â Und wieder liefen Monde und JahreĂŒber Zarathustraâs Seele,und er achtete dessen nicht;sein Haar aber wurde weiss.Eines Tages, als er auf einem Steinevor seiner Höhle sass und still hinausschaute,â man schaut aber dort auf das Meer hinaus,und hinweg ĂŒber gewundene AbgrĂŒnde âda giengen seine Thiere nachdenklich um ihn herumund stellten sich endlich vor ihn hin.
âOh Zarathustra, sagten sie,schaust du wohl aus nach deinem GlĂŒcke?ââ âWas liegt am GlĂŒcke! antwortete er,ich trachte lange nicht mehr nach GlĂŒcke,ich trachte nach meinem Werke.ââ âOh Zarathustra, redeten die Thiere abermals,Das sagst du als Einer,der des Guten ĂŒbergenug hat.Liegst du nicht in einem himmelblauen See von GlĂŒck?ââ âIhr Schalks-Narren, antwortete Zarathustra und lĂ€chelte,wie gut wĂ€hltet ihr das Gleichniss!Aber ihr wisst auch, dass mein GlĂŒck schwer istund nicht wie eine flĂŒssige Wasserwelle:es drĂ€ngt mich und will nicht von mirund thut gleich geschmolzenem Peche.â â
Da giengen die Thiere wieder nachdenklich um ihn herumund stellten sich dann abermals vor ihn hin.âOh Zarathustra, sagten sie, daher also kommt es,dass du selber immer gelber und dunkler wirst,obschon dein Haar weiss und flĂ€chsern aussehen will?Siehe doch, du sitzest in deinem Peche!ââ âWas sagt ihr da, meine Thiere,sagte Zarathustra und lachte dazu,wahrlich, ich lĂ€sterte als ich von Peche sprach.Wie mir geschieht, so geht es allen FrĂŒchten,die reif werden.Es ist der Honig in meinen Adern,der mein Blut dickerund auch meine Seele stiller macht.ââ âSo wird es sein, oh Zarathustra,antworteten die Thiere und drĂ€ngten sich an ihn;willst du aber nicht heute auf einen hohen Berg steigen?Die Luft ist rein,und man sieht heute mehr von der Welt als jemals.ââ âJa, meine Thiere, antwortete er,ihr rathet trefflich und mir nach dem Herzen:ich will heute auf einen hohen Berg steigen!Aber sorgt, dass dort Honig mir zur Hand sei,gelber, weisser, guter, eisfrischer Waben-Goldhonig.Denn wisset, ich will droben das Honig-Opfer bringen.â â
Als Zarathustra aber oben auf der Höhe war,sandte er die Thiere heim, die ihn geleitet hatten,und fand, dass er nunmehr allein sei:â da lachte er aus ganzem Herzen,sah sich um und sprach also:
Dass ich von Opfern sprach und Honig-Opfern,eine List warâs nur meiner Redeund, wahrlich, eine nĂŒtzliche Thorheit!Hier oben darf ich schon freier reden,als vor Einsiedler-Höhlen und Einsiedler-Hausthieren.
Was opfern! Ich verschwende, was mir geschenkt wird,ich Verschwender mit tausend HĂ€nden:wie dĂŒrfte ich Das noch â Opfern heissen!
Und als ich nach Honig begehrte,begehrte ich nur nach Köderund sĂŒssem Seime und Schleime,nach dem auch BrummbĂ€renund wunderliche mĂŒrrische böse Vögel die Zunge lecken:
â nach dem besten Köder,wie er JĂ€gern und FischfĂ€ngern noththut.Denn wenn die Welt wie ein dunkler Thierwald istund aller wilden JĂ€ger Lustgarten,so dĂŒnkt sie mich noch mehrund lieber ein abgrĂŒndliches reiches Meer,
â ein Meer voll bunter Fische und Krebse,nach dem es auch Götter gelĂŒsten möchte,dass sie an ihm zu Fischern wĂŒrden und zu Netz-Auswerfern:so reich ist die Welt an Wunderlichem,grossem und kleinem!
Sonderlich die Menschen-Welt, das Menschen-Meer:â nach dem werfe ich nun meine goldene Angelruthe ausund spreche: thue dich auf, du Menschen-Abgrund!
Thue dich auf und wirf mir deine Fischeund Glitzer-Krebse zu!Mit meinem besten Köder ködere ich mir heutedie wunderlichsten Menschen-Fische!
â mein GlĂŒck selber werfe ich hinausin alle Weiten und Fernen,zwischen Aufgang, Mittag und Niedergang,ob nicht an meinem GlĂŒcke viele Menschen-Fischezerrn und zappeln lernen.
Bis sie, anbeissend an meine spitzen verborgenen Haken,hinauf mĂŒssen in meine Höhe,die buntesten Abgrund-GrĂŒndlingezu dem boshaftigsten aller Menschen-FischfĂ€nger.
Der nĂ€mlich bin ich von Grund und Anbeginn,ziehend, heranziehend, hinaufziehend, aufziehend,ein Zieher, ZĂŒchter und Zuchtmeister,der sich nicht umsonst einstmals zusprach:âWerde, der du bist!â
Also mögen nunmehr die Menschen zu mir hinauf kommen:denn noch warte ich der Zeichen,dass es Zeit sei zu meinem Niedergange,noch gehe ich selber nicht unter,wie ich muss, unter Menschen.
Dazu warte ich hier, listig und spöttisch auf hohen Bergen,kein Ungeduldiger, kein Geduldiger, vielmehr Einer,der auch die Geduld verlernt hat,â weil er nicht mehr âduldet.â
Mein Schicksal nÀmlich lÀsst mir Zeit:es vergass mich wohl?Oder sitzt es hinter einem grossen Steine im Schattenund fÀngt Fliegen?
Und wahrlich, ich bin ihm gut darob,meinem ewigen Schicksale,dass es mich nicht hetzt und drÀngtund mir Zeit zu Possen lÀsst und Bosheiten:also dass ich heute zu einem Fischfangeauf diesen hohen Berg stieg.
Fieng wohl je ein Mensch auf hohen Bergen Fische?Und wenn es auch eine Thorheit ist,was ich hier oben will und treibe:besser noch Diess, als dass ich da unten feierlich wĂŒrdevor Warten und grĂŒn und gelb â
â ein gespreitzter Zornschnauber vor Warten,ein heiliger Heule-Sturm aus Bergen, ein Ungeduldiger,der in die ThĂ€ler hinabruft:âHört, oder ich peitsche euch mit der Geissel Gottes!â
Nicht dass ich solchen ZĂŒrnern darob gram wĂŒrde:zum Lachen sind sie mir gut genung!Ungeduldig mĂŒssen sie schon sein, diese grossen LĂ€rmtrommeln,welche heute oder niemals zu Worte kommen!
Ich aber und mein Schicksal â wir reden nicht zum Heute,wir reden auch nicht zum Niemals:wir haben zum Reden schon Geduld und Zeit und Ăberzeit.Denn einst muss er doch kommenund darf nicht vorĂŒbergehn.
Wer muss einst kommen und darf nicht vorĂŒbergehn?Unser grosser Hazar, das ist unser grosses fernes Menschen-Reich,das Zarathustra-Reich von tausend Jahren â â
Wie ferne mag solches âFerneâ sein?was gehtâs mich an!Aber darum steht es mir doch nicht minder fest â,mit beiden FĂŒssen stehe ich sicher auf diesem Grunde,
â auf einem ewigen Grunde, auf hartem Urgesteine,auf diesem höchsten hĂ€rtesten Urgebirge,zu dem alle Winde kommen als zur Wetterscheide,fragend nach Wo? und Woher? und Wohinaus?
Hier lache, lache, meine helle heile Bosheit!Von hohen Bergen wirf hinab dein glitzerndes Spott-GelÀchter!Ködere mit deinem Glitzern mir die schönsten Menschen-Fische!
Und was in allen Meeren mir zugehört,mein An-und-fĂŒr-mich in allen Dingen âDas fische mir heraus, Das fĂŒhre zu mir herauf:dess warte ich, der boshaftigste aller FischfĂ€nger.
Hinaus, hinaus, meine Angel!Hinein, hinab, Köder meines GlĂŒcks!TrĂ€ufle deinen sĂŒssesten Thau, mein Herzens-Honig!Beisse, meine Angel, in den Bauch aller schwarzen TrĂŒbsal!
Hinaus, hinaus, mein Auge!Oh welche vielen Meere rings um mich,welch dĂ€mmernde Menschen-ZukĂŒnfte!Und ĂŒber mir â welch rosenrothe Stille!Welch entwölktes Schweigen!
Der Nothschrei.
Des nĂ€chsten Tages sass Zarathustrawieder auf seinem Steine vor der Höhle,wĂ€hrend die Thiere draussen in der Welt herumschweiften,dass sie neue Nahrung heimbrĂ€chten, â auch neuen Honig:denn Zarathustra hatte den alten Honigbis auf das letzte Korn verthan und verschwendet.Als er aber dermaassen dasass,mit einem Stecken in der Hand,und den Schatten seiner Gestalt auf der Erde abzeichnete,nachdenkend und, wahrlich! nicht ĂŒber sich und seinen Schattenâ da erschrak er mit Einem Male und fuhr zusammen:denn er sahe neben seinem Schatten noch einen andern Schatten.Und wie er schnell um sich blickte und aufstand,siehe, da stand der Wahrsager neben ihm,der selbe, den er einstmals an seinem Tische gespeistund getrĂ€nkt hatte, der VerkĂŒndiger der grossen MĂŒdigkeit,welcher lehrte: âAlles ist gleich, es lohnt sich Nichts,Welt ist ohne Sinn, Wissen wĂŒrgt.âAber sein Antlitz hatte sich inzwischen verwandelt;und als ihm Zarathustra in die Augen blickte,wurde sein Herz abermals erschreckt:so viel schlimme VerkĂŒndigungen und aschgraue Blitzeliefen ĂŒber diess Gesicht.
Der Wahrsager, der es wahrgenommen,was sich in Zarathustraâs Seele zutrug,wischte mit der Hand ĂŒber sein Antlitz hin,wie als ob er dasselbe wegwischen wollte;desgleichen that auch Zarathustra.Und als Beide dergestalt sich schweigend gefasstund gekrĂ€ftigt hatten, gaben sie sich die HĂ€nde,zum Zeichen, dass sie sich wiedererkennen wollten.
âSei mir willkommen, sagte Zarathustra,du Wahrsager der grossen MĂŒdigkeit,du sollst nicht umsonst einstmalsmein Tisch- und Gastfreund gewesen sein.Iss und trink auch heute bei mir und vergieb es,dass ein vergnĂŒgter alter Mann mit dir zu Tische sitzt!ââ âEin vergnĂŒgter alter Mann? antwortete der Wahrsager,den Kopf schĂŒttelnd: wer du aber auch bist oder sein willst,oh Zarathustra, du bist es zum LĂ€ngsten hier Oben gewesen,â dein Nachen soll ĂŒber Kurzem nicht mehr im Trocknen sitzen!ââ âSitze ich denn im Trocknen?â fragte Zarathustra lachend.âDie Wellen um deinen Berg, antwortete der Wahrsager,steigen und steigen, die Wellen grosser Noth und TrĂŒbsal:die werden bald auch deinen Nachen heben und dich davontragen.ââ Zarathustra schwieg hierauf und wunderte sich.â âHörst du noch Nichts? fuhr der Wahrsager fort:rauscht und braust es nicht herauf aus der Tiefe?ââ Zarathustra schwieg abermals und horchte:da hörte er einen langen, langen Schrei,welchen die AbgrĂŒnde sich zuwarfen und weitergaben,denn keiner wollte ihn behalten: so böse klang er.
âDu schlimmer VerkĂŒndiger, sprach endlich Zarathustra,das ist ein Nothschrei und der Schrei eines Menschen,der mag wohl aus einem schwarzen Meere kommen.Aber was geht mich Menschen-Noth an!Meine letzte SĂŒnde, die mir aufgespart blieb,â weisst du wohl, wie sie heisst?â
â âMitleiden! antwortete der Wahrsageraus einem ĂŒberströmenden Herzen und hob beide HĂ€nde emporâ oh Zarathustra, ich komme,dass ich dich zu deiner letzten SĂŒnde verfĂŒhre!â â
Und kaum waren diese Worte gesprochen,da erscholl der Schrei abermals,und lĂ€nger und Ă€ngstlicher als vorher, auch schon viel nĂ€her.âHörst du? Hörst du, oh Zarathustra? rief der Wahrsager,dir gilt der Schrei, dich ruft er: komm, komm, komm,es ist Zeit, es ist höchste Zeit!â â
Zarathustra schwieg hierauf, verwirrt und erschĂŒttert;endlich fragte er, wie Einer, der bei sich selber zögert:âUnd wer ist das, der dort mich ruft?â
âAber du weisst es ja, antwortete der Wahrsager heftig,was verbirgst du dich?Der höhere Mensch ist es, der nach dir schreit!â
âDer höhere Mensch? schrie Zarathustra von Grausen erfasst:was will der? Was will der? Der höhere Mensch!Was will der hier?ââ und seine Haut bedeckte sich mit Schweiss.
Der Wahrsager aber antwortete nicht auf die Angst Zarathustraâs,sondern horchte und horchte nach der Tiefe zu.Als es jedoch lange Zeit dort stille blieb,wandte er seinen Blick zurĂŒckund sahe Zarathustra stehn und zittern.
âOh Zarathustra, hob er mit trauriger Stimme an,du stehst nicht da wie Einer, den sein GlĂŒck drehend macht:du wirst tanzen mĂŒssen, dass du mir nicht umfĂ€llst!
Aber wenn du auch vor mir tanzen wolltestund alle deine SeitensprĂŒnge springen:Niemand soll mir doch sagen dĂŒrfen:âSiehe, hier tanzt der letzte frohe Mensch!â
Umsonst kĂ€me Einer auf diese Höhe, der den hier suchte:Höhlen fĂ€nde er wohl und Hinter-Höhlen,Verstecke fĂŒr Versteckte,aber nicht GlĂŒcks-Schachte und Schatzkammernund neue GlĂŒcks-Goldadern.
GlĂŒck â wie fĂ€nde man wohl das GlĂŒckbei solchen Vergrabenen und Einsiedlern!Muss ich das letzte GlĂŒck noch auf glĂŒckseligen Inseln suchenund ferne zwischen vergessenen Meeren?
Aber Alles ist gleich, es lohnt sich Nichts,es hilft kein Suchen,es giebt auch keine glĂŒckseligen Inseln mehr!â â â
Also seufzte der Wahrsager;bei seinem letzten Seufzer aber wurde Zarathustrawieder hell und sicher, gleich Einem,der aus einem tiefen Schlunde anâs Licht kommt.âNein! Nein! Drei Mal Nein! rief er mit starker Stimmeund strich sich den Bart â Das weiss ich besser!Es giebt noch glĂŒckselige Inseln!Stille davon, du seufzender Trauersack!
Höre davon auf zu plĂ€tschern, du Regenwolke am Vormittag!Stehe ich denn nicht schon da,nass von deiner TrĂŒbsal und begossen wie ein Hund?
Nun schĂŒttle ich mich und laufe dir davon,dass ich wieder trocken werde:dess darfst du nicht Wunder haben!DĂŒnke ich dir unhöflich? Aber hier ist mein Hof.
Was aber deinen höheren Menschen angeht: wohlan!ich suche ihn flugs in jenen WÀldern:daher kam sein Schrei.Vielleicht bedrÀngt ihn da ein böses Thier.
Er ist in meinem Bereiche:darin soll er mir nicht zu Schaden kommen!Und wahrlich, es giebt viele böse Thiere bei mir.â â
Mit diesen Worten wandte sich Zarathustra zum Gehen.Da sprach der Wahrsager: âOh Zarathustra, du bist ein Schelm!
Ich weiss es schon: du willst mich los sein!Lieber noch lÀufst du in die WÀlderund stellst bösen Thieren nach!
Aber was hilft es dir?Des Abends wirst du doch mich wiederhaben,in deiner eignen Höhle werde ich dasitzen,geduldig und schwer wie ein Klotz â und auf dich warten!â
âSo seiâs! rief Zarathustra zurĂŒck im Fortgehn:und was mein ist in meiner Höhle,gehört auch dir, meinem Gastfreunde!
Solltest du aber drin noch Honig finden, wohlan!so lecke ihn nur auf, du BrummbĂ€r, und versĂŒsse deine Seele!Am Abende nĂ€mlich wollen wir Beide guter Dinge sein,
â guter Dinge und froh darob,dass dieser Tag zu Ende gieng!Und du selber sollst zu meinen Liedernals mein TanzbĂ€r tanzen.
Du glaubst nicht daran? Du schĂŒttelst den Kopf?Wohlan! Wohlauf! Alter BĂ€r!Aber auch ich â bin ein Wahrsager.â
Also sprach Zarathustra.
*
GesprÀch mit den Königen. 1.
Zarathustra war noch keine Stundein seinen Bergen und WĂ€ldern unterwegs,da sahe er mit Einem Male einen seltsamen Aufzug.Gerade auf dem Wege, den er hinabwollte,kamen zwei Könige gegangen,mit Kronen und PurpurgĂŒrteln geschmĂŒcktund bunt wie Flamingo-Vögel:die trieben einen beladenen Esel vor sich her.âWas wollen diese Könige in meinem Reiche?âsprach Zarathustra erstaunt zu seinem Herzenund versteckte sich geschwind hinter einem Busche.Als aber die Könige bis zu ihm herankamen,sagte er, halblaut, wie Einer, der zu sich allein redet:âSeltsam! Seltsam! Wie reimt sich Das zusammen?Zwei Könige sehe ich â und nur Einen Esel!â
Da machten die beiden Könige Halt, lĂ€chelten,sahen nach der Stelle hin, woher die Stimme kam,und sahen sich nachher selber inâs Gesicht:âSolcherlei denkt man wohl auch unter uns,sagte der König zur Rechten,aber man spricht es nicht aus.â
Der König zur Linken aber zuckte mit den Achselnund antwortete: âDas mag wohl ein Ziegenhirt sein.Oder ein Einsiedler, der zu lange unter Felsen und BĂ€umen lebte.Gar keine Gesellschaft nĂ€mlich verdirbt auch die guten Sitten.â
âDie guten Sitten? entgegnete unwillig und bitter der andre König:wem laufen wir denn aus dem Wege?Ist es nicht den âguten Sittenâ?Unsrer âguten Gesellschaftâ?
Lieber, wahrlich, unter Einsiedlern und Ziegenhirtenals mit unserm vergoldeten falschen ĂŒberschminkten Pöbel leben,â ob er sich schon âgute Gesellschaftâ heisst,
â ob er sich schon âAdelâ heisst.Aber da ist Alles falsch und faul, voran das Blut,Dank alten schlechten Krankheitenund schlechteren Heil-KĂŒnstlern.
Der Beste und Liebste ist mir heute noch ein gesunder Bauer,grob, listig, hartnÀckig, langhaltig:das ist heute die vornehmste Art.
Der Bauer ist heute der Beste;und Bauern-Art sollte Herr sein!Aber es ist das Reich des Pöbels,â ich lasse mir Nichts mehr vormachen.Pöbel aber, das heisst: Mischmasch.
Pöbel-Mischmasch: darin ist Alles in Allem durcheinander,Heiliger und Hallunke und Junker und Judeund jeglich Vieh aus der Arche NoÀh.
Gute Sitten! Alles ist bei uns falsch und faul.Niemand weiss mehr zu verehren:dem gerade laufen wir davon.Es sind sĂŒssliche zudringliche Hunde,sie vergolden PalmenblĂ€tter.
Dieser Ekel wĂŒrgt mich, dass wir Könige selber falsch wurden,ĂŒberhĂ€ngt und verkleidet durch alten vergilbten GrossvĂ€ter-Prunk,SchaumĂŒnzen fĂŒr die DĂŒmmsten und die Schlauesten,und wer heute Alles mit der Macht Schacher treibt!
Wir sind nicht die Ersten â und mĂŒssen es doch bedeuten:dieser BetrĂŒgerei sind wir endlich satt und ekel geworden.
Dem Gesindel giengen wir aus dem Wege,allen diesen SchreihĂ€lsen und Schreib-Schmeissfliegen,dem KrĂ€mer-Gestank, dem Ehrgeiz-Gezappel, dem ĂŒblen Athem â:pfui, unter dem Gesindel leben,
â pfui, unter dem Gesindel die Ersten zu bedeuten!Ach, Ekel! Ekel! Ekel! Was liegt noch an uns Königen!â â
âDeine alte Krankheit fĂ€llt dich an,sagte hier der König zur Linken,der Ekel fĂ€llt dich an, mein armer Bruder.Aber du weisst es doch, es hört uns Einer zu.â
Sofort erhob sich Zarathustra,der zu diesen Reden Ohren und Augen aufgesperrt hatte,aus seinem Schlupfwinkel, trat auf die Könige zu und begann:
âDer Euch zuhört, der Euch gerne zuhört, ihr Könige,der heisst Zarathustra.
Ich bin Zarathustra, der einst sprach:âWas liegt noch an Königen!â Vergebt mir, ich freute mich,als Ihr zu einander sagtet: âWas liegt an uns Königen!â
Hier aber ist mein Reich und meine Herrschaft:was mögt Ihr wohl in meinem Reiche suchen?Vielleicht aber fandet Ihr unterwegs, was ich suche:nĂ€mlich den höheren Menschen.â
Als Diess die Könige hörten,schlugen sie sich an die Brust und sprachen mit Einem Munde:âWir sind erkannt!
Mit dem Schwerte dieses Worteszerhaust du unsres Herzens dickste Finsterniss.Du entdecktest unsre Noth, denn siehe!Wir sind unterwegs, dass wir den höheren Menschen fĂ€nden â
â den Menschen, der höher ist als wir:ob wir gleich Könige sind.Ihm fĂŒhren wir diesen Esel zu.Der höchste Mensch nĂ€mlich soll auf Erdenauch der höchste Herr sein.
Es giebt kein hĂ€rteres UnglĂŒck in allem Menschen-Schicksale,als wenn die MĂ€chtigen der Erde nicht auch die ersten Menschen sind.Da wird Alles falsch und schief und ungeheuer.
