Der Autor der klaren und mächtigen Prosa-Epopöevom Leben Friedrichs von Preußen;der geduldige Künstler,der in langem Fleiß den figurenreichen,so vielerlei Menschenschicksal im Schatten einer Ideeversammelnden Romanteppich,»Maja« mit Namen, wob;der Schöpfer jener starken Erzählung,die »Ein Elender« überschrieben istund einer ganzen dankbaren Jugenddie Möglichkeit sittlicher Entschlossenheitjenseits der tiefsten Erkenntnis zeigte;der Verfasser endlich(und damit sind die Werke seiner Reifezeit kurz bezeichnet)der leidenschaftlichen Abhandlung über »Geist und Kunst«,deren ordnende Kraft und antithetische Beredsamkeiternste Beurteiler vermochte,sie unmittelbar neben Schillers Raisonnementüber naive und sentimentalische Dichtung zu stellen:Gustav Aschenbach also war zu L.,einer Kreisstadt der Provinz Schlesien,als Sohn eines höheren Justizbeamten geboren.Seine Vorfahren waren Offiziere, Richter, Verwaltungsfunktionäre gewesen,Männer, die im Dienste des Königs, des Staates,ihr straffes, anständig karges Leben geführt hatten.Innigere Geistigkeit hatte sich einmal,in der Person eines Predigers, unter ihnen verkörpert;rascheres, sinnlicheres Blut war der Familiein der vorigen Generation durch die Mutter des Dichters,Tochter eines böhmischen Kapellmeisters, zugekommen.Von ihr stammten die Merkmale fremder Rasse in seinem Äußern.Die Vermählung dienstlich nüchterner Gewissenhaftigkeitmit dunkleren, feurigeren Impulsenließ einen Künstler und diesen besonderen Künstler erstehen.Da sein ganzes Wesen auf Ruhm gestellt war,zeigte er sich, wenn nicht eigentlich früh reif,so doch, dank der Entschiedenheitund persönlichen Prägnanz seines Tonfallsfrüh für die Öffentlichkeit reif und geschickt.Beinahe noch Gymnasiast, besaß er einen Namen.Zehn Jahre später hatte er gelernt,von seinem Schreibtische aus zu repräsentieren,seinen Ruhm zu verwalten in einem Briefsatz,der kurz sein mußte(denn viele Ansprüche drängen auf den Erfolgreichen,den Vertrauenswürdigen ein),gütig und bedeutend zu sein.Der Vierziger hatte, ermattet von den Strapazenund Wechselfällen der eigentlichen Arbeit,alltäglich eine Post zu bewältigen,die Wertzeichen aus aller Herren Ländern trug.
Ebensoweit entfernt vom Banalen wie vom Exzentrischen,war sein Talent geschaffen,den Glauben des breiten Publikumsund die bewundernde, fordernde Teilnahmeder Wählerischen zugleich zu gewinnen.So, schon als Jüngling von allen Seiten auf die Leistung—und zwar die außerordentliche—verpflichtet, hatte er niemals den Müßiggang,niemals die Fahrlässigkeit der Jugend gekannt.Als er um sein fünfunddreißigstes Jahr in Wien erkrankte,äußerte ein feiner Beobachter über ihn in Gesellschaft:»Sehen Sie, Aschenbach hat von jeher nur so gelebt«—und der Sprecher schloß die Finger seiner Linken fest zur Faust—;»niemals so«—und er ließ die geöffnete Hand bequem von der Lehne des Sessels hängen.Das traf zu; und das Tapfer-Sittliche daran war,daß seine Natur von nichts weniger als robuster Verfassungund zur ständigen Anspannung nur berufen,nicht eigentlich geboren war.
Ärztliche Fürsorge hatte den Knaben vom Schulbesuch ausgeschlossenund auf häuslichen Unterricht gedrungen.Einzeln, ohne Kameradschaft war er aufgewachsenund hatte doch zeitig erkennen müssen,daß er einem Geschlecht angehörte,in dem nicht das Talent,wohl aber die physische Basis eine Seltenheit war,deren das Talent zu seiner Erfüllung bedarf,—einem Geschlechte, das früh sein Bestes zu geben pflegtund in dem das Können es selten zu Jahren bringt.Aber sein Lieblingswort war »Durchhalten«,—er sah in seinem Friedrich-Roman nichts anderesals die Apotheose dieses Befehlswortes,das ihm als der Inbegriff-leitend-tätiger Tugend erschien.Auch wünschte er sehnlichst, alt zu werden,denn er hatte von jeher dafür gehalten,daß wahrhaft groß, umfassend, ja wahrhaft ehrenwertnur das Künstlertum zu nennen sei,dem es beschieden war, auf allen Stufen des Menschlichencharakteristisch fruchtbar zu sein.
Da er also die Aufgaben,mit denen sein Talent ihn belud,auf zarten Schultern tragen und weit gehen wollte,so bedurfte er höchlich der Zucht,—und Zucht war ja zum Glückesein eingeborenes Erbteil von väterlicher Seite.Mit vierzig, mit fünfzig Jahrenwie schon in einem Alter, wo andere verschwenden, schwärmen,die Ausführung großer Pläne getrost verschieben,begann er seinen Tag beizeitenmit Stürzen kalten Wassers über Brust und Rückenund brachte dann, ein Paar hoher Wachskerzenin silbernen Leuchtern zu Häupten des Manuskripts,die Kräfte, die er im Schlaf gesammelt,in zwei oder drei inbrünstig gewissenhaften Morgenstundender Kunst zum Opfer dar.Es war verzeihlich, ja, es bedeutete recht eigentlichden Sieg seiner Moralität, wenn Unkundige die Maja-Weltoder die epischen Massen, in denen sich Friedrichs Heldenleben entrollte,für das Erzeugnis gedrungener Kraftund eines langen Atems hielten,während sie vielmehr in kleinen Tagewerkenaus hundert Einzelinspirationen zur Größe emporgeschichtetund nur darum so durchaus und an jedem Punkte vortrefflich waren,weil ihr Schöpfer mit einer Willensdauer und Zähigkeit,derjenigen ähnlich, die seine Heimatprovinz eroberte,jahrelang unter der Spannung eines und desselben Werkes ausgehaltenund an die eigentliche Herstellung ausschließlichseine stärksten und würdigsten Stunden gewandt hatte.
Damit ein bedeutendes Geistesprodukt auf der Stelleeine breite und tiefe Wirkung zu üben vermöge,muß eine tiefe Verwandtschaft, ja Übereinstimmungzwischen dem persönlichen Schicksal seines Urhebersund dem allgemeinen des mitlebenden Geschlechtes bestehen.Die Menschen wissen nicht, warum sie einem Kunstwerk Ruhm bereiten.Weit entfernt von Kennerschaft,glauben sie hundert Vorzüge daran zu entdecken,um so viel Teilnahme zu rechtfertigen;aber der eigentliche Grund ihres Beifalls ist ein Unwägbares,ist Sympathie.Aschenbach hatte es einmal an wenig sichtbarer Stelleunmittelbar ausgesprochen, daß beinahe alles Große,was dastehe, als ein Trotzdem dastehe,trotz Kummer und Qual, Armut, Verlassenheit, Körperschwäche,Laster, Leidenschaft und tausend Hemmnissen zustande gekommen sei.Aber das war mehr als eine Bemerkung,es war eine Erfahrung,war geradezu die Formel seines Lebens und Ruhmes,der Schlüssel zu seinem Werk;und was Wunder also, wenn es auch der sittliche Charakter,die äußere Gebärde seiner eigentümlichsten Figuren war?
Über den neuen, in mannigfach individuellen Erscheinungenwiederkehrenden Heldentyp, den dieser Schriftsteller bevorzugte,hatte schon frühzeitig ein kluger Zergliederer geschrieben:daß er die Konzeption »einer intellektuellen und jünglinghaften Männlichkeit« sei,»die in stolzer Scham die Zähne aufeinanderbeißt und ruhig dasteht,während ihr die Schwerter und Speere durch den Leib gehen«.Das war schön, geistreich und exakt,trotz seiner scheinbar allzu passivischen Prägung.Denn Haltung im Schicksal, Anmut in der Qualbedeutet nicht nur ein Dulden;sie ist eine aktive Leistung, ein positiver Triumph,und die Sebastian-Gestalt ist das schönste Sinnbild,wenn nicht der Kunst überhaupt,so doch gewiß der in Rede stehenden Kunst.Blickte man hinein in diese erzählte Welt,sah man die elegante Selbstbeherrschung,die bis zum letzten Augenblick eine innere Unterhöhlung,den biologischen Verfall vor den Augen der Welt verbirgt;die gelbe, sinnlich benachteiligte Häßlichkeit,die es vermag, ihre schwelende Brunst zur reinen Flamme zu entfachen,ja, sich zur Herrschaft im Reiche der Schönheit aufzuschwingen;die bleiche Ohnmacht, welche aus den glühenden Tiefen des Geistesdie Kraft holt, ein ganzes übermütiges Volk zu Füßen des Kreuzes,zu ihren Füßen niederzuwerfen;die liebenswürdige Haltung im leeren und strengen Dienste der Form;das falsche, gefährliche Leben,die rasch entnervende Sehnsucht und Kunst des gebornen Betrügers:betrachtete man all dies Schicksal und wieviel gleichartiges noch,so konnte man zweifeln, ob es überhaupt einen anderen Heroismus gäbe,als denjenigen der Schwäche.Welches Heldentum aber jedenfalls wäre zeitgemäßer als dieses?Gustav Aschenbach war der Dichter all derer,die am Rande der Erschöpfung arbeiten,der Überbürdeten, schon Aufgeriebenen, sich noch Aufrechthaltenden,all dieser Moralisten der Leistung,die, schmächtig von Wuchs und spröde von Mitteln,durch Willensverzückung und kluge Verwaltungsich wenigstens eine Zeitlang die Wirkungen der Größe abgewinnen.Ihrer sind viele, sie sind die Helden des Zeitalters.Und sie alle erkannten sich wieder in seinem Werk,sie fanden sich bestätigt, erhoben, besungen darin,sie wußten ihm Dank, sie verkündeten seinen Namen.
Er war jung und roh gewesen mit der Zeitund, schlecht beraten von ihr, war er öffentlich gestrauchelt,hatte Mißgriffe getan, sich bloßgestellt,Verstöße gegen Takt und Besonnenheit begangen in Wort und Werk.Aber er hatte die Würde gewonnen, nach welcher, wie er behauptete,jedem großen Talente ein natürlicher Drang und Stachel eingeboren ist,ja, man kann sagen, daß seine ganze Entwicklungein bewußter und trotziger, alle Hemmungen des Zweifelsund der Ironie zurücklassender Aufstieg zur Würde gewesen war.
Lebendige, geistig unverbindliche Greifbarkeit der Gestaltungbildet das Ergötzen der bürgerlichen Massen,aber leidenschaftlich unbedingte Jugendwird nur durch das Problematische gefesselt:und Aschenbach war problematisch,war unbedingt gewesen wie nur irgendein Jüngling.Er hatte dem Geiste gefrönt, mit der Erkenntnis Raubbau getrieben,Saatfrucht vermahlen, Geheimnisse preisgegeben,das Talent verdächtigt, die Kunst verraten,—ja, während seine Bildwerke die gläubig Genießenden unterhielten,erhoben, belebten, hatte er, der jugendliche Künstler,die Zwanzigjährigen durch seine Zynismenüber das fragwürdige Wesen der Kunst,des Künstlertums selbst in Atem gehalten.
Aber es scheint, daß gegen nichts ein edler und tüchtiger Geistsich rascher, sich gründlicher abstumpftals gegen den scharfen und bitteren Reiz der Erkenntnis;und gewiß ist, daß die schwermütig gewissenhafteste Gründlichkeitdes Jünglings Seichtheit bedeutetim Vergleich mit dem tiefen Entschlusse des Meister gewordenen Mannes,das Wissen zu leugnen, es abzulehnen,erhobenen Hauptes darüber hinwegzusehen,sofern es den Willen, die Tat, das Gefühlund selbst die Leidenschaft im Geringsten zu lähmen,zu entmutigen, zu entwürdigen geeignet ist.Wie wäre die berühmte Erzählung vom »Elenden«wohl anders zu deuten denn als Ausbruch des Ekelsgegen den unanständigen Psychologismus der Zeit,verkörpert in der Figur jenes weichen und albernen Halbschurken,der sich ein Schicksal erschleicht, indem er sein Weib,aus Ohnmacht, aus Lasterhaftigkeit, aus ethischer Velleität,in die Arme eines Unbärtigen treibtund aus Tiefe Nichtswürdigkeiten begehen zu dürfen glaubt?Die Wucht des Wortes, mit welchem hier das Verworfene verworfen wurde,verkündete die Abkehr von allem moralischen Zweifelsinn,von jeder Sympathie mit dem Abgrund,die Absage an die Laxheit des Mitleidssatzes,daß alles verstehen alles verzeihen heiße,und was sich hier vorbereitete, ja schon vollzog,war jenes »Wunder der wiedergeborenen Unbefangenheit«,auf welches ein wenig später in einem der Dialoge des Autorsausdrücklich und nicht ohne geheimnisvolle Betonung die Rede kam.Seltsame Zusammenhänge!War es eine geistige Folge dieser »Wiedergeburt«,dieser neuen Würde und Strenge,daß man um dieselbe Zeit ein fast übermäßiges Erstarkenseines Schönheitssinnes beobachtete,jene adelige Reinheit, Einfachheit und Ebenmäßigkeit der Formgebung,welche seinen Produkten fortan ein so sinnfälliges,ja gewolltes Gepräge der Meisterlichkeit und Klassizität verlieh?Aber moralische Entschlossenheit jenseits des Wissens,der auflösenden und hemmenden Erkenntnis,—bedeutet sie nicht wiederum eine Vereinfachung,eine sittliche Vereinfältigung der Welt und der Seeleund also auch ein Erstarken zum Bösen, Verbotenen,zum sittlich Unmöglichen?Und hat Form nicht zweierlei Gesicht?Ist sie nicht sittlich und unsittlich zugleich,—sittlich als Ergebnis und Ausdruck der Zucht,unsittlich aber und selbst widersittlich,sofern sie von Natur eine moralische Gleichgültigkeit in sich schließt,ja, wesentlich bestrebt ist, das Moralischeunter ihr stolzes und unumschränktes Szepter zu beugen?
Wie dem auch sei! Eine Entwicklung ist ein Schicksal;und wie sollte nicht diejenige anders verlaufen,die von der Teilnahme, dem Massenzutrauen einer weiten Öffentlichkeit begleitet wird,als jene, die sich ohne den Glanz und die Verbindlichkeitendes Ruhmes vollzieht?Nur ewiges Zigeunertum findet es langweiligund ist zu spotten geneigt, wenn ein großes Talentdem libertinischen Puppenstande entwächst,die Würde des Geistes ausdrucksvoll wahrzunehmen sich gewöhntund die Hofsitten einer Einsamkeit annimmt,die voll unberatener, hart selbständiger Leiden und Kämpfe warund es zu Macht und Ehren unter den Menschen brachte.Wieviel Spiel, Trotz, Genuß ist übrigens in der Selbstgestaltung des Talentes!Etwas Amtlich-Erzieherisches trat mit der Zeitin Gustav Aschenbachs Vorführungen ein,sein Stil entriet in späteren Jahren der unmittelbaren Kühnheiten,der subtilen und neuen Abschattungen,er wandelte sich ins Mustergültig-Feststehende,Geschliffen-Herkömmliche, Erhaltende, Formelle, selbst Formelhafte,und wie die Überlieferung es von Ludwig dem Vierzehnten wissen will,so verbannte der Alternde aus seiner Sprachweise jedes gemeine Wort:Damals geschah es, daß die Unterrichtsbehörde ausgewählte Seiten von ihmin die vorgeschriebenen Schullesebücher übernahm.Es war ihm innerlich gemäß, und er lehnte nicht ab,als ein deutscher Fürst, soeben zum Throne gelangt,dem Dichter des »Friedrich« zu seinem fünfzigsten Geburtstagden persönlichen Adel verlieh.
Nach einigen Jahren der Unruhe,einigen Versuchsaufenthalten da und dortwählte er frühzeitig München zum dauernden Wohnsitzund lebte dort in bürgerlichem Ehrenstande,wie er dem Geiste in besonderen Einzelfällen zuteil wird.Die Ehe, die er in noch jugendlichem Altermit einem Mädchen aus gelehrter Familie eingegangen,wurde nach kurzer Glücksfrist durch den Tod getrennt.Eine Tochter, schon Gattin, war ihm geblieben.Einen Sohn hatte er nie besessen.
Gustav von Aschenbach war ein wenig unter Mittelgröße, brünett, rasiert.Sein Kopf erschien ein wenig zu großim Verhältnis zu der fast zierlichen Gestalt.Sein rückwärts gebürstetes Haar, am Scheitel gelichtet,an den Schläfen sehr voll und stark ergraut,umrahmte eine hohe, zerklüftete und gleichsam narbige Stirn.Der Bügel einer Goldbrille mit randlosen Gläsernschnitt in die Wurzel der gedrungenen, edel gebogenen Nase ein.Der Mund war groß, oft schlaff, oft plötzlich schmal und gespannt;die Wangenpartie mager und gefurcht,das wohlausgebildete Kinn weich gespalten.Bedeutende Schicksale schienen über diesmeist leidend seitwärts geneigte Haupt hinweggegangen zu sein,und doch war die Kunst es gewesen,die hier jene physiognomische Durchbildung übernommen hatte,welche sonst das Werk eines schweren, bewegten Lebens ist.Hinter dieser Stirn waren die blitzenden Replikendes Gesprächs zwischen Voltaire und dem Könige über den Krieg geboren;diese Augen, müde und tief durch die Gläser blickend,hatten das blutige Inferno der Lazarette des Siebenjährigen Krieges gesehen.Auch persönlich genommen ist ja die Kunst ein erhöhtes Leben.Sie beglückt tiefer, sie verzehrt rascher.Sie gräbt in das Antlitz ihres Dienersdie Spuren imaginärer und geistiger Abenteuer,und sie erzeugt, selbst bei klösterlicher Stille des äußeren Daseins,auf die Dauer eine Verwöhntheit, Überfeinerung,Müdigkeit und Neugier der Nerven,wie ein Leben voll ausschweifendster Leidenschaftenund Genüsse sie kaum hervorzubringen vermag.
CHAPITRE II
L'auteur de la claire et puissante épopée en prosesur la vie de Frédéric de Prusse ;l'artiste patient qui,au prix d'un long labeur,tissa cette tapisserie romanesqueau nom de « Maïa », si riche en personnages et rassemblant tant de destins humainsà l'ombre d'une même idée ;le créateur de ce puissant récitintitulé « Un Misérable »,qui montra à toute une jeunesse reconnaissantela possibilité d'une résolution moralepar-delà la plus profonde connaissance ;l'auteur enfin(et voilà brièvement désignées les œuvres de sa maturité)du traité passionné sur « L'Esprit et l'Art »,dont la force ordonnatrice et l'éloquence antithétiqueincitèrent d'éminents critiquesà le placer immédiatement à côté du raisonnement de Schillersur la poésie naïve et sentimentale :Gustav Aschenbach, donc, était né à L.,chef-lieu d'arrondissement de la province de Silésie,et fils d'un haut magistrat.Ses aïeux avaient été officiers, juges, fonctionnaires,des hommes qui, au service du roi, de l'État,avaient mené leur vie rigoureuse, honorablement frugale.Une spiritualité plus intime s'était un jour incarnée parmi euxen la personne d'un prédicateur ;un sang plus vif, plus sensuel, était venu à la familleà la génération précédente par la mère du poète,fille d'un maître de chapelle de Bohême.D'elle provenaient les traits de race étrangère que l'on distinguait dans son apparence.Le mariage d'une conscience professionnelle et sobreavec de plus sombres, de plus ardentes impulsionsdonna naissance à un artiste, et à cet artiste en particulier.Comme tout son être était tendu vers la gloire,il se montra, sinon véritablement précoce,du moins mûr et apte pour la vie publique de bonne heure, grâce à la fermetéet à la concision personnellede son style.Presque encore lycéen, il possédait déjà un nom.Dix ans plus tard, il avait appris,depuis son bureau, à tenir son rang,à gérer sa renommée en une formule épistolairequi se devait d'être brève(car nombreuses sont les sollicitations qui assaillent l'homme de confianceau faîte du succès),bienveillante et substantielle.Parvenu à la quarantaine, harassé par les effortset les aléas du travail créateur,il avait à expédier chaque jour un courrierqui portait les timbres du monde entier.
Aussi éloigné du banal que de l'excentrique,son talent était fait pour gagner à la foisla foi du grand publicet l'adhésion admirative et exigeantedes connaisseurs.Ainsi, contraint dès sa jeunesse et de toutes parts à l'accomplissement— et à l'accomplissement extraordinaire —,il n'avait jamais connu l'oisiveté,jamais la négligence de la jeunesse.Alors qu'il était tombé malade à Vienne vers l'âge de trente-cinq ans,un fin observateur dit de lui en société :« Voyez-vous, Aschenbach n'a jamais vécu que comme ceci— et l'orateur ferma fermement les doigts de sa main gauche pour en faire un poing — ;jamais ainsi »— et il laissa sa main ouverte pendre nonchalamment au dossier du fauteuil.C'était juste ; et ce qu'il y avait là de bravoure morale, c'est quesa nature était tout sauf robusteet qu'elle était appelée,mais non véritablement née, pour une tension constante.
La sollicitude des médecins avait écarté le garçon de l'écoleet insisté pour une instruction à domicile.Il avait grandi seul, sans camaraderie,et avait pourtant dû reconnaître de bonne heurequ'il appartenait à une générationoù ce n'était pas le talent,mais bien la base physiquenécessaire à son accomplissement qui était une rareté,— une génération qui a coutume de donner le meilleur d'elle-même très tôtet au sein de laquelle le savoir-faire atteint rarement un grand âge.Mais son maître mot était « Tenir bon »— il ne voyait dans son roman sur Frédéric rien d'autreque l'apothéose de ce mot d'ordre,qui lui apparaissait comme la quintessence de la vertu active et directrice.Il souhaitait aussi ardemment vieillir,car il avait toujours tenu pour un faitque seul pouvait être qualifié de véritablement grand, universel, voire véritablement honorable,le génie artistiqueauquel il était donné d'être fertile et caractéristique à tous les stadesde l'humain.
Puisqu'il voulait donc portersur de frêles épaules les tâchesdont son talent le chargeait, et aller loin,il avait grandement besoin de discipline— et la discipline, par bonheur,était son héritage inné du côté paternel.À quarante, à cinquante ans,comme déjà à un âge où d'autres se dissipent, s'exaltent,et reportent avec confiance l'exécution de leurs grands desseins,il commençait sa journée de bonne heurepar des flots d'eau froide déversés sur sa poitrine et son dos,puis, à la lueur d'une paire de hautes bougies de ciredans leurs chandeliers d'argent dominant son manuscrit,il offrait en sacrifice à l'art,au cours de deux ou trois heures matinales, ferventes et consciencieuses,les forces qu'il avait recueillies durant son sommeil.Il était pardonnable, et cela constituait mêmela victoire de sa moralité, que les non-initiés prissent le monde de « Maïa »ou les fresques épiques où se déployait la vie héroïque de Frédéricpour le fruit d'une vigueur ramasséeet d'un long souffle,tandis qu'en réalité, ces œuvres avaient été échafaudées vers la grandeur par petites journées,à partir de cent inspirations singulières,et n'étaient si absolument et en tout point parfaitesque parce que leur créateur, avec une persévérance et une ténacitésemblables à celles qui conquirent sa province natale,avait enduré des années durant la tension d'un seul et même ouvrage,et n'avait consacré à sa réalisation effectiveque ses heures les plus fortes et les plus dignes.
Pour qu'une œuvre de l'esprit d'importance puisse exercer sur-le-champun effet large et profond,il faut qu'existe une profonde affinité, voire une concordance,entre le destin personnel de son auteuret le destin général de la génération qui lui est contemporaine.Les hommes ne savent pas pourquoi ils couvrent de gloire une œuvre d'art.Bien loin de toute expertise,ils croient y déceler cent méritespour justifier un tel engouement ;mais le véritable motif de leur approbation est un impondérable,c'est la sympathie.Aschenbach avait un jour déclaré sans détour, dans un passage peu visible,que presque tout ce qui existe de grandexiste comme un « malgré tout »,est advenu malgré le chagrin et le tourment, la pauvreté, l'abandon, la faiblesse physique,le vice, la passion et mille autres entraves.Mais c'était plus qu'une remarque,c'était une expérience,c'était bel et bien la formule de sa vie et de sa gloire,la clé de son œuvre ;et quoi d'étonnant, dès lors, si c'était aussi le caractère moral,l'attitude extérieure de ses personnages les plus singuliers ?
Sur ce nouveau type de héros, récurrent sous diverses apparences individuelles,que cet écrivain privilégiait,un analyste sagace avait écrit de bonne heure :qu'il s'agissait de la conception « d'une virilité intellectuelle et juvénile » qui,« dans une fière pudeur, serre les dents et se tient immobiletandis que les épées et les lances lui transpercent le corps ».C'était beau, spirituel et exact,malgré l'empreinte en apparence par trop passive de la formule.Car la contenance face au destin, la grâce dans le tourmentne sont pas seulement une endurance ;c'est un accomplissement actif, un triomphe positif,et la figure de Sébastien est le plus beau symbole,sinon de l'art en général,du moins assurément de l'art dont il est question ici.Si l'on plongeait le regard dans cet univers narratif,si l'on voyait l'élégante maîtrise de soiqui dissimule aux yeux du monde, jusqu'au dernier instant, une ruine intérieure,le déclin biologique ;la laideur blafarde et sensuellement défavorisée,qui parvient à attiser son ardente convoitise jusqu'à la flamme pure,et même à s'élever jusqu'au règne de la beauté ;la pâle impuissance qui puise dans les profondeurs incandescentes de l'espritla force de jeter tout un peuple arrogant aux pieds de la croix,à ses pieds ;la grâce de l'attitude dans le service vide et rigoureux de la forme ;la vie fausse et périlleuse,la nostalgie et l'art vite énervants de l'imposteur-né :si l'on considérait tous ces destins et tant d'autres semblables,on pouvait douter qu'il existât un autre héroïsmeque celui de la faiblesse.Mais quel héroïsme, en tout état de cause, serait plus en accord avec son temps que celui-ci ?Gustav Aschenbach était le poète de tous ceuxqui travaillent au bord de l'épuisement,des surmenés, des déjà usés qui se tiennent encore debout,de tous ces moralistes de l'accomplissementqui, d'une constitution chétive et dotés de moyens précaires,s'arrachent, par l'extase de la volonté et une gestion avisée,les effets de la grandeur, pour un temps du moins.Ils sont légion, ils sont les héros de l'époque.Et tous se reconnaissaient dans son œuvre,s'y trouvaient confirmés, élevés, célébrés ;ils lui en savaient gré, ils proclamaient son nom.
Il avait été jeune et brutal avec son tempset, mal conseillé par lui, il avait publiquement trébuché,commis des impairs, s'était exposé,avait manqué de tact et de mesure en paroles et en actes.Mais il avait acquis cette dignité vers laquelle, affirmait-il,tout grand talent est poussé par une pulsion et un aiguillon naturels ;oui, l'on peut dire que toute son évolutionavait été une ascension consciente et opiniâtre vers la dignité,laissant derrière elle toutes les inhibitions du doute et de l'ironie.
La saisissante et spirituellement non contraignante matérialité de la formefait les délices des masses bourgeoises,mais la jeunesse passionnée et absoluen'est captivée que par le problématique :et Aschenbach avait été problématique,avait été absolu comme seul un jeune homme peut l'être.Il avait rendu un culte à l'esprit, surexploité la connaissance,moulu le grain des semailles, livré des secrets,suspecté le talent, trahi l'art,— oui, tandis que ses œuvres figuraient un divertissement,une élévation, une inspiration pour les amateurs crédules, lui, l'artiste adolescent,avait tenu en haleine les jeunes gens de vingt ans par ses cynismessur la nature douteuse de l'artet de la condition d'artiste.
Mais il semble que rien n'émousse plus vite et plus radicalement un esprit noble et valeureuxque l'attrait âpreet amer de la connaissance ;et il est certain que la probité la plus mélancoliquement scrupuleusede l'adolescent n'est que superficialitécomparée à la profonde résolution de l'homme devenu maîtrede nier le savoir, de le rejeter,de le toiser la tête haute,pour peu que celui-ci soit propre à paralyser,à décourager, à avilir si peu que ce soitla volonté, l'action, le sentiment et même la passion.Comment interpréter autrement le célèbre récit de « L'Homme misérable »,sinon comme l'explosion d'un dégoûtpour le psychologisme indécent de l'époque,incarné dans la figure de ce demi-scélérat veule et niaisqui s'esquive devant son destin en poussant sa femme,par impuissance, par vice, par velléité éthique,dans les bras d'un imberbe,et croit que sa profondeur l'autorise à commettre des infamies ?La puissance du verbe avec laquelle l'abject était ici rejetéproclamait le renoncement à toute ambiguïté morale,à toute sympathie pour l'abîme,le désaveu de la maxime laxiste de la pitiéselon laquelle « tout comprendre, c'est tout pardonner » ;et ce qui se préparait là, ce qui s'accomplissait déjà,c'était ce « miracle de l'ingénuité retrouvée »,dont il fut question un peu plus tard, explicitement et non sans une mystérieuse insistance,dans l'un des dialogues de l'auteur.Étranges corrélations !Était-ce une conséquence spirituelle de cette « renaissance »,de cette nouvelle dignité et rigueur,que l'on observât vers la même époque un renforcement presque démesuréde son sens de la beauté,cette pureté noble, cette simplicité et cette harmonie de la formequi conférèrent dès lors à ses productions un cachet si manifeste,voire délibéré, de maîtrise et de classicisme ?Mais la résolution morale par-delà le savoir,par-delà la connaissance dissolvante et inhibitrice— ne signifie-t-elle pas à son tour une simplification,une ingénuité morale du monde et de l'âme,et donc aussi un renforcement face au mal, à l'interdit,à l'éthiquement impossible ?Et la forme n'a-t-elle pas un double visage ?N'est-elle pas morale et immorale à la fois— morale en tant que résultat et expression de la discipline,mais immorale et même contre-moraledans la mesure où elle recèle par nature une indifférence morale,et même s'efforce essentiellement de courber le moralsous son sceptre fier et absolu ?
Quoi qu'il en soit ! Une évolution est un destin ;et comment celle qui s'accompagne de l'adhésion,de la confiance massive d'un vaste public, pourrait-elle se dérouler autrementque celle qui s'accomplit sans l'éclat et les obligationsde la gloire ?Seuls les éternels bohémiens trouvent cela ennuyeuxet sont enclins à se moquer lorsqu'un grand talentdépasse le stade de la dissipation libertine,s'habitue à incarner avec éloquence la dignité de l'espritet adopte les manières d'une cour pour une solitudequi fut pleine de souffrances et de luttes menées sans conseil, en âpre indépendance,et qui le porta au pouvoir et aux honneurs parmi les hommes.Combien de jeu, de défi, de jouissance y a-t-il d'ailleurs dans cette édification de soi par le talent !Un caractère officiel et éducatif s'insinua avec le tempsdans les démonstrations de Gustav Aschenbach ;son style, dans ses dernières années, se défit des audaces immédiates,des nuances subtiles et nouvelles,il évolua vers le modèle consacré,le conventionnel poli, le conservateur, le formel, voire le formulaire,et comme la tradition le rapporte de Louis XIV,l'homme vieillissant bannit de sa langue tout mot commun.C'est à cette époque qu'il advint que l'Instruction publique intégra des pages choisies de son œuvredans les manuels scolaires officiels.Cela lui convenait intérieurement, et il ne refusa paslorsqu'un prince allemand, fraîchement monté sur le trône,conféra à l'auteur de « Frédéric », pour son cinquantième anniversaire,la noblesse personnelle.
Après quelques années d'instabilité,quelques séjours d'essai ici et là,il choisit de bonne heure Munich pour résidence permanenteet y vécut dans cette honorabilité bourgeoisequi, dans des cas particuliers, échoit à l'esprit.Le mariage qu'il avait contracté dans sa jeunesseavec une jeune fille de famille éruditefut rompu par la mort après un bref bonheur.Il lui restait une fille, déjà mariée.Il n'avait jamais eu de fils.
Gustav von Aschenbach était d'une taille un peu inférieure à la moyenne, brun, et rasé de près.Sa tête paraissait un peu trop grandepar rapport à sa silhouette presque gracile.Ses cheveux, brossés en arrière, clairsemés au sommet du crâne,très fournis et fortement grisonnants sur les tempes,encadraient un front haut, tourmenté et comme balafré.La monture d'un lorgnon d'or à verres non cercléslui pinçait la racine du nez busqué et noblement aquilin.Sa bouche était grande, souvent molle, parfois soudainement mince et tendue ;ses joues étaient maigres et sillonnées,son menton bien dessiné, délicatement fendu.D'importants destins semblaient avoir pesé sur cette têtele plus souvent inclinée de côté dans une expression de souffrance,et pourtant, c'était l'art qui avait opéréici ce façonnage physionomiquequi est d'ordinaire l'œuvre d'une vie rude et mouvementée.Derrière ce front étaient nées les répliques fulgurantesdu dialogue entre Voltaire et le roi sur la guerre ;ces yeux, qui regardaient fatigués et profonds à travers les verres,avaient vu l'inferno sanglant des hôpitaux de campagne de la guerre de Sept Ans.Prise même sur un plan personnel, l'art est bien une vie intensifiée.Elle rend plus profondément heureux, elle consume plus vite.Elle creuse sur le visage de son serviteurles traces d'aventures imaginaires et spirituelles,et elle engendre, même dans la quiétude monacale de l'existence extérieure,un raffinement excessif, une hypersensibilité,une lassitude et une curiosité des nerfs,telles qu'une vie des plus dissolues en passionset en plaisirs parviendrait à peine à en produire de semblables.