einer deutschen Familie erwähnt,die soeben nach kurzem Verweilen abgereist warund setzte plaudernd und schmeichelnd hinzu:»Sie bleiben, mein Herr;Sie haben keine Furcht vor dem Übel.«Aschenbach sah ihn an.»Dem Übel?«wiederholte er.Der Schwätzer verstummte,tat beschäftigt,überhörte die Frage,und als sie dringlicher gestellt ward,erklärte er,er wisse von nichtsund suchte mit verlegener Beredsamkeit abzulenken.
Das war um Mittag.Nachmittags fuhr Aschenbach bei Windstille und schwerem Sonnenbrand nach Venedig;denn ihn trieb die Manie,den polnischen Geschwistern zu folgen,die er mit ihrer Begleiterinden Weg zur Dampferbrücke hatte einschlagen sehen.Er fand den Abgott nicht bei San Marco.Aber beim Tee,an seinem eisernen Rundtischchenauf der Schattenseite des Platzes sitzend,witterte er plötzlich in der Luft ein eigentümliches Arom,von dem ihm jetzt schien,als habe es schon seit Tagen,ohne ihm ins Bewußtsein zu dringen,seinen Sinn berührt,—einen süßlich-offizinellen Geruch,der an Elend und Wundenund verdächtige Reinlichkeit erinnerte.Er prüfte und erkannte ihn nachdenklich,beendete seinen Imbiß und verließ den Platzauf der dem Tempel gegenüberliegenden Seite.In der Enge verstärkte sich der Geruch.An den Straßenecken hafteten gedruckte Anschläge,durch welche die Bevölkerungwegen gewisser Erkrankungen des gastrischen Systems,die bei dieser Witterung an der Tagesordnung seien,vor dem Genusse von Austern und Muscheln,auch vor dem Wasser der Kanälestadtväterlich gewarnt wurde.Die beschönigende Natur des Erlasses war deutlich.Volksgruppen standen schweigsam auf Brücken und Plätzen beisammen;und der Fremde stand spürend und grübelnd unter ihnen.
Einen Ladeninhaber,der zwischen Korallenschnüren und falschen Amethyst-Geschmeidenin der Türe seines Gewölbes lehnte,bat er um Auskunft über den fatalen Geruch.Der Mann maß ihn mit schweren Augenund ermunterte sich hastig.»Eine vorbeugende Maßregel, mein Herr!«antwortete er mit Gebärdenspiel.»Eine Verfügung der Polizei,die man billigen muß.Diese Witterung drückt,der Scirocco ist der Gesundheit nicht zuträglich.Kurz, Sie verstehen,—eine vielleicht übertriebene Vorsicht…«Aschenbach dankte ihm und ging weiter.Auch auf dem Dampfer,der ihn zum Lido zurücktrug,spürte er jetzt den Geruch des keimbekämpfenden Mittels.
Ins Hotel zurückgekehrt,begab er sich sogleich in die Halle zum Zeitungstischund hielt in den Blättern Umschau.Er fand in den fremdsprachigen nichts.Die heimatlichen verzeichneten Gerüchte,führten schwankende Ziffern an,gaben amtliche Ableugnungen wiederund bezweifelten deren Wahrhaftigkeit.So erklärte sich der Abzug des deutschen und österreichischen Elementes.Die Angehörigen der übrigen Nationen wußten offenbar nichts,ahnten nichts,waren noch nicht beunruhigt.»Man soll schweigen!«dachte Aschenbach erregt,indem er die Journale auf den Tisch zurückwarf.»Man soll das verschweigen!«Aber zugleich füllte sein Herz sich mit Genugtuungüber das Abenteuer,in welches die Außenwelt geraten wollte.Denn der Leidenschaft ist,wie dem Verbrechen,die gesicherte Ordnung und Wohlfahrt des Alltags nicht gemäß,und jede Lockerung des bürgerlichen Gefüges,jede Verwirrung und Heimsuchung der Welt muß ihr willkommen sein,weil sie ihren Vorteil dabei zu finden unbestimmt hoffen kann.So empfand Aschenbach eine dunkle Zufriedenheitüber die obrigkeitlich bemäntelten Vorgängein den schmutzigen Gäßchen Venedigs,—dieses schlimme Geheimnis der Stadt,das mit seinem eigensten Geheimnis verschmolz,und an dessen Bewahrung auch ihm so sehr gelegen war.Denn der Verliebte besorgte nichts,als daß Tadzio abreisen könnteund erkannte nicht ohne Entsetzen,daß er nicht mehr zu leben wissen werde,wenn das geschähe.
Neuerdings begnügte er sich nicht damit,Nähe und Anblick des Schönender Tagesregel und dem Glücke zu danken;er verfolgte ihn,er stellte ihm nach.Sonntags zum Beispiel erschienen die Polen niemals am Strande;er erriet,daß sie die Messe in San Marco besuchten,er eilte dorthin,und aus der Glut des Platzesin die goldene Dämmerung des Heiligtums eintretend,fand er den Entbehrten,über ein Betpult gebeugt beim Gottesdienst.Dann stand er im Hintergrunde,auf zerklüftetem Mosaikboden,inmitten knieenden,murmelnden,kreuzschlagenden Volkes,und die gedrungene Pracht des morgenländischen Tempelslastete üppig auf seinen Sinnen.Vorn wandelte,hantierte und sang der schwergeschmückte Priester,Weihrauch quoll auf,er umnebelte die kraftlosen Flämmchen der Altarkerzen,und in den dumpfsüßen Opferduftschien sich leise ein anderer zu mischen:der Geruch der erkrankten Stadt.Aber durch Dunst und Gefunkel sah Aschenbach,wie der Schöne dort vorn den Kopf wandte,ihn suchte und ihn erblickte.
Wenn dann die Mengedurch die geöffneten Portale hinausströmteauf den leuchtenden,von Tauben wimmelnden Platz,verbarg sich der Betörte in der Vorhalle,er versteckte sich,er legte sich auf die Lauer.Er sah die Polen die Kirche verlassen,sah,wie die Geschwister sich auf zeremoniöse Artvon der Mutter verabschiedetenund wie diese sich heimkehrend zur Piazzetta wandte;er stellte fest,daß der Schöne,die klösterlichen Schwestern und die Gouvernanteden Weg zur Rechten durch das Tor des Uhrturmesund in die Merceria einschlugen,und nachdem er sie einigen Vorsprung hatte gewinnen lassen,folgte er ihnen,folgte ihnen verstohlen auf ihrem Spaziergang durch Venedig.
Er mußte stehen bleiben,wenn sie sich verweilten,mußte in Garküchen und Höfe flüchten,um die Umkehrenden vorüber zu lassen;er verlor sie,suchte erhitzt und erschöpft nach ihnenüber Brücken und in schmutzigen Sackgassenund erduldete Minuten tödlicher Pein,wenn er sie plötzlich in enger Passage,wo kein Ausweichen möglich war,sich entgegenkommen sah.Dennoch kann man nicht sagen,daß er litt.Haupt und Herz waren ihm trunken,und seine Schritte folgten den Weisungen des Dämons,dem es Lust ist,des Menschen Vernunft und Würdeunter seine Füße zu treten.
Irgendwo nahmen Tadzio und die Seinen dann wohl eine Gondel,und Aschenbach,den, während sie einstiegen,ein Vorbau, ein Brunnen verborgen gehalten hatte,tat,kurz nachdem sie vom Ufer abgestoßen,ein Gleiches.Er sprach hastig und gedämpft,wenn er den Ruderer,unter dem Versprechen eines reichlichen Trinkgeldes,anwies,jener Gondel,die eben dort um die Ecke biege,unauffällig in einigem Abstand zu folgen;und es überrieselte ihn,wenn der Mensch,mit der spitzbübischen Erbötigkeit eines Gelegenheitsmachers,ihm in demselben Tone versicherte,daß er bedient,daß er gewissenhaft bedient werden solle.
So glitt und schwankte er denn,in weiche, schwarze Kissen gelehnt,der anderen schwarzen, geschnabelten Barke nach,an deren Spur die Passion ihn fesselte.Zuweilen entschwand sie ihm:dann fühlte er Kummer und Unruhe.Aber sein Führer,als sei er in solchen Aufträgen wohl geübt,wußte ihm stets durch schlaue Manöver,durch rasche Querfahrten und Abkürzungendas Begehrte wieder vor Augen zu bringen.Die Luft war still und riechend,schwer brannte die Sonne durch den Dunst,der den Himmel schieferig färbte.Wasser schlug glucksend gegen Holz und Stein.Der Ruf des Gondoliers,halb Warnung, halb Gruß,ward fernher aus der Stille des Labyrinthsnach sonderbarer Übereinkunft beantwortet.Aus kleinen, hochliegenden Gärten hingen Blütendolden,weiß und purpurn,nach Mandeln duftend,über morsches Gemäuer.Arabische Fensterumrahmungen bildeten sich im Trüben ab.Die Marmorstufen einer Kirche stiegen in die Flut;ein Bettler, darauf kauernd,sein Elend beteuernd,hielt seinen Hut hin und zeigte das Weiße der Augen,als sei er blind,ein Altertumshändler, vor seiner Spelunke,lud den Vorüberziehenden mit kriecherischen Gebärden zum Aufenthalt ein,in der Hoffnung,ihn zu betrügen.Das war Venedig,die schmeichlerische und verdächtige Schöne,—diese Stadt, halb Märchen, halb Fremdenfalle,in deren fauliger Luft die Kunst einst schwelgerisch aufwucherteund welche den Musikern Klänge eingab,die wiegen und buhlerisch einlullen.Dem Abenteuernden war es,als tränke sein Auge dergleichen Üppigkeit,als würde sein Ohr von solchen Melodien umworben;er erinnerte sich auch,daß die Stadt krank sei und es aus Gewinnsucht verheimliche,und er spähte ungezügelter ausnach der voranschwebenden Gondel.
So wußte und wollte denn der Verwirrte nichts anderes mehr,als den Gegenstand, der ihn entzündete,ohne Unterlaß zu verfolgen,von ihm zu träumen, wenn er abwesend war,und, nach der Weise der Liebenden,seinem bloßen Schattenbild zärtliche Worte zu geben.Einsamkeit, Fremde und das Glück eines späten und tiefen Rauschesermutigten und überredeten ihn,sich auch das Befremdlichsteohne Scheu und Erröten durchgehen zu lassen,wie es denn vorgekommen war,daß er, spät abends von Venedig heimkehrend,im ersten Stock des Hotelsan des Schönen Zimmertür Halt gemacht,seine Stirn in völliger Trunkenheitan die Angel der Tür gelehntund sich lange von dort nicht zu trennen vermocht hatte,auf die Gefahr,in einer so wahnsinnigen Lage ertappt und betroffen zu werden.
Dennoch fehlte es nicht an Augenblickendes Innehaltens und der halben Besinnung.Auf welchen Wegen!dachte er dann mit Bestürzung.Auf welchen Wegen!Wie jeder Mann,dem natürliche Verdienste ein aristokratisches Interessefür seine Abstammung einflößen,war er gewohnt,bei den Leistungen und Erfolgen seines Lebensder Vorfahren zu gedenken,sich ihrer Zustimmung,ihrer Genugtuung,ihrer notgedrungenen Achtung im Geiste zu versichern.Er dachte ihrer auch jetzt und hier,verstrickt in ein so unstatthaftes Erlebnis,begriffen in so exotischen Ausschweifungen des Gefühls;gedachte der haltungsvollen Strenge,der anständigen Männlichkeit ihres Wesensund lächelte schwermütig.Was würden sie sagen?Aber freilich,was hätten sie zu seinem ganzen Leben gesagt,das von dem ihren so bis zur Entartung abgewichen war,zu diesem Leben im Banne der Kunst,über das er selbst einst,im Bürgersinne der Väter,so spöttische Jünglingserkenntnisse hatte verlauten lassenund das dem ihren im Grunde so ähnlich gewesen war!Auch er hatte gedient,auch er sich in harter Zucht geübt;auch er war Soldat und Kriegsmann gewesen,gleich manchen von ihnen,—denn die Kunst war ein Krieg,ein aufreibender Kampf,für welchen man heute nicht lange taugte.Ein Leben der Selbstüberwindung und des Trotzdem,ein herbes, standhaftes und enthaltsames Leben,das er zum Sinnbild für einen zarten und zeitgemäßen Heroismus gestaltet hatte,—wohl durfte er es männlich,durfte es tapfer nennen,und es wollte ihm scheinen,als sei der Eros,der sich seiner bemeistert,einem solchen Leben auf irgendeine Weise besonders gemäß und geneigt.Hatte er nicht bei den tapfersten Völkernvorzüglich in Ansehen gestanden,ja, hieß es nicht,daß er durch Tapferkeit in ihren Städten geblüht habe?Zahlreiche Kriegshelden der Vorzeithatten willig sein Joch getragen,denn gar keine Erniedrigung galt,die der Gott verhängte,und Taten,die als Merkmale der Feigheit wären gescholten worden,wenn sie um anderer Zwecke willen geschehen wären:Fußfälle, Schwüre,inständige Bitten und sklavisches Wesen,solche gereichten dem Liebenden nicht zur Schande,sondern er erntete vielmehr noch Lob dafür.
So war des Betörten Denkweise bestimmt,so suchte er sich zu stützen,seine Würde zu wahren.Aber zugleich wandte er beständig eine spürendeund eigensinnige Aufmerksamkeitden unsauberen Vorgängen im Innern Venedigs zu,jenem Abenteuer der Außenwelt,das mit dem seines Herzens dunkel zusammenfloßund seine Leidenschaft mit unbestimmten,gesetzlosen Hoffnungen nährte.Versessen darauf,Neues und Sicheres über Stand oder Fortschritt des Übels zu erfahren,durchstöberte er in den Kaffeehäusern der Stadt die heimatlichen Blätter,da sie vom Lesetisch der Hotelhalleseit mehreren Tagen verschwunden waren.Behauptungen und Widerrufe wechselten darin.Die Zahl der Erkrankungs-,der Todesfälle sollte sich auf zwanzig,auf vierzig, ja hundert und mehr belaufen,und gleich darauf wurde jedes Auftreten der Seuchewenn nicht rundweg in Abrede gestellt,so doch auf völlig vereinzelte,von außen eingeschleppte Fälle zurückgeführt.Warnende Bedenken,Proteste gegen das gefährliche Spielder welschen Behörden waren eingestreut.Gewißheit war nicht zu erlangen.
Dennoch war sich der Einsameeines besonderen Anrechtes bewußt,an dem Geheimnis teil zu haben,und, gleichwohl ausgeschlossen,fand er eine bizarre Genugtuung darin,die Wissenden mit verfänglichen Fragen anzugehenund sie,die zum Schweigen verbündet waren,zur ausdrücklichen Lüge zu nötigen.Eines Tages beim Frühstück im großen Speisesaalstellte er so den Geschäftsführer zur Rede,jenen kleinen, leise auftretenden Menschen im französischen Gehrock,der sich grüßend und beaufsichtigendzwischen den Speisenden bewegteund auch an Aschenbachs Tischchenzu einigen Plauderworten Halt machte.Warum man denn eigentlich,fragte der Gast in lässiger und beiläufiger Weise,warum in aller Welt,man seit einiger Zeit Venedig desinfiziere?—»Es handelt sich«,antwortete der Schleicher,»um eine Maßnahme der Polizei,bestimmt, allerlei Unzuträglichkeiten oder Störungen der öffentlichen Gesundheit,welche durch die brütende und ausnehmend warme Witterungerzeugt werden möchten,pflichtgemäß und beizeiten hintanzuhalten.«—»Die Polizei ist zu loben«,erwiderte Aschenbach,und nach Austausch einiger meteorologischer Bemerkungenempfahl sich der Manager.
Selbigen Tages noch,abends nach dem Diner,geschah es,daß eine kleine Bande von Straßensängern aus der Stadtsich im Vorgarten des Gasthofes hören ließ.Sie standen,zwei Männer und zwei Weiber,an dem eisernen Mast einer Bogenlampeund wandten ihre weißbeschienenen Gesichterzur großen Terrasse empor,wo die Kurgesellschaft sich bei Kaffee und kühlenden Getränkendie volkstümliche Darbietung gefallen ließ.Das Hotelpersonal,Liftboys, Kellner und Angestellte der Office,zeigte sich lauschend an den Türen zur Halle.Die russische Familie,eifrig und genau im Genuß,hatte sich Rohrstühle in den Garten hinabstellen lassen,um den Ausübenden näher zu sein,und saß dort dankbar im Halbkreise.Hinter der Herrschaft,in turbanartigem Kopftuch,stand ihre alte Sklavin.
Mandoline, Guitarre,Harmonika und eine quinkelierende Geigewaren unter den Händen der Bettelvirtuosen in Tätigkeit.Mit instrumentalen Durchführungen wechselten Gesangsnummern,wie denn das jüngere der Weiber,scharf und quäkend von Stimme,sich mit dem süß falsettierenden Tenorzu einem verlangenden Liebesduett zusammentat.Aber als das eigentliche Talent und Haupt der Vereinigungzeigte sich unzweideutig der andere der Männer,Inhaber der Guitarre und im Charakter eine Art Baryton-Buffo,fast ohne Stimme dabei,aber mimisch begabtund von bemerkenswerter komischer Energie.Oftmals löste er sich,sein großes Instrument im Arm,von der Gruppe der anderen losund drang agierend gegen die Rampe vor,wo man seine Eulenspiegeleien mit aufmunterndem Lachen belohnte.Namentlich die Russen,in ihrem Parterre,zeigten sich entzückt über soviel südliche Beweglichkeitund ermutigten ihn durch Beifall und Zurufe,immer kecker und sicherer aus sich heraus zu gehen.
Aschenbach saß an der Balustradeund kühlte zuweilen die Lippenmit einem Gemisch aus Granatapfelsaft und Soda,das vor ihm rubinrot im Glase funkelte.Seine Nerven nahmen die dudelnden Klänge,die vulgären und schmachtenden Melodien begierig auf,denn die Leidenschaft lähmt den wählerischen Sinnund läßt sich allen Ernstes mit Reizen ein,welche die Nüchternheit humoristisch aufnehmenoder unwillig ablehnen würde.Seine Züge waren durch die Sprünge des Gauklerszu einem fix gewordenen und schon schmerzenden Lächeln verrenkt.Er saß lässig da,während eine äußerste Aufmerksamkeit sein Inneres spannte,denn sechs Schritte von ihmlehnte Tadzio am Steingeländer.
Er stand dort in dem weißen Gürtelanzug,den er zuweilen zur Hauptmahlzeit anlegte,in unvermeidlicher und anerschaffener Grazie,den linken Unterarm auf der Brüstung,die Füße gekreuzt,die rechte Hand in der tragenden Hüfte,und blickte mit einem Ausdruck,der kaum ein Lächeln,nur eine entfernte Neugier,ein höfliches Entgegennehmen war,zu den Bänkelsängern hinab.Manchmal richtete er sich gerade auf und zog,indem er die Brust dehnte,mit einer schönen Bewegung beider Armeden weißen Kittel durch den Ledergürtel hinunter.Manchmal aber auch,und der Alternde gewahrte es mit Triumph,mit einem Taumeln seiner Vernunftund auch mit Entsetzen,wandte er zögernd und behutsamoder auch rasch und plötzlich,als gelte es eine Überrumpelung,den Kopf über die linke Schultergegen den Platz seines Liebhabers.Er fand nicht dessen Augen,denn eine schmähliche Besorgniszwang den Verwirrten,seine Blicke ängstlich im Zaum zu halten.Im Grund der Terrasse saßen die Frauen,die Tadzio behüteten,und es war dahin gekommen,daß der Verliebte fürchten mußte,auffällig geworden und beargwöhnt zu sein.Ja, mit einer Art von Erstarrunghatte er mehrmals,am Strande, in der Hotelhalle und auf der Piazza San Marco,zu bemerken gehabt,daß man Tadzio aus seiner Nähe zurückrief,ihn von ihm fernzuhalten bedacht war—und eine furchtbare Beleidigung daraus entnehmen müssen,unter der sein Stolz sich in ungekannten Qualen wand,und welche von sich zu weisensein Gewissen ihn hinderte.
Unterdessen hatte der Guitarristzu eigener Begleitung ein Solo begonnen,einen mehrstrophigen,eben in ganz Italien florierenden Gassenhauer,in dessen Kehrreim seine Gesellschaft jedesmalmit Gesang und sämtlichem Musikzeug einfielund den er auf eine plastisch-dramatische Artzum Vortrag zu bringen wußte.Schmächtig gebaut und auch von Antlitz mager und ausgemergelt,stand er,abgetrennt von den Seinen,den schäbigen Filz im Nacken,so daß ein Wulst seines roten Haarsunter der Krempe hervorquoll,in einer Haltung von frecher Bravour auf dem Kiesund schleuderte zum Schollern der Saitenin eindringlichem Sprechgesang seine Späße zur Terrasse empor,indes vor produzierender Anstrengungdie Adern auf seiner Stirne schwollen.Er schien nicht venezianischen Schlages,vielmehr von der Rasse der neapolitanischen Komiker,halb Zuhälter, halb Komödiant,brutal und verwegen,gefährlich und unterhaltend.Sein Lied,lediglich albern dem Wortlaut nach,gewann in seinem Munde,durch sein Mienenspiel,seine Körperbewegungen,seine Art,andeutend zu blinzelnund die Zunge schlüpfrig im Mundwinkel spielen zu lassen,etwas Zweideutiges,unbestimmt Anstößiges.Dem weichen Kragen des Sporthemdes,das er zu übrigens städtischer Kleidung trug,entwuchs sein hagerer Halsmit auffallend groß und nackt wirkendem Adamsapfel.Sein bleiches, stumpfnäsiges Gesicht,aus dessen bartlosen Zügen schwer auf sein Alter zu schließen war,schien durchpflügt von Grimassen und Laster,und sonderbar wollten zum Grinsen seines beweglichen Mundesdie beiden Furchen passen,die trotzig, herrisch,fast wild zwischen seinen rötlichen Brauen standen.Was jedoch des Einsamen tiefe Achtsamkeiteigentlich auf ihn lenkte,war die Bemerkung,daß die verdächtige Figur auch ihre eigeneverdächtige Atmosphäre mit sich zu führen schien.Jedesmal nämlich,wenn der Refrain wieder einsetzte,unternahm der Sänger unter Faxen und grüßendem Handschüttelneinen grotesken Rundmarsch,der ihn unmittelbar unter Aschenbachs Platz vorüberführte,und jedesmal,wenn das geschah,wehte,von seinen Kleidern,seinem Körper ausgehend,ein Schwaden starken Karbolgeruchs zur Terrasse empor.
Nach geendigtem Couplet begann er,Geld einzuziehen.Er fing bei den Russen an,die man bereitwillig spenden sah,und kam dann die Stufen herauf.So frech er sich bei der Produktion benommen,so demütig zeigte er sich hier oben.Katzbuckelnd,unter Kratzfüßen schlich er zwischen den Tischen umher,und ein Lächeln tückischer Unterwürfigkeitentblößte seine starken Zähne,während doch immer noch die beiden Furchendrohend zwischen seinen roten Brauen standen.Man musterte das fremdartige,seinen Unterhalt einsammelnde Wesenmit Neugier und einigem Abscheu,man warf mit spitzen Fingern Münzen in seinen Filzund hütete sich, ihn zu berühren.Die Aufhebung der physischen Distanzzwischen dem Komödianten und den Anständigen erzeugt,und war das Vergnügen noch so groß,stets eine gewisse Verlegenheit.Er fühlte sie und suchte,sich durch Kriecherei zu entschuldigen.Er kam zu Aschenbach und mit ihm der Geruch,über den niemand ringsum sich Gedanken zu machen schien.
»Höre!«sagte der Einsame gedämpft und fast mechanisch.»Man desinfiziert Venedig.Warum?«—Der Spaßmacher antwortete heiser:»Von wegen der Polizei!Das ist Vorschrift, mein Herr,bei solcher Hitze und bei Scirocco.Der Scirocco drückt.Er ist der Gesundheit nicht zuträglich…«Er sprach wie verwundert darüber,daß man dergleichen fragen könneund demonstrierte mit der flachen Hand,wie sehr der Scirocco drücke.—»Es ist also kein Übel in Venedig?«fragte Aschenbach sehr leise und zwischen den Zähnen.—Die muskulösen Züge des Possenreißersfielen in eine Grimasse komischer Ratlosigkeit.»Ein Übel?Aber was für ein Übel?Ist der Scirocco ein Übel?Ist vielleicht unsere Polizei ein Übel?Sie belieben zu scherzen!Ein Übel!Warum nicht gar!Eine vorbeugende Maßregel, verstehen Sie doch!Eine polizeiliche Anordnung gegen die Wirkungen der drückenden Witterung…«Er gestikulierte.—»Es ist gut«,sagte Aschenbach wiederum kurz und leiseund ließ rasch ein ungebührlich bedeutendes Geldstückin den Hut fallen.Dann winkte er dem Menschen mit den Augen,zu gehen.Er gehorchte grinsend,unter Bücklingen;aber er hatte noch nicht die Treppe erreicht,als zwei Hotelangestellte sich auf ihn warfenund ihn, ihre Gesichter dicht an dem seinen,in ein geflüstertes Kreuzverhör nahmen.Er zuckte die Achseln,er gab Beteuerungen,er schwor, verschwiegen gewesen zu sein;man sah es.Entlassen, kehrte er in den Garten zurück,und, nach einer kurzen Verabredung mit den Seinen unter der Bogenlampe,trat er zu einem Dank-und Abschiedsliede noch einmal vor.
Es war ein Lied,das jemals gehört zu habender Einsame sich nicht erinnerte;ein dreister Schlager in unverständlichem Dialektund ausgestattet mit einem Lach-Refrain,in den die Bande regelmäßig aus vollem Halse einfiel.Es hörten hierbei sowohl die Wortewie auch die Begleitung der Instrumente auf,und nichts blieb übrig als ein rhythmisch irgendwie geordnetes,aber sehr natürlich behandeltes Lachen,das namentlich der Solist mit großem Talentzu täuschendster Lebendigkeit zu gestalten wußte.Er hatte bei wiederhergestelltem künstlerischen Abstandzwischen ihm und den Herrschaftenseine ganze Frechheit wiedergefunden,und sein Kunstlachen,unverschämt zur Terrasse emporgesandt,war Hohngelächter.Schon gegen das Ende des artikulierten Teiles der Stropheschien er mit einem unwiderstehlichen Kitzel zu kämpfen.Er schluchzte, seine Stimme schwankte,er preßte die Hand gegen den Mund,er verzog die Schultern,und im gegebenen Augenblick brach,heulte und platzte das unbändige Lachen aus ihm hervor,mit solcher Wahrheit,daß es ansteckend wirkteund sich den Zuhörern mitteilte,daß auch auf der Terrasse eine gegenstandsloseund nur von sich selbst lebende Heiterkeit um sich griff.Dies aber eben schien des Sängers Ausgelassenheit zu verdoppeln.Er beugte die Knie,er schlug die Schenkel,er hielt sich die Seiten,er wollte sich ausschütten,er lachte nicht mehr,er schrie;er wies mit dem Finger hinauf,als gäbe es nichts Komischeres,als die lachende Gesellschaft dort oben,und endlich lachte dann alles im Garten und auf der Veranda,bis zu den Kellnern,Liftboys und Hausdienern in den Türen.
Aschenbach ruhte nicht mehr im Stuhl,er saß aufgerichtet wie zum Versuche der Abwehroder der Flucht.Aber das Gelächter,der heraufwehende Hospitalgeruchund die Nähe des Schönenverwoben sich ihm zu einem Traumbann,der unzerreißbar und unentrinnbar sein Haupt,seinen Sinn umfangen hielt.In der allgemeinen Bewegung und Zerstreuungwagte er es,zu Tadzio hinüberzublicken,und indem er es tat,durfte er bemerken,daß der Schöne,in Erwiderung seines Blickes ebenfalls ernst blieb,ganz so,als richte er Verhalten und Miene nach der des Anderenund als vermöge die allgemeine Stimmung nichts über ihn,da jener sich ihr entzog.Diese kindliche und beziehungsvolle Folgsamkeithatte etwas so Entwaffnendes,Überwältigendes,daß der Grauhaarige sich mit Mühe enthielt,sein Gesicht in den Händen zu verbergen.Auch hatte es ihm geschienen,als bedeute Tadzios gelegentliches Sichaufrichten und Aufatmenein Seufzen,eine Beklemmung der Brust.»Er ist kränklich,er wird wahrscheinlich nicht alt werden«,dachte er wiederum mit jener Sachlichkeit,zu welcher Rausch und Sehnsuchtbisweilen sich sonderbar emanzipieren,und reine Fürsorge zugleichmit einer ausschweifenden Genugtuung erfüllte sein Herz.
Die Venezianer unterdessen hatten geendigtund zogen ab.Beifall begleitete sie,und ihr Anführer versäumte nicht,noch seinen Abgang mit Spaßen auszuschmücken.Seine Kratzfüße, seine Kußhände wurden belacht,und er verdoppelte sie daher.Als die Seinen schon draußen waren,tat er noch,als renne er rückwärts empfindlich gegen einen Lampenmastund schlich scheinbar krumm vor Schmerzen zur Pforte.Dort endlich warf er auf einmaldie Maske des komischen Pechvogels ab,richtete sich,ja schnellte elastisch auf,bleckte den Gästen auf der Terrasse frech die Zunge herausund schlüpfte ins Dunkel.Die Badegesellschaft verlor sich;Tadzio stand längst nicht mehr an der Balustrade.Aber der Einsame saß noch lange,zum Befremden der Kellner,bei dem Rest seines Granatapfelgetränkes an seinem Tischchen.Die Nacht schritt vor,die Zeit zerfiel.Im Hause seiner Eltern,vor vielen Jahren,hatte es eine Sanduhr gegeben,—er sah das gebrechliche und bedeutende Gerätchenauf einmal wieder,als stünde es vor ihm.Lautlos und fein rann der rostrot gefärbte Sanddurch die gläserne Enge,und da er in der oberen Höhlung zur Neige ging,hatte sich dort ein kleiner,reißender Strudel gebildet.
Schon am folgenden Tage,nachmittags,tat der Starrsinnige einen neuen Schrittzur Versuchung der Außenweltund diesmal mit allem möglichen Erfolge.Er trat nämlich vom Markusplatzin das dort gelegene englische Reisebureau,und nachdem er an der Kasse einiges Geld gewechselt,richtete er mit der Miene des mißtrauischen Fremdenan den ihn bedienenden Clerk seine fatale Frage.Es war ein wollig gekleideter Brite,noch jung,mit in der Mitte geteiltem Haar,nahe bei einander liegenden Augenund von jener gesetzten Loyalität des Wesens,die im spitzbübisch behenden Südenso fremd, so merkwürdig anmutet.Er fing an:»Kein Grund zur Besorgnis, Sir.Eine Maßregel ohne ernste Bedeutung.Solche Anordnungen werden häufig getroffen,um gesundheitsschädlichen Wirkungen der Hitzeund des Scirocco vorzubeugen…«Aber seine blauen Augen aufschlagend,begegnete er dem Blicke des Fremden,einem müden und etwas traurigen Blick,der mit leichter Verachtung auf seine Lippen gerichtet war.Da errötete der Engländer.»Dies ist«,fuhr er halblaut und in einiger Bewegung fort,»die amtliche Erklärung,auf der zu bestehen man hier für gut befindet.Ich werde Ihnen sagen,daß noch etwas anderes dahinter steckt.«Und dann sagte er in seiner redlichen und bequemen Sprachedie Wahrheit.
Seit mehreren Jahren schonhatte die indische Choleraeine verstärkte Neigung zur Ausbreitung und Wanderungan den Tag gelegt.Erzeugt aus den warmen Morästen des Ganges-Deltas,aufgestiegen mit dem mephitischen Odem jener üppig-untauglichen,von Menschen gemiedenen Urwelt-und Inselwildnis,in deren Bambusdickichten der Tiger kauert,hatte die Seuche in ganz Hindustanandauernd und ungewöhnlich heftig gewütet,hatte östlich nach China,westlich nach Afghanistan und Persien übergegriffenund, den Hauptstraßen des Karawanenverkehrs folgend,ihre Schrecken bis Astrachan,ja selbst bis Moskau getragen.Aber während Europa zitterte,das Gespenst möchte von dort aus und zu Lande seinen Einzug halten,war es, von syrischen Kauffahrern übers Meer verschleppt,fast gleichzeitig in mehreren Mittelmeerhäfen aufgetaucht,hatte in Toulon und Malaga sein Haupt erhoben,in Palermo und Neapel mehrfach seine Maske gezeigtund schien aus ganz Calabrien und Apuliennicht mehr weichen zu wollen.Der Norden der Halbinsel war verschont geblieben.Jedoch Mitte Mai dieses Jahresfand man zu Venedig an ein und demselben Tagedie furchtbaren Vibrionenin den ausgemergelten, schwärzlichen Leichnameneines Schifferknechtes und einer Grünwarenhändlerin.Die Fälle wurden verheimlicht.Aber nach einer Woche waren es deren zehn,waren es zwanzig,dreißig und zwar in verschiedenen Quartieren.Ein Mann aus der österreichischen Provinz,der sich zu seinem Vergnügen einige Tage in Venedig aufgehalten,starb, in sein Heimatstädtchen zurückgekehrt,unter unzweideutigen Anzeichen,und so kam es,daß die ersten Gerüchte von der Heimsuchung der Lagunenstadtin deutsche Tagesblätter gelangten.Venedigs Obrigkeit ließ antworten,daß die Gesundheitsverhältnisse der Stadtnie besser gewesen seienund traf die notwendigsten Maßregeln zur Bekämpfung.Aber wahrscheinlich waren Nahrungsmittel infiziert worden.Gemüse, Fleisch oder Milch,denn geleugnet und vertuscht,fraß das Sterben in der Enge der Gäßchen um sich,und die vorzeitig eingefallene Sommerhitze,welche das Wasser der Kanäle laulich erwärmte,war der Verbreitung besonders günstig.Ja, es schien,als ob die Seuche eine Neubelebung ihrer Kräfte erfahren,als ob die Tenazität und Fruchtbarkeit ihrer Erregersich verdoppelt hätte.Fälle der Genesung waren sehr selten;achtzig vom Hundert der Befallenen starbenund zwar auf entsetzliche Weise,denn das Übel trat mit äußerster Wildheit aufund zeigte häufig jene gefährlichste Form,welche »die trockene« benannt ist.Hierbei vermochte der Körperdas aus den Blutgefäßen massenhaft abgesonderte Wassernicht einmal auszutreiben.Binnen wenigen Stunden verdorrte der Krankeund erstickte am pechartig zähe gewordenen Blutunter Krämpfen und heiseren Klagen.Wohl ihm, wenn, was zuweilen geschah,der Ausbruch nach leichtem Übelbefindenin Gestalt einer tiefen Ohnmacht erfolgte,aus der er nicht mehr oder kaum noch erwachte.Anfang Juni füllten sich in der Stilledie Isolierbaracken des Ospedale civico,in den beiden Waisenhäusern begann es an Platz zu mangeln,und ein schauerlich reger Verkehr herrschtezwischen dem Kai der neuen Fundamenteund San Michele, der Friedhofsinsel.Aber die Furcht vor allgemeiner Schädigung,die Rücksicht auf die kürzlich eröffnete Gemäldeausstellungin den öffentlichen Gärten,auf die gewaltigen Ausfälle,von denen im Falle der Panik und des Verrufesdie Hotels, die Geschäfte,das ganze vielfältige Fremdengewerbe bedroht waren,zeigte sich mächtiger in der Stadtals Wahrheitsliebe und Achtung vor internationalen Abmachungen;sie vermochte die Behörde,ihre Politik des Verschweigens und des Ableugnenshartnäckig aufrecht zu erhalten.Der oberste Medizinalbeamte Venedigs,ein verdienter Mann,war entrüstet von seinem Posten zurückgetretenund unter der Hand durch eine gefügigere Persönlichkeit ersetzt worden.Das Volk wußte das;und die Korruption der Oberenzusammen mit der herrschenden Unsicherheit,dem Ausnahmezustand,in welchen der umgehende Tod die Stadt versetzte,brachte eine gewisse Entsittlichung der unteren Schichten hervor,eine Ermutigung lichtscheuer und antisozialer Triebe,die sich in Unmäßigkeit,Schamlosigkeit und wachsender Kriminalität bekundete.Gegen die Regel bemerkte man abends viele Betrunkene;bösartiges Gesindel machte,so hieß es,nachts die Straßen unsicher;räuberische Anfälle und selbst Mordtaten wiederholten sich,denn schon zweimal hatte sich erwiesen,daß angeblich der Seuche zum Opfer gefallene Personenvielmehr von ihren eigenen Anverwandtenmit Gift aus dem Leben geräumt worden waren;und die gewerbsmäßige Liederlichkeitnahm aufdringliche und ausschweifende Formen an,wie sie sonst hier nicht bekanntund nur im Süden des Landes und im Orient zu Hause gewesen waren.
Von diesen Dingen sprach der Engländer das Entscheidende aus.»Sie täten gut«,schloß er,»lieber heute als morgen zu reisen.Länger, als ein paar Tage noch,kann die Verhängung der Sperre kaum auf sich warten lassen.«—»Danke Ihnen«,sagte Aschenbach und verließ das Amt.
Der Platz lag in sonnenloser Schwüle.Unwissende Fremde saßen vor den Cafésoder standen, ganz von Tauben bedeckt,vor der Kirche und sahen zu,wie die Tiere,wimmelnd, flügelschlagend,einander verdrängend,nach den in hohlen Händen dargebotenen Maiskörnern pickten.In fiebriger Erregung,triumphierend im Besitze der Wahrheit,einen Geschmack von Ekel dabei auf der Zungeund ein phantastisches Grauen im Herzen,schritt der Einsame die Fliesen des Prachthofes auf und nieder.Er erwog eine reinigende und anständige Handlung.Er konnte heute Abend nach dem Dinerder perlengeschmückten Frau sich nähernund zu ihr sprechen,was er wörtlich entwarf:»Gestatten Sie dem Fremden, Madame,Ihnen mit einem Rat, einer Warnung zu dienen,die der Eigennutz Ihnen vorenthält.Reisen Sie ab,sogleich, mit Tadzio und Ihren Töchtern!Venedig ist verseucht.«Er konnte dann dem Werkzeug einer höhnischen Gottheitzum Abschied die Hand aufs Haupt legen,sich wegwenden und diesem Sumpfe entfliehen.Aber er fühlte zugleich,daß er unendlich weit entfernt war,einen solchen Schritt im Ernste zu wollen.Er würde ihn zurückführen,würde ihn sich selber wiedergeben;aber wer außer sich ist,verabscheut nichts mehr,als wieder in sich zu gehen.Er erinnerte sich eines weißen Bauwerks,geschmückt mit abendlich gleißenden Inschriften,in deren durchscheinender Mystikdas Auge seines Geistes sich verloren hatte;jener seltsamen Wandrergestalt sodann,die dem Alternden schweifende Jünglingssehnsuchtins Weite und Fremde erweckt hatte;und der Gedanke an Heimkehr,an Besonnenheit, Nüchternheit,Mühsal und Meisterschaft,widerte ihn in solchem Maße,daß sein Gesicht sich zum Ausdruck physischer Übelkeit verzerrte.»Man soll schweigen!«flüsterte er heftig.Und: »Ich werde schweigen!«Das Bewußtsein seiner Mitwisserschaft,seiner Mitschuld berauschte ihn,wie geringe Mengen Weines ein müdes Hirn berauschen.Das Bild der heimgesuchten und verwahrlosten Stadt,wüst seinem Geiste vorschwebend,entzündete in ihm Hoffnungen,unsagbar, die Vernunft überschreitend,und von ungeheuerlicher Süßigkeit.Was war ihm das zarte Glück,von dem er vorhin einen Augenblick geträumt,verglichen mit diesen Erwartungen?Was galt ihm noch Kunst und Tugendgegenüber den Vorteilen des Chaos?Er schwieg und blieb.
In dieser Nacht hatte er einen furchtbaren Traum,—wenn man als Traum ein körperhaft-geistiges Erlebnis bezeichnen kann,das ihm zwar im tiefsten Schlafund in völligster Unabhängigkeit und sinnlicher Gegenwart widerfuhr,aber ohne daß er sich außer den Geschehnissenim Raume wandelnd und anwesend sah;sondern ihr Schauplatz war vielmehr seine Seele selbst,und sie brachen von außen herein,seinen Widerstand—einen tiefen und geistigen Widerstand—gewalttätig niederwerfend,gingen hindurch und ließen seine Existenz,ließen die Kultur seines Lebens verheert,vernichtet zurück.
Angst war der Anfang,Angst und Lustund eine entsetzte Neugier nach dem,was kommen wollte.Nacht herrschte, und seine Sinne lauschten;denn weither näherte sich Getümmel,Getöse, ein Gemisch von Lärm:Rasseln, Schmettern und dumpfes Donnern,schrilles Jauchzen dazu und ein bestimmtes Geheulim gezogenen u-Laut,alles durchsetzt und grauenhaft süß übertöntvon tief girrendem,ruchlos beharrlichen Flötenspiel,welches auf schamlos zudringende Artdie Eingeweide bezauberte.Aber er wußte ein Wort,dunkel, doch das benennend was kam:»Der fremde Gott!«Qualmige Glut glomm auf:da erkannte er Bergland,ähnlich dem um sein Sommerhaus.Und in zerrissenem Licht,von bewaldeter Höhe,zwischen Stämmen und moosigen Felstrümmernwälzte es sich und stürzte wirbelnd herab:Menschen, Tiere, ein Schwarm, eine tobende Rotte,und überschwemmte die Haldemit Leibern, Flammen, Tumult und taumelndem Rundtanz.Weiber, strauchelnd über zu lange Fellgewänder,die ihnen vom Gürtel hingen,schüttelten Schellentrommeln über ihren stöhnend zurückgeworfenen Häuptern,schwangen stiebende Fackelbrände und nackte Dolche,hielten züngelnde Schlangen in der Mitte des Leibes erfaßtoder trugen schreiend ihre Brüste in beiden Händen.Männer, Hörner über den Stirnen,mit Pelzwerk geschürzt und zottig von Haut,beugten die Nacken und hoben Arme und Schenkel,ließen eherne Becken erdröhnenund schlugen wütend auf Pauken,während glatte Knaben mit umlaubten Stäben Böcke stachelten,an deren Hörner sie sich klammertenund von deren Sprüngen sie sich jauchzend schleifen ließen.Und die Begeisterten heulten den Rufaus weichen Mitlauten und gezogenem u-Ruf am Ende,süß und wild zugleich,wie kein jemals erhörter:hier klang er auf,in die Lüfte geröhrt,wie von Hirschen,und dort gab man ihn wieder,vielstimmig, in wüstem Triumph,hetzte einander damit zum Tanzund Schleudern der Gliederund ließ ihn niemals verstummen.Aber alles durchdrang und beherrschte der tiefe,lockende Flötenton.Lockte er nicht auch ihn,den widerstrebend Erlebenden,schamlos beharrlich zum Festund Unmaß des äußersten Opfers?Groß war sein Abscheu,groß seine Furcht,redlich sein Wille,bis zuletzt das Seine zu schützengegen den Fremden,den Feind des gefaßten und würdigen Geistes.Aber der Lärm, das Geheul,vervielfacht von hallender Bergwand,wuchs, nahm Überhand,schwoll zu hinreißendem Wahnsinn.Dünste bedrängten den Sinn,der beizende Ruch der Böcke,Witterung keuchender Leiberund ein Hauch wie von faulenden Wassern,dazu ein anderer noch,vertraut:nach Wunden und umlaufender Krankheit.Mit den Paukenschlägen dröhnte sein Herz,sein Gehirn kreiste,Wut ergriff ihn,Verblendung, betäubende Wollust,und seine Seele begehrte,sich anzuschließen dem Reigen des Gottes.Das obszöne Symbol,riesig, aus Holz,ward enthüllt und erhöht:da heulten sie zügelloser die Losung.Schaum vor den Lippen tobten sie,reizten einander mit geilen Gebärden und buhlenden Händen,lachend und ächzend,—stießen die Stachelstäbe einander ins Fleischund leckten das Blut von den Gliedern.Aber mit ihnen,in ihnen war der Träumende nunund dem fremden Gotte gehörig.Ja, sie waren er selbst,als sie reißend und mordendsich auf die Tiere hinwarfenund dampfende Fetzen verschlangen,als auf zerwühltem Moosgrund grenzenlose Vermischung begann,dem Gotte zum Opfer.Und seine Seele kostete Unzucht und Raserei des Unterganges.
Aus diesem Traum erwachte der Heimgesuchteentnervt, zerrüttet und kraftlos dem Dämon verfallen.Er scheute nicht mehr die beobachtenden Blicke der Menschen;ob er sich ihrem Verdacht aussetze,kümmerte ihn nicht.Auch flohen sie ja,reisten ab;zahlreiche Strandhütten standen leer,die Besetzung des Speisesaals wies größere Lücken auf,und in der Stadt sah man selten noch einen Fremden.Die Wahrheit schien durchgesickert,die Panik, trotz zähen Zusammenhaltens der Interessenten,nicht länger hintanzuhalten.Aber die Frau im Perlenschmuck blieb mit den Ihren,sei es, weil die Gerüchte nicht zu ihr drangen,oder weil sie zu stolz und furchtlos war,um ihnen zu weichen:Tadzio blieb;und jenem, in seiner Umfangenheit,war es zuweilen,als könne Flucht und Todalles störende Leben in der Runde entfernenund er allein mit dem Schönen auf dieser Insel zurückbleiben,—ja, wenn vormittags am Meeresein Blick schwer, unverantwortlich,unverwandt auf dem Begehrten ruhte,wenn er bei sinkendem Tage durch Gassen,in denen verheimlichterweise das ekle Sterben umging,ihm unwürdig nachfolgte,so schien das Ungeheuerliche ihm aussichtsreichund hinfällig das Sittengesetz.
Wie irgend ein Liebender wünschte er,zu gefallen und empfand bittere Angst,daß es nicht möglich sein möchte.Er fügte seinem Anzüge jugendlich aufheiternde Einzelheiten hinzu,er legte Edelsteine an und benutzte Parfüms,er brauchte mehrmals am Tage viel Zeit für seine Toiletteund kam geschmückt,erregt und gespannt zu Tische.Angesichts der süßen Jugend,die es ihm angetan,ekelte ihn sein alternder Leib,der Anblick seines grauen Haares,seiner scharfen Gesichtszüge stürzte ihn in Scham und Hoffnungslosigkeit.Es trieb ihn,sich körperlich zu erquicken und wiederherzustellen;er besuchte häufig den Coiffeur des Hauses.
Im Frisiermantel,unter den pflegenden Händen des Schwätzersim Stuhle zurückgelehnt,betrachtete er gequälten Blickes sein Spiegelbild.
»Grau«,sagte er mit verzerrtem Munde.
»Ein wenig«,antwortete der Mensch.»Nämlich durch Schuld einer kleinen Vernachlässigung,einer Indifferenz in äußerlichen Dingen,die bei bedeutenden Personen begreiflich ist,die man aber doch nicht unbedingt loben kannund zwar umso weniger,als gerade solchen Personen Vorurteilein Sachen des Natürlichen oder Künstlichen wenig angemessen sind.Würde sich die Sittenstrenge gewisser Leutegegenüber der kosmetischen Kunst logischerweiseauch auf ihre Zähne erstrecken,so würden sie nicht wenig Anstoß erregen.Schließlich sind wir so alt,wie unser Geist, unser Herz sich fühlen,und graues Haar bedeutet unter Umständeneine wirklichere Unwahrheit,als die verschmähte Korrektur bedeuten würde.In Ihrem Falle,mein Herr,hat man ein Recht auf seine natürliche Haarfarbe.Sie erlauben mir,Ihnen die Ihrige einfach zurückzugeben?«
»Wie das?«fragte Aschenbach.
Da wusch der Beredte das Haar des Gastesmit zweierlei Wasser,einem klaren und einem dunklen,und es war schwarz wie in jungen Jahren.Er bog es hierauf mit der Brennscheere in weiche Lagen,trat rückwärts und musterte das behandelte Haupt.
»Es wäre nun nur noch«,sagte er,»die Gesichtshaut ein wenig aufzufrischen.«
Und wie jemand,der nicht enden, sich nicht genug tun kann,ging er mit immer neu belebter Geschäftigkeitvon einer Hantierung zur anderen über.Aschenbach, bequem ruhend,der Abwehr nicht fähig,hoffnungsvoll erregt vielmehr von dem,was geschah,sah im Glase seine Brauensich entschiedener und ebenmäßiger wölben,den Schnitt seiner Augen sich verlängern,ihren Glanz durch eine leichte Untermalung des Lides sich heben,sah weiter unten,wo die Haut bräunlich-ledern gewesen,weich aufgetragen, ein zartes Karmin erwachen,seine Lippen, blutarm soeben noch,himbeerfarben schwellen,die Furchen der Wangen,des Mundes,die Runzeln der Augenunter Crème und Jugendhauch verschwinden,—erblickte mit Herzklopfen einen blühenden Jüngling.Der Kosmetiker gab sich endlich zufrieden,indem er nach Art solcher Leute dem,den er bedient hatte,mit kriechender Höflichkeit dankte.»Eine unbedeutende Nachhilfe«,sagte er,indem er eine letzte Hand an Aschenbachs Äußeres legte.»Nun kann der Herr sich unbedenklich verlieben.«Der Berückte ging,traumglücklich, verwirrt und furchtsam.Seine Krawatte war rot,sein breitschattender Strohhutmit einem mehrfarbigen Bande umwunden.
Lauwarmer Sturmwind war aufgekommen;es regnete selten und spärlich,aber die Luft war feucht,dick und von Fäulnisdünsten erfüllt.Flattern, Klatschen und Sausen umgab das Gehör,und dem unter der Schminke Fieberndenschienen Windgeister üblen Geschlechts im Raume ihr Wesen zu treiben,unholdes Gevögel des Meeres,das des Verurteilten Mahl zerwühlt,zernagt und mit Unrat schändet.Denn die Schwüle wehrte der Eßlust,und die Vorstellung drängte sich auf,daß die Speisen mit Ansteckungsstoffen vergiftet seien.
Auf den Spuren des Schönenhatte Aschenbach sich eines Nachmittagsin das innere Gewirr der kranken Stadt vertieft.Mit versagendem Ortssinn,da die Gäßchen, Gewässer, Brücken und Plätzchen des Labyrintheszu sehr einander gleichen,auch der Himmelsgegenden nicht mehr sicher,war er durchaus darauf bedacht,das sehnlich verfolgte Bild nicht aus den Augen zu verlieren,und zu schmählicher Behutsamkeit genötigt,an Mauern gedrückt,hinter dem Rücken Vorangehender Schutz suchend,ward er sich lange nicht der Müdigkeit,der Erschöpfung bewußt,welche Gefühl und immerwährende Spannungseinem Körper, seinem Geiste zugefügt hatten.Tadzio ging hinter den Seinen,er ließ der Pflegerin und den nonnenähnlichen Schwesternin der Enge gewöhnlich den Vortritt,und einzeln schlendernd wandte er zuweilen das Haupt,um sich über die Schulter hinwegder Gefolgschaft seines Liebhabersmit einem Blick seiner eigentümlich dämmergrauen Augen zu versichern.Er sah ihn,und er verriet ihn nicht.Berauscht von dieser Erkenntnis,von diesen Augen vorwärts gelockt,am Narrenseile geleitet von der Passion,stahl der Verliebte sich seiner unziemlichen Hoffnung nach—und sah sich schließlich dennoch um ihren Anblick betrogen.Die Polen hatten eine kurz gewölbte Brücke überschritten,die Höhe des Bogens verbarg sie dem Nachfolgenden,und seinerseits hinaufgelangt,entdeckte er sie nicht mehr.Er forschte nach ihnen in drei Richtungen,geradeaus und nach beiden Seitenden schmalen und schmutzigen Quai entlang,vergebens.Entnervung, Hinfälligkeit nötigten ihn endlich,vom Suchen abzulassen.
Sein Kopf brannte,sein Körper war mit klebrigem Schweiß bedeckt,sein Genick zitterte,ein nicht mehr erträglicher Durst peinigte ihn,er sah sich nach irgendwelcher,nach augenblicklicher Labung um.Vor einem kleinen Gemüseladen kaufte er einige Früchte,Erdbeeren, überreife und weiche Wareund aß im Gehen davon.Ein kleiner Platz,verlassen, verwunschen anmutend,öffnete sich vor ihm,er erkannte ihn,es war hier gewesen,wo er vor Wochen den vereitelten Fluchtplan gefaßt hatte.Auf den Stufen der Zisterne,inmitten des Ortes,ließ er sich niedersinkenund lehnte den Kopf an das steinerne Rund.Es war still,Gras wuchs zwischen dem Pflaster.Abfälle lagen umher.Unter den verwitterten,unregelmäßig hohen Häusern in der Rundeerschien eines palastartig,mit Spitzbogenfenstern,hinter denen die Leere wohnte,und kleinen Löwenbalkonen.Im Erdgeschoß eines anderen befand sich eine Apotheke.Warme Windstöße brachten zuweilen Karbolgeruch.
Er saß dort, der Meister,der würdig gewordene Künstler,der Autor des »Elenden«,der in so vorbildlich reiner Formdem Zigeunertum und der trüben Tiefe abgesagt,dem Abgrunde die Sympathie gekündigtund das Verworfene verworfen hatte,der Hochgestiegene,der, Überwinder seines Wissens und aller Ironie entwachsen,in die Verbindlichkeiten des Massenzutrauens sich gewöhnt hatte,er, dessen Ruhm amtlich,dessen Name geadelt warund an dessen Styl die Knabensich zu bilden angehalten wurden,—er saß dort,seine Lider waren geschlossen,nur zuweilen glitt,rasch sich wieder verbergend,ein spöttischer und betretener Blickseitlich darunter hervor,und seine schlaffen Lippen,kosmetisch aufgehöht,bildeten einzelne Worte aus von dem,was sein halb schlummerndes Hirnan seltsamer Traumlogik hervorbrachte.
»Denn die Schönheit, Phaidros, merke das wohl!nur die Schönheit ist göttlich und sichtbar zugleich,und so ist sie denn also des Sinnlichen Weg,ist, kleiner Phaidros,der Weg des Künstlers zum Geiste.Glaubst du nun aber,mein Lieber,daß derjenige jemals Weisheitund wahre Manneswürde gewinnen könne,für den der Weg zum Geistigen durch die Sinne führt?Oder glaubst du vielmehr(ich stelle dir die Entscheidung frei),daß dies ein gefährlich-lieblicher Weg sei,wahrhaft ein Irr-und Sündenweg,der mit Notwendigkeit in die Irre leitet?Denn du mußt wissen,daß wir Dichter den Weg der Schönheit nicht gehen können,ohne daß Eros sich zugeselltund sich zum Führer aufwirft;ja, mögen wir auch Helden auf unsere Artund züchtige Kriegsleute sein,so sind wir wie Weiber,denn Leidenschaft ist unsere Erhebung,und unsere Sehnsucht muß Liebe bleiben,—das ist unsere Lust und unsere Schande.Siehst du nun wohl,daß wir Dichter nicht weise noch würdig sein können?Daß wir notwendig in die Irre gehen,notwendig liederlich und Abenteurer des Gefühles bleiben?Die Meisterhaltung unseres Styls ist Lüge und Narrentum,unser Ruhm und Ehrenstand eine Posse,das Vertrauen der Menge zu uns höchst lächerlich,Volks-und Jugenderziehung durch die Kunstein gewagtes, zu verbietendes Unternehmen.Denn wie sollte wohl der zum Erzieher taugen,dem eine unverbesserliche und natürliche Richtungzum Abgrunde eingeboren ist?Wir möchten ihn wohl verleugnen und Würde gewinnen,aber wie wir uns auch wenden mögen,er zieht uns an.So sagen wir etwa der auflösenden Erkenntnis ab,denn die Erkenntnis, Phaidros,hat keine Würde und Strenge:sie ist wissend, verstehend, verzeihend,ohne Haltung und Form;sie hat Sympathie mit dem Abgrund,sie ist der Abgrund.Diese also verwerfen wir mit Entschlossenheit,und fortan gilt unser Trachten einzig der Schönheit,das will sagen der Einfachheit,Größe und neuen Strenge,der zweiten Unbefangenheit und der Form.Aber Form und Unbefangenheit, Phaidros,führen zum Rausch und zur Begierde,führen den Edlen vielleicht zu grauenhaftem Gefühlsfrevel,den seine eigene schöne Strenge als infam verwirft,führen zum Abgrund,zum Abgrund auch sie.Uns Dichter, sage ich,führen sie dahin,denn wir vermögen nicht,uns aufzuschwingen,wir vermögen nur auszuschweifen.Und nun gehe ich, Phaidros,bleibe du hier;und erst wenn du mich nicht mehr siehst,so gehe auch du.«
* * * * *
Einige Tage später verließ Gustav von Aschenbach,da er sich leidend fühlte,das Bäder-Hotel zu späterer Morgenstunde als gewöhnlich.Er hatte mit gewissen,nur halb körperlichen Schwindelanfällen zu kämpfen,die von einer heftig aufsteigenden Angst und Ratlosigkeit begleitet waren,einem Gefühl der Ausweg-und Aussichtslosigkeit,von dem nicht klar wurde,ob es sich auf die äußere Weltoder auf seine eigene Existenz bezog.In der Halle bemerkte er eine große Mengezum Transport bereitliegenden Gepäcks,fragte einen Türhüter,wer es sei, der reise,und erhielt zur Antwort den polnischen Adelsnamen,dessen er insgeheim gewärtig gewesen war.Er empfing ihn,ohne daß seine verfallenen Gesichtszüge sich verändert hätten,mit jener kurzen Hebung des Kopfes,mit der man etwas,was man nicht zu wissen brauchte,beiläufig zur Kenntnis nimmt,und fragte noch:»Wann?«Man antwortete ihm:»Nach dem Lunch.«Er nickte und ging zum Meere.
Es war unwirtlich dort.Über das weite, flache Gewässer,das den Strand von der ersten gestreckten Sandbank trennte,liefen kräuselnde Schauer von vorn nach hinten.Herbstlichkeit, Überlebtheit schien über dem einst so farbig belebten,nun fast verlassenen Lustorte zu liegen,dessen Sand nicht mehr reinlich gehalten wurde.Ein photographischer Apparat,scheinbar herrenlos,stand auf seinem dreibeinigen Stativ am Rande der See,und ein schwarzes Tuch,darüber gebreitet,flatterte klatschend im kälteren Winde.
Tadzio, mit drei oder vier Gespielen,die ihm geblieben waren,bewegte sich zur Rechten vor der Hütte der Seinen,und, eine Decke über den Knieen,etwa in der Mitte zwischen dem Meer und der Reihe der Strandhüttenin seinem Liegestuhl ruhend,sah Aschenbach ihm noch einmal zu.Das Spiel, das unbeaufsichtigt war,denn die Frauen mochten mit Reisevorbereitungen beschäftigt sein,schien regellos und artete aus.Jener Stämmige,im Gürtelanzug und mit schwarzem,pomadisiertem Haar,der »Jaschu« gerufen wurde,durch einen Sandwurf ins Gesicht gereizt und geblendet,zwang Tadzio zum Ringkampf,der rasch mit dem Fall des schwächeren Schönen endete.Aber als ob in der Abschiedsstundedas dienende Gefühl des Geringerensich in grausame Roheit verkehreund für eine lange Sklaverei Rache zu nehmen trachte,ließ der Sieger auch dann noch nicht von dem Unterlegenen ab,sondern drückte,auf seinem Rücken knieend,dessen Gesicht so anhaltend in den Sand,daß Tadzio,ohnedies vom Kampf außer Atem,zu ersticken drohte.Seine Versuche,den Lastenden abzuschütteln,waren krampfhaft,sie unterblieben auf Augenblicke ganzund wiederholten sich nur noch als ein Zucken.Entsetzt wollte Aschenbach zur Rettung aufspringen,als der Gewalttätige endlich sein Opfer freigab.Tadzio, sehr bleich,richtete sich zur Hälfte auf und saß,auf einen Arm gestützt,mehrere Minuten lang unbeweglich,mit verwirrtem Haar und dunkelnden Augen.Dann stand er vollends auf und entfernte sich langsam.Man rief ihn,anfänglich munter,dann bänglich und bittend;er hörte nicht.Der Schwarze,den Reue über seine Ausschreitungsogleich erfaßt haben mochte,holte ihn ein und suchte ihn zu versöhnen.Eine Schulterbewegung wies ihn zurück.Tadzio ging schräg hinunter zum Wasser.Er war barfuß und trug seinen gestreiften Leinenanzugmit roter Schleife.
Am Rande der Flut verweilte er sich,gesenkten Hauptes mit einer Fußspitze Figuren im feuchten Sande zeichnend,und ging dann in die seichte Vorsee,die an ihrer tiefsten Stellenoch nicht seine Knie benetzte,durchschritt sie, lässig vordringend,und gelangte zur Sandbank.Dort stand er einen Augenblick,das Gesicht der Weite zugekehrt,und begann hierauf,die lange und schmale Strecke entblößten Grundesnach links hin langsam abzuschreiten.Vom Festlande geschieden durch breite Wasser,geschieden von den Genossen durch stolze Laune,wandelte er,eine höchst abgesonderte und verbindungslose Erscheinung,mit flatterndem Haar dort draußen im Meere,im Winde, vorm Nebelhaft-Grenzenlosen.Abermals blieb er zur Ausschau stehen.Und plötzlich,wie unter einer Erinnerung,einem Impuls,wandte er den Oberkörper,eine Hand in der Hüfte,in schöner Drehung aus seiner Grundpositurund blickte über die Schulter zum Ufer.Der Schauende dort saß wie er einst gesessen,als zuerst, von jener Schwelle zurückgesandt,dieser dämmergraue Blick dem seinen begegnet war.Sein Haupt war an der Lehne des Stuhleslangsam der Bewegung des draußen Schreitenden gefolgt;nun hob es sich,gleichsam dem Blicke entgegen,und sank auf die Brust,so daß seine Augen von unten sahen,indes sein Antlitz den schlaffen,innig versunkenen Ausdruck tiefen Schlummers zeigte.Ihm war aber,als ob der bleiche und liebliche Psychagogdort draußen ihm lächle,ihm winke;als ob er,die Hand aus der Hüfte lösend,hinausdeute,voranschwebe ins Verheißungsvoll-Ungeheure.Und wie so oftmachte er sich auf,ihm zu folgen.
Minuten vergingen,bis man dem seitlich im Stuhle Hinabgesunkenen zur Hilfe eilte.Man brachte ihn auf sein Zimmer.Und noch desselben Tages empfing eine respektvoll erschütterte Welt die Nachricht von seinem Tode.
CHAPTER FIVE
In the fourth week of his stay on the Lido,Gustav von Aschenbach made severaluncanny observations concerning the outside world.First, it seemed to himthat as the season advanced,the number of guests at his hotel was decreasing rather than increasing,and, in particular,that the German language around him was fading and falling silent,so that at table and on the beach,only foreign sounds at last met his ear.Then one day, at the barber’s,whom he now frequently visited,he caught a word in conversationthat gave him pause.The man had mentioned a German familythat had just left after a short stayand added, chatting and flattering:“You are staying, sir;you have no fear of the sickness.”Aschenbach looked at him.“The sickness?”he repeated.The chatterbox fell silent,feigned being busy,ignored the question,and when it was put more pressingly,he declaredthat he knew nothingand sought to distract with flustered eloquence.
That was around midday.In the afternoon, Aschenbach travelled to Venice in the windless air and heavy glare of the sun;for he was driven by the maniato follow the Polish siblings,whom he had seen with their companiontaking the path to the steamer landing.He did not find his idol at San Marco.But while taking tea,at his little round iron tableon the shady side of the square, sittinghe suddenly detected a peculiar aroma in the air,one which it now seemed to himhad been touching his sensesfor dayswithout his being conscious of it—a sweetish, medicinal odour,reminiscent of misery and woundsand dubious cleanliness.He tested and identified it thoughtfully,finished his snack, and left the squareon the side opposite the basilica.In the narrow streets, the smell intensified.At the street corners were posted printed noticesby which the populacewas paternally warned, on account of certain gastric ailmentswhich were the order of the day in this weather,against the consumption of oysters and mussels,as well as the water of the canals.The euphemistic nature of the decree was obvious.Groups of people stood silently together on bridges and in squares;and the stranger stood among them,sensing and pondering.
He asked a shopkeeper,who was leaning in the doorway of his vaultbetween strings of coral and imitation amethyst jewellery,for information about the fatal odour.The man measured him with heavy eyesand then roused himself hastily.“A preventative measure, sir!”he answered with a flourish.“A police regulationthat one must approve.This weather is oppressive,the sirocco is not conducive to health.In short, you understand—a perhaps exaggerated precaution…”Aschenbach thanked him and walked on.On the steamerthat carried him back to the Lido,he now also smelled the odour of the disinfectant.
Having returned to the hotel,he went at once to the hall, to the newspaper table,and looked through the papers.He found nothing in the foreign-language ones.The ones from home reported rumours,cited fluctuating figures,printed official denials,and cast doubt on their veracity.This explained the departure of the German and Austrian contingent.The nationals of other countries obviously knew nothing,suspected nothing,were not yet alarmed.“One must keep silent!”Aschenbach thought excitedly,throwing the journals back on the table.“One must keep this silent!”But at the same time his heart filled with gratificationat the adventureinto which the outside world was about to be plunged.For passion,like crime,is not suited to the secure order and well-being of everyday life,and any loosening of the bourgeois fabric,any confusion and affliction in the world, must be welcome to it,because it can vaguely hope to find its advantage therein.Thus Aschenbach felt a dark satisfactionwith the officially cloaked eventsin the squalid little streets of Venice—this wicked secret of the city,which merged with his own innermost secret,and in the keeping of which he, too, now had so great a stake.For the lover feared nothing so muchas that Tadzio might depart,and he recognized, not without horror,that he would no longer know how to liveif that were to happen.
Lately, he was no longer content to owethe proximity and sight of the beautiful youthto the daily routine and to fortune;he pursued him,he stalked him.On Sundays, for example, the Poles never appeared on the beach;he guessedthat they attended Mass at San Marco;he hurried there,and entering from the blaze of the squareinto the golden twilight of the sanctuary,he found the one he had missed,bowed over a prayer-stool at worship.Then he stood in the background,on the fissured mosaic floor,amidst a kneeling,murmuring,cross-signing populace,and the dense splendour of the oriental templeweighed voluptuously upon his senses.At the front,the heavily adorned priest moved, officiated, and sang;incense billowed up,clouding the feeble flames of the altar candles,and into the cloying, sweet sacrificial scentanother seemed to mingle softly:the odour of the stricken city.But through the haze and the glitter, Aschenbach sawhow the beautiful youth over there turned his head,sought him out, and caught sight of him.
Then, when the crowdstreamed out through the open portalsinto the luminous,pigeon-teeming square,the infatuated man would hide in the vestibule;he concealed himself,he lay in wait.He saw the Poles leave the church,sawthe siblings take ceremonial leaveof their motherand saw her turn toward the Piazzetta to go home;he ascertainedthat the beautiful boy,the convent-bred sisters, and the governesstook the path to the right, through the gate of the clock towerand into the Merceria,and after letting them get some distance ahead,he followed them,followed them stealthily on their walk through Venice.
He had to stopwhen they lingered,had to flee into cookshops and courtyardsto let them pass when they turned back;he lost them,searched for them, flushed and exhausted,over bridges and in filthy blind alleys,and endured minutes of mortal anguishwhen he suddenly saw them in a narrow passage,where there was no escape,coming toward him.Yet one cannot saythat he suffered.His head and heart were intoxicated,and his steps followed the dictates of the demonwho delights in tramplingman’s reason and dignityunderfoot.
Somewhere Tadzio and his party would then take a gondola,and Aschenbach,whom, while they were embarking,a projection or a well had concealed,didthe sameshortly after they had pushed off from the bank.He spoke hastily and in a hushed voiceas, with the promise of a lavish tip,he instructed the oarsman to followthat gondolajust turning the corner,inconspicuously and at some distance;and a shiver went through him when the man,with the roguish servility of a procurer,assured him in the same tonethat he would be served,that he would be servedconscientiously.
And so he glided and swayed,leaning into soft, black cushions,after the other black, beaked barque,in whose wake passion held him captive.Sometimes it would vanish from his sight;then he felt grief and anxiety.But his guide,as if well practiced in such commissions,always knew how to bring the desired object back into viewwith cunning manoeuvres,with swift cross-cuttings and shortcuts.The air was still and fragrant;the sun burned heavily through the hazethat stained the sky a slate-grey.Water lapped gurgling against wood and stone.The gondolier’s call,half warning, half greeting,was answered from far away out of the silence of the labyrinthby some strange convention.From small, high-lying gardens,clusters of blossoms,white and purple,smelling of almonds,hung over crumbling walls.Arabesque window frames were reflected in the murky water.The marble steps of a church descended into the flood;a beggar, crouching upon them,protesting his misery,held out his hat and showed the whites of his eyes,as if blind;an antique dealer, in front of his den,invited the passerby with fawning gestures to stop,in the hopeof cheating him.This was Venice,the flattering and suspect beauty—this city, half fairy tale, half tourist trap,in whose foul air art once blossomed luxuriantlyand which inspired musicians with soundsthat cradle and coaxingly lull.To the adventurer it seemed as if his eyes were drinking in such opulence,as if his ears were being wooed by such melodies;he also rememberedthat the city was sick and concealed it for the sake of profit,and he peered out with less restraintafter the gondola floating on ahead.
And so the bewildered man knew and wanted nothing other thanto pursue without cease the object that inflamed him,to dream of it when it was absent,and,in the manner of lovers,to address tender words to its mere shadow.Solitude, foreignness, and the bliss of a late and deep intoxicationencouraged and persuaded himto permit himself even the most outlandish thingswithout shame or blushing;as when it happened that,returning late one evening from Venice,he stopped on the first floor of the hotelat the beautiful boy’s door,leaned his forehead in utter drunkennessagainst the hinge of the door,and for a long time was unable to tear himself away,at the riskof being discovered and caught in so mad a posture.
And yet there was no lack of momentsof pause and partial reflection.On what paths!he would then think with dismay.On what paths!Like any manwhose natural merits inspire an aristocratic interestin his ancestry,he was accustomed,in the achievements and successes of his life,to think of his forebears,to assure himself in his mind of their approval,their satisfaction,their necessary respect.He thought of them now and here,entangled in so illicit an experience,seized by such exotic excesses of feeling;he thought of the composed severity,the decent manliness of their character,and smiled melancholically.What would they say?But then again,what would they have said to his whole life,which had deviated from theirs to the point of degeneracy,to this life under the spell of art,about which he himself had once,in the civic spirit of his fathers,voiced such scornful youthful opinions,and which in essence had been so similar to theirs!He too had served,he too had practiced hard discipline;he too had been a soldier and a man of war,like many of them—for art was a war,an exhausting strugglefor which one was not fit for long these days.A life of self-conquest and of “in spite of,”a harsh, steadfast, and abstemious life,which he had fashioned into a symbol of a delicate and contemporary heroism—he could well call it manly,could well call it brave,and it seemed to himthat the Erosthat had mastered himwas in some way particularly suited and inclined to such a life.Had it not been held in special esteemamong the bravest of peoples;indeed, was it not saidthat through bravery it had flourished in their cities?Numerous war heroes of antiquityhad willingly borne its yoke,for no degradation was considered suchthat the god imposed,and deedsthat would have been decried as marks of cowardiceif done for other ends:prostrations, vows,fervent entreaties, and slavish behaviour—such things brought the lover no shame,but rather earned him praise.
Such was the infatuated man’s way of thinking;thus he sought to support himself,to preserve his dignity.But at the same time he constantly turned a probingand obstinate attentionto the foul goings-on in the heart of Venice,that adventure of the outer worldwhich darkly merged with that of his heartand nourished his passion with vague,lawless hopes.Obsessed with learning something new and certainabout the state or progress of the sickness,he rummaged through the local papers in the city’s coffee houses,since they had disappeared from the hotel’s reading tablefor several days.Assertions and retractions alternated in them.The number of cases,of deaths, was said to be twenty,forty, even a hundred and more,and immediately afterward any outbreak of the epidemic was,if not flatly denied,then attributed to completely isolated,imported cases.Admonitory misgivings,protests against the dangerous gameof the Italian authorities, were interspersed.Certainty was not to be had.
Nevertheless, the solitary man was consciousof a special rightto share in the secretand, though excluded,found a bizarre satisfaction inapproaching the knowing ones with captious questionsand forcing them,who were leagued in silence,to outright lies.One day at breakfast in the great dining hall,he thus confronted the manager,that small, soft-footed man in the French frock coatwho moved among the diners,greeting and supervising,and who also stopped at Aschenbach’s little tablefor a few words of chat.Why exactly,the guest asked in a casual and offhand manner,why in the worldhad they been disinfecting Venice for some time?—“It is a matter,”answered the sly man,“of a police measure,intended to dutifully and promptly preventany sort of inconvenience or disturbance to public healthwhich might be produced by the oppressiveand exceptionally warm weather.”—“The police are to be praised,”Aschenbach replied,and after an exchange of a few meteorological remarks,the manager took his leave.
That very same day,in the evening after dinner,it happenedthat a small band of street singers from the citymade themselves heard in the hotel’s front garden.They stood,two men and two women,by the iron post of an arc lampand turned their white-lit facesup to the large terrace,where the resort guests over coffee and cool drinkswere enjoying the popular performance.The hotel staff—lift boys, waiters, and office clerks—appeared in the doorways to the hall, listening.The Russian family,diligent and precise in their enjoyment,had had wicker chairs placed down in the gardento be closer to the performers,and sat there gratefully in a semicircle.Behind the master and mistress,in a turban-like headscarf,stood their old female slave.
Mandolin, guitar,accordion, and a warbling fiddlewere in action in the hands of the beggar-virtuosos.Vocal numbers alternated with instrumental interludes,as when the younger of the women,with a sharp, squawking voice,joined the sweet-falsettoed tenorin a longing love duet.But the true talent and leader of the troupewas unequivocally the other of the men,the one with the guitar, a sort of baritone-buffo in character,with almost no voice to speak of,but with a gift for mimeand a remarkable comic energy.Often he would detach himself,his large instrument in his arm,from the groupand advance, acting, toward the footlights,where his pranks were rewarded with encouraging laughter.The Russians in particular,in their parterre,showed themselves delighted by so much southern vivacityand encouraged him with applause and shoutsto come out of his shell ever more boldly and confidently.
Aschenbach sat by the balustrade,from time to time cooling his lipswith a mixture of pomegranate juice and sodathat sparkled ruby-red in the glass before him.His nerves eagerly absorbed the strumming sounds,the vulgar and languishing melodies,for passion paralyses the selective senseand earnestly engages with charmsthat sobriety would greet with humouror reject with indignation.The jester’s antics had contorted his featuresinto a fixed and already painful smile.He sat there languidly,while an utmost attention tensed his inner being,for six paces from him,Tadzio was leaning against the stone railing.
He stood there in the white belted suithe sometimes wore for the main meal,with an inevitable and innate grace,his left forearm on the parapet,his feet crossed,his right hand on his hip,and looked with an expressionthat was hardly a smile,merely a distant curiosity,a polite reception,down at the itinerant singers.Sometimes he would draw himself up straight and,expanding his chest,would with a beautiful movement of both armspull the white tunic down through the leather belt.But at other times,and the ageing man perceived it with triumph,with a reeling of his reasonand also with horror,he would turnhis head over his left shouldertowards his admirer’s place,hesitantly and cautiously or else quickly and suddenly,as if to take him by surprise.He did not meet his eyes,for a shameful anxietycompelled the bewildered manto keep his gaze fearfully in check.At the back of the terrace sat the womenwho guarded Tadzio,and it had come to the pointthat the lover had to fearhaving become conspicuous and being viewed with suspicion.Indeed, with a kind of paralysishe had several times,on the beach, in the hotel lobby, and on the Piazza San Marco,been forced to noticethat Tadzio was called back from his vicinity,that pains were taken to keep him away—and had had to infer from this a terrible insult,under which his pride writhed in unknown torments,and which his conscienceprevented him from refuting.
Meanwhile, the guitarist had beguna solo to his own accompaniment,a multi-stanza street songthen flourishing all over Italy,in whose refrain his company would join in each timewith song and all their instruments,and which he knew how to deliverin a vividly dramatic fashion.Of slight build and also with a lean, emaciated face,he stood,separated from his companions,his shabby felt hat on the back of his neckso that a roll of his red hairprotruded from under the brim,in a posture of impudent bravura on the gravel,and to the strumming of the strings,he flung his jests up to the terrace in a forceful recitative,while the veins on his forehead swelledwith the effort of performance.He seemed not of Venetian stock,but rather of the race of Neapolitan comics,half pimp, half comedian,brutal and audacious,dangerous and entertaining.His song,merely silly in its lyrics,acquired in his mouth,through his facial expressions,his bodily movements,his wayof winking suggestivelyand letting his tongue play lubriciously in the corner of his mouth,something ambiguous,vaguely offensive.From the soft collar of the sport shirthe wore with otherwise urban attire,grew his gaunt neckwith its strikingly large and naked-looking Adam’s apple.His pale, snub-nosed face,from whose beardless features it was difficult to guess his age,seemed ploughed by grimaces and vice,and strangely fitting with the grin of his mobile mouthwere the two furrowsthat stood defiantly, imperiously,almost fiercely between his reddish eyebrows.But what actually drew the solitary man’s deep attentionto himwas the observation,that the suspect figure alsoseemed to carry his own suspect atmosphere with him.For each timethe refrain began anew,the singer would undertake a grotesque circular marchwith antics and waving greetings,which brought him directly below Aschenbach’s place,and each timethis happened,a waft of strong carbolic odour,emanating from his clothes,his body,would float up to the terrace.After the song was finished, he beganto collect money.He started with the Russians,who were seen to give willingly,and then he came up the steps.As impudent as he had behaved during the performance,he now showed himself humble up here.Cringing,with scraping bows, he sidled between the tables,and a smile of cunning subserviencebared his strong teeth,while the two furrows stillstood threateningly between his red brows.People inspected the outlandishcreature collecting his livelihoodwith curiosity and some disgust;they tossed coins with their fingertips into his felt hatand took care not to touch him.The abolition of physical distancebetween the comedian and respectable people,however great the pleasure,always creates a certain embarrassment.He sensed it and soughtto excuse himself by grovelling.He came to Aschenbach, and with him came the smell,about which no one around seemed to give a thought.
“Listen!”said the solitary man in a low, almost mechanical voice.“They are disinfecting Venice.Why?”—The jester answered hoarsely:“Because of the police!It’s the regulations, sir,in this heat and with the sirocco.The sirocco is oppressive.It is not conducive to health…”He spoke as if astonishedthat one could ask such a thingand demonstrated with his flat handhow very oppressive the sirocco was.—“So there is no sickness in Venice?”Aschenbach asked very quietly and between his teeth.—The buffoon’s muscular featurescontorted into a grimace of comic perplexity.“A sickness?But what kind of sickness?Is the sirocco a sickness?Is our police perhaps a sickness?You are pleased to jest!A sickness!Heaven forbid!A preventative measure, you understand!A police order against the effects of the oppressive weather…”He gesticulated.—“Very well,”said Aschenbach again, briefly and softly,and quickly dropped an inappropriately large coininto the hat.Then he gestured with his eyes for the manto go.He obeyed, grinning,with bows;but he had not yet reached the stairswhen two hotel employees fell upon himand, their faces close to his,subjected him to a whispered cross-examination.He shrugged,he made assurances,he swore he had kept silent;one could see it.Released, he returned to the garden,and after a brief consultation with his companions under the arc lamp,he stepped forward once more for a song of thanks and farewell.
It was a songthe solitary man did not rememberever having heard;a brazen popular tune in an incomprehensible dialectand furnished with a laughing-refrain,in which the band regularly joined in at the top of their lungs.At this point both the wordsand the instrumental accompaniment ceased,and nothing remained but a rhythmically organizedbut very naturally treated laughter,which the soloist in particular knew how to shape with great talentto the most deceptive liveliness.Having re-established the artistic distancebetween himself and the gentry,he had recovered all his impudence,and his artistic laughter,insolently sent up to the terrace,was a jeer.Even towards the end of the articulated part of the verse,he seemed to be fighting an irresistible tickle.He sobbed, his voice wavered,he pressed his hand to his mouth,he hunched his shoulders,and at the given momentthe irrepressible laughter broke from him, howled and erupted,with such truthfulnessthat it was contagiousand spread to the listeners,so that on the terrace, too, a groundlessmerriment, feeding only on itself, began to spread.But this very thing seemed to redouble the singer’s abandon.He bent his knees,he slapped his thighs,he held his sides,he was fit to burst;he was no longer laughing,he was shrieking;he pointed a finger upwards,as if there were nothing more comicalthan the laughing company up there,and finally everyone in the garden and on the veranda was laughing,down to the waiters,lift boys, and porters in the doorways.
Aschenbach no longer rested in his chair;he sat upright as if in an attempt at defenceor flight.But the laughter,the hospital smell wafting up,and the proximity of the beautiful youthwove themselves for him into a dreamlike spellthat held his head,his mind, in an unbreakable and inescapable embrace.In the general movement and distraction,he daredto glance over at Tadzio,and in doing so,he was able to noticethat the beautiful boy,in response to his gaze, also remained serious,just as ifhe were modelling his behaviour and expression on the other’sand as if the general mood had no power over him,since that other held himself aloof from it.This childlike and meaningful compliancehad something so disarming,so overwhelming,that the grey-haired man restrained himself with difficulty fromhiding his face in his hands.It had also seemed to himthat Tadzio’s occasional drawing himself up and taking a deep breathwas a sigh,a tightness in his chest.“He is sickly,he will probably not live to be old,”he thought again with that objectivityto which intoxication and longingsometimes strangely emancipate themselves,and pure solicitude, togetherwith a profligate gratification, filled his heart.
The Venetians, meanwhile, had finishedand were departing.Applause accompanied them,and their leader did not failto embellish his exit with more jests.His scrapes and blown kisses were laughed at,and so he redoubled them.When his companions were already outside,he pretendedto run backwards into a lamppost with a great impactand limped, apparently contorted with pain, to the gate.There, at last, he suddenlythrew off the mask of the comical unfortunate,drew himself up,indeed sprang elastically to his feet,insolently stuck his tongue out at the guests on the terrace,and slipped into the darkness.The resort guests dispersed;Tadzio had long since left the balustrade.But the solitary man sat for a long time yet,to the bewilderment of the waiters,at his little table with the remainder of his pomegranate drink.The night advanced,time dissolved.In his parents’ house,many years ago,there had been an hourglass—he saw the fragile and significant little deviceagain suddenly,as if it stood before him.Silently and finely, the rust-red sand ranthrough the glass narrows,and as it dwindled in the upper cavity,a small,rushing whirlpool had formed there.
On the very next day,in the afternoon,the obstinate man took a new stepin tempting the outside world,and this time with every possible success.He entered the English travel agencylocated on St. Mark’s Square,and after having changed some money at the counter,he put his fatal question to the clerk who was serving him,with the air of a suspicious foreigner.He was a wool-clad Briton,still young,with hair parted in the middle,close-set eyes,and that staid loyalty of characterthat seems so foreign,so strangely appealing in the roguishly nimble South.He began:“No cause for alarm, sir.A measure of no serious importance.Such orders are frequently issuedto prevent any unhealthy effects of the heatand the sirocco…”But raising his blue eyes,he met the stranger’s gaze,a weary and somewhat sad gaze,directed with faint contempt at his lips.At that, the Englishman blushed.“That is,”he continued in a low voice and with some emotion,“the official explanationwhich they see fit to insist upon here.I will tell youthat there is something else behind it.”And then, in his honest and comfortable language,he told the truth.
For several years now,the Indian cholerahad shown an increased tendency to spread and migrate.Originating in the warm swamps of the Ganges Delta,rising with the mephitic breath of that lushly barren,man-shunned primeval world and island wildernessin whose bamboo thickets the tiger crouches,the plaguehad raged throughout Hindustanwith persistent and unusual violence,had spread eastward to China,westward to Afghanistan and Persia,and, following the main caravan routes,had carried its terrors as far as Astrakhan,and even to Moscow.But while Europe trembledthat the spectre might make its entry from there and by land,it had, carried overseas by Syrian merchantmen,appeared almost simultaneously in several Mediterranean ports,had raised its head in Toulon and Malaga,had shown its mask several times in Palermo and Naples,and seemed unwilling to leave Calabria and Apuliaat all.The northern part of the peninsula had been spared.But in the middle of May of this year,in Venice, on one and the same day,the terrible vibrios were foundin the emaciated, blackened corpsesof a boatman’s hand and a greengrocer’s wife.The cases were hushed up.But after a week there were ten,then twenty,thirty, and in different quarters.A man from an Austrian province,who had spent a few days in Venice for his pleasure,died on returning to his hometownwith unequivocal signs,and so it came aboutthat the first rumours of the affliction in the lagoon cityappeared in German daily papers.Venice’s authorities respondedthat the state of health in the cityhad never been betterand took the most necessary measures of control.But it was probable that foodstuffs had been infected—vegetables,meat, or milk—for,denied and concealed,the dying gnawed its way through the narrow alleys,and the prematurely arrived summer heat,which warmed the water of the canals to a tepid state,was especially favourable to its spread.Indeed, it seemedas if the plague had experienced a revitalization of its powers,as if the tenacity and fertility of its pathogenshad doubled.Cases of recovery were very rare;eighty percent of those afflicted died,and in a dreadful manner,for the disease appeared with extreme ferocityand often showed that most dangerous formknown as “the dry.”In this,the body was not even able to expel the massive amounts of water secretedfrom the blood vessels.Within a few hours the patient shrivelled upand suffocated on his blood, which had become as thick as pitch,amidst cramps and hoarse cries.Fortunate was he if, as sometimes happened,the attack began after a slight malaisein the form of a deep swoonfrom which he never, or barely, awoke.At the beginning of June,the isolation barracks of the Ospedale Civico were silently filling up;space was beginning to run short in the two orphanages,and a gruesomely busy traffic prevailedbetween the quay of the Fondamente Nuoveand San Michele, the cemetery island.But the fear of general economic damage,consideration for the recently opened art exhibitionin the public gardens,for the enormous losseswith which the hotels, the shops,the whole multifarious tourist industrywere threatened in the event of panic and disrepute,proved more powerful in the citythan the love of truth and respect for international agreements;it enabled the authoritiesto maintain their policy of concealment and denialwith obstinacy.The chief medical officer of Venice,a man of merit,had resigned his post in indignationand been replaced on the quiet by a more compliant personage.The people knew this;and the corruption of their superiors,together with the prevailing uncertainty,the state of emergencyinto which the stalking death had plunged the city,brought about a certain demoralization of the lower classes,an encouragement of furtive and anti-social impulses,which manifested itself in intemperance,shamelessness, and rising crime.Contrary to the rule, many drunkards were to be seen in the evenings;vicious rabble,it was said,made the streets unsafe at night;robberies and even murders were repeated,for it had already twice been proventhat persons supposedly fallen victim to the plaguehad in fact been poisonedby their own relatives;and professional licentiousnessassumed intrusive and extravagant forms,such as were otherwise not known hereand were at home only in the south of the country and in the Orient.
Of these things the Englishman stated the essentials.“You would do well,”he concluded,“to leave today rather than tomorrow.The imposition of a quarantine can hardly be delayed for more than a few days.”— “Thank you,”said Aschenbachand left the office.
The square lay in sunless sultriness.Unknowing foreigners sat before the cafésor stood before the church, entirely covered in pigeons,watchingthe creatures,swarming, flapping their wings,jostling each other,peck at the kernels of corn offered in cupped hands.In a feverish agitation,triumphant in the possession of the truth,a taste of disgust on his tongueand a fantastical horror in his heart,the solitary man strode up and down the flagstones of the magnificent court.He considered a purifying and decent action.He could approach the pearl-adorned ladythis evening after dinnerand speak to herthe words he had drafted verbatim:“Permit a stranger, Madame,to serve you with a piece of advice, a warning,which self-interest withholds from you.Depart,at once, with Tadzio and your daughters!Venice is infected.”He could then lay his hand on the head of the instrument of a scornful deityin farewell,turn away, and flee this swamp.But he felt at the same timethat he was infinitely far fromseriously wanting to take such a step.It would lead him back,would restore him to himself;but he who is beside himselfabhors nothing morethan to return to himself.He remembered a white structure,adorned with inscriptions gleaming in the evening,in whose translucent mysticismhis mind’s eye had lost itself;then that strange wanderer’s figurethat had awakened in the ageing man a roving, youthful longingfor the distant and the foreign;and the thought of returning home,of reason, sobriety,toil, and mastery,disgusted him to such a degreethat his face contorted into an expression of physical nausea.“One must keep silent!”he whispered fiercely.And: “I shall keep silent!”The consciousness of his complicity,his shared guilt, intoxicated him,as small quantities of wine intoxicate a tired brain.The image of the afflicted and derelict city,hovering desolate before his mind,kindled in him hopesunspeakable, exceeding reason,and of a monstrous sweetness.What was the delicate happinessof which he had dreamt a moment before,compared to these expectations?What did art and virtue still matter to him,compared to the advantages of chaos?He remained silent, and he stayed.
That night he had a terrible dream—if one can call a dream a corporeal-spiritual experience that came to him,it is true, in the deepest sleepand with complete independence and sensory presence,but without his seeing himself movingand present in space outside the events;rather, their stage was his soul itself,and they broke in from without,his resistance—a deep and spiritual resistance—violently overcomingpassing through and leaving his existence,the culture of his life, laid waste,annihilated.
Fear was the beginning,fear and lustand a horrified curiosity for whatwas to come.Night reigned, and his senses were listening;for from afar a tumult was approaching,a din, a mixture of noise:rattling, clashing, and a dull thunder,shrill jubilation with it and a distinct howlingon a drawn-out ‘u’ sound,all interspersed and gruesomely, sweetly dominatedby a deep, cooing,wickedly persistent flute-playing,which in a shamelessly importunate mannerbewitched the entrails.But he knew a word,obscure, yet naming what was coming:“The stranger god!”Smoky embers glowed:then he recognized a mountainous landscape,similar to that around his summer house.And in a fragmented light,from a wooded height,between tree trunks and mossy boulders,it rolled and plunged, whirling, downwards:men, animals, a swarm, a raging mob,and flooded the slopewith bodies, flames, tumult, and a reeling round dance.Women, stumbling over too-long animal hides,that hung from their belts,shook tambourines above their groaning, backward-thrown heads,brandished sputtering torches and naked daggers,held hissing snakes grasped by the middle of their bodiesor, screaming, carried their breasts in both hands.Men, with horns on their brows,girt with furs and shaggy of skin,bowed their necks and raised arms and thighs,made brass cymbals resoundand beat furiously on drums,while smooth-skinned boys with wreathed staffs goaded goats,to whose horns they clungand by whose leaps they let themselves be dragged, exulting.And the possessed howled the crywith its soft consonants and drawn-out ‘u’ at the end,sweet and wild at once,like none ever heard:here it rose up,roared into the airlike stags,and there it was echoed,many-voiced, in savage triumph,inciting each other to the danceand the flinging of limbs,and never letting it fall silent.But pervading and dominating everything was the deep,enticing sound of the flute.Did it not also entice him,the reluctant witness,shamelessly, persistently, to the festivaland excess of the ultimate sacrifice?Great was his revulsion,great his fear,honest his willto protect what was his to the lastagainst the stranger,the enemy of the composed and dignified spirit.But the noise, the howling,multiplied by the echoing mountain wall,grew, gained the upper hand,swelled to an overwhelming madness.Fumes oppressed his senses,the acrid stench of the goats,the odour of panting bodies,and a breath as of stagnant waters,and another besides,familiar:of wounds and a circulating sickness.His heart pounded with the drumbeats,his brain reeled,fury seized him,delusion, a numbing lust,and his soul cravedto join the revel of the god.The obscene symbol,gigantic, of wood,was unveiled and raised up:then they howled the watchword more wantonly.Foaming at the mouth, they raged,incited each other with lewd gestures and caressing hands,laughing and groaning—they thrust the goads into each other’s fleshand licked the blood from the limbs.But with them,in them, was the dreamer now,and he belonged to the stranger god.Yes, they were he himselfas they tore and killed,throwing themselves upon the animalsand devouring steaming morsels,as on the churned-up mossy ground a boundless mingling began,an offering to the god.And his soul tasted the debauchery and frenzy of destruction.
From this dream the afflicted man awokeenervated, shattered, and powerless in the thrall of the demon.He no longer shied away from the observant gazes of men;whether he exposed himself to their suspiciondid not concern him.Besides, they were fleeing,departing;numerous beach huts stood empty,the dining hall showed larger gaps,and in the city one seldom saw a foreigner anymore.The truth seemed to have seeped out,the panic, despite the tenacious solidarity of the interested parties,no longer to be contained.But the woman in pearls remained with her family,whether because the rumours did not reach her,or because she was too proud and fearlessto yield to them:Tadzio remained;and to him, in his obsession,it sometimes seemedas if flight and deathmight remove all the disturbing life around himand he might be left alone with the beautiful youth on this island—yes, when in the morning by the seahis gaze rested heavily, irresponsibly,fixedly on the desired one,when at day’s end he followed him unworthily through alleyswhere the vile dying went on in secret,then the monstrousseemed to him full of promiseand the moral law invalid.Like any lover, he wishedto please and felt a bitter fearthat it might not be possible.He added youthfully cheering details to his attire,he wore jewels and used perfumes,he spent a great deal of time on his toilette several times a dayand came to table adorned,excited, and tense.In the presence of the sweet youthwho had captivated him,he was disgusted by his ageing body;the sight of his grey hair,his sharp features, plunged him into shame and hopelessness.He felt drivento physically refresh and restore himself;he frequently visited the house barber.In the barber’s cape,under the ministering hands of the chatterbox,leaning back in the chairhe regarded his reflection with a tormented look.“Grey,”he said with a contorted mouth.“A little,”the man replied.“Namely, through the fault of a little neglect,an indifference to external things,which is understandable in persons of importance,but which one cannot unconditionally praise,all the less soas prejudices regarding the naturalor the artificial are little befitting such persons.If the moral severity of certain peopletowards the cosmetic art were logicallyextended to their teeth,they would cause no little offense.Ultimately, we are as oldas our mind, our heart, feels,and grey hair, under certain circumstances,represents a truer untruththan the disdained correction would.In your case,sir,one has a right to one’s natural hair colour.Will you permit mesimply to give you yours back?”“How so?”asked Aschenbach.At that, the eloquent man washed the guest’s hairwith two different waters,one clear and one dark,and it was black as in his younger years.He then bent it into soft waves with the curling tongs,stepped back, and inspected the treated head.“All that remains now,”he said,“is to freshen up the complexion a little.”And like someonewho cannot stop, who cannot do enough,he passed with ever-renewed busynessfrom one ministration to the next.Aschenbach, resting comfortably,incapable of resistance,rather hopefully excited by whatwas happening,saw in the glass his eyebrowsarch more decisively and evenly,the line of his eyes lengthen,their lustre heightened by a light shading of the lid;saw further down,where the skin had been brownish-leathery,a delicate carmine, softly applied, awaken;saw his lips, so recently anaemic,swell to a raspberry hue;the furrows of his cheeks,of his mouth,the wrinkles around his eyesdisappear under cream and a breath of youth—beheld, with a pounding heart, a blooming youth.The cosmetician was at last satisfied,thanking the onehe had servedwith the fawning courtesy of his kind.“A minor touch-up,”he said,putting a final hand to Aschenbach’s exterior.“Now sir can fall in love without a care.”The enchanted man left,dreamily happy, bewildered and timid.His cravat was red,his broad-brimmed straw hatwas wound with a multicoloured ribbon.A lukewarm stormy wind had arisen;it rained seldom and sparsely,but the air was humid,thick, and filled with the vapours of decay.A fluttering, slapping, and rushing surrounded his hearing,and to the man feverish beneath his makeup,it seemed as if wind spirits of an evil kind were about their business in the air,unholy sea-fowlthat tear apart the condemned man’s meal,gnaw at it, and defile it with filth.For the sultry weather checked his appetite,and the notion forced itself upon himthat the food was poisoned with contagious matter.On the trail of the beautiful youth,Aschenbach had one afternoonplunged into the inner maze of the sick city.With his sense of direction failing,as the alleys, waterways, bridges, and little squares of the labyrinthwere too much alike,and no longer sure of the points of the compass,he was intent onlyon not losing sight of the ardently pursued image;and forced into ignominious caution,pressed against walls,seeking cover behind the backs of those in front,he was for a long time unaware of the fatigue,the exhaustion,which emotion and constant tensionhad inflicted upon his body, his mind.Tadzio walked behind his family;in the narrow confines he usually let the governess and the nun-like sistersgo first,and sauntering alone he would sometimes turn his headto assure himself over his shoulderof his lover’s pursuitwith a glance from his strangely dusky-grey eyes.He saw him,and he did not betray him.Intoxicated by this knowledge,lured onward by those eyes,led on a fool’s leash by passion,the lover stole after his unseemly hope—and yet in the end found himself cheated of the sight of him.The Poles had crossed a short, arched bridge;the height of the arch hid them from their follower,and having reached the top himself,he no longer discovered them.He searched for them in three directions,straight ahead and to both sidesalong the narrow and dirty quay,in vain.Enervation and frailty finally forced himto abandon the search.His head was burning,his body was covered in sticky sweat,his neck trembled,an unbearable thirst tormented him;he looked around for some kindof immediate relief.In front of a small vegetable shop he bought some fruit,strawberries, overripe and soft,and ate them as he walked.A small,deserted, seemingly enchanted squareopened up before him;he recognised it;it was herethat he had conceived his frustrated plan of escape weeks ago.On the steps of the cistern,in the middle of the place,he let himself sink downand leaned his head against the stone surround.It was quiet;grass grew between the paving stones.Refuse lay about.Among the weathered,irregularly high houses around,one appeared palace-like,with pointed-arch windowsbehind which emptiness resided,and small lion balconies.On the ground floor of another was a pharmacy.Warm gusts of wind sometimes brought the smell of carbolic acid.He sat there, the master,the artist grown worthy,the author of The Wretch,who in such an exemplarily pure formhad renounced bohemianism and the turbid depths,had withdrawn his sympathy from the abyssand repudiated the depraved;he who had climbed so high,who, having overcome his knowledge and outgrown all irony,had accustomed himself to the obligations of the masses’ trust;he whose fame was official,whose name was ennobled,and on whose style boyswere urged to model themselves—he sat there,his eyelids were closed,only now and then did a mocking and abashed glance slip outfrom under them,quickly hidingitself again,and his slack lips,cosmetically enhanced,formed individual words fromthe strange dream-logic that his half-slumbering brainproduced.“For beauty, Phaedrus, mark you well,only beauty is divine and visible at once,and so it is the way of the senses,is, little Phaedrus,the artist’s way to the spirit.But do you now believe,my dear,that he for whom the way to the spiritual leads through the sensescan ever attain wisdomand true manly dignity?Or do you rather believe(I leave the decision to you)that this is a dangerously lovely way,truly a way of error and sin,that necessarily leads astray?For you must knowthat we poets cannot walk the path of beautywithout Eros joining usand setting himself up as our guide;indeed, though we may be heroes in our own wayand chaste men of war,we are like women,for passion is our exaltation,and our longing must remain love—that is our pleasure and our shame.Do you see nowthat we poets cannot be wise or dignified?That we must necessarily go astray,must necessarily remain licentious and adventurers of feeling?The masterful posture of our style is a lie and a folly,our fame and station an absurdity,the public’s trust in us utterly ridiculous,the education of the populace and of youth through arta hazardous undertaking that should be forbidden.For how could he be fit to be an educatorwho has an incorrigible and natural inclinationtowards the abyss?We may well deny it and gain dignity,but however we may turn,it draws us.So let us say we renounce dissolving knowledge,for knowledge, Phaedrus,has no dignity and no severity:it is knowing, understanding, forgiving,without posture and form;it has sympathy with the abyss,it is the abyss.This, then, we reject with resolve,and from now on our striving is for beauty alone,which is to say for simplicity,greatness, and a new severity,for a second innocence and for form.But form and innocence, Phaedrus,lead to intoxication and desire,lead the noble man perhaps to monstrous emotional outrageswhich his own beautiful severity condemns as infamous,lead to the abyss,they too lead to the abyss.They lead us poets, I say,to it,for we are not ableto soar,we are only able to transgress.And now I go, Phaedrus.You stay here;and only when you no longer see me,then you go too.”
* * * * *
A few days later Gustav von Aschenbach,feeling unwell,left the seaside hotel at a later morning hour than usual.He had to contend with certain,only half-physical spells of dizziness,which were accompanied by a violently rising fear and bewilderment,a feeling of hopelessness and no way out,of which it was not clearwhether it referred to the outer worldor to his own existence.In the hall he noticed a large quantity of luggageready for transport,asked a porterwho it was that was leaving,and received in reply the Polish noble namehe had secretly been expecting.He received itwithout any change in his ravaged features,with that brief lift of the headwith which onetakes casual note of something one did not need to know,and asked further:“When?”The reply was:“After lunch.”He noddedand went to the sea.
It was inhospitable there.Over the wide, flat expanse of waterthat separated the beach from the first long sandbank,rippling shivers ran from front to back.An autumnal, outlived air seemed to lie over the once so colourfully animated,now almost deserted pleasure-ground,whose sand was no longer kept clean.A camera,apparently ownerless,stood on its three-legged tripod at the edge of the sea,and a black clothspread over itflapped and slapped in the colder wind.
Tadzio, with three or four playmateswho had remained,was moving about to the right in front of his family’s hut,and Aschenbach, a blanket over his knees,resting in his deckchair about midway between the seaand the row of beach huts,watched him one last time.The game, which was unsupervised,as the women were presumably busy with travel preparations,seemed to lack rules and degenerated.That stocky one,in the belted suit and with black,pomaded hair,who was called “Jaschu,”irritated and blinded by a throw of sand in his face,forced Tadzio into a wrestling match,which quickly ended with the fall of the weaker, beautiful boy.But as if, in the hour of parting,the vassal’s feeling of subserviencewere turning into cruel brutalityand seeking to take revenge for a long slavery,the victor did not let go of the vanquished even then,but,kneeling on his back,pressed his face so persistently into the sandthat Tadzio,already out of breath from the fight,threatened to suffocate.His attemptsto shake off the weightwere convulsive;they ceased for moments altogetherand were repeated only as a twitching.Horrified, Aschenbach was about to spring up to the rescuewhen the brute at last released his victim.Tadzio, very pale,raised himself halfway and sat,leaning on one arm,for several minutes without moving,with dishevelled hair and darkening eyes.Then he got fully to his feet and moved away slowly.They called to him,at first cheerfully,then anxiously and pleadingly;he did not hear.The dark-haired boy,who may have been immediately seizedwith remorse for his excesses,caught up with him and tried to placate him.A shrug of the shoulder rebuffed him.Tadzio walked diagonally down to the water.He was barefoot and wore his striped linen suitwith a red bow.
At the edge of the tide he lingered,his head bowed, drawing figures in the wet sand with the tip of one foot,and then went into the shallow water,which at its deepest pointdid not yet wet his knees;he waded through it, advancing languidly,and reached the sandbank.There he stood for a moment,his face turned to the open sea,and then beganslowly to walk along the long, narrow strip of exposed groundto the left.Separated from the mainland by a wide stretch of water,separated from his companions by a proud whim,he wandered,a supremely detached and unconnected figure,with fluttering hair, out there in the sea,in the wind, before the misty, boundless expanse.Once more he stopped to look out.And suddenly,as if from a memory,an impulse,he turned his upper body,one hand on his hip,in a beautiful twist from his basic stanceand looked over his shoulder to the shore.The watcher over there sat as he had once satwhen first, sent back from that threshold,this dusky-grey gaze had met his.His head, which had slowly followed the movementof the one walking out there,now raised itself,as if to meet that gaze,and sank onto his breast,so that his eyes looked up from below,while his face wore the slack,inwardly absorbed expression of deep slumber.But it seemed to himas if the pale and lovely psychopompout there were smiling to him,beckoning to him;as if,taking his hand from his hip,he were pointing outwards,floating on ahead into the prodigious, the immeasurable.And, as so often,he set outto follow him.
Minutes passedbefore anyone hurried to the aid of the manwho had slumped sideways in his chair.He was brought to his room.And on that very same day,a respectfully shaken world received the news of hisdeath.
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