Und wenn sie gar die letzten sind und mehr Vieh als Mensch:da steigt und steigt der Pöbel im Preise,und endlich spricht gar die Pöbel-Tugendâsiehe, ich allein bin Tugend!â â
Was hörte ich eben? antwortete Zarathustra;welche Weisheit bei Königen! Ich bin entzĂŒckt,und, wahrlich, schon gelĂŒstetâs mich,einen Reim darauf zu machen: â
â mag es auch ein Reim werden,der nicht fĂŒr Jedermanns Ohren taugt.Ich verlernte seit langem schon die RĂŒcksicht auf lange Ohren.Wohlan! Wohlauf!
(Hier aber geschah es, dass auch der Esel zu Worte kam:er sagte aber deutlich und mit bösem Willen I-A.) Einstmals â ich glaubâ, im Jahr des Heiles Eins â Sprach die Sibylle, trunken sonder Weins: âWeh, nun gehtâs schief! âVerfall! Verfall! Nie sank die Welt so tief! âRom sank zur Hure und zur Huren-Bude, âRomâs Caesar sank zum Vieh, Gott selbst â ward Jude!â
*
2.
An diesen Reimen Zarathustraâs weideten sich die Könige;der König zur Rechten aber sprach:âoh Zarathustra, wie gut thaten wir,dass wir auszogen, dich zu sehn!
Deine Feinde nĂ€mlich zeigten uns dein Bild in ihrem Spiegel:da blicktest du mit der Fratze eines Teufels und hohnlachend:also dass wir uns vor dir fĂŒrchteten.
Aber was halfâs! Immer wieder stachst du uns in Ohr und Herzmit deinen SprĂŒchen. Da sprachen wir endlich:was liegt daran, wie er aussieht!
Wir mĂŒssen ihn hören, ihn, der lehrtâihr sollt den Frieden lieben als Mittel zu neuen Kriegen,und den kurzen Frieden mehr als den langen!â
Niemand sprach je so kriegerische Worte:âWas ist gut? Tapfer sein ist gut.Der gute Krieg istâs, der jede Sache heiligt.â
Oh Zarathustra, unsrer VĂ€ter Blut rĂŒhrte sichbei solchen Worten in unserm Leibe:das war wie die Rede des FrĂŒhlings zu alten WeinfĂ€ssern.
Wenn die Schwerter durcheinander liefengleich rothgefleckten Schlangen,da wurden unsre VĂ€ter dem Leben gut;alles Friedens Sonne dĂŒnkte sie flau und lau,der lange Frieden aber machte Scham.
Wie sie seufzten, unsre VĂ€ter,wenn sie an der Wand blitzblanke ausgedorrte Schwerter sahen!Denen gleich dĂŒrsteten sie nach Krieg.Ein Schwert nĂ€mlich will Blut trinken und funkelt vor Begierde.â â â
â Als die Könige dergestalt mit Eifervon dem GlĂŒck ihrer VĂ€ter redeten und schwĂ€tzten,ĂŒberkam Zarathustra keine kleine Lust, ihres Eifers zu spotten:denn ersichtlich waren es sehr friedfertige Könige,welche er vor sich sah, solche mit alten und feinen Gesichtern.Aber er bezwang sich. âWohlan! sprach er,dorthin fĂŒhrt der Weg, da liegt die Höhle Zarathustraâs;und dieser Tag soll einen langen Abend haben!Jetzt aber ruft mich eilig ein Nothschrei fort von Euch.
Es ehrt meine Höhle, wenn Könige in ihr sitzen und warten wollen:aber, freilich, Ihr werdet lange warten mĂŒssen!
Je nun! Was thutâs!Wo lernt man heute besser warten als an Höfen?Und der Könige ganze Tugend, die ihnen ĂŒbrig blieb,â heisst sie heute nicht: Warten-können?â
Also sprach Zarathustra.
*
Der Blutegel.
Und Zarathustra gieng nachdenklich weiter und tiefer,durch WĂ€lder und vorbei an moorigen GrĂŒnden;wie es aber Jedem ergeht, der ĂŒber schwere Dinge nachdenkt,so trat er unversehens dabei auf einen Menschen.Und siehe, da sprĂŒtzten ihm mit Einem Male ein Weheschreiund zwei FlĂŒche und zwanzig schlimme Schimpfworte inâs Gesicht:also dass er in seinem Schrecken den Stock erhobund auch auf den Getretenen noch zuschlug.Gleich darauf aber kam ihm die Besinnung;und sein Herz lachte ĂŒber die Thorheit, die er eben gethan hatte.
âVergieb, sagte er zu dem Getretenen,der sich grimmig erhoben und gesetzt hatte,vergieb und vernimm vor Allem erst ein Gleichniss.
Wie ein Wanderer, der von fernen Dingen trÀumt,unversehens auf einsamer Strasse einen schlafenden Hund anstösst,einen Hund, der in der Sonne liegt:
â wie da Beide auffahren, sich anfahren, Todfeinden gleich,diese zwei zu Tod Erschrockenen: also ergieng es uns.
Und doch! Und doch â wie wenig hat gefehlt,dass sie einander liebkosten, dieser Hund und dieser Einsame!Sind sie doch Beide â Einsame!â
â âWer du auch sein magst,sagte immer noch grimmig der Getretene,du trittst mir auch mit deinem Gleichniss zu nahe,und nicht nur mit deinem Fusse!
Siehe doch, bin ich denn ein Hund?ââ und dabei erhob sich der Sitzendeund zog seinen nackten Arm aus dem Sumpfe.Zuerst nĂ€mlich hatte er ausgestreckt am Boden gelegen,verborgen und unkenntlich gleich Solchen,die einem Sumpf-Wilde auflauern.
âAber was treibst du doch!â rief Zarathustra erschreckt,denn er sahe, dass ĂŒber den nackten Arm weg viel Blut floss,â was ist dir zugestossen?Biss dich, du Unseliger, ein schlimmes Thier?
Der Blutende lachte, immer noch erzĂŒrnt.âWas gehtâs dich an! sagte er und wollte weitergehn.Hier bin ich heim und in meinem Bereiche.Mag mich fragen, wer da will:einem Tölpel aber werde ich schwerlich antworten.â
âDu irrst, sagte Zarathustra mitleidig und hielt ihn fest,du irrst: hier bist du nicht bei dir,sondern in meinem Reiche,und darin soll mir Keiner zu Schaden kommen.
Nenne mich aber immerhin, wie du willst,â ich bin, der ich sein muss.Ich selber heisse mich Zarathustra.
Wohlan! Dort hinauf geht der Weg zu Zarathustraâs Höhle:die ist nicht fern,â willst du nicht bei mir deiner Wunden warten?
Es gieng dir schlimm, du Unseliger, in diesem Leben:erst biss dich das Thier,und dann â trat dich der Mensch!â â â
Als aber der Getretene den Namen Zarathustraâs hörte,verwandelte er sich. âWas geschieht mir doch! rief er aus,wer kĂŒmmert mich denn noch in diesem Leben,als dieser Eine Mensch, nĂ€mlich Zarathustra,und jenes Eine Thier, das vom Blute lebt, der Blutegel?
Des Blutegels halber lag ich hier an diesem Sumpfe wie ein Fischer,und schon war mein ausgehÀngter Arm zehn Mal angebissen,da beisst noch ein schönerer Igel nach meinem Blute,Zarathustra selber!
Oh GlĂŒck! Oh Wunder! Gelobt sei dieser Tag,der mich in diesen Sumpf lockte!Gelobt sei der beste lebendigste Schröpfkopf, der heut lebt,gelobt sei der grosse Gewissens-Blutegel Zarathustra!â â
Also sprach der Getretene;und Zarathustra freute sich ĂŒber seine Worteund ihre feine ehrfĂŒrchtige Art.âWer bist du? fragte er und reichte ihm die Hand,zwischen uns bleibt Viel aufzuklĂ€ren und aufzuheitern:aber schon, dĂŒnkt mich, wird es reiner heller Tag.â
âIch bin der Gewissenhafte des Geistes, antwortete der Gefragte,und in Dingen des Geistes nimmt es nicht leicht Einer strenger,enger und hĂ€rter als ich,ausgenommen der, von dem ichâs lernte, Zarathustra selber.
Lieber Nichts wissen, als Vieles halb wissen!Lieber ein Narr sein auf eigne Faust,als ein Weiser nach fremdem GutdĂŒnken!Ich â gehe auf den Grund:
â was liegt daran, ob er gross oder klein ist?Ob er Sumpf oder Himmel heisst?Eine Hand breit Grund ist mir genung:wenn er nur wirklich Grund und Boden ist!
â eine Hand breit Grund: darauf kann man stehn.In der rechten Wissen-Gewissenschaftgiebt es nichts Grosses und nichts Kleines.â
âSo bist du vielleicht der Erkenner des Blutegels?fragte Zarathustra; und du gehst dem Blutegel nachbis auf die letzten GrĂŒnde, du Gewissenhafter?â
âOh Zarathustra, antwortete der Getretene,das wĂ€re ein Ungeheures,wie dĂŒrfte ich mich dessen unterfangen!
Wess ich aber Meister und Kenner bin,das ist des Blutegels Hirn: â das ist meine Welt!
Und es ist auch eine Welt!Vergieb aber, dass hier mein Stolz zu Worte kommt,denn ich habe hier nicht meines Gleichen.Darum sprach ich âhier bin ich heim.â
Wie lange gehe ich schon diesem Einen nach,dem Hirn des Blutegels,dass die schlĂŒpfrige Wahrheit mir hier nicht mehr entschlĂŒpfe!Hier ist mein Reich!
â darob warf ich alles Andere fort,darob wurde mir alles, Andre gleich;und dicht neben meinem Wissen lagert mein schwarzes Unwissen.
Mein Gewissen des Geistes will es so von mir,dass ich Eins weiss und sonst Alles nicht weiss:es ekelt mich aller Halben des Geistes,aller Dunstigen, Schwebenden, SchwÀrmerischen.
Wo meine Redlichkeit aufhört, bin ich blindund will auch blind sein.Wo ich aber wissen will, will ich auch redlich sein,nÀmlich hart, streng, eng, grausam, unerbittlich.
Dass du einst sprachst, oh Zarathustra:âGeist ist das Leben, das selber inâs Leben schneidet,âdas fĂŒhrte und verfĂŒhrte mich zu deiner Lehre.Und, wahrlich, mit eignem Blute mehrte ich mir das eigne Wissen!â
â âWie der Augenschein lehrt,â fiel Zarathustra ein;denn immer noch floss das Blutan dem nackten Arme des Gewissenhaften herab.Es hatten nĂ€mlich zehn Blutegel sich in denselben eingebissen.
âOh du wunderlicher Gesell,wie Viel lehrt mich dieser Augenschein da, nĂ€mlich du selber!Und nicht Alles dĂŒrfte ich vielleichtin deine strengen Ohren giessen!
Wohlan! So scheiden wir hier!Doch möchte ich gerne dich wiederfinden.Dort hinauf fĂŒhrt der Weg zu meiner Höhle:heute Nacht sollst du dort mein lieber Gast sein!
Gerne möchte ichâs auch an deinem Leibe wieder gut machen,dass Zarathustra dich mit FĂŒssen trat:darĂŒber denke ich nach.Jetzt aber ruft mich ein Nothschrei eilig fort von dir.â
Also sprach Zarathustra.
*
Der Zauberer. 1.
Als aber Zarathustra um einen Felsen herumbog,da sahe er, nicht weit unter sich, auf dem gleichen Wege,einen Menschen, der die Glieder warf wie ein TobsĂŒchtigerund endlich bĂ€uchlings zur Erde niederstĂŒrzteâHalt! sprach da Zarathustra zu seinem Herzen,Der dort muss wohl der höhere Mensch sein,von ihm kam jener schlimme Nothschrei,â ich will sehn, ob da zu helfen ist.âAls er aber hinzulief, an die Stelle,wo der Mensch auf dem Boden lag,fand er einen zitternden alten Mann mit stieren Augen;und wie sehr sich Zarathustra mĂŒhte, dass er ihn aufrichteund wieder auf seine Beine stelle, es war umsonst.Auch schien der UnglĂŒckliche nicht zu merken,dass Jemand um ihn sei;vielmehr sah er sich immer mit rĂŒhrenden GebĂ€rden um,wie ein von aller Welt Verlassener und Vereinsamter.Zuletzt aber, nach vielem Zittern, Zuckenund Sich-zusammen-KrĂŒmmen, begann er also zu jammern: Wer wĂ€rmt mich, wer liebt mich noch? Gebt heisse HĂ€nde! Gebt Herzens-Kohlenbecken! Hingestreckt, schaudernd, Halbtodtem gleich, dem man die FĂŒsse wĂ€rmt â GeschĂŒttelt, ach! von unbekannten Fiebern, Zitternd vor spitzen eisigen Frost-Pfeilen, Von dir gejagt, Gedanke! Unnennbarer! VerhĂŒllter! Entsetzlicher! Du JĂ€ger hinter Wolken! Darniedergeblitzt von dir, Du höhnisch Auge, das mich aus Dunklem anblickt: â so liege ich, Biege mich, winde mich, gequĂ€lt Von allen ewigen Martern, Getroffen Von Dir, grausamster JĂ€ger, Du unbekannter â Gott! Triff tiefer, Triff Ein Mal noch! Zerstich, zerbrich diess Herz! Was soll diess Martern Mit zĂ€hnestumpfen Pfeilen? Was blickst du wieder, Der Menschen-Qual nicht mĂŒde, Mit schadenfrohen Götter-Blitz-Augen? Nicht tödten willst du, Nur martern, martern? Wozu â mich martern, Du schadenfroher unbekannter Gott? â Haha! Du schleichst heran? Bei solcher Mitternacht Was willst du? Sprich! Du drĂ€ngst mich, drĂŒckst mich â Ha! schon viel zu nahe! Weg! Weg! Du hörst mich athmen, Du behorchst mein Herz, Du EifersĂŒchtiger â Worauf doch eifersĂŒchtig? Weg! Weg! Wozu die Leiter? Willst du hinein, Inâs Herz, Einsteigen, in meine heimlichsten Gedanken einsteigen? Schamloser! Unbekannter â Dieb! Was willst du dir erstehlen, Was willst du dir erhorchen, Was willst du dir erfoltern, Du Folterer! Du â Henker-Gott! Oder soll ich, dem Hunde gleich, Vor dir mich wĂ€lzen? Hingebend, begeistert-ausser-mir, Dir â Liebe zuwedeln? Umsonst! Stich weiter, Grausamster Stachel! Nein, Kein Hund â dein Wild nur bin ich, Grausamster JĂ€ger! Dein stolzester Gefangner, Du RĂ€uber hinter Wolken! Sprich endlich, Was willst du, Wegelagerer, von mir? Du Blitz-VerhĂŒllter! Unbekannter! Sprich, Was willst du, unbekannter Gott? â â
Wie? Lösegeld? Was willst du Lösegelds? Verlange Viel â das rĂ€th mein Stolz! Und rede kurz â das rĂ€th mein andrer Stolz! Haha! Mich â willst du? Mich? Mich â ganz? Haha! Und marterst mich, Narr, der du bist, Zermarterst meinen Stolz? Gieb Liebe mir â wer wĂ€rmt mich noch? Wer liebt mich noch? â gieb heisse HĂ€nde, Gieb Herzens-Kohlenbecken, Gieb mir, dem Einsamsten, Den Eis, ach! siebenfaches Eis Nach Feinden selber, Nach Feinden schmachten lehrt, Gieb, ja ergieb, Grausamster Feind, Mir â dich! â â Davon! Da floh er selber, Mein letzter einziger Genoss, Mein grosser Feind, Mein Unbekannter, Mein Henker-Gott! â â Nein! Komm zurĂŒck, Mit allen deinen Martern! Zum Letzten aller Einsamen Oh komm zurĂŒck! All meine ThrĂ€nen-BĂ€che laufen Zu dir den Lauf! Und meine letzte Herzens-Flamme â Dir glĂŒht sie auf! Oh komm zurĂŒck, Mein unbekannter Gott! Mein Schmerz! Mein letztes â GlĂŒck!
*
2.
â Hier aber konnte sich Zarathustra nicht lĂ€nger halten,nahm seinen Stock und schlug mit allen KrĂ€ften auf den Jammernden los.âHalt ein! schrie er ihm zu, mit ingrimmigem Lachen,halt ein, du Schauspieler! Du FalschmĂŒnzer!Du LĂŒgner aus dem Grunde! Ich erkenne dich wohl!
Ich will dir schon warme Beine machen,du schlimmer Zauberer, ich verstehe mich gut darauf,Solchen wie du bist â einzuheizen!â
â âLass ab, sagte der alte Mann und sprang vom Boden auf,schlage nicht mehr, oh Zarathustra!Ich triebâs also nur zum Spiele!
Solcherlei gehört zu meiner Kunst;dich selber wollte ich auf die Probe stellen,als ich dir diese Probe gab!Und, wahrlich, du hast mich gut durchschaut!
Aber auch du â gabst mir von dir keine kleine Probe,du bist hart, du weiser Zarathustra!Hart schlĂ€gst du zu mit deinen âWahrheiten,âdein KnĂŒttel erzwingt von mir â diese Wahrheit!â
â âSchmeichle nicht, antwortete Zarathustra,immer noch erregt und finsterblickend,du Schauspieler aus dem Grunde! Du bist falsch:was redest du â von Wahrheit!
Du Pfau der Pfauen, du Meer der Eitelkeit,was spieltest du vor mir, du schlimmer Zauberer,an wen sollte ich glauben,als du in solcher Gestalt jammertest?â
âDen BĂŒsser des Geistes, sagte der alte Mann,den â spielte ich:du selber erfandest einst diess Wort â
â den Dichter und Zauberer,der gegen sich selber endlich seinen Geist wendet,den Verwandelten,der an seinem bösen Wissen und Gewissen erfriert.
Und gesteh es nur ein: es wĂ€hrte lange, oh Zarathustra,bis du hinter meine Kunst und LĂŒge kamst!Du glaubtest an meine Noth,als du mir den Kopf mit beiden HĂ€nden hieltest, â
â ich hörte dich jammern âman hat ihn zu wenig geliebt,zu wenig geliebt!â Dass ich dich soweit betrog,darĂŒber frohlockte inwendig meine Bosheit.â
âDu magst Feinere betrogen haben als mich,sagte Zarathustra hart. Ich bin nicht auf der Hut vor BetrĂŒgern,ich muss ohne Vorsicht sein: so will es mein Loos.
Du aber â musst betrĂŒgen: so weit kenne ich dich!Du musst immer zwei- drei- vier- und fĂŒnfdeutig sein!Auch was du jetzt bekanntest,war mir lange nicht wahr und nicht falsch genung!
Du schlimmer FalschmĂŒnzer, wie könntest du anders!Deine Krankheit wĂŒrdest du noch schminken,wenn du dich deinem Arzte nackt zeigtest.
So schminktest du eben vor mir deine LĂŒge,als du sprachst: âich triebâs also nur zum Spiele!âEs war auch Ernst darin,du bist Etwas von einem BĂŒsser des Geistes!
Ich errathe dich wohl: du wurdest der Bezauberer Aller,aber gegen dich hast du keine LĂŒge und List mehr ĂŒbrig,â du selber bist dir entzaubert!
Du erntetest den Ekel ein, als deine Eine Wahrheit.Kein Wort ist mehr an dir Ă€cht, aber dein Mund:nĂ€mlich der Ekel, der an deinem Munde klebt.â â â
â âWer bist du doch! schrie hier der alte Zauberermit einer trotzigen Stimme,wer darf also zu mir reden, dem Grössten, der heute lebt?ââ und ein grĂŒner Blitz schoss aus seinem Auge nach Zarathustra.Aber gleich darauf verwandelte er sich und sagte traurig:
âOh Zarathustra, ich binâs mĂŒde,es ekelt mich meiner KĂŒnste, ich bin nicht gross,was verstelle ich mich! Aber, du weisst es wohlâ ich suchte nach Grösse!
Einen grossen Menschen wollte ich vorstellen und ĂŒberredete Viele:aber diese LĂŒge gieng ĂŒber meine Kraft. An ihr zerbreche ich.
Oh Zarathustra, Alles ist LĂŒge an mir;aber dass ich zerbreche â diess mein Zerbrechen ist Ă€cht!â â
âEs ehrt dich, sprach Zarathustra dĂŒsterund zur Seite niederblickend, es ehrt dich,dass du nach Grösse suchtest, aber es verrĂ€th dich auch.Du bist nicht gross.
Du schlimmer alter Zauberer,das ist dein Bestes und Redlichstes, was ich an dir ehre,dass du deiner mĂŒde wurdest und es aussprachst:âich bin nicht gross.â
Darin ehre ich dich als einen BĂŒsser des Geistes:und wenn auch nur fĂŒr einen Hauch und Husch,diesen Einen Augenblick warst du â Ă€cht.
Aber sprich, was suchst du hier in meinen WĂ€ldern und Felsen?Und wenn du mir dich in den Weg legtest,welche Probe wolltest du von mir? â
â wess versuchtest du mich?â â
Also sprach Zarathustra, und seine Augen funkelten.Der alte Zauberer schwieg eine Weile, dann sagte er:âVersuchte ich dich? Ich â suche nur.
Oh Zarathustra, ich suche einen Ăchten, Rechten,Einfachen, Eindeutigen, einen Menschen aller Redlichkeit,ein GefĂ€ss der Weisheit, einen Heiligen der Erkenntniss,einen grossen Menschen!
Weisst du es denn nicht, oh Zarathustra?Ich suche Zarathustra.â
â Und hier entstand ein langes Stillschweigen zwischen Beiden;Zarathustra aber versank tief hinein in sich selber,also dass er die Augen schloss.Dann aber, zu seinem Unterredner zurĂŒckkehrend,ergriff er die Hand des Zauberers und sprach,voller Artigkeit und Arglist:
âWohlan! Dort hinauf fĂŒhrt der Weg,da liegt die Höhle Zarathustraâs.In ihr darfst du suchen, wen du finden möchtest.
Und frage meine Thiere um Rath,meinen Adler und meine Schlange:die sollen dir suchen helfen. Meine Höhle aber ist gross.
Ich selber freilich â ich sah noch keinen grossen Menschen.Was gross ist, dafĂŒr ist das Auge der Feinsten heute grob.Es ist das Reich des Pöbels.
So Manchen fand ich schon, der streckte und blĂ€hte sich,und das Volk schrie: âSeht da, einen grossen Menschen!âAber was helfen alle BlasebĂ€lge! Zuletzt fĂ€hrt der Wind heraus.
Zuletzt platzt ein Frosch, der sich zu lange aufblies:da fÀhrt der Wind heraus.Einem Geschwollnen in den Bauch stechen,das heisse ich eine brave Kurzweil. Hört das, ihr Knaben!
Diess Heute ist des Pöbels:wer weiss da noch, was gross, was klein ist!Wer suchte da mit GlĂŒck nach Grösse!Ein Narr allein: den Narren glĂŒcktâs.
Du suchst nach grossen Menschen, du wunderlicher Narr?Wer lehrteâs dich? Ist heute dazu die Zeit?Oh du schlimmer Sucher, was â versuchst du mich?â â â
Also sprach Zarathustra, getrösteten Herzens,und gieng lachend seines Wegs fĂŒrbass.
* *
Ausser Dienst.
Nicht lange aber,nachdem Zarathustra sich von dem Zauberer losgemacht hatte,sahe er wiederum Jemanden am Wege sitzen,den er gieng,nĂ€mlich einen schwarzen langen Mannmit einem hageren Bleichgesicht:der verdross ihn gewaltig.âWehe, sprach er zu seinem Herzen,da sitzt vermummte TrĂŒbsal,das dĂŒnkt mich von der Art der Priester:was wollen die in meinem Reiche?
Wie! Kaum bin ich jenem Zauberer entronnen:muss mir da wieder ein anderer SchwarzkĂŒnstlerĂŒber den Weg laufen, â
â irgend ein Hexenmeister mit Handauflegen,ein dunkler WunderthĂ€ter von Gottes Gnaden,ein gesalbter Welt-Verleumder,den der Teufel holen möge!
Aber der Teufel ist nie am Platze,wo er am Platze wĂ€re:immer kommt er zu spĂ€t,dieser vermaledeite Zwerg und Klumpfuss!â â
Also fluchte Zarathustra ungeduldig in seinem Herzenund gedachte,wie er abgewandten Blicksan dem schwarzen Manne vorĂŒberschlĂŒpfe:aber siehe, es kam anders.Im gleichen Augenblicke nĂ€mlichhatte ihn schon der Sitzende erblickt;und nicht unĂ€hnlich einem Solchen,dem ein unvermuthetes GlĂŒck zustösst,sprang er auf und gieng auf Zarathustra los.
âWer du auch bist, du Wandersmann, sprach er,hilf einem Verirrten, einem Suchenden,einem alten Manne,der hier leicht zu Schaden kommt!
Diese Welt hier ist mir fremd und fern,auch hörte ich wilde Thiere heulen;und Der, welcher mir hÀtte Schutz bieten können,der ist selber nicht mehr.
Ich suchte den letzten frommen Menschen,einen Heiligen und Einsiedler,der allein in seinem Waldenoch Nichts davon gehört hatte,was alle Welt heute weiss.â
âWas weiss heute alle Welt? fragte Zarathustra.Etwa diess, dass der alte Gott nicht mehr lebt,an den alle Welt einst geglaubt hat?â
âDu sagst es, antwortete der alte Mann betrĂŒbt.Und ich diente diesem alten Gottebis zu seiner letzten Stunde.
Nun aber bin ich ausser Dienst, ohne Herrn,und doch nicht frei,auch keine Stunde mehr lustig,es sei denn in Erinnerungen.
Dazu stieg ich in diese Berge,dass ich endlich wieder ein Fest mir machte,wie es einem alten Papste und Kirchen-Vater zukommt:denn wisse, ich bin der letzte Papst!â ein Fest frommer Erinnerungen und Gottesdienste.
Nun aber ist er selber todt,der frömmste Mensch, jener Heilige im Walde,der seinen Gott bestÀndigmit Singen und Brummen lobte.
Ihn selber fand ich nicht mehr,als ich seine HĂŒtte fand, âwohl aber zwei Wölfe darin,welche um seinen Tod heulten âdenn alle Thiere liebten ihn.Da lief ich davon.
Kam ich also umsonst in diese WĂ€lder und Berge?Da entschloss sich mein Herz,dass ich einen Anderen suchte,den Frömmsten aller Derer,die nicht an Gott glauben â,dass ich Zarathustra suchte!â
Also sprach der Greisund blickte scharfen Auges Den an,welcher vor ihm stand;Zarathustra aber ergriff die Hand des alten Papstesund betrachtete sie lange mit Bewunderung.
âSiehe da, du EhrwĂŒrdiger, sagte er dann,welche schöne und lange Hand!Das ist die Hand eines Solchen,der immer Segen ausgetheilt hat.Nun aber hĂ€lt sie Den fest, welchen du suchst,mich, Zarathustra.
Ich binâs, der gottlose Zarathustra,der da spricht: wer ist gottloser als ich,dass ich mich seiner Unterweisung freue?â â
Also sprach Zarathustra und durchbohrte mit seinen Blickendie Gedanken und Hintergedanken des alten Papstes.Endlich begann dieser:
âWer ihn am meisten liebte und besass,der hat ihn nun am meisten auch verloren â:
â siehe, ich selber bin wohl von uns Beidenjetzt der Gottlosere?Aber wer könnte daran sich freuen!â â
â âDu dientest ihm bis zuletzt,fragte Zarathustra nachdenklich,nach einem tiefen Schweigen,du weisst, wie er starb?Ist es wahr, was man spricht,dass ihn das Mitleiden erwĂŒrgte,
â dass er es sah,wie der Mensch am Kreuze hieng,und es nicht ertrug,dass die Liebe zum Menschen seine Hölleund zuletzt sein Tod wurde?â â â
Der alte Papst aber antwortete nicht,sondern blickte scheuund mit einem schmerzlichen und dĂŒsteren Ausdruckezur Seite.
âLass ihn fahren, sagte Zarathustra nach einem langen Nachdenken,indem er immer noch dem alten Mannegerade inâs Auge blickte.
Lass ihn fahren, er ist dahin.Und ob es dich auch ehrt,dass du diesem Todten nur Gutes nachredest,so weisst du so gut als ich, wer er war;und dass er wunderliche Wege gieng.â
âUnter drei Augen gesprochen,sagte erheitert der alte Papst(denn er war auf Einem Auge blind),in Dingen Gottes bin ich aufgeklĂ€rterals Zarathustra selber â und darf es sein.
Meine Liebe diente ihm lange Jahre,mein Wille gieng allem seinen Willen nach.Ein guter Diener aber weiss Alles,und Mancherlei auch, was sein Herr sich selbst verbirgt.
Es war ein verborgener Gott, voller Heimlichkeit.Wahrlich zu einem Sohne sogar kam er nicht andersals auf Schleichwegen.An der ThĂŒr seines Glaubens steht der Ehebruch.
Wer ihn als einen Gott der Liebe preist,denkt nicht hoch genug von der Liebe selber.Wollte dieser Gott nicht auch Richter sein?Aber der Liebende liebt jenseits von Lohn und Vergeltung.
Als er jung war, dieser Gott aus dem Morgenlande,da war er hart und rachsĂŒchtigund erbaute sich eine Höllezum Ergötzen seiner Lieblinge.
Endlich aber wurde er alt und weich und mĂŒrbeund mitleidig,einem Grossvater Ă€hnlicher als einem Vater,am Ă€hnlichsten aber einer wackeligen alten Grossmutter.
Da sass er, welk, in seinem Ofenwinkel,hĂ€rmte sich ob seiner schwachen Beine,weltmĂŒde, willensmĂŒde,und erstickte eines Tags an seinem allzugrossen Mitleiden.â â â
âDu alter Papst, sagte hier Zarathustra dazwischen,hast du Das mit Augen angesehn?Es könnte wohl so abgegangen sein:so, und auch anders.Wenn Götter sterben, sterben sie immer viele Arten Todes.
Aber wohlan! So oder so, so und so â er ist dahin!Er gieng meinen Ohren und Augen wider den Geschmack,Schlimmeres möchte ich ihm nicht nachsagen.
Ich liebe Alles, was hell blickt und redlich redet.Aber er â du weisst es ja, du alter Priester,es war Etwas von deiner Art an ihm,von Priester-Art â er war vieldeutig.
Er war auch undeutlich.Was hat er uns darob gezĂŒrnt, dieser Zornschnauber,dass wir ihn schlecht verstĂŒnden!Aber warum sprach er nicht reinlicher?
Und lag es an unsern Ohren,warum gab er uns Ohren, die ihn schlecht hörten?War Schlamm in unsern Ohren, wohlan!wer legte ihn hinein?
Zu Vieles missrieth ihm, diesem Töpfer,der nicht ausgelernt hatte!Dass er aber Rache an seinen Töpfen und Geschöpfen nahm,dafĂŒr dass sie ihm schlecht geriethen, âdas war eine SĂŒnde wider den guten Geschmack.
Es giebt auch in der Frömmigkeit guten Geschmack:der sprach endlich âFort mit einem solchen Gotte!Lieber keinen Gott, lieber auf eigne Faust Schicksal machen,lieber Narr sein, lieber selber Gott sein!â
â âWas höre ich! sprach hier der alte Papstmit gespitzten Ohren;oh Zarathustra, du bist frömmer als du glaubst,mit einem solchen Unglauben!Irgend ein Gott in dir bekehrte dich zu deiner Gottlosigkeit.
Ist es nicht deine Frömmigkeit selber,die dich nicht mehr an einen Gott glauben lĂ€sst?Und deine ĂŒbergrosse Redlichkeit wird dich auch nochjenseits von Gut und Böse wegfĂŒhren!
Siehe doch, was blieb dir aufgespart?Du hast Augen und Hand und Mund,die sind zum Segnen vorher bestimmt seit Ewigkeit.Man segnet nicht mit der Hand allein.
In deiner NĂ€he, ob du schon der Gottloseste sein willst,wittere ich einen heimlichen Weih- und Wohlgeruchvon langen Segnungen:mir wird wohl und wehe dabei.
Lass mich deinen Gast sein, oh Zarathustra,fĂŒr eine einzige Nacht!Nirgends auf Erden wird es mir jetzt wohlerals bei dir!ââ
âAmen! So soll es sein!sprach Zarathustra mit grosser Verwunderung,dort hinauf fĂŒhrt der Weg,da liegt die Höhle Zarathustraâs.
Gerne, fĂŒrwahr, wĂŒrde ich dich selber dahin geleiten,du EhrwĂŒrdiger,denn ich liebe alle frommen Menschen.Aber jetzt ruft mich eilig ein Nothschrei weg von dir.
In meinem Bereiche soll mir Niemand zu Schaden kommen;meine Höhle ist ein guter Hafen.Und am liebsten möchte ich jedweden Traurigenwieder auf festes Land und feste Beine stellen.
Wer aber nÀhme dir deine Schwermuth von der Schulter?Dazu bin ich zu schwach.Lange, wahrlich, möchten wir warten,bis dir Einer deinen Gott wieder aufweckt.
Dieser alte Gott nĂ€mlich lebt nicht mehr:der ist grĂŒndlich todt.â â
Also sprach Zarathustra.
*
* * Der hÀsslichste Mensch.
â Und wieder liefen Zarathustraâs FĂŒsse durch Berge und WĂ€lder,und seine Augen suchten und suchten,aber nirgends war Der zu sehen,welchen sie sehn wollten,der grosse Nothleidende und Nothschreiende.Auf dem ganzen Wege aber frohlockte er in seinem Herzenund war dankbar.âWelche guten Dinge, sprach er, schenkte mir doch dieser Tag,zum Entgelt, dass er schlimm begann!Welche seltsamen Unterredner fand ich!
An deren Worten will ich lange nun kauengleich als an guten Körnern;klein soll mein Zahn sie mahlen und malmen,bis sie mir wie Milch in die Seele fliessen!â â
Als aber der Weg wieder um einen Felsen bog,verĂ€nderte sich mit Einem Male die Landschaft,und Zarathustra trat in ein Reich des Todes.Hier starrten schwarze und rothe Klippen empor:kein Gras, kein Baum, keine Vogelstimme.Es war nĂ€mlich ein Thal, welches alle Thiere mieden,auch die Raubthiere;nur dass eine Art hĂ€sslicher, dicker, grĂŒner Schlangen,wenn sie alt wurden, hierher kamen, um zu sterben.Darum nannten diess Thal die Hirten: Schlangen-Tod.
Zarathustra aber versank in eine schwarze Erinnerung,denn ihm war, als habe er schon ein Malin diesem Thal gestanden.Und vieles Schwere legte sich ihm ĂŒber den Sinn:also, dass er langsam gieng und immer langsamerund endlich still stand.Da aber sahe er, als er die Augen aufthat,Etwas, das am Wege sass, gestaltet wie ein Menschund kaum wie ein Mensch, etwas Unaussprechliches.Und mit Einem Schlage ĂŒberfiel Zarathustra die grosse Scham darob,dass er so Etwas mit den Augen angesehn habe:erröthend bis hinauf an sein weisses Haar,wandte er den Blick ab und hob den Fuss,dass er diese schlimme Stelle verlasse.Da aber wurde die todte Ăde laut:vom Boden auf nĂ€mlich quoll es gurgelnd und röchelnd,wie Wasser Nachts durch verstopfte Wasser-Röhrengurgelt und röchelt;und zuletzt wurde daraus eine Menschen-Stimme und Menschen-Rede:â die lautete also.
âZarathustra! Zarathustra! Rathe mein RĂ€thsel!Sprich, sprich! Was ist die Rache am Zeugen?
Ich locke dich zurĂŒck, hier ist glattes Eis!Sieh zu, sieh zu,ob dein Stolz sich hier nicht die Beine bricht!
Du dĂŒnkst dich weise, du stolzer Zarathustra!So rathe doch das RĂ€thsel, du harter NĂŒsseknacker,â das RĂ€thsel, das ich bin!So sprich doch: wer bin ich!â
â Als aber Zarathustra diese Worte gehört hatte,â was glaubt ihr wohl, dass sich da mit seiner Seele zutrug?Das Mitleiden fiel ihn an;und er sank mit Einem Male nieder, wie ein Eichbaum,der lange vielen HolzschlĂ€gern widerstanden hat, âschwer, plötzlich, zum Schrecken selber fĂŒr Die,welche ihn fĂ€llen wollten.Aber schon stand er wieder vom Boden auf,und sein Antlitz wurde hart.
âIch erkenne dich wohl, sprach er mit einer erzenen Stimme:du bist der Mörder Gottes! Lass mich gehn.
Du ertrugst Den nicht, der dich sah,â der dich immer und durch und durch sah,du hĂ€sslichster Mensch!Du nahmst Rache an diesem Zeugen!â
Also sprach Zarathustra und wollte davon;aber der Unaussprechliche fasste nach einem Zipfel seines Gewandesund begann von Neuem zu gurgeln und nach Worten zu suchen.âBleib!â sagte er endlich â
â bleib! Geh nicht vorĂŒber! Ich errieth,welche Axt dich zu Boden schlug:Heil dir, oh Zarathustra, dass du wieder stehst!
Du erriethest, ich weiss es gut, wie Dem zu Muthe ist,der ihn tödtete, â dem Mörder Gottes.Bleib! Setze dich her zu mir, es ist nicht umsonst.
Zu wem wollte ich, wenn nicht zu dir?Bleib, setze dich! Blicke mich aber nicht an!Ehre also â meine HĂ€sslichkeit!
Sie verfolgen mich: nun bist du meine letzte Zuflucht.Nicht mit ihrem Hasse, nicht mit ihren HĂ€schern:â oh solcher Verfolgung wĂŒrde ich spottenund stolz und froh sein!
War nicht aller Erfolg bisher bei den Gut-Verfolgten?Und wer gut verfolgt, lernt leicht folgen:â ist er doch einmal â hinterher!Aber ihr Mitleid istâs â
â ihr Mitleid istâs, vor dem ich flĂŒchteund dir zuflĂŒchte.Oh Zarathustra, schĂŒtze mich, du meine letzte Zuflucht,du Einziger, der mich errieth:
â du erriethest, wie Dem zu Muthe ist,welcher ihn tödtete. Bleib!Und willst du gehn, du Ungeduldiger:geh nicht den Weg, den ich kam. Der Weg ist schlecht.
ZĂŒrnst du mir, dass ich zu lange schon rede-radebreche?Dass ich schon dir rathe?Aber wisse, ich binâs, der hĂ€sslichste Mensch,
â der auch die grössten schwersten FĂŒsse hat.Wo ich gieng, ist der Weg schlecht.Ich trete alle Wege todt und zu Schanden.
Dass du aber an mir vorĂŒbergiengst, schweigend;dass du erröthetest, ich sah es wohl:daran erkannte ich dich als Zarathustra.
Jedweder Andere hĂ€tte mir sein Almosen zugeworfen,sein Mitleiden, mit Blick und Rede.Aber dazu â bin ich nicht Bettler genug,das erriethest du â
â dazu bin ich zu reich, reich an Grossem,an Furchtbarem, am HĂ€sslichsten, am Unaussprechlichsten!Deine Scham, oh Zarathustra, ehrte mich!
Mit Noth kam ich heraus aus dem GedrĂ€ng der Mitleidigen,â dass ich den Einzigen fĂ€nde, der heute lehrtâMitleiden ist zudringlichâ â dich, oh Zarathustra!
â sei es eines Gottes, sei es der Menschen Mitleiden:Mitleiden geht gegen die Scham.Und nicht-helfen-wollen kann vornehmer seinals jene Tugend, die zuspringt.
Das aber heisst heute Tugend selber bei allen kleinen Leuten,das Mitleiden: â die haben keine Ehrfurcht vor grossem UnglĂŒck,vor grosser HĂ€sslichkeit, vor grossem Missrathen.
Ăber diese Alle blicke ich hinweg,wie ein Hund ĂŒber die RĂŒcken wimmelnder Schafheerden wegblickt.Es sind kleine wohlwollige wohlwillige graue Leute.
Wie ein Reiher verachtend ĂŒber flache Teiche wegblickt,mit zurĂŒckgelegtem Kopfe:so blicke ich ĂŒber das Gewimmel grauer kleiner Wellenund Willen und Seelen weg.
Zu lange hat man ihnen Recht gegeben, diesen kleinen Leuten:so gab man ihnen endlich auch die Macht ânun lehren sie: âgut ist nur, was kleine Leute gut heissen.â
Und âWahrheitâ heisst heute, was der Prediger sprach,der selber aus ihnen herkam,jener wunderliche Heilige und FĂŒrsprecher der kleinen Leute,welcher von sich zeugte âich â bin die Wahrheit.â
Dieser Unbescheidne macht nun lange schonden kleinen Leuten den Kamm hoch schwellen âer, der keinen kleinen Irrthum lehrte,als er lehrte âich â bin die Wahrheit.â
Ward einem Unbescheidnen jemals höflicher geantwortet?â Du aber, oh Zarathustra, giengst an ihm vorĂŒberund sprachst: âNein! Nein! Drei Mal Nein!â
Du warntest vor seinem Irrthum,du warntest als der Erste vor dem Mitleiden ânicht Alle, nicht Keinen, sondern dich und deine Art.
Du schĂ€mst dich an der Scham des grossen Leidenden;und wahrlich, wenn du sprichstâvon dem Mitleiden her kommt eine grosse Wolke,habt Acht, ihr Menschen!â
â wenn du lehrst âalle Schaffenden sind hart,alle grosse Liebe ist ĂŒber ihrem Mitleidenâ:oh Zarathustra, wie gut dĂŒnkst du mich eingelernt auf Wetter-Zeichen!
Du selber aber â warne dich selber auch vor deinem Mitleiden!Denn Viele sind zu dir unterwegs, viele Leidende,Zweifelnde, Verzweifelnde, Ertrinkende, Frierende â
Ich warne dich auch vor mir.Du erriethest mein bestes, schlimmstes RÀthsel,mich selber und was ich that.Ich kenne die Axt, die dich fÀllt.
Aber er â musste sterben:er sah mit Augen, welche Alles sahn, âer sah des Menschen Tiefen und GrĂŒnde,alle seine verhehlte Schmach und HĂ€sslichkeit.
Sein Mitleiden kannte keine Scham:er kroch in meine schmutzigsten Winkel.Dieser Neugierigste, Ăber-Zudringliche, Ăber-Mitleidige musste sterben.
Er sah immer mich:an einem solchen Zeugen wollte ich Rache haben âoder selber nicht leben.
Der Gott, der Alles sah, auch den Menschen:dieser Gott musste sterben!Der Mensch ertrĂ€gt es nicht, dass solch ein Zeuge lebt.â
Also sprach der hÀsslichste Mensch.Zarathustra aber erhob sich und schickte sich an fortzugehn:denn ihn fröstelte bis in seine Eingeweide.
âDu Unaussprechlicher, sagte er, du warntest mich vor deinem Wege.Zum Danke dafĂŒr lobe ich dir den meinen.Siehe, dort hinauf liegt die Höhle Zarathustraâs.
Meine Höhle ist gross und tief und hat viele Winkel;da findet der Versteckteste sein Versteck.Und dicht bei ihr sind hundert SchlĂŒpfe und SchlichefĂŒr kriechendes, flatterndes und springendes Gethier.
Du Ausgestossener, der du dich selber ausstiessest,du willst nicht unter Menschen und Menschen-Mitleid wohnen?Wohlan, so thuâs mir gleich!So lernst du auch von mir; nur der ThĂ€ter lernt.
Und rede zuerst und -nĂ€chst mit meinen Thieren!Das stolzeste Thier und das klĂŒgste Thier âdie möchten uns Beiden wohl die rechten Rathgeber sein!â â â
Also sprach Zarathustra und gieng seiner Wege,nachdenklicher und langsamer noch als zuvor:denn er fragte sich Vieles und wusste sich nicht leicht zu antworten.
âWie arm ist doch der Mensch! dachte er in seinem Herzen,wie hĂ€sslich, wie röchelnd, wie voll verborgener Scham!
Man sagt mir, dass der Mensch sich selber liebe:ach, wie gross muss diese Selber-Liebe sein!Wie viel Verachtung hat sie wider sich!
Auch dieser da liebte sich, wie er sich verachtete, âein grosser Liebender ist er mir und ein grosser VerĂ€chter.
Keinen fand ich noch, der sich tiefer verachtet hÀtte:auch Das ist Höhe.Wehe, war Der vielleicht der höhere Mensch,dessen Schrei ich hörte?
Ich liebe die grossen Verachtenden.Der Mensch aber ist Etwas, das ĂŒberwunden werden muss.â â â
*
* * Der freiwillige Bettler.
Als Zarathustra den hĂ€sslichsten Menschen verlassen hatte,fror ihn, und er fĂŒhlte sich einsam:es gieng ihm nĂ€mlich vieles Kalte und Einsame durch die Sinne,also, dass darob auch seine Glieder kĂ€lter wurden.Indem er aber weiter und weiter stieg, hinauf, hinab,bald an grĂŒnen Weiden vorbei,aber auch ĂŒber wilde steinichte Lager,wo ehedem wohl ein ungeduldiger Bach sich zu Bett gelegt hatte:da wurde ihm mit Einem Male wieder wĂ€rmerund herzlicher zu Sinne.
âWas geschah mir doch? fragte er sich,etwas Warmes und Lebendiges erquickt mich,das muss in meiner NĂ€he sein.
Schon bin ich weniger allein;unbewusste GefĂ€hrten und BrĂŒder schweifen um mich,ihr warmer Athem rĂŒhrt an meine Seele.â
Als er aber um sich spĂ€heteund nach den Tröstern seiner Einsamkeit suchte:siehe, da waren es KĂŒhe,welche auf einer Anhöhe bei einander standen;deren NĂ€he und Geruch hatten sein Herz erwĂ€rmt.Diese KĂŒhe aber schienen mit Eifer einem Redenden zuzuhörenund gaben nicht auf Den Acht, der herankam.Wie aber Zarathustra ganz in ihrer NĂ€he war,hörte er deutlich, dass eine Menschen-Stimmeaus der Mitte der KĂŒhe heraus redete;und ersichtlich hatten sie allesammtihre Köpfe dem Redenden zugedreht.
Da sprang Zarathustra mit Eifer hinaufund drĂ€ngte die Thiere auseinander,denn er fĂŒrchtete, dass hier Jemandem ein Leids geschehn sei,welchem schwerlich das Mitleid von KĂŒhen abhelfen mochte.Aber darin hatte er sich getĂ€uscht;denn siehe, da sass ein Mensch auf der Erdeund schien den Thieren zuzureden,dass sie keine Scheu vor ihm haben sollten,ein friedfertiger Mensch und Berg-Prediger,aus dessen Augen die GĂŒte selber predigte.âWas suchst du hier?â rief Zarathustra mit Befremden.
âWas ich hier suche? antwortete er:das Selbe, was du suchst, du Störenfried!nĂ€mlich das GlĂŒck auf Erden.
Dazu aber möchte ich von diesen KĂŒhen lernen.Denn, weisst du wohl, einen halben Morgen schon rede ich ihnen zu,und eben wollten sie mir Bescheid geben.Warum doch störst du sie?
So wir nicht umkehren und werden wie die KĂŒhe,so kommen wir nicht in das Himmelreich.Wir sollten ihnen nĂ€mlich Eins ablernen: das WiederkĂ€uen.
Und wahrlich, wenn der Mensch auch die ganze Welt gewönneund lernte das Eine nicht, das WiederkĂ€uen: was hĂŒlfe es!Er wĂŒrde nicht seine TrĂŒbsal los
â seine grosse TrĂŒbsal: die aber heisst heute Ekel.Wer hat heute von Ekel nicht Herz, Mund und Augen voll?Auch du! Auch du! Aber siehe doch diese KĂŒhe an!â â
Also sprach der Berg-Predigerund wandte dann seinen eignen Blick Zarathustra zu,â denn bisher hieng er mit Liebe an den KĂŒhen â:da aber verwandelte er sich.âWer ist das, mit dem ich rede?rief er erschreckt und sprang vom Boden empor.
Diess ist der Mensch ohne Ekel,diess ist Zarathustra selber, der Ăberwinder des grossen Ekels,diess ist das Auge, diess ist der Mund,diess ist das Herz Zarathustraâs selber.â
Und indem er also sprach,kĂŒsste er Dem, zu welchem er redete, die HĂ€nde,mit ĂŒberströmenden Augen,und gebĂ€rdete sich ganz als Einer,dem ein kostbares Geschenk und Kleinod unversehens vom Himmel fĂ€llt.Die KĂŒhe aber schauten dem Allen zu und wunderten sich.
âSprich nicht von mir, du Wunderlicher! Lieblicher!sagte Zarathustra und wehrte seiner ZĂ€rtlichkeit,sprich mir erst von dir!Bist du nicht der freiwillige Bettler,der einst einen grossen Reichthum von sich warf, â
â der sich seines Reichthums schĂ€mte und der Reichen,und zu den Ărmsten floh,dass er ihnen seine FĂŒlle und sein Herz schenke?
Aber sie nahmen ihn nicht an.ââAber sie nahmen mich nicht an, sagte der freiwillige Bettler,du weisst es ja.So gieng ich endlich zu den Thieren und zu diesen KĂŒhen.â
âDa lerntest du, unterbrach Zarathustra den Redenden,wie es schwerer ist, recht geben als recht nehmen,und dass gut schenken eine Kunst istund die letzte listigste Meister-Kunst der GĂŒte.â
âSonderlich heutzutage, antwortete der freiwillige Bettler:heute nĂ€mlich, wo alles Niedrige aufstĂ€ndisch wardund scheu und auf seine Art hoffĂ€hrtig: nĂ€mlich auf Pöbel-Art.
Denn es kam die Stunde, du weisst es ja,fĂŒr den grossen schlimmen langen langsamen Pöbel- und Sklaven-Aufstand:der wĂ€chst und wĂ€chst!
Nun empört die Niedrigen alles Wohlthun und kleine Weggeben;und die Ăberreichen mögen auf der Hut sein!
Wer heute gleich bauchichten Flaschen tröpfeltaus allzuschmalen HĂ€lsen:â solchen Flaschen bricht man heute gern den Hals.
LĂŒsterne Gier, gallichter Neid, vergrĂ€mte Rachsucht, Pöbel-Stolz:das sprang mir Alles inâs Gesicht.Es ist nicht mehr wahr, dass die Armen selig sind.Das Himmelreich aber ist bei den KĂŒhen.â
Und warum ist es nicht bei den Reichen?fragte Zarathustra versuchend, wĂ€hrend er den KĂŒhen wehrte,die den Friedfertigen zutraulich anschnauften.
âWas versuchst du mich? antwortete dieser.Du weisst es selber besser noch als ich.Was trieb mich doch zu den Ărmsten, oh Zarathustra?War es nicht der Ekel vor unsern Reichsten?
â vor den StrĂ€flingen des Reichthums,welche sich ihren Vortheil aus jedem Kehricht auflesen,mit kalten Augen, geilen Gedanken,vor diesem Gesindel, das gen Himmel stinkt,
â vor diesem vergĂŒldeten verfĂ€lschten Pöbel,dessen VĂ€ter Langfinger oder Aasvögel oder Lumpensammler waren,mit Weibern willfĂ€hrig, lĂŒstern, vergesslich:â sie habenâs nĂ€mlich alle nicht weit zur Hure â
Pöbel oben, Pöbel unten! Was ist heute noch âArmâ und âReichâ!Diesen Unterschied verlernte ich, â da floh ich davon,weiter, immer weiter, bis ich zu diesen KĂŒhen kam.â
Also sprach der Friedfertige und schnaufte selberund schwitzte bei seinen Worten:also dass die KĂŒhe sich von Neuem wunderten.Zarathustra aber sah ihm immer mit LĂ€cheln inâs Gesicht,als er so hart redete,und schĂŒttelte dazu schweigend den Kopf.
âDu thust dir Gewalt an, du Berg-Prediger,wenn du solche harte Worte brauchst.FĂŒr solche HĂ€rte wuchs dir nicht der Mund, nicht das Auge.
Auch, wie mich dĂŒnkt, dein Magen selber nicht:dem widersteht all solches ZĂŒrnen und Hassen und ĂberschĂ€umen.Dein Magen will sanftere Dinge: du bist kein Fleischer.
Vielmehr dĂŒnkst du mich ein Pflanzler und Wurzelmann.Vielleicht malmst du Körner.Sicherlich aber bist du fleischlichen Freuden abholdund liebst den Honig.â
âDu erriethst mich gut, antwortete der freiwillige Bettler,mit erleichtertem Herzen. Ich liebe den Honig,ich malme auch Körner, denn ich suchte,was lieblich mundet und reinen Athem macht:
â auch was lange Zeit braucht, ein Tag- und Maul-WerkfĂŒr sanfte MĂŒssiggĂ€nger und Tagediebe.
Am weitesten freilich brachten es diese KĂŒhe:die erfanden sich das WiederkĂ€uen und In-der-Sonne-Liegen.Auch enthalten sie sich aller schweren Gedanken,welche das Herz blĂ€hn.â
â âWohlan! sagte Zarathustra: du solltest auch meine Thiere sehn,meinen Adler und meine Schlange,â ihres Gleichen giebt es heute nicht auf Erden.
Siehe, dorthin fĂŒhrt der Weg zu meiner Höhle:sei diese Nacht ihr Gast.Und rede mit meinen Thieren vom GlĂŒck der Thiere, â
â bis ich selber heimkomme.Denn jetzt ruft ein Nothschrei mich eilig weg von dir.Auch findest du neuen Honig bei mir,eisfrischen Waben-Goldhonig: den iss!
Jetzt aber nimm flugs Abschied von deinen KĂŒhen,du Wunderlicher! Lieblicher! ob es dir schon schwer werden mag.Denn es sind deine wĂ€rmsten Freunde und Lehrmeister!â â
ââ Einen ausgenommen, den ich noch lieber habe,antwortete der freiwillige Bettler.Du selber bist gut und besser noch als eine Kuh,oh Zarathustra!â
âFort, fort mit dir! du arger Schmeichler!schrie Zarathustra mit Bosheit,was verdirbst du mich mit solchem Lob und Schmeichel-Honig?â
âFort, fort von mir!â schrie er noch Ein Malund schwang seinen Stock nach dem zĂ€rtlichen Bettler:der aber lief hurtig davon.
*
* * Der Schatten.
Kaum aber war der freiwillige Bettler davongelaufenund Zarathustra wieder mit sich allein,da hörte er hinter sich eine neue Stimme:die rief âHalt! Zarathustra! So warte doch!Ich binâs ja, oh Zarathustra, ich, dein Schatten!âAber Zarathustra wartete nicht,denn ein plötzlicher Verdruss ĂŒberkam ihn ob des vielen Zudrangsund GedrĂ€ngs in seinen Bergen.âWo ist meine Einsamkeit hin? sprach er.
Es wird mir wahrlich zu viel; diess Gebirge wimmelt,mein Reich ist nicht mehr von dieser Welt,ich brauche neue Berge.
Mein Schatten ruft mich? Was liegt an meinem Schatten!Mag er mir nachlaufen! ich â laufe ihm davon.â
Also sprach Zarathustra zu seinem Herzen und lief davon.Aber Der, welcher hinter ihm war, folgte ihm nach:so dass alsbald drei Laufende hinter einander her waren,nĂ€mlich voran der freiwillige Bettler, dann Zarathustraund zudritt und -hinterst sein Schatten.Nicht lange liefen sie so,da kam Zarathustra zur Besinnung ĂŒber seine Thorheitund schĂŒttelte mit Einem Rucke allen Verdrussund Ăberdruss von sich.
âWie! sprach er, geschahen nicht von jedie lĂ€cherlichsten Dinge bei uns alten Einsiedlern und Heiligen?
Wahrlich, meine Thorheit wuchs hoch in den Bergen!Nun höre ich sechs alte Narren-Beinehinter einander her klappern!
Darf aber Zarathustra sich wohl vor einem Schatten fĂŒrchten?Auch dĂŒnkt mich zu guterletzt,dass er lĂ€ngere Beine hat als ich.â
Also sprach Zarathustra, lachend mit Augen und Eingeweiden,blieb stehen und drehte sich schnell herum âund siehe, fast warf er dabei seinen Nachfolgerund Schatten zu Boden:so dicht schon folgte ihm derselbe auf den Fersen,und so schwach war er auch.Als er ihn nĂ€mlich mit Augen prĂŒfte,erschrak er wie vor einem plötzlichen Gespenste:so dĂŒnn, schwĂ€rzlich, hohl und ĂŒberlebtsah dieser Nachfolger aus.
âWer bist du? fragte Zarathustra heftig,was treibst du hier?Und wesshalb heissest du dich meinen Schatten?Du gefĂ€llst mir nicht.â
âVergieb mir, antwortete der Schatten, dass ichâs bin;und wenn ich dir nicht gefalle, wohlan, oh Zarathustra!darin lobe ich dich und deinen guten Geschmack.
Ein Wanderer bin ich, der viel schon hinter deinen Fersen her gieng:immer unterwegs, aber ohne Ziel, auch ohne Heim:also dass mir wahrlich wenig zum ewigen Juden fehlt,es sei denn, dass ich nicht ewig,und auch nicht Jude bin.
Wie? Muss ich immerdar unterwegs sein?Von jedem Winde gewirbelt, unstÀt, fortgetrieben?Oh Erde, du wardst mir zu rund!
Auf jeder OberflĂ€che sass ich schon,gleich mĂŒdem Staube schlief ich ein auf Spiegeln und Fensterscheiben:Alles nimmt von mir, Nichts giebt, ich werde dĂŒnn, âfast gleiche ich einem Schatten.
Dir aber, oh Zarathustra, flog und zog ich am lÀngsten nach,und, verbarg ich mich schon vor dir,so war ich doch dein bester Schatten:wo du nur gesessen hast, sass ich auch.
Mit dir bin ich in fernsten, kĂ€ltesten Welten umgegangen,einem Gespenste gleich,das freiwillig ĂŒber WinterdĂ€cher und Schnee lĂ€uft.
Mit dir strebte ich in jedes Verbotene, Schlimmste, Fernste:und wenn irgend Etwas an mir Tugend ist, so ist es,dass ich vor keinem Verbote Furcht hatte.
Mit dir zerbrach ich, was je mein Herz verehrte,alle Grenzsteine und Bilder warf ich um,den gefĂ€hrlichsten WĂŒnschen lief ich nach, âwahrlich, ĂŒber jedwedes Verbrechen lief ich einmal hinweg.
Mit dir verlernte ich den Glauben an Worte und Wertheund grosse Namen.Wenn der Teufel sich hĂ€utet, fĂ€llt da nicht auch sein Name ab?Der ist nĂ€mlich auch Haut.Der Teufel selber ist vielleicht â Haut.
âNichts ist wahr, Alles ist erlaubtâ: so sprach ich mir zu.In die kĂ€ltesten Wasser stĂŒrzte ich mich, mit Kopf und Herzen.Ach, wie oft stand ich darob nackt als rother Krebs da!
Ach, wohin kam mir alles Gute und alle Schamund aller Glaube an die Guten!Ach, wohin ist jene verlogne Unschuld, die ich einst besass,die Unschuld der Guten und ihrer edlen LĂŒgen!
Zu oft, wahrlich, folgte ich der Wahrheit dicht auf dem Fusse:da trat sie mir vor den Kopf.Manchmal meinte ich zu lĂŒgen, und siehe!da erst traf ich â die Wahrheit.
Zu Viel klĂ€rte sich mir auf: nun geht es mich Nichts mehr an.Nichts lebt mehr, das ich liebe, âwie sollte ich noch mich selber lieben?
âLeben, wie ich Lust habe, oder gar nicht lebenâ:so will ichâs, so willâs auch der Heiligste.Aber, wehe! wie habe ich noch â Lust?
Habe ich â noch ein Ziel?Einen Hafen, nach dem mein Segel lĂ€uft?
Einen guten Wind? Ach, nur wer weiss, wohin er fÀhrt,weiss auch, welcher Wind gut und sein Fahrwind ist.
Was blieb mir noch zurĂŒck? Ein Herz mĂŒde und frech;ein unstĂ€ter Wille; Flatter-FlĂŒgel; ein zerbrochnes RĂŒckgrat.
Diess Suchen nach meinem Heim: oh Zarathustra, weisst du wohl,diess Suchen war meine Heimsuchung, es frisst mich auf.
âWo ist â mein Heim?â Darnach frage und suche und suchte ich,das fand ich nicht.Oh ewiges Ăberall, oh ewiges Nirgendswo, oh ewiges â Umsonst!â
Also sprach der Schatten, und Zarathustraâs Gesicht verlĂ€ngerte sichbei seinen Worten.âDu bist mein Schatten! sagte er endlich, mit Traurigkeit.
Deine Gefahr ist keine kleine, du freier Geist und Wanderer!Du hast einen schlimmen Tag gehabt:sieh zu, dass dir nicht noch ein schlimmerer Abend kommt!
Solchen UnstĂ€ten, wie du, dĂŒnkt zuletzt auch ein GefĂ€ngniss selig.Sahst du je, wie eingefangne Verbrecher schlafen?Sie schlafen ruhig, sie geniessen ihre neue Sicherheit.
HĂŒte dich, dass dich nicht am Ende noch ein enger Glaube einfĂ€ngt,ein harter, strenger Wahn!Dich nĂ€mlich verfĂŒhrt und versucht nunmehr Jegliches, das eng und fest ist.
Du hast das Ziel verloren: wehe,wie wirst du diesen Verlust verscherzen und verschmerzen?Damit â hast du auch den Weg verloren!
Du armer Schweifender, SchwĂ€rmender, du mĂŒder Schmetterling!willst du diesen Abend eine Rast und HeimstĂ€tte haben?So gehe hinauf zu meiner Höhle!
Dorthin fĂŒhrt der Weg zu meiner Höhle.Und jetzo will ich schnell wieder von dir davonlaufen.Schon liegt es wie ein Schatten auf mir.
Ich will allein laufen, dass es wieder hell um mich werde.Dazu muss ich noch lange lustig auf den Beinen sein.Des Abends aber wird bei mir â getanzt!â â â
Also sprach Zarathustra.
*
* * Mittags.
â Und Zarathustra lief und lief und fand Niemanden mehrund war allein und fand immer wieder sichund genoss und schlĂŒrfte seine Einsamkeit und dachte an gute Dinge,â stundenlang.Um die Stunde des Mittags aber,als die Sonne gerade ĂŒber Zarathustraâs Haupte stand,kam er an einem alten krummen und knorrichten Baume vorbei,der von der reichen Liebe eines Weinstocks rings umarmtund vor sich selber verborgen war:von dem hiengen gelbe Trauben in FĂŒlle dem Wandernden entgegen.Da gelĂŒstete ihn, einen kleinen Durst zu löschenund sich eine Traube abzubrechen;als er aber schon den Arm dazu ausstreckte,da gelĂŒstete ihn etwas Anderes noch mehr:nĂ€mlich sich neben den Baum niederzulegen,um die Stunde des vollkommnen Mittags, und zu schlafen.
Diess that Zarathustra; und sobald er auf dem Boden lag,in der Stille und Heimlichkeit des bunten Grases,hatte er auch schon seinen kleinen Durst vergessen und schlief ein.Denn, wie das Sprichwort Zarathustraâs sagt:Eins ist nothwendiger als das Andre.Nur dass seine Augen offen blieben:â sie wurden nĂ€mlich nicht satt,den Baum und die Liebe des Weinstocks zu sehn und zu preisen.Im Einschlafen aber sprach Zarathustra also zu seinem Herzen:
Still! Still! Ward die Welt nicht eben vollkommen?Was geschieht mir doch?
Wie ein zierlicher Wind, ungesehn, auf getĂ€feltem Meere tanzt,leicht, federleicht: so â tanzt der Schlaf auf mir.
Kein Auge drĂŒckt er mir zu, die Seele lĂ€sst er mir wach.Leicht ist er, wahrlich! federleicht.
Er ĂŒberredet mich, ich weiss nicht wie?,er betupft mich innewendig mit schmeichelnder Hand, er zwingt mich.Ja, er zwingt mich, dass meine Seele sich ausstreckt: â
â wie sie mir lang und mĂŒde wird, meine wunderliche Seele!Kam ihr eines siebenten Tages Abend gerade am Mittage?Wandelte sie zu lange schon selig zwischen guten und reifen Dingen?
Sie streckt sich lang aus, lang, â lĂ€nger!sie liegt stille, meine wunderliche Seele.Zu viel Gutes hat sie schon geschmeckt,diese goldene Traurigkeit drĂŒckt sie, sie verzieht den Mund.
â Wie ein Schiff, das in seine stillste Bucht einlief:â nun lehnt es sich an die Erde,der langen Reisen mĂŒde und der ungewissen Meere.Ist die Erde nicht treuer?
Wie solch ein Schiff sich dem Lande anlegt, anschmiegt:â da genĂŒgtâs, dass eine Spinne vom Lande herzu ihm ihren Faden spinnt.Keiner stĂ€rkeren Taue bedarf es da.
Wie solch ein mĂŒdes Schiff in der stillsten Bucht:so ruhe auch ich nun der Erde nahe, treu,zutrauend, wartend, mit den leisesten FĂ€den ihr angebunden.
Oh GlĂŒck! Oh GlĂŒck! Willst du wohl singen, oh meine Seele?Du liegst im Grase.Aber das ist die heimliche feierliche Stunde,wo kein Hirt seine Flöte blĂ€st.
Scheue dich! Heisser Mittag schlÀft auf den Fluren.Singe nicht! Still! Die Welt ist vollkommen.
Singe nicht, du Gras-GeflĂŒgel, oh meine Seele!FlĂŒstere nicht einmal! Sieh doch â still!der alte Mittag schlĂ€ft, er bewegt den Mund:trinkt er nicht eben einen Tropfen GlĂŒcks â
â einen alten braunen Tropfen goldenen GlĂŒcks, goldenen Weins?Es huscht ĂŒber ihn hin, sein GlĂŒck lacht.So â lacht ein Gott. Still! â
âZum GlĂŒck, wie wenig genĂŒgt schon zum GlĂŒcke!âSo sprach ich einst, und dĂŒnkte mich klug.Aber es war eine LĂ€sterung: das lernte ich nun.Kluge Narrn reden besser.
Das Wenigste gerade, das Leiseste, Leichteste, einer Eidechse Rascheln,ein Hauch, ein Husch, ein Augen-Blick âWenig macht die Art des besten GlĂŒcks. Still!
â Was geschah mir: Horch! Flog die Zeit wohl davon?Falle ich nicht? Fiel ich nicht â horch!in den Brunnen der Ewigkeit?
â Wie? Ward die Welt nicht eben vollkommen? Rund und reif?Oh des goldenen runden Reifs â wohin fliegt er wohl?Laufe ich ihm nach! Husch!
Still â â (und hier dehnte sich Zarathustra und fĂŒhlte, dass er schlafe.)
Auf! sprach er zu sich selber, du SchlĂ€fer! Du MittagsschlĂ€fer!Wohlan, wohlauf, ihr alten Beine!Zeit istâs und Ăberzeit, manch gut StĂŒck Wegs blieb euch noch zurĂŒck â
Nun schlieft ihr euch aus, wie lange doch?Eine halbe Ewigkeit!Wohlan, wohlauf nun, mein altes Herz!Wie lange erst darfst du nach solchem Schlaf â dich auswachen?
(Aber da schlief er schon von Neuem ein,und seine Seele sprach gegen ihn und wehrte sichund legte sich wieder hin) ââLass mich doch! Still! Ward nicht die Welt eben vollkommen?Oh des goldnen runden Balls!â â
âSteh auf, sprach Zarathustra, du kleine Diebin, du Tagediebin!Wie? Immer noch sich strecken, gĂ€hnen, seufzen,hinunterfallen in tiefe Brunnen?
Wer bist du doch! Oh meine Seele!â(und hier erschrak er,denn ein Sonnenstrahl fiel vom Himmel herunter auf sein Gesicht)
âOh Himmel ĂŒber mir, sprach er seufzend und setzte sich aufrecht,du schaust mir zu? Du horchst meiner wunderlichen Seele zu?
Wann trinkst du diesen Tropfen Thauâs,der auf alle Erden-Dinge niederfiel, âwann trinkst du diese wunderliche Seele â
â wann, Brunnen der Ewigkeit!du heiterer schauerlicher Mittags-Abgrund!wann trinkst du meine Seele in dich zurĂŒck?â
Also sprach Zarathustra und erhob sich von seinem Lager am Baumewie aus einer fremden Trunkenheit:und siehe, da stand die Sonne immer noch gerade ĂŒber seinem Haupte.Es möchte aber Einer daraus mit Recht abnehmen,dass Zarathustra damals nicht lange geschlafen habe.
*
* * Die BegrĂŒssung.
Am spĂ€ten Nachmittage war es erst, dass Zarathustra,nach langem umsonstigen Suchen und Umherstreifen,wieder zu seiner Höhle heimkam.Als er aber derselben gegenĂŒberstand,nicht zwanzig Schritt mehr von ihr ferne,da geschah das, was er jetzt am wenigsten erwartete:von Neuem hörte er den grossen Nothschrei.Und, erstaunlich! diess Mal kam derselbige aus seiner eignen Höhle.Es war aber ein langer vielfĂ€ltiger seltsamer Schrei,und Zarathustra unterschied deutlich,dass er sich aus vielen Stimmen zusammensetze:mochte er schon, aus der Ferne gehört,gleich dem Schrei aus einem einzigen Munde klingen.
Da sprang Zarathustra auf seine Höhle zu, und siehe!welches Schauspiel erwartete ihn erst nach diesem Hörspiele!Denn da sassen sie allesammt bei einander,an denen er des Tags vorĂŒbergegangen war:der König zur Rechten und der König zur Linken,der alte Zauberer, der Papst, der freiwillige Bettler,der Schatten, der Gewissenhafte des Geistes,der traurige Wahrsager und der Esel;der hĂ€sslichste Mensch aber hatte sich eine Krone aufgesetztund zwei PurpurgĂŒrtel umgeschlungen, âdenn er liebte es, gleich allen HĂ€sslichen,sich zu verkleiden und schön zu thun.Inmitten aber dieser betrĂŒbten Gesellschaftstand der Adler Zarathustraâs, gestrĂ€ubt und unruhig,denn er sollte auf zu Vieles antworten,wofĂŒr sein Stolz keine Antwort hatte;die kluge Schlange aber hieng um seinen Hals.
Diess Alles schaute Zarathustra mit grosser Verwunderung;dann aber prĂŒfte er jeden Einzelnen seiner GĂ€stemit leutseliger Neugierde,las ihre Seelen ab und wunderte sich von Neuem.Inzwischen hatten sich die Versammelten von ihren Sitzen erhobenund warteten mit Ehrfurcht, dass Zarathustra reden werde.Zarathustra aber sprach also:
âIhr Verzweifelnden! Ihr Wunderlichen!Ich hörte also euren Nothschrei?Und nun weiss ich auch, wo Der zu suchen ist,den ich umsonst heute suchte: der höhere Mensch â:
â in meiner eignen Höhle sitzt er, der höhere Mensch!Aber was wundere ich mich!Habe ich ihn nicht selber zu mir gelockt durch Honig-Opferund listige Lockrufe meines GlĂŒcks?
Doch dĂŒnkt mir, ihr taugt euch schlecht zur Gesellschaft,ihr macht einander das Herz unwirsch, ihr Nothschreienden,wenn ihr hier beisammen sitzt? Es muss erst Einer kommen,
â Einer, der euch wieder lachen macht,ein guter fröhlicher Hanswurst, ein TĂ€nzer und Wind und Wildfang,irgend ein alter Narr: â was dĂŒnket euch?
Vergebt mir doch, ihr Verzweifelnden,dass ich vor euch mit solch kleinen Worten rede,unwĂŒrdig, wahrlich!, solcher GĂ€ste!Aber ihr errathet nicht, was mein Herz muthwillig macht: â
â ihr selber thut es und euer Anblick, vergebt es mir!Jeder nĂ€mlich wird muthig, der einem Verzweifelnden zuschaut.Einem Verzweifelnden zuzusprechen âdazu dĂŒnkt sich Jeder stark genug.
Mir selber gabt ihr diese Kraft, â eine gute Gabe,meine hohen GĂ€ste! Ein rechtschaffnes Gastgeschenk!Wohlan, so zĂŒrnt nun nicht, dass ich euch auch vom Meinigen anbiete.
Diess hier ist mein Reich und meine Herrschaft:was aber mein ist, fĂŒr diesen Abend und diese Nachtsoll es euer sein.Meine Thiere sollen euch dienen:meine Höhle sei eure Ruhestatt!
Bei mir zu Heim-und-Hause soll Keiner verzweifeln,in meinem Reviere schĂŒtze ich Jeden vor seinen wilden Thieren.Und das ist das Erste, was ich euch anbiete: Sicherheit!
Das Zweite aber ist: mein kleiner Finger.Und habt ihr den erst, so nehmt nur noch die ganze Hand,wohlan! und das Herz dazu!Willkommen hier, willkommen, meine Gastfreunde!â
Also sprach Zarathustra und lachte vor Liebe und Bosheit.Nach dieser BegrĂŒssung verneigten sich seine GĂ€ste abermalsund schwiegen ehrfĂŒrchtig;der König zur Rechten aber antwortete ihm in ihrem Namen.
âDaran, oh Zarathustra, wie du uns Hand und Gruss botest,erkennen wir dich als Zarathustra.Du erniedrigtest dich vor uns;fast thatest du unserer Ehrfurcht wehe â:
â wer aber vermöchte gleich dirsich mit solchem Stolze zu erniedrigen?Das richtet uns selber auf,ein Labsal ist es unsern Augen und Herzen.
Diess allein nur zu schaun, stiegen gern wir auf höhere Berge,als dieser Berg ist.Als Schaulustige nĂ€mlich kamen wir,wir wollten sehn, was trĂŒbe Augen hell macht.
Und siehe, schon ist es vorbei mit allem unsern Nothschrein.Schon steht Sinn und Herz uns offen und ist entzĂŒckt.Wenig fehlt: und unser Muth wird muthwillig.
Nichts, oh Zarathustra, wÀchst Erfreulicheres auf Erden,als ein hoher starker Wille: der ist ihr schönstes GewÀchs.Eine ganze Landschaft erquickt sich an Einem solchen Baume.
Der Pinie vergleiche ich, wer gleich dir, oh Zarathustra, aufwĂ€chst:lang, schweigend, hart, allein, besten biegsamsten Holzes, herrlich, â
â zuletzt aber hinausgreifend mit starken grĂŒnen Ăstennach seiner Herrschaft,starke Fragen fragend vor Winden und Wetternund was immer auf Höhen heimisch ist,
â stĂ€rker antwortend, ein Befehlender, ein Siegreicher:oh wer sollte nicht, solche GewĂ€chse zu schaun,auf hohe Berge steigen?
Deines Baumes hier, oh Zarathustra, erlabt sich auch der DĂŒstere,der Missrathene, an deinem Anblicke wird auch der UnstĂ€te sicherund heilt sein Herz.
Und wahrlich, zu deinem Berge und Baumerichten sich heute viele Augen;eine grosse Sehnsucht hat sich aufgemacht,und Manche lernten fragen: wer ist Zarathustra?
Und wem du jemals dein Lied und deinen Honig inâs Ohr getrĂ€ufelt:alle die Versteckten, die Einsiedler, die Zweisiedlersprachen mit Einem Male zu ihrem Herzen:
âLebt Zarathustra noch? Es lohnt sich nicht mehr zu leben,Alles ist gleich, Alles ist umsonst:oder â wir mĂŒssen mit Zarathustra leben!â
âWarum kommt er nicht, der sich so lange ankĂŒndigte?also fragen Viele; verschlang ihn die Einsamkeit?Oder sollen wir wohl zu ihm kommen?â
Nun geschiehtâs, dass die Einsamkeit selber mĂŒrbe wird und zerbricht,einem Grabe gleich, das zerbrichtund seine Todten nicht mehr halten kann.Ăberall sieht man Auferstandene.
Nun steigen und steigen die Wellen um deinen Berg, oh Zarathustra.Und wie hoch auch deine Höhe ist, Viele mĂŒssen zu dir hinauf;dein Nachen soll nicht lange mehr im Trocknen sitzen.
Und dass wir Verzweifelnde jetzt in deine Höhle kamenund schon nicht mehr verzweifeln:ein Wahr- und Vorzeichen ist es nur, davon,dass Bessere zu dir unterwegs sind, â
â denn er selber ist zu dir unterwegs,der letzte Rest Gottes unter Menschen,das ist: alle die Menschen der grossen Sehnsucht,des grossen Ekels, des grossen Ăberdrusses,
â Alle, die nicht leben wollen,oder sie lernen wieder hoffen âoder sie lernen von dir, oh Zarathustra, die grosse Hoffnung!â
Also sprach der König zur Rechtenund ergriff die Hand Zarathustraâs, um sie zu kĂŒssen;aber Zarathustra wehrte seiner Verehrung und trat erschreckt zurĂŒck,schweigend und plötzlich wie in weite Fernen entfliehend.Nach einer kleinen Weile aber war er schon wieder bei seinen GĂ€sten,blickte sie mit hellen, prĂŒfenden Augen an und sprach:
Meine GÀste, ihr höheren Menschen,ich will deutsch und deutlich mit euch reden.Nicht auf euch wartete ich hier in diesen Bergen.
(âDeutsch und deutlich? Dass Gott erbarm!sagte hier der König zur Linken, bei Seite;man merkt, er kennt die lieben Deutschen nicht,dieser Weise aus dem Morgenlande!
Aber er meint âdeutsch und derbâ â wohlan!Das ist heutzutage noch nicht der schlimmste Geschmack!â)
âIhr mögt wahrlich insgesammt höhere Menschen sein,fuhr Zarathustra fort: aber fĂŒr mich âseid ihr nicht hoch und stark genug.
FĂŒr mich, das heisst: fĂŒr das Unerbittliche, das in mir schweigt,aber nicht immer schweigen wird.Und gehört ihr zu mir, so doch nicht als mein rechter Arm.
Wer nĂ€mlich selber auf kranken und zarten Beinen steht, gleich euch,der will vor Allem, ob erâs weiss oder sich verbirgt:dass er geschont werde.
Meine Arme und meine Beine aber schone ich nicht,ich schone meine Krieger nicht:wieso könntet ihr zu meinem Kriege taugen?
Mit euch verdĂŒrbe ich mir jeden Sieg noch.Und Mancher von euch fiele schon um,wenn er nur den lauten Schall meiner Trommeln hörte.
Auch seid ihr mir nicht schön genug und wohlgeboren.Ich brauche reine glatte Spiegel fĂŒr meine Lehren;auf eurer OberflĂ€che verzerrt sich noch mein eignes Bildniss.
Eure Schultern drĂŒckt manche Last, manche Erinnerung;manch schlimmer Zwerg hockt in euren Winkeln.Es giebt verborgenen Pöbel auch in euch.
Und seid ihr auch hoch und höherer Art:Vieles an euch ist krumm und missgestalt.Da ist kein Schmied in der Welt,der euch mir zurecht und gerade schlĂŒge.
Ihr seid nur BrĂŒcken: mögen Höhere auf euch hinĂŒber schreiten!Ihr bedeutet Stufen:so zĂŒrnt Dem nicht, der ĂŒber euch hinweg in seine Höhe steigt!
Aus eurem Samen mag auch mir einst ein Àchter Sohnund vollkommener Erbe wachsen: aber das ist ferne.Ihr selber seid Die nicht, welchen mein Erbgut und Name zugehört.
Nicht auf euch warte ich hier in diesen Bergen,nicht mit euch darf ich zum letzten Male niedersteigen.Als Vorzeichen kamt ihr mir nur,dass schon Höhere zu mir unterwegs sind, â
â nicht die Menschen der grossen Sehnsucht, des grossen Ekels,des grossen Ăberdrussesund Das, was ihr den Ăberrest Gottes nanntet.
â Nein! Nein! Drei Mal Nein!Auf Andere warte ich hier in diesen Bergenund will meinen Fuss nicht ohne sie von dannen heben,
â auf Höhere, StĂ€rkere, Sieghaftere, Wohlgemuthere,Solche, die rechtwinklig gebaut sind an Leib und Seele:lachende Löwen mĂŒssen kommen!
Oh, meine Gastfreunde, ihr Wunderlichen,â hörtet ihr noch Nichts von meinen Kindern?Und dass sie zu mir unterwegs sind?
Sprecht mir doch von meinen GĂ€rten, von meinen glĂŒckseligen Inseln,von meiner neuen schönen Art,â warum sprecht ihr mir nicht davon?
Diess Gastgeschenk erbitte ich mir von eurer Liebe,dass ihr mir von meinen Kindern sprecht.Hierzu bin ich reich, hierzu ward ich arm:was gab ich nicht hin,
â was gĂ€be ich nicht hin, dass ich Eins hĂ€tte:diese Kinder, diese lebendige Pflanzung,diese LebensbĂ€ume meines Willens und meiner höchsten Hoffnung!â
Also sprach Zarathustra und hielt plötzlich inne in seiner Rede:denn ihn ĂŒberfiel seine Sehnsucht,und er schloss Augen und Mund vor der Bewegung seines Herzens.Und auch alle seine GĂ€ste schwiegen und standen still und bestĂŒrzt:nur dass der alte Wahrsager mit HĂ€nden und GebĂ€rden Zeichen gab.
*
* * Das Abendmahl.
An dieser Stelle nĂ€mlich unterbrach der Wahrsagerdie BegrĂŒssung Zarathustraâs und seiner GĂ€ste:er drĂ€ngte sich vor, wie Einer, der keine Zeit zu verlieren hat,fasste die Hand Zarathustraâs und rief: âAber Zarathustra!
Eins ist nothwendiger als das Andre, so redest du selber:wohlan, Eins ist mir jetzt nothwendiger als alles Andere.
Ein Wort zur rechten Zeit:hast du mich nicht zum Mahle eingeladen?Und hier sind Viele, die lange Wege machten.Du willst uns doch nicht mit Reden abspeisen?
Auch gedachtet ihr Alle mir schon zu viel des Erfrierens,Ertrinkens, Erstickens und andrer Leibes-NothstĂ€nde:Keiner aber gedachte meines Nothstandes,nĂ€mlich des Verhungerns ââ
(Also sprach der Wahrsager;wie die Thiere Zarathustraâs aber diese Worte hörten,liefen sie vor Schrecken davon.Denn sie sahen, dass was sie auch am Tage heimgebracht hatten,nicht genug sein werde, den Einen Wahrsager zu stopfen.)
âEingerechnet das Verdursten, fuhr der Wahrsager fort.Und ob ich schon Wasser hier plĂ€tschern höre,gleich Reden der Weisheit, nĂ€mlich reichlich und unermĂŒdlich:ich â will Wein!
Nicht Jeder ist gleich Zarathustra ein geborner Wassertrinker.Wasser taugt auch nicht fĂŒr MĂŒde und Verwelkte:uns gebĂŒhrt Wein, â der erst giebt plötzliches Genesenund stegreife Gesundheit!â
Bei dieser Gelegenheit, da der Wahrsager nach Wein begehrte,geschah es, dass auch der König zur Linken, der Schweigsame,einmal zu Worte kam.âFĂŒr Wein, sprach er, trugen wir Sorge,ich sammt meinem Bruder, dem Könige zur Rechten:wir haben Weinâs genug, â einen ganzen Esel voll.So fehlt Nichts als Brod.â
âBrod? entgegnete Zarathustra und lachte dazu.Nur gerade Brod haben Einsiedler nicht.Aber der Mensch lebt nicht vom Brod allein,sondern auch vom Fleische guter LĂ€mmer, deren ich zwei habe:
â Die soll man geschwinde schlachten und wĂŒrzig,mit Salbei, zubereiten: so liebe ichâs.Und auch an Wurzeln und FrĂŒchten fehlt es nicht,gut genug selbst fĂŒr Lecker- und Schmeckerlinge;noch an NĂŒssen und andern RĂ€thseln zum Knacken.
Also wollen wir in KĂŒrze eine gute Mahlzeit machen.Wer aber mit essen will, muss auch mit Hand anlegen,auch die Könige.Bei Zarathustra nĂ€mlich darf auch ein König Koch sein.â
Mit diesem Vorschlage war Allen nach dem Herzen geredet:nur dass der freiwillige Bettler sich gegen Fleisch und Weinund WĂŒrzen strĂ€ubte.
âNun hört mir doch diesen Schlemmer Zarathustra!sagte er scherzhaft:geht man dazu in Höhlen und Hoch-Gebirge,dass man solche Mahlzeiten macht?
Nun freilich verstehe ich, was er einst uns lehrte:âGelobt sei die kleine Armuth!âUnd warum er die Bettler abschaffen will.â
âSei guter Dinge, antwortete ihm Zarathustra, wie ich es bin.Bleibe bei deiner Sitte, du Trefflicher, malme deine Körner,trink dein Wasser, lobe deine KĂŒche:wenn sie dich nur fröhlich macht!
Ich bin ein Gesetz nur fĂŒr die Meinen,ich bin kein Gesetz fĂŒr Alle.Wer aber zu mir gehört, der muss von starken Knochen sein,auch von leichten FĂŒssen, â
â lustig zu Kriegen und Festen, kein DĂŒsterling, kein Traum-Hans,bereit zum Schwersten wie zu seinem Feste, gesund und heil.
Das Beste gehört den Meinen und mir;und giebt manâs uns nicht, so nehmen wirâs:â die beste Nahrung, den reinsten Himmel, die stĂ€rksten Gedanken,die schönsten Fraun!â â
Also sprach Zarathustra; der König zur Rechten aber entgegnete:âSeltsam! Vernahm man je solche kluge Dingeaus dem Munde eines Weisen?
Und wahrlich, das ist das Seltsamste an einem Weisen,wenn er zu alledem auch noch klug und kein Esel ist.â
Also sprach der König zur Rechten und wunderte sich;der Esel aber sagte zu seiner Rede mit bösem Willen I-A.Diess aber war der Anfang von jener langen Mahlzeit,welche âdas Abendmahlâ in den Historien-BĂŒchern genannt wird.Bei derselben aber wurde von nichts Anderem geredetals vom höheren Menschen.
*
* * Vom höheren Menschen. 1.
Als ich zum ersten Male zu den Menschen kam,da that ich die Einsiedler-Thorheit, die grosse Thorheit:ich stellte mich auf den Markt.
Und als ich zu Allen redete, redete ich zu Keinem.Des Abends aber waren SeiltÀnzer meine Genossen, und Leichname;und ich selber fast ein Leichnam.
Mit dem neuen Morgen aber kam mir eine neue Wahrheit:da lernte ich sprechen âWas geht mich Markt und Pöbelund Pöbel-LĂ€rm und lange Pöbel-Ohren an!â
Ihr höheren Menschen, Diess lernt von mir:auf dem Markt glaubt Niemand an höhere Menschen.Und wollt ihr dort reden, wohlan!Der Pöbel aber blinzelt âwir sind Alle gleich.â
âIhr höheren Menschen, â so blinzelt der Pöbel âes giebt keine höheren Menschen, wir sind Alle gleich,Mensch ist Mensch, vor Gott â sind wir Alle gleich!â
Vor Gott! â Nun aber starb dieser Gott.Vor dem Pöbel aber wollen wir nicht gleich sein.Ihr höheren Menschen, geht weg vom Markt!
*
* * 2.
Vor Gott! â Nun aber starb dieser Gott!Ihr höheren Menschen, dieser Gott war eure grösste Gefahr.
Seit er im Grabe liegt, seid ihr erst wieder auferstanden.Nun erst kommt der grosse Mittag,nun erst wird der höhere Mensch â Herr!
Verstandet ihr diess Wort, oh meine BrĂŒder?Ihr seid erschreckt: wird euren Herzen schwindlig?Klafft euch hier der Abgrund?KlĂ€fft euch hier der Höllenhund?
Wohlan! Wohlauf! Ihr höheren Menschen!Nun erst kreist der Berg der Menschen-Zukunft.Gott starb: nun wollen wir, â dass der Ăbermensch lebe.
*
* * 3.
Die Sorglichsten fragen heute: âwie bleibt der Mensch erhalten?âZarathustra aber fragt als der Einzige und Erste:âwie wird der Mensch ĂŒberwunden?â
Der Ăbermensch liegt mir am Herzen,der ist mein Erstes und Einziges, â und nicht der Mensch:nicht der NĂ€chste, nicht der Ărmste,nicht der Leidendste, nicht der Beste â
Oh meine BrĂŒder, was ich lieben kann am Menschen,das ist, dass er ein Ăbergang ist und ein Untergang.Und auch an euch ist Vieles, das mich lieben und hoffen macht.
Dass ihr verachtetet, ihr höheren Menschen, das macht mich hoffen.Die grossen Verachtenden nÀmlich sind die grossen Verehrenden.
Dass ihr verzweifeltet, daran ist Viel zu ehren.Denn ihr lerntet nicht, wie ihr euch ergÀbet,ihr lerntet die kleinen Klugheiten nicht.
Heute nĂ€mlich wurden die kleinen Leute Herr:die predigen Alle Ergebung und Bescheidung und Klugheit und Fleissund RĂŒcksicht und das lange Und-so-weiter der kleinen Tugenden.
Was von Weibsart ist, was von Knechtsart stammtund sonderlich der Pöbel-Mischmasch:Das will nun Herr werden alles Menschen-Schicksals âoh Ekel! Ekel! Ekel!
Das frĂ€gt und frĂ€gt und wird nicht mĂŒde:âwie erhĂ€lt sich der Mensch, am besten, am lĂ€ngsten, am angenehmsten?âDamit â sind sie die Herrn von Heute.
Diese Herrn von Heute ĂŒberwindet mir, oh meine BrĂŒder, âdiese kleinen Leute: die sind des Ăbermenschen grösste Gefahr!
Ăberwindet mir, ihr höheren Menschen, die kleinen Tugenden,die kleinen Klugheiten, die Sandkorn-RĂŒcksichten,den Ameisen-Kribbelkram, das erbĂ€rmliche Behagen,das âGlĂŒck der Meistenâ â!
Und lieber verzweifelt, als dass ihr euch ergebt.Und, wahrlich, ich liebe euch dafĂŒr,dass ihr heute nicht zu leben wisst, ihr höheren Menschen!So nĂ€mlich lebt ihr â am Besten!
*
* * 4.
Habt ihr Muth, oh meine BrĂŒder? Seid ihr herzhaft?Nicht Muth vor Zeugen, sondern Einsiedler- und Adler-Muth,dem auch kein Gott mehr zusieht?
Kalte Seelen, Maulthiere, Blinde, Trunkeneheissen mir nicht herzhaft.Herz hat, wer Furcht kennt, aber Furcht zwingt,wer den Abgrund sieht, aber mit Stolz.
Wer den Abgrund sieht, aber mit Adlers-Augen,wer mit Adlers-Krallen den Abgrund fasst:Der hat Muth. â â
*
* * 5.
âDer Mensch ist böseâ â so sprachen mir zum Troste alle Weisesten.Ach, wenn es heute nur noch wahr ist!Denn das Böse ist des Menschen beste Kraft.
âDer Mensch muss besser und böser werdenâ â so lehre ich.Das Böseste ist nöthig zu des Ăbermenschen Bestem.
Das mochte gut sein fĂŒr jenen Prediger der kleinen Leute,dass er litt und trug an des Menschen SĂŒnde.Ich aber erfreue mich der grossen SĂŒnde als meines grossen Trostes. â
Solches ist aber nicht fĂŒr lange Ohren gesagt.Jedwedes Wort gehört auch nicht in jedes Maul.Das sind feine ferne Dinge:nach denen sollen nicht Schafs-Klauen greifen!
*
* * 6.
Ihr höheren Menschen, meint ihr, ich sei da, gut zu machen,was ihr schlecht machtet?
Oder ich wollte fĂŒrderhin euch Leidende bequemer betten?Oder euch UnstĂ€ten, Verirrten, Verklettertenneue leichtere Fusssteige zeigen?
Nein! Nein! Drei Mal Nein!Immer Mehr, immer Bessere eurer Art sollen zu Grunde gehn, âdenn ihr sollt es immer schlimmer und hĂ€rter haben.So allein â
â so allein wĂ€chst der Mensch in die Höhe,wo der Blitz ihn trifft und zerbricht:hoch genug fĂŒr den Blitz!
Auf Weniges, auf Langes, auf Fernes geht mein Sinnund meine Sehnsucht:was gienge mich euer kleines, vieles, kurzes Elend an!
Ihr leidet mir noch nicht genug!Denn ihr leidet an euch, ihr littet noch nicht am Menschen.Ihr wĂŒrdet lĂŒgen, wenn ihrâs anders sagtet!Ihr leidet Alle nicht, woran ich litt. â â
*
* * 7.
Es ist mir nicht genug, dass der Blitz nicht mehr schadet.Nicht ableiten will ich ihn: er soll lernen fĂŒr mich â arbeiten. â
Meine Weisheit sammlet sich lange schon gleich einer Wolke,sie wird stiller und dunkler.So thut jede Weisheit, welche einst Blitze gebĂ€ren soll. â
Diesen Menschen von Heute will ich nicht Licht sein,nicht Licht heissen.Die â will ich blenden: Blitz meiner Weisheit!Stich ihnen die Augen aus!
*
* * 8.
Wollt Nichts ĂŒber euer Vermögen:es giebt eine schlimme Falschheit bei Solchen,die ĂŒber ihr Vermögen wollen.
Sonderlich, wenn sie grosse Dinge wollen!Denn sie wecken Misstrauen gegen grosse Dinge,diese feinen FalschmĂŒnzer und Schauspieler: â
â bis sie endlich falsch vor sich selber sind,schielĂ€ugig, ĂŒbertĂŒnchter Wurmfrass,bemĂ€ntelt durch starke Worte, durch AushĂ€nge-Tugenden,durch glĂ€nzende falsche Werke.
Habt da eine gute Vorsicht, ihr höheren Menschen!Nichts nÀmlich gilt mir heute kostbarer und seltner als Redlichkeit.
Ist diess Heute nicht des Pöbels?Pöbel aber weiss nicht, was gross, was klein,was gerade und redlich ist:der ist unschuldig krumm, der lĂŒgt immer.
*
* * 9.
Habt heute ein gutes Misstrauen, ihr höheren Menschen,ihr Beherzten! Ihr Offenherzigen!Und haltet eure GrĂŒnde geheim! Diess Heute nĂ€mlich ist des Pöbels.
Was der Pöbel ohne GrĂŒnde einst glauben lernte,wer könnte ihm durch GrĂŒnde Das â umwerfen?
Und auf dem Markte ĂŒberzeugt man mit GebĂ€rden.Aber GrĂŒnde machen den Pöbel misstrauisch.
Und wenn da einmal die Wahrheit zum Siege kam,so fragt euch mit gutem Misstrauen:âwelch starker Irrthum hat fĂŒr sie gekĂ€mpft?â
HĂŒtet euch auch vor den Gelehrten! Die hassen euch:denn sie sind unfruchtbar!Sie haben kalte vertrocknete Augen,vor ihnen liegt jeder Vogel entfedert.
Solche brĂŒsten sich damit, dass sie nicht lĂŒgen:aber Ohnmacht zur LĂŒge ist lange noch nicht Liebe zur Wahrheit.HĂŒtet euch!
Freiheit von Fieber ist lange noch nicht Erkenntniss!AusgekĂ€lteten Geistern glaube ich nicht.Wer nicht lĂŒgen kann, weiss nicht, was Wahrheit ist.
*
* * 10.
Wollt ihr hoch hinaus, so braucht die eignen Beine!Lasst euch nicht empor tragen,setzt euch nicht auf fremde RĂŒcken und Köpfe!
Du aber stiegst zu Pferde?Du reitest nun hurtig hinauf zu deinem Ziele?Wohlan, mein Freund! Aber dein lahmer Fuss sitzt auch mit zu Pferde!
Wenn du an deinem Ziele bist, wenn du von deinem Pferde springst:auf deiner Höhe gerade, du höherer Mensch â wirst du stolpern!
*
* * 11.
Ihr Schaffenden, ihr höheren Menschen!Man ist nur fĂŒr das eigne Kind schwanger.
Lasst euch Nichts vorreden, einreden! Wer ist denn euer NĂ€chster?Und handelt ihr auch âfĂŒr den NĂ€chstenâ, âihr schafft doch nicht fĂŒr ihn!
Verlernt mir doch diess âFĂŒrâ, ihr Schaffenden:eure Tugend gerade will es,dass ihr kein Ding mit âfĂŒrâ und âumâ und âweilâ thut.Gegen diese falschen kleinen Worte sollt ihr euer Ohr zukleben.
Das âfĂŒr den NĂ€chstenâ ist die Tugend nur der kleinen Leute:da heisst es âgleich und gleichâ und âHand wĂ€scht Handâ: âsie haben nicht Recht noch Kraft zu eurem Eigennutz!
In eurem Eigennutz, ihr Schaffenden,ist der Schwangeren Vorsicht und Vorsehung!Was Niemand noch mit Augen sah, die Frucht:die schirmt und schont und nÀhrt eure ganze Liebe.
Wo eure ganze Liebe ist, bei eurem Kinde,da ist auch eure ganze Tugend!Euer Werk, euer Wille ist euer âNĂ€chsterâ:lasst euch keine falschen Werthe einreden!
*
* * 12.
Ihr Schaffenden, ihr höheren Menschen!Wer gebÀren muss, der ist krank;wer aber geboren hat, ist unrein.
Fragt die Weiber: man gebiert nicht, weil es VergnĂŒgen macht.Der Schmerz macht HĂŒhner und Dichter gackern.
Ihr Schaffenden, an euch ist viel Unreines.Das macht, ihr musstet MĂŒtter sein.
Ein neues Kind: oh wie viel neuer Schmutz kam auch zur Welt!Geht bei Seite! Und wer geboren hat,soll seine Seele rein waschen!
*
* * 13.
Seid nicht tugendhaft ĂŒber eure KrĂ€fte!Und wollt Nichts von euch wider die Wahrscheinlichkeit!
Geht in den Fusstapfen, wo schon eurer VĂ€ter Tugend gieng!Wie wolltet ihr hoch steigen,wenn nicht eurer VĂ€ter Wille mit euch steigt?
Wer aber Erstling sein will, sehe zu,dass er nicht auch Letztling werde!Und wo die Laster eurer VĂ€ter sind,darin sollt ihr nicht Heilige bedeuten wollen!
Wessen VÀter es mit Weibern hieltenund mit starken Weinen und Wildschweinen:was wÀre es, wenn Der von sich Keuschheit wollte?
Eine Narrheit wĂ€re es!Viel, wahrlich, dĂŒnkt es mich fĂŒr einen Solchen,wenn er Eines oder zweier oder dreier Weiber Mann ist.
Und stiftete er Klöster und schriebe ĂŒber die ThĂŒr:âder Weg zum Heiligen,â â ich sprĂ€che doch: wozu!es ist eine neue Narrheit!
Er stiftete sich selber ein Zucht- und Fluchthaus: wohl bekommâs!Aber ich glaube nicht daran.
In der Einsamkeit wÀchst, was Einer in sie bringt,auch das innere Vieh.Solchergestalt widerrÀth sich Vielen die Einsamkeit.
Gab es Schmutzigeres bisher auf Erden als WĂŒsten-Heilige?Um die herum war nicht nur der Teufel los, âsondern auch das Schwein.
*
* * 14.
Scheu, beschÀmt, ungeschickt, einem Tiger gleich,dem der Sprung missrieth:also, ihr höheren Menschen, sah ich oft euch bei Seite schleichen.Ein Wurf missrieth euch.
Aber, ihr WĂŒrfelspieler, was liegt daran!Ihr lerntet nicht spielen und spotten,wie man spielen und spotten muss!Sitzen wir nicht immer an einem grossen Spott- und Spieltische?
Und wenn euch Grosses missrieth, seid ihr selber darum â missrathen?Und missriethet ihr selber, missrieth darum â der Mensch?Missrieth aber der Mensch: wohlan! wohlauf!
*
* * 15.
Je höher von Art, je seltener gerĂ€th ein Ding.Ihr höheren Menschen hier, seid ihr nicht alle â missgerathen?
Seid guten Muths, was liegt daran!Wie Vieles ist noch möglich!Lernt ĂŒber euch selber lachen, wie man lachen muss!
Was Wunders auch, dass ihr missriethet und halb geriethet,ihr Halb-Zerbrochenen!DrĂ€ngt und stösst sich nicht in euch â des Menschen Zukunft?
Des Menschen Fernstes, Tiefstes, Sternen-Höchstes,seine ungeheure Kraft:schÀumt Das nicht alles gegen einander in eurem Topfe?
Was Wunders, dass mancher Topf zerbricht!Lernt ĂŒber euch lachen, wie man lachen muss!Ihr höheren Menschen, oh wie Vieles ist noch möglich!
Und wahrlich, wie Viel gerieth schon!Wie reich ist diese Erde an kleinen guten vollkommenen Dingen,an Wohlgerathenem!
Stellt kleine gute vollkommne Dinge um euch, ihr höheren Menschen!Deren goldene Reife heilt das Herz. Vollkommnes lehrt hoffen.
*
* * 16.
Welches war hier auf Erden bisher die grösste SĂŒnde?War es nicht das Wort Dessen, der sprach:âWehe Denen, die hier lachen!â
Fand er zum Lachen auf der Erde selber keine GrĂŒnde?So suchte er nur schlecht. Ein Kind findet hier noch GrĂŒnde.
Der â liebte nicht genug: sonst hĂ€tte er auch uns geliebt,die Lachenden! Aber er hasste und höhnte uns,Heulen und ZĂ€hneklappern verhiess er uns.
Muss man denn gleich fluchen, wo man nicht liebt?Das â dĂŒnkt mich ein schlechter Geschmack.Aber so that er, dieser Unbedingte. Er kam vom Pöbel.
Und er selber liebte nur nicht genug:sonst hĂ€tte er weniger gezĂŒrnt, dass man ihn nicht liebe.Alle grosse Liebe will nicht Liebe: â die will mehr.
Geht aus dem Wege allen solchen Unbedingten!Das ist eine arme kranke Art, eine Pöbel-Art:sie sehn schlimm diesem Leben zu,sie haben den bösen Blick fĂŒr diese Erde.
Geht aus dem Wege allen solchen Unbedingten!Sie haben schwere FĂŒsse und schwĂŒle Herzen: âsie wissen nicht zu tanzen.Wie möchte Solchen wohl die Erde leicht sein!
*
* * 17.
Krumm kommen alle guten Dinge ihrem Ziele nahe.Gleich Katzen machen sie Buckel,sie schnurren innewendig vor ihrem nahen GlĂŒcke, âalle guten Dinge lachen.
Der Schritt verrÀth, ob Einer schon auf seiner Bahn schreitet:so seht mich gehn!Wer aber seinem Ziel nahe kommt, der tanzt.
Und, wahrlich, zum Standbild ward ich nicht,noch stehe ich nicht da, starr, stumpf, steinern, eine SĂ€ule;ich liebe geschwindes Laufen.
Und wenn es auf Erden auch Moor und dicke TrĂŒbsal giebt:wer leichte FĂŒsse hat, lĂ€uft ĂŒber Schlamm noch hinwegund tanzt wie auf gefegtem Eise.
Erhebt eure Herzen, meine BrĂŒder, hoch! höher!Und vergesst mir auch die Beine nicht!Erhebt auch eure Beine, ihr guten TĂ€nzer,und besser noch: ihr steht auch auf dem Kopf!
*
* * 18.
Diese Krone des Lachenden, diese Rosenkranz-Krone:ich selber setzte mir diese Krone auf,ich selber sprach heilig mein GelÀchter.Keinen Anderen fand ich heute stark genug dazu.
Zarathustra der TĂ€nzer, Zarathustra der Leichte,der mit den FlĂŒgeln winkt, ein Flugbereiter,allen Vögeln zuwinkend, bereit und fertig, ein Selig-Leichtfertiger: â
Zarathustra der Wahrsager, Zarathustra der Wahrlacher,kein Ungeduldiger, kein Unbedingter,Einer, der SprĂŒnge und SeitensprĂŒnge liebt;ich selber setzte mir diese Krone auf!
*
* * 19.
Erhebt eure Herzen, meine BrĂŒder, hoch! höher!Und vergesst mir auch die Beine nicht!Erhebt auch eure Beine, ihr guten TĂ€nzer,und besser noch: ihr steht auch auf dem Kopf!
Es giebt auch im GlĂŒck schweres Gethier,es giebt PlumpfĂŒssler von Anbeginn.Wunderlich mĂŒhn sie sich ab, einem Elephanten gleich,der sich mĂŒht auf dem Kopf zu stehn.
Besser aber noch nĂ€rrisch sein vor GlĂŒckeals nĂ€rrisch vor UnglĂŒcke,besser plump tanzen als lahm gehn.So lernt mir doch meine Weisheit ab:auch das schlimmste Ding hat zwei gute Kehrseiten, â
â auch das schlimmste Ding hat gute Tanzbeine:so lernt mir doch euch selbst, ihr höheren Menschen,auf eure rechten Beine stellen!
So verlernt mir doch TrĂŒbsal-Blasen und alle Pöbel-Traurigkeit!Oh wie traurig dĂŒnken mich heute des Pöbels HanswĂŒrste noch!Diess Heute aber ist des Pöbels.
*
* * 20.
Dem Winde thut mir gleich, wenn er aus seinen Berghöhlen stĂŒrzt:nach seiner eignen Pfeife will er tanzen,die Meere zittern und hĂŒpfen unter seinen Fusstapfen.
Der den Eseln FlĂŒgel giebt, der Löwinnen melkt,gelobt sei dieser gute unbĂ€ndige Geist,der allem Heute und allem Pöbel wie ein Sturmwind kommt, â
â der Distel- und Tiftelköpfen feind istund allen welken BlĂ€ttern und UnkrĂ€utern:gelobt sei dieser wilde gute freie Sturmgeist,welcher auf Mooren und TrĂŒbsalen wie auf Wiesen tanzt!
Der die Pöbel-Schwindhunde hasst und alles missrathene dĂŒstere GezĂŒcht:gelobt sei dieser Geist aller freien Geister, der lachende Sturm,welcher allen Schwarzsichtigen, SchwĂ€rsĂŒchtigenStaub in die Augen blĂ€st!
Ihr höheren Menschen, euer Schlimmstes ist:ihr lerntet alle nicht tanzen, wie man tanzen muss âĂŒber euch hinweg tanzen! Was liegt daran, dass ihr missriethet!
Wie Vieles ist noch möglich! So lernt doch ĂŒber euch hinweg lachen!Erhebt eure Herzen, ihr guten TĂ€nzer, hoch! höher!Und vergesst mir auch das gute Lachen nicht!
Diese Krone des Lachenden, diese Rosenkranz-Krone:euch, meinen BrĂŒdern, werfe ich diese Krone zu!Das Lachen sprach ich heilig;ihr höheren Menschen, lernt mir â lachen!
*
* * Das Lied der Schwermuth. 1.
Als Zarathustra diese Reden sprach,stand er nahe dem Eingange seiner Höhle;mit den letzten Worten aber entschlĂŒpfte er seinen GĂ€stenund floh fĂŒr eine kurze Weile inâs Freie.
âOh reine GerĂŒche um mich, rief er aus,oh selige Stille um mich! Aber wo sind meine Thiere?Heran, heran, mein Adler und meine Schlange!
Sagt mir doch, meine Thiere:diese höheren Menschen insgesammt â riechen sie vielleicht nicht gut?Oh reine GerĂŒche um mich!Jetzo weiss und fĂŒhle ich erst, wie ich euch, meine Thiere, liebe.â
â Und Zarathustra sprach nochmals: âich liebe euch, meine Thiere!âDer Adler aber und die Schlange drĂ€ngten sich an ihn,als er diese Worte sprach, und sahen zu ihm hinauf.Solchergestalt waren sie zu drei still beisammenund schnĂŒffelten und schlĂŒrften mit einander die gute Luft.Denn die Luft war hier draussen besserals bei den höheren Menschen.
*
* * 2.
Kaum aber hatte Zarathustra seine Höhle verlassen,da erhob sich der alte Zauberer,sah listig umher und sprach: âEr ist hinaus!
Und schon, ihr höheren Menschen âdass ich euch mit diesem Lob- und Schmeichel-Namen kitzle,gleich ihm selber â schon fĂ€llt mich mein schlimmer Trug- und Zaubergeist an,mein schwermĂŒthiger Teufel,
â welcher diesem Zarathustra ein Widersacher ist aus dem Grunde:vergebt es ihm! Nun will er vor euch zaubern,er hat gerade seine Stunde;umsonst ringe ich mit diesem bösen Geiste.
Euch Allen, welche Ehren ihr euch mit Worten geben mögt,ob ihr euch âdie freien Geisterâ nennt oder âdie Wahrhaftigenâoder âdie BĂŒsser des Geistesâ oder âdie Entfesseltenâoder âdie grossen SehnsĂŒchtigenâ â
â euch Allen, die ihr am grossen Ekel leidet gleich mir,denen der alte Gott starbund noch kein neuer Gott in Wiegen und Windeln liegt, âeuch Allen ist mein böser Geist und Zauber-Teufel hold.
Ich kenne euch, ihr höheren Menschen, ich kenne ihn, âich kenne auch diesen Unhold, den ich wider Willen liebe,diesen Zarathustra: er selber dĂŒnkt mich öftergleich einer schönen Heiligen-Larve,
â gleich einem neuen wunderlichen Mummenschanze,in dem sich mein böser Geist, der schwermĂŒthige Teufel, gefĂ€llt: âich liebe Zarathustra, so dĂŒnkt mich oft,um meines bösen Geistes Willen. â
Aber schon fĂ€llt der mich an und zwingt mich,dieser Geist der Schwermuth, dieser Abend-DĂ€mmerungs-Teufel:und, wahrlich, ihr höheren Menschen, es gelĂŒstet ihn â
â macht nur die Augen auf! â es gelĂŒstet ihn, nackt zu kommen,ob mĂ€nnlich, ob weiblich, noch weiss ichâs nicht:aber er kommt, er zwingt mich, wehe! macht eure Sinne auf!
Der Tag klingt ab, allen Dingen kommt nun der Abend,auch den besten Dingen;hört nun und seht, ihr höheren Menschen, welcher Teufel,ob Mann, ob Weib, dieser Geist der Abend-Schwermuth ist!â
Also sprach der alte Zauberer, sah listig umherund griff dann zu seiner Harfe.
*
* * 3. Bei abgehellter Luft, Wenn schon des Thauâs Tröstung Zur Erde niederquillt, Unsichtbar, auch ungehört: â Denn zartes Schuhwerk trĂ€gt Der Tröster Thau gleich allen Trost-Milden â: Gedenkst du da, gedenkst du, heisses Herz, Wie einst du durstetest, Nach himmlischen ThrĂ€nen und Thau-GetrĂ€ufel Versengt und mĂŒde durstetest, Dieweil auf gelben Gras-Pfaden Boshaft abendliche Sonnenblicke Durch schwarze BĂ€ume um dich liefen, Blendende Sonnen-Gluthblicke, schadenfrohe. âDer Wahrheit Freier? Du? â so höhnten sie â Nein! Nur ein Dichter! Ein Thier, ein listiges, raubendes, schleichendes, Das lĂŒgen muss, Das wissentlich, willentlich lĂŒgen muss: Nach Beute lĂŒstern, Bunt verlarvt, Sich selber Larve, Sich selbst zur Beute â Das â der Wahrheit Freier? Nein! Nur Narr! Nur Dichter! Nur Buntes redend, Aus Narren-Larven bunt herausschreiend, Herumsteigend auf lĂŒgnerischen Wort-BrĂŒcken, Auf bunten Regenbogen, Zwischen falschen Himmeln Und falschen Erden, Herumschweifend, herumschwebend, â Nur Narr! Nur Dichter! Das â der Wahrheit Freier? Nicht still, starr, glatt, kalt, Zum Bilde worden, Zur Gottes-SĂ€ule, Nicht aufgestellt vor Tempeln, Eines Gottes ThĂŒrwart: Nein! Feindselig solchen Wahrheits-Standbildern, In jeder Wildniss heimischer als vor Tempeln, Voll Katzen-Muthwillens, Durch jedes Fenster springend Husch! in jeden Zufall, Jedem Urwalde zuschnĂŒffelnd, SĂŒchtig-sehnsĂŒchtig zuschnĂŒffelnd, Dass du in UrwĂ€ldern Unter buntgefleckten Raubthieren SĂŒndlich-gesund und bunt und schön liefest, Mit lĂŒsternen Lefzen, Selig-höhnisch, selig-höllisch, selig-blutgierig, Raubend, schleichend, lĂŒgend liefest: â Oder, dem Adler gleich, der lange, Lange starr in AbgrĂŒnde blickt, In seine AbgrĂŒnde: â â Oh wie sie sich hier hinab, Hinunter, hinein, In immer tiefere Tiefen ringeln! â Dann, Plötzlich, geraden Zugs, GezĂŒckten Flugs, Auf LĂ€mmer stossen, Jach hinab, heisshungrig, Nach LĂ€mmern lĂŒstern, Gram allen Lamms-Seelen, Grimmig-gram Allem, was blickt SchafmĂ€ssig, lammĂ€ugig, krauswollig, Grau, mit Lamms-Schafs-Wohlwollen! Also Adlerhaft, pantherhaft Sind des Dichters SehnsĂŒchte, Sind deine SehnsĂŒchte unter tausend Larven, Du Narr! Du Dichter! Der du den Menschen schautest So Gott als Schaf â: Den Gott zerreissen im Menschen Wie das Schaf im Menschen, Und zerreissend lachen â Das, Das ist deine Seligkeit! Eines Panthers und Adlers Seligkeit! Eines Dichters und Narren Seligkeit!â â â Bei abgehellter Luft, Wenn schon des Monds Sichel GrĂŒn zwischen Purpurröthen Und neidisch hinschleicht: â dem Tage feind, Mit jedem Schritte heimlich An Rosen-HĂ€ngematten Hinsichelnd, bis sie sinken, Nacht-abwĂ€rts blass hinabsinken: â So sank ich selber einstmals Aus meinem Wahrheits-Wahnsinne, Aus meinen Tages-SehnsĂŒchten, Des Tages mĂŒde, krank vom Lichte, â sank abwĂ€rts, abendwĂ€rts, schattenwĂ€rts: Von Einer Wahrheit Verbrannt und durstig: â gedenkst du noch, gedenkst du, heisses Herz, Wie da du durstetest? â Dass ich verbannt sei Von aller Wahrheit, Nur Narr! Nur Dichter!Von der Wissenschaft.
Also sang der Zauberer;und Alle, die beisammen waren,giengen gleich Vögeln unvermerktin das Netz seiner listigenund schwermĂŒthigen Wollust.Nur der Gewissenhafte des Geisteswar nicht eingefangen:er nahm flugs dem Zauberer die Harfe wegund rief: âLuft! Lasst gute Luft herein!Lasst Zarathustra herein!Du machst diese Höhle schwĂŒl und giftig,du schlimmer alter Zauberer!
Du verfĂŒhrst, du Falscher, Feiner,zu unbekannten Begierden und Wildnissen.Und wehe, wenn Solche, wie du,von der Wahrheit Redens und Wesens machen!
Wehe allen freien Geistern,welche nicht vor solchen Zauberern auf der Hut sind!Dahin ist es mit ihrer Freiheit:du lehrst und lockst zurĂŒck in GefĂ€ngnisse, â
â du alter schwermĂŒthiger Teufel,aus deiner Klage klingt eine Lockpfeife,du gleichst Solchen, welche mit ihrem Lobe der Keuschheitheimlich zu WollĂŒsten laden!â
Also sprach der Gewissenhafte;der alte Zauberer aber blickte um sich,genoss seines Sieges und verschluckte darĂŒber den Verdruss,welchen ihm der Gewissenhafte machte.âSei still! sagte er mit bescheidener Stimme,gute Lieder wollen gut wiederhallen;nach guten Liedern soll man lange schweigen.
So thun es diese Alle, die höheren Menschen.Du aber hast wohl Wenig von meinem Lied verstanden?In dir ist Wenig von einem Zaubergeiste.â
âDu lobst mich, entgegnete der Gewissenhafte,indem du mich von dir abtrennst, wohlan!Aber ihr Anderen, was sehe ich?Ihr sitzt alle noch mit lĂŒsternen Augen da â:
Ihr freien Seelen, wohin ist eure Freiheit!Fast, dĂŒnkt michâs, gleicht ihr Solchen,die lange schlimmen tanzenden nackten MĂ€dchen zusahn:eure Seelen tanzen selber!
In euch, ihr höheren Menschen,muss Mehr von Dem sein,was der Zauberer seinen bösen Zauber- und Truggeist nennt: âwir mĂŒssen wohl verschieden sein.
Und wahrlich, wir sprachen und dachten genug mitsammen,ehe Zarathustra heimkam zu seiner Höhle,als dass ich nicht wĂŒsste: wir sind verschieden.
Wir suchen Verschiednes auch hier oben, ihr und ich.Ich nĂ€mlich suche mehr Sicherheit,desshalb kam ich zu Zarathustra.Der nĂ€mlich ist noch der festeste Thurm und Wille â
â heute, wo Alles wackelt, wo alle Erde bebt.Ihr aber, wenn ich eure Augen sehe, die ihr macht,fast dĂŒnkt michâs, ihr sucht mehr Unsicherheit,
â mehr Schauder, mehr Gefahr, mehr Erdbeben.Euch gelĂŒstet, fast dĂŒnkt michâs so,vergebt meinem DĂŒnkel, ihr höheren Menschen â
â euch gelĂŒstet nach dem schlimmsten gefĂ€hrlichsten Leben,das mir am meisten Furcht macht,nach dem Leben wilder Thiere,nach WĂ€ldern, Höhlen, steilen Bergen und Irr-SchlĂŒnden.
Und nicht die FĂŒhrer aus der Gefahr gefallen euch am besten,sondern die euch von allen Wegen abfĂŒhren, die VerfĂŒhrer.Aber, wenn solch GelĂŒsten an euch wirklich ist,so dĂŒnkt es mich trotzdem unmöglich.
Furcht nĂ€mlich â das ist des Menschen Erb- und GrundgefĂŒhl;aus der Furcht erklĂ€rt sich Jegliches,ErbsĂŒnde und Erbtugend.Aus der Furcht wuchs auch meine Tugend,die heisst: Wissenschaft.
Die Furcht nĂ€mlich vor wildem Gethier âdie wurde dem Menschen am lĂ€ngsten angezĂŒchtet,einschliesslich das Thier, das er in sich selber birgtund fĂŒrchtet: â Zarathustra heisst es âdas innere Vieh.â
Solche lange alte Furcht, endlich fein geworden,geistlich, geistigâ heute, dĂŒnkt mich, heisst sie: Wissenschaft.â â
Also sprach der Gewissenhafte; aber Zarathustra,der eben in seine Höhle zurĂŒckkamund die letzte Rede gehört und errathen hatte,warf dem Gewissenhaften eine Hand voll Rosen zuund lachte ob seiner âWahrheitenâ.âWie! rief er, was hörte ich da eben?Wahrlich, mich dĂŒnkt, du bist ein Narr oder ich selber binâs:und deine âWahrheitâ stelle ich rucks und flugs auf den Kopf.
Furcht nĂ€mlich â ist unsre Ausnahme.Muth aber und Abenteuer und Lust am Ungewissen,am Ungewagten, â Muth dĂŒnkt mich des Menschen ganze Vorgeschichte.
Den wildesten muthigsten Thieren hat er alle ihre Tugenden abgeneidetund abgeraubt: so erst wurde er â zum Menschen.
Dieser Muth, endlich fein geworden, geistlich, geistig,dieser Menschen-Muth mit Adler-FlĂŒgeln und Schlangen-Klugheit:der, dĂŒnkt mich, heisst heute ââ
âZarathustraâ! schrien Alle, die beisammen sassen,wie aus Einem Munde und machten dazu ein grosses GelĂ€chter;es hob sich aber von ihnen wie eine schwere Wolke.Auch der Zauberer lachte und sprach mit Klugheit:âWohlan! Er ist davon, mein böser Geist!
Und habe ich euch nicht selber vor ihm gewarnt,als ich sagte, dass er ein BetrĂŒger sei,ein Lug- und Truggeist?
Sonderlich nĂ€mlich, wenn er sich nackend zeigt.Aber was kann ich fĂŒr seine TĂŒcken!Habe ich ihn und die Welt geschaffen?
Wohlan! Seien wir wieder gut und guter Dinge!Und ob schon Zarathustra böse blickt âseht ihn doch! er ist mir gram â:
â bevor die Nacht kommt, lernt er wieder,mich lieben und loben, er kann nicht lange leben,ohne solche Thorheiten zu thun.
Der â liebt seine Feinde:diese Kunst versteht er am besten von Allen, die ich sah.Aber er nimmt Rache dafĂŒr â an seinen Freunden!â
Also sprach der alte Zauberer,und die höheren Menschen zollten ihm Beifall:so dass Zarathustra herumgiengund mit Bosheit und Liebe seinen Freunden die HĂ€nde schĂŒttelte, âgleichsam als Einer, der an Allen Etwas gutzumachenund abzubitten hat.Als er aber dabei an die ThĂŒr seiner Höhle kam,siehe, da gelĂŒstete ihn schon wiedernach der guten Luft da draussen und nach seinen Thieren, âund er wollte hinaus schlĂŒpfen.
Unter Töchtern der WĂŒste. 1.
âGehe nicht davon! sagte da der Wanderer,welcher sich den Schatten Zarathustraâs nannte,bleibe bei uns, es möchte uns sonstdie alte dumpfe TrĂŒbsal wieder anfallen.
Schon gab uns jener alte Zauberervon seinem Schlimmsten zum Besten, und siehe doch,der gute fromme Papst da hat ThrĂ€nen in den Augenund hat sich ganz wieder aufâs Meer der Schwermuth eingeschifft.
Diese Könige mögen wohl vor uns noch gute Miene machen:das lernten Die nĂ€mlich von uns Allen heute am Besten!HĂ€tten sie aber keine Zeugen, ich wette,auch bei ihnen fienge das böse Spiel wieder an â
â das böse Spiel der ziehenden Wolken,der feuchten Schwermuth, der verhĂ€ngten Himmel,der gestohlenen Sonnen, der heulenden Herbst-Winde!
â das böse Spiel unsres Heulens und Nothschreiens:bleibe bei uns, oh Zarathustra!Hier ist viel verborgenes Elend, das reden will,viel Abend, viel Wolke, viel dumpfe Luft!
Du nĂ€hrtest uns mit starker Manns-Kost und krĂ€ftigen SprĂŒchen:lass es nicht zu, dass uns zum Nachtischdie weichlichen weiblichen Geister wieder anfallen!
Du allein machst die Luft um dich herum stark und klar!Fand ich je auf Erden so gute Luftals bei dir in deiner Höhle?
Viele LĂ€nder sah ich doch,meine Nase lernte vielerlei Luft prĂŒfen und abschĂ€tzen:aber bei dir schmecken meine NĂŒstern ihre grösste Lust!
Es sei denn, â es sei denn â,oh vergieb eine alte Erinnerung!Vergieb mir ein altes Nachtisch-Lied,das ich einst unter Töchtern der WĂŒste dichtete: â
â bei denen nĂ€mlich gab es gleich gute helle morgenlĂ€ndische Luft;dort war ich am fernsten vom wolkigen feuchten schwermĂŒthigen Alt-Europa!
Damals liebte ich solcherlei Morgenland-MĂ€dchenund andres blaues Himmelreich,ĂŒber dem keine Wolken und keine Gedanken hĂ€ngen.
Ihr glaubt es nicht, wie artig sie dasassen,wenn sie nicht tanzten, tief, aber ohne Gedanken,wie kleine Geheimnisse, wie bebĂ€nderte RĂ€thsel, wie Nachtisch-NĂŒsse â
bunt und fremd fĂŒrwahr! aber ohne Wolken:RĂ€thsel, die sich rathen lassen:solchen MĂ€dchen zu Liebe erdachte ich damals einen Nachtisch-Psalm.â
Also sprach der Wanderer und Schatten;und ehe Jemand ihm antwortete,hatte er schon die Harfe des alten Zauberers ergriffen,die Beine gekreuzt und blickte gelassen und weise um sich: âmit den NĂŒstern aber zog er langsam und fragend die Luft ein,wie Einer, der in neuen LĂ€ndern neue fremde Luft kostet.Darauf hob er mit einer Art GebrĂŒll zu singen an.
* 2.
Die WĂŒste wĂ€chst: weh Dem, der WĂŒsten birgt! â Ha! Feierlich! In der That feierlich! Ein wĂŒrdiger Anfang! Afrikanisch feierlich! Eines Löwen wĂŒrdig, Oder eines moralischen BrĂŒllaffen â â aber Nichts fĂŒr euch, Ihr allerliebsten Freundinnen, Zu deren FĂŒssen mir Zum ersten Male, Einem EuropĂ€er, unter Palmen Zu sitzen vergönnt ist. Sela. Wunderbar wahrlich! Da sitze ich nun, Der WĂŒste nahe und bereits So fern wieder der WĂŒste, Auch in Nichts noch verwĂŒstet: NĂ€mlich hinabgeschluckt Von dieser kleinsten Oasis â: â sie sperrte gerade gĂ€hnend Ihr liebliches Maul auf, Das wohlriechendste aller MĂ€ulchen: Da fiel ich hinein, Hinab, hindurch â unter euch, Ihr allerliebsten Freundinnen! Sela. Heil, Heil jenem Wallfische, Wenn er also es seinem Gaste Wohl sein liess! â ihr versteht Meine gelehrte Anspielung? Heil seinem Bauche, Wenn er also Ein so lieblicher Oasis-Bauch war Gleich diesem: was ich aber in Zweifel ziehe, â dafĂŒr komme ich aus Europa, Das zweifelsĂŒchtiger ist als alle Ăltlichen Eheweibchen. Möge Gott es bessern! Amen! Da sitze ich nun, In dieser kleinsten Oasis, Einer Dattel gleich, Braun, durchsĂŒsst, goldschwĂŒrig, lĂŒstern Nach einem runden MĂ€dchenmunde, Mehr noch aber nach mĂ€dchenhaften Eiskalten schneeweissen schneidigen BeisszĂ€hnen: nach denen nĂ€mlich Lechzt das Herz allen heissen Datteln. Sela. Den genannten SĂŒdfrĂŒchten Ăhnlich, allzuĂ€hnlich Liege ich hier, von kleinen FlĂŒgelkĂ€fern UmtĂ€nzelt und umspielt, Insgleichen von noch kleineren Thörichteren boshafteren WĂŒnschen und EinfĂ€llen, â Umlagert von euch, Ihr stummen, ihr ahnungsvollen MĂ€dchen-Katzen, Dudu und Suleika, â umsphinxt, dass ich in Ein Wort Viel GefĂŒhle stopfe: (Vergebe mir Gott Diese Sprach-SĂŒnde!) â sitze hier, die beste Luft schnĂŒffelnd, Paradieses-Luft wahrlich, Lichte leichte Luft, goldgestreifte, So gute Luft nur je Vom Monde herabfiel â Sei es aus Zufall, Oder geschah es aus Ăbermuthe? Wie die alten Dichter erzĂ€hlen. Ich Zweifler aber ziehe es In Zweifel, dafĂŒr aber komme ich Aus Europa, Das zweifelsĂŒchtiger ist als alle Ăltlichen Eheweibchen. Möge Gott es bessern! Amen! Diese schönste Luft trinkend, Mit NĂŒstern geschwellt gleich Bechern, Ohne Zukunft, ohne Erinnerungen, So sitze ich hier, ihr Allerliebsten Freundinnen, Und sehe der Palme zu, Wie sie, einer TĂ€nzerin gleich, Sich biegt und schmiegt und in der HĂŒfte wiegt, â man thut es mit, sieht man lange zu! Einer TĂ€nzerin gleich, die, wie mir scheinen will, Zu lange schon, gefĂ€hrlich lange Immer, immer nur auf Einem Beine stand? â da vergass sie darob, wie mir scheinen will, Das andre Bein? Vergebens wenigstens Suchte ich das vermisste Zwillings-Kleinod â nĂ€mlich das andre Bein â In der heiligen NĂ€he Ihres allerliebsten, allerzierlichsten FĂ€cher- und Flatter- und Flitterröckchens. Ja, wenn ihr mir, ihr schönen Freundinnen, Ganz glauben wollt: Sie hat es verloren! Es ist dahin! Auf ewig dahin! Das andre Bein! Oh schade um dieses liebliche andre Bein! Wo â mag es wohl weilen und verlassen trauern? Das einsame Bein? In Furcht vielleicht vor einem Grimmen gelben blondgelockten Löwen-Unthiere? Oder gar schon Abgenagt, abgeknabbert â ErbĂ€rmlich, wehe! wehe! abgeknabbert! Sela. Oh weint mir nicht, Weiche Herzen! Weint mir nicht, ihr Dattel-Herzen! Milch-Busen! Ihr SĂŒssholz-Herz- Beutelchen! Weine nicht mehr, Bleiche Dudu! Sei ein Mann, Suleika! Muth! Muth! â Oder sollte vielleicht Etwas StĂ€rkendes, Herz-StĂ€rkendes, Hier am Platze sein? Ein gesalbter Spruch? Ein feierlicher Zuspruch? â Ha! Herauf, WĂŒrde! Tugend-WĂŒrde! EuropĂ€er-WĂŒrde! Blase, blase wieder, Blasebalg der Tugend! Ha! Noch Ein Mal brĂŒllen, Moralisch brĂŒllen! Als moralischer Löwe Vor den Töchtern der WĂŒste brĂŒllen! â Denn Tugend-Geheul, Ihr allerliebsten MĂ€dchen, Ist mehr als Alles EuropĂ€er-Inbrunst, EuropĂ€er-Heisshunger! Und da stehe ich schon, Als EuropĂ€er, Ich kann nicht anders, Gott helfe mir! Amen!
Die WĂŒste wĂ€chst: weh Dem, der WĂŒsten birgt!
* 1 essay(s) in Contexta Die Erweckung. 1.
Nach dem Liede des Wanderers und Schattens wurde die Höhle mit Einem Male voll LĂ€rmens und Lachens; und da die versammelten GĂ€ste alle zugleich redeten, und auch der Esel, bei einer solchen Ermuthigung, nicht mehr still blieb, ĂŒberkam Zarathustra ein kleiner Widerwille und Spott gegen seinen Besuch: ob er sich gleich ihrer Fröhlichkeit erfreute. Denn sie dĂŒnkte ihm ein Zeichen der Genesung. So schlĂŒpfte er hinaus inâs Freie und sprach zu seinen Thieren.
âWo ist nun ihre Noth hin? sprach er, und schon athmete er selber von seinem kleinen Ăberdrusse auf, â bei mir verlernten sie, wie mich dĂŒnkt, das Nothschrein!
â wenn auch, leider, noch nicht das Schrein.â Und Zarathustra hielt sich die Ohren zu, denn eben mischte sich das I-A des Esels wunderlich mit dem Jubel-LĂ€rm dieser höheren Menschen.
âSie sind lustig, begann er wieder, und wer weiss? vielleicht auf ihres Wirthes Unkosten; und lernten sie von mir lachen, so ist es doch nicht mein Lachen, das sie lernten.
Aber was liegt daran! Es sind alte Leute: sie genesen auf ihre Art, sie lachen auf ihre Art; meine Ohren haben schon Schlimmeres erduldet und wurden nicht unwirsch.
Dieser Tag ist ein Sieg: er weicht schon, er flieht, der Geist der Schwere, mein alter Erzfeind! Wie gut will dieser Tag enden, der so schlimm und schwer begann!
Und enden will er. Schon kommt der Abend: ĂŒber das Meer her reitet er, der gute Reiter! Wie er sich wiegt, der Selige, Heimkehrende, in seinen purpurnen SĂ€tteln!
Der Himmel blickt klar dazu, die Welt liegt tief: oh all ihr Wunderlichen, die ihr zu mir kamt, es lohnt sich schon, bei mir zu leben!â
Also sprach Zarathustra. Und wieder kam da das Geschrei und GelÀchter der höheren Menschen aus der Höhle: da begann er von Neuem.
âSie beissen an, mein Köder wirkt, es weicht auch ihnen ihr Feind, der Geist der Schwere. Schon lernen sie ĂŒber sich selber lachen: höre ich recht?
Meine Manns-Kost wirkt, mein Saft- und Kraft-Spruch: und wahrlich, ich nĂ€hrte sie nicht mit BlĂ€h-GemĂŒsen! Sondern mit Krieger-Kost, mit Eroberer-Kost: neue Begierden weckte ich.
Neue Hoffnungen sind in ihren Armen und Beinen, ihr Herz streckt sich aus. Sie finden neue Worte, bald wird ihr Geist Muthwillen athmen.
Solche Kost mag freilich nicht fĂŒr Kinder sein, noch auch fĂŒr sehnsĂŒchtige alte und junge Weibchen. Denen ĂŒberredet man anders die Eingeweide; deren Arzt und Lehrer bin ich nicht.
Der Ekel weicht diesen höheren Menschen: wohlan! das ist mein Sieg. In meinem Reiche werden sie sicher, alle dumme Scham lĂ€uft davon, sie schĂŒtten sich aus.
Sie schĂŒtten ihr Herz aus, gute Stunden kehren ihnen zurĂŒck, sie feiern und kĂ€uen wieder, â sie werden dankbar.
Das nehme ich als das beste Zeichen: sie werden dankbar. Nicht lange noch, und sie denken sich Feste aus und stellen Denksteine ihren alten Freuden auf.
Es sind Genesende!â Also sprach Zarathustra fröhlich zu seinem Herzen und schaute hinaus; seine Thiere aber drĂ€ngten sich an ihn und ehrten sein GlĂŒck und sein Stillschweigen.
* 2.
Plötzlich aber erschrak das Ohr Zarathustraâs: die Höhle nĂ€mlich, welche bisher voller LĂ€rmens und GelĂ€chters war, wurde mit Einem Male todtenstill; â seine Nase aber roch einen wohlriechenden Qualm und Weihrauch, wie von brennenden Pinien-Zapfen.
âWas geschieht? Was treiben sie?â fragte er sich und schlich zum Eingange heran, dass er seinen GĂ€sten, unvermerkt, zusehn könne. Aber, Wunder ĂŒber Wunder! was musste er da mit seinen eignen Augen sehn!
âSie sind Alle wieder fromm geworden, sie beten, sie sind toll!â â sprach er und verwunderte sich ĂŒber die Maassen. Und, fĂŒrwahr!, alle diese höheren Menschen, die zwei Könige, der Papst ausser Dienst, der schlimme Zauberer, der freiwillige Bettler, der Wanderer und Schatten, der alte Wahrsager, der Gewissenhafte des Geistes und der hĂ€sslichste Mensch: sie lagen Alle gleich Kindern und glĂ€ubigen alten Weibchen auf den Knien und beteten den Esel an. Und eben begann der hĂ€sslichste Mensch zu gurgeln und zu schnauben, wie als ob etwas Unaussprechliches aus ihm heraus wolle; als er es aber wirklich bis zu Worten gebracht hatte, siehe, da war es eine fromme seltsame Litanei zur Lobpreisung des angebeteten und angerĂ€ucherten Esels. Diese Litanei aber klang also:
Amen! Und Lob und Ehre und Weisheit und Dank und Preis und StÀrke sei unserm Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit!
â Der Esel aber schrie dazu I-A.
Er trĂ€gt unsre Last, er nahm Knechtsgestalt an, er ist geduldsam von Herzen und redet niemals Nein; und wer seinen Gott liebt, der zĂŒchtigt ihn.
â Der Esel aber schrie dazu I-A.
Er redet nicht: es sei denn, dass er zur Welt, die er schuf, immer Ja sagt: also preist er seine Welt. Seine Schlauheit ist es, die nicht redet: so bekömmt er selten Unrecht.
â Der Esel aber schrie dazu I-A.
Unscheinbar geht er durch die Welt. Grau ist die Leib-Farbe, in welche er seine Tugend hĂŒllt. Hat er Geist, so verbirgt er ihn; Jedermann aber glaubt an seine langen Ohren.
â Der Esel aber schrie dazu I-A.
Welche verborgene Weisheit ist das, dass er lange Ohren trÀgt und allein Ja und nimmer Nein sagt! Hat er nicht die Welt erschaffen nach seinem Bilde, nÀmlich so dumm als möglich?
â Der Esel aber schrie dazu I-A.
Du gehst gerade und krumme Wege; es kĂŒmmert dich wenig, was uns Menschen gerade oder krumm dĂŒnkt. Jenseits von Gut und Böse ist dein Reich. Es ist deine Unschuld, nicht zu wissen, was Unschuld ist.
â Der Esel aber schrie dazu I-A.
Siehe doch, wie du Niemanden von dir stössest, die Bettler nicht, noch die Könige. Die Kindlein lÀssest du zu dir kommen, und wenn dich die bösen Buben locken, so sprichst du einfÀltiglich I-A.
â Der Esel aber schrie dazu I-A.
Du liebst Eselinnen und frische Feigen, du bist kein KostverÀchter. Eine Distel kitzelt dir das Herz, wenn du gerade Hunger hast. Darin liegt eines Gottes Weisheit.
â Der Esel aber schrie dazu I-A.
* Das Eselsfest. 1.
An dieser Stelle der Litanei aber konnte Zarathustra sich nicht lĂ€nger bemeistern, schrie selber I-A, lauter noch als der Esel, und sprang mitten unter seine tollgewordenen GĂ€ste. âAber was treibt ihr da, ihr Menschenkinder? rief er, indem er die Betenden vom Boden empor riss. Wehe, wenn euch Jemand Anderes zusĂ€he als Zarathustra:
Jeder wĂŒrde urtheilen, ihr wĂ€ret mit eurem neuen Glauben die Ă€rgsten GotteslĂ€sterer oder die thörichtsten aller alten Weiblein!
Und du selber, du alter Papst, wie stimmt Das mit dir selber zusammen, dass du solchergestalt einen Esel hier als Gott anbetest?â â
âOh Zarathustra, antwortete der Papst, vergieb mir, aber in Dingen Gottes bin ich aufgeklĂ€rter noch als du. Und so istâs billig.
Lieber Gott also anbeten, in dieser Gestalt, als in gar keiner Gestalt! Denke ĂŒber diesen Spruch nach, mein hoher Freund: du errĂ€thst geschwind, in solchem Spruch steckt Weisheit.
Der, welcher sprach âGott ist ein Geistâ â der machte bisher auf Erden den grössten Schritt und Sprung zum Unglauben: solch Wort ist auf Erden nicht leicht wieder gut zu machen!
Mein altes Herz springt und hĂŒpft darob, dass es auf Erden noch Etwas anzubeten giebt. Vergieb das, oh Zarathustra, einem alten frommen Papst-Herzen! ââ
â âUnd du, sagte Zarathustra zu dem Wanderer und Schatten, du nennst und wĂ€hnst dich einen freien Geist? Und treibst hier solchen Götzen- und Pfaffendienst?
Schlimmer, wahrlich, treibst duâs hier noch als bei deinen schlimmen braunen MĂ€dchen, du schlimmer neuer GlĂ€ubiger!â
âSchlimm genug, antwortete der Wanderer und Schatten, du hast Recht: aber was kann ich dafĂŒr! Der alte Gott lebt wieder, oh Zarathustra, du magst reden, was du willst.
Der hĂ€sslichste Mensch ist an Allem schuld: der hat ihn wieder auferweckt. Und wenn er sagt, dass er ihn einst getödtet habe: Tod ist bei Göttern immer nur ein Vorurtheil.â
â Und du, sprach Zarathustra, du schlimmer alter Zauberer, was thatest du! Wer soll, in dieser freien Zeit, fĂŒrderhin an dich glauben, wenn du an solche Götter-Eseleien glaubst?
Es war eine Dummheit, was du thatest; wie konntest du, du Kluger, eine solche Dummheit thun!
âOh Zarathustra, antwortete der kluge Zauberer, du hast Recht, es war eine Dummheit, â es ist mir auch schwer genug geworden.â
â âUnd du gar, sagte Zarathustra zu dem Gewissenhaften des Geistes, erwĂ€ge doch und lege den Finger an deine Nase! Geht hier denn Nichts wider dein Gewissen? Ist dein Geist nicht zu reinlich fĂŒr diess Beten und den Dunst dieser BetbrĂŒder?â
âEs ist Etwas daran, antwortete der Gewissenhafte und legte den Finger an die Nase, es ist Etwas an diesem Schauspiele, das meinem Gewissen sogar wohlthut.
Vielleicht, dass ich an Gott nicht glauben darf: gewiss aber ist, dass Gott mir in dieser Gestalt noch am glaubwĂŒrdigsten dĂŒnkt.
Gott soll ewig sein, nach dem Zeugnisse der Frömmsten: wer so viel Zeit hat, lÀsst sich Zeit. So langsam und so dumm als möglich: damit kann ein Solcher es doch sehr weit bringen.
Und wer des Geistes zu viel hat, der möchte sich wohl in die Dumm- und Narrheit selber vernarren. Denke ĂŒber dich selber nach, oh Zarathustra!
Du selber â wahrlich! auch du könntest wohl aus Ăberfluss und Weisheit zu einem Esel werden.
Geht nicht ein vollkommner Weiser gern auf den krĂŒmmsten Wegen? Der Augenschein lehrt es, oh Zarathustra, â dein Augenschein!â
â âUnd du selber zuletzt, sprach Zarathustra und wandte sich gegen den hĂ€sslichsten Menschen, der immer noch auf dem Boden lag, den Arm zu dem Esel emporhebend (er gab ihm nĂ€mlich Wein zu trinken). Sprich, du Unaussprechlicher, was hast du da gemacht!
Du dĂŒnkst mich verwandelt, dein Auge glĂŒht, der Mantel des Erhabenen liegt um deine HĂ€sslichkeit: was thatest du?
Ist es denn wahr, was Jene sagen, dass du ihn wieder auferwecktest? Und wozu? War er nicht mit Grund abgetödtet und abgethan?
Du selber dĂŒnkst mich aufgeweckt: was thatest du? was kehrtest du um? Was bekehrtest du dich? Sprich, du Unaussprechlicher!â
âOh Zarathustra, antwortete der hĂ€sslichste Mensch, du bist ein Schelm!
Ob Der noch lebt oder wieder lebt oder grĂŒndlich todt ist, â wer von uns Beiden weiss Das am Besten? Ich frage dich.
Eins aber weiss ich, â von dir selber lernte ichâs einst, oh Zarathustra: wer am grĂŒndlichsten tödten will, der lacht.
âNicht durch Zorn, sondern durch Lachen tödtet manâ â so sprachst du einst. Oh Zarathustra, du Verborgener, du Vernichter ohne Zorn, du gefĂ€hrlicher Heiliger, â du bist ein Schelm!â
* 2.
Da aber geschah es, dass Zarathustra, verwundert ĂŒber lauter solche Schelmen-Antworten, zur ThĂŒr seiner Höhle zurĂŒck sprang und, gegen alle seine GĂ€ste gewendet, mit starker Stimme schrie:
âOh ihr Schalks-Narren allesammt, ihr Possenreisser! Was verstellt und versteckt ihr euch vor mir!
Wie doch einem Jeden von euch das Herz zappelte vor Lust und Bosheit, darob, dass ihr endlich einmal wieder wurdet wie die Kindlein, nĂ€mlich fromm, â
â dass ihr endlich wieder thatet wie Kinder thun, nĂ€mlich betetet, hĂ€nde-faltetet und âlieber Gottâ sagtet!
Aber nun lasst mir diese Kinderstube, meine eigne Höhle, wo heute alle Kinderei zu Hause ist. KĂŒhlt hier draussen euren heissen Kinder-Ăbermuth und HerzenslĂ€rm ab!
Freilich: so ihr nicht werdet wie die Kindlein, so kommt ihr nicht in das Himmelreich. (Und Zarathustra zeigte mit den HĂ€nden nach Oben.)
Aber wir wollen auch gar nicht inâs Himmelreich: MĂ€nner sind wir worden, â so wollen wir das Erdenreich.â
* 3.
Und noch einmal hob Zarathustra an zu reden. âOh meine neuen Freunde, sprach er, â ihr Wunderlichen, ihr höheren Menschen, wie gut gefallt ihr mir nun, â
â seit ihr wieder fröhlich wurdet! Ihr seid wahrlich alle aufgeblĂŒht: mich dĂŒnkt, solchen Blumen, wie ihr seid, thun neue Feste noth,
â ein kleiner tapferer Unsinn, irgend ein Gottesdienst und Eselsfest, irgend ein alter fröhlicher Zarathustra-Narr, ein Brausewind, der euch die Seelen hell blĂ€st.
Vergesst diese Nacht und diess Eselsfest nicht, ihr höheren Menschen! Das erfandet ihr bei mir, Das nehme ich als gutes Wahrzeichen, â Solcherlei erfinden nur Genesende!
Und feiert ihr es abermals, dieses Eselsfest, thutâs euch zu Liebe, thutâs auch mir zu Liebe! Und zu meinem GedĂ€chtniss!â
Also sprach Zarathustra.
* Das Nachtwandler-Lied. 1.
Inzwischen aber war Einer nach dem Andern hinaus getreten, inâs Freie und in die kĂŒhle nachdenkliche Nacht; Zarathustra selber aber fĂŒhrte den hĂ€sslichsten Menschen an der Hand, dass er ihm seine Nacht-Welt und den grossen runden Mond und die silbernen WasserstĂŒrze bei seiner Höhle zeige. Da standen sie endlich still bei einander, lauter alte Leute, aber mit einem getrösteten tapferen Herzen und verwundert bei sich, dass es ihnen auf Erden so wohl war; die Heimlichkeit der Nacht aber kam ihnen nĂ€her und nĂ€her anâs Herz. Und von Neuem dachte Zarathustra bei sich: âoh wie gut sie mir nun gefallen, diese höheren Menschen!â â aber er sprach es nicht aus, denn er ehrte ihr GlĂŒck und ihr Stillschweigen. â
Da aber geschah Das, was an jenem erstaunlichen langen Tage das Erstaunlichste war: der hÀsslichste Mensch begann noch ein Mal und zum letzten Mal zu gurgeln und zu schnauben, und als er es bis zu Worten gebracht hatte, siehe, da sprang eine Frage rund und reinlich aus seinem Munde, eine gute tiefe klare Frage, welche Allen, die ihm zuhörten, das Herz im Leibe bewegte.
âMeine Freunde insgesammt, sprach der hĂ€sslichste Mensch, was dĂŒnket euch? Um dieses Tags Willen â ich binâs zum ersten Male zufrieden, dass ich das ganze Leben lebte.
Und dass ich so viel bezeuge, ist mir noch nicht genug. Es lohnt sich auf der Erde zu leben: Ein Tag, Ein Fest mit Zarathustra lehrte mich die Erde lieben.
âWar Das â das Leben?â will ich zum Tode sprechen. âWohlan! Noch Ein Mal!â
Meine Freunde, was dĂŒnket euch? Wollt ihr nicht gleich mir zum Tode sprechen: War Das â das Leben? Um Zarathustraâs Willen, wohlan! Noch Ein Mal!â â â
Also sprach der hĂ€sslichste Mensch; es war aber nicht lange vor Mitternacht. Und was glaubt ihr wohl, dass damals sich zutrug? Sobald die höheren Menschen seine Frage hörten, wurden sie sich mit Einem Male ihrer Verwandlung und Genesung bewusst, und wer ihnen dieselbe gegeben habe: da sprangen sie auf Zarathustra zu, dankend, verehrend, liebkosend, ihm die HĂ€nde kĂŒssend, so wie es der Art eines Jeden eigen war: also dass Einige lachten, Einige weinten. Der alte Wahrsager aber tanzte vor VergnĂŒgen; und wenn er auch, wie manche ErzĂ€hler meinen, damals voll sĂŒssen Weines war, so war er gewisslich noch voller des sĂŒssen Lebens und hatte aller MĂŒdigkeit abgesagt. Es giebt sogar Solche, die erzĂ€hlen, dass damals der Esel getanzt habe: nicht umsonst nĂ€mlich habe ihm der hĂ€sslichste Mensch vorher Wein zu trinken gegeben. Diess mag sich nun so verhalten oder auch anders; und wenn in Wahrheit an jenem Abende der Esel nicht getanzt hat, so geschahen doch damals grössere und seltsamere Wunderdinge als es das Tanzen eines Esels wĂ€re. Kurz, wie das Sprichwort Zarathustraâs lautet: âwas liegt daran!â
* 2.
Zarathustra aber, als sich diess mit dem hĂ€sslichsten Menschen zutrug, stand da, wie ein Trunkener: sein Blick erlosch, seine Zunge lallte, seine FĂŒsse schwankten. Und wer möchte auch errathen, welche Gedanken dabei ĂŒber Zarathustraâs Seele liefen? Ersichtlich aber wich sein Geist zurĂŒck und floh voraus und war in weiten Fernen und gleichsam âauf hohem Joche, wie geschrieben steht, zwischen zwei Meeren,
â zwischen Vergangenem und ZukĂŒnftigem als schwere Wolke wandelnd.â Allgemach aber, wĂ€hrend ihn die höheren Menschen in den Armen hielten, kam er ein Wenig zu sich selber zurĂŒck und wehrte mit den HĂ€nden dem GedrĂ€nge der Verehrenden und Besorgten; doch sprach er nicht. Mit Einem Male aber wandte er schnell den Kopf, denn er schien Etwas zu hören: da legte er den Finger an den Mund und sprach: âKommt!â
Und alsbald wurde es rings still und heimlich; aus der Tiefe aber kam langsam der Klang einer Glocke herauf. Zarathustra horchte darnach, gleich den höheren Menschen; dann aber legte er zum andern Male den Finger an den Mund und sprach wiederum: âKommt! Kommt! Es geht gen Mitternacht!â â und seine Stimme hatte sich verwandelt. Aber immer noch rĂŒhrte er sich nicht von der Stelle: da wurde es noch stiller und heimlicher, und Alles horchte, auch der Esel, und Zarathustraâs Ehrenthiere, der Adler und die Schlange, insgleichen die Höhle Zarathustraâs und der grosse kĂŒhle Mond und die Nacht selber. Zarathustra aber legte zum dritten Male die Hand an den Mund und sprach:
Kommt! Kommt! Kommt! Lasst uns jetzo wandeln! Es ist die Stunde: lasst uns in die Nacht wandeln!
* 3.
Ihr höheren Menschen, es geht gen Mitternacht: da will ich euch Etwas in die Ohren sagen, wie jene alte Glocke es mir inâs Ohr sagt, â
â so heimlich, so schrecklich, so herzlich, wie jene Mitternachts-Glocke zu mir es redet, die mehr erlebt hat als Ein Mensch:
â welche schon eurer VĂ€ter Herzens-Schmerzens-SchlĂ€ge abzĂ€hlte â ach! ach! wie sie seufzt! wie sie im Traume lacht! die alte tiefe tiefe Mitternacht!
Still! Still! Da hört sich Manches, das am Tage nicht laut werden darf; nun aber, bei kĂŒhler Luft, da auch aller LĂ€rm eurer Herzen stille ward, â
â nun redet es, nun hört es sich, nun schleicht es sich in nĂ€chtliche ĂŒberwache Seelen: ach! ach! wie sie seufzt! wie sie im Traume lacht!
â hörst duâs nicht, wie sie heimlich, schrecklich, herzlich zu dir redet, die alte tiefe tiefe Mitternacht?
Oh Mensch, gieb Acht!
* 4.
Wehe mir! Wo ist die Zeit hin? Sank ich nicht in tiefe Brunnen? Die Welt schlĂ€ft â
Ach! Ach! Der Hund heult, der Mond scheint. Lieber will ich sterben, sterben, als euch sagen, was mein Mitternachts-Herz eben denkt.
Nun starb ich schon. Es ist dahin. Spinne, was spinnst du um mich? Willst du Blut? Ach! Ach! der Thau fĂ€llt, die Stunde kommt â
â die Stunde, wo mich fröstelt und friert, die fragt und fragt und fragt: âwer hat Herz genug dazu?
â wer soll der Erde Herr sein? Wer will sagen: so sollt ihr laufen, ihr grossen und kleinen Ströme!â
â die Stunde naht: oh Mensch, du höherer Mensch, gieb Acht! diese Rede ist fĂŒr feine Ohren, fĂŒr deine Ohren â was spricht die tiefe Mitternacht?
* 5.
Es trÀgt mich dahin, meine Seele tanzt. Tagewerk! Tagewerk! Wer soll der Erde Herr sein?
Der Mond ist kĂŒhl, der Wind schweigt. Ach! Ach! Flogt ihr schon hoch genug? Ihr tanztet: aber ein Bein ist doch kein FlĂŒgel.
Ihr guten TĂ€nzer, nun ist alle Lust vorbei, Wein ward Hefe, jeder Becher ward mĂŒrbe, die GrĂ€ber stammeln.
Ihr flogt nicht hoch genug: nun stammeln die GrĂ€ber âerlöst doch die Todten! Warum ist so lange Nacht? Macht uns nicht der Mond trunken?â
Ihr höheren Menschen, erlöst doch die GrĂ€ber, weckt die Leichname auf! Ach, was grĂ€bt noch der Wurm? Es naht, es naht die Stunde, â
â es brummt die Glocke, es schnarrt noch das Herz, es grĂ€bt noch der Holzwurm, der Herzenswurm. Ach! Ach! Die Welt ist tief!
* 6.
SĂŒsse Leier! SĂŒsse Leier! Ich liebe deinen Ton, deinen trunkenen Unken-Ton! â wie lang her, wie fern her kommt mir dein Ton, weit her, von den Teichen der Liebe!
Du alte Glocke, du sĂŒsse Leier! Jeder Schmerz riss dir inâs Herz, Vaterschmerz, VĂ€terschmerz, UrvĂ€terschmerz, deine Rede wurde reif, â
â reif gleich goldenem Herbste und Nachmittage, gleich meinem Einsiedlerherzen â nun redest du: die Welt selber ward reif, die Traube brĂ€unt,
â nun will sie sterben, vor GlĂŒck sterben. Ihr höheren Menschen, riecht ihrâs nicht? Es quillt heimlich ein Geruch herauf,
â ein Duft und Geruch der Ewigkeit, ein rosenseliger brauner Gold-Wein-Geruch von altem GlĂŒcke,
â von trunkenem Mitternachts-SterbeglĂŒcke, welches singt: die Welt ist tief und tiefer als der Tag gedacht!
* 7.
Lass mich! Lass mich! Ich bin zu rein fĂŒr dich. RĂŒhre mich nicht an! Ward meine Welt nicht eben vollkommen?
Meine Haut ist zu rein fĂŒr deine HĂ€nde. Lass mich, du dummer tölpischer dumpfer Tag! Ist die Mitternacht nicht heller?
Die Reinsten sollen der Erde Herrn sein, die Unerkanntesten, StÀrksten, die Mitternachts-Seelen, die heller und tiefer sind als jeder Tag.
Oh Tag, du tappst nach mir? Du tastest nach meinem GlĂŒcke? Ich bin dir reich, einsam, eine Schatzgrube, eine Goldkammer?
Oh Welt, du willst mich? Bin ich dir weltlich? Bin ich dir geistlich? Bin ich dir göttlich? Aber Tag und Welt, ihr seid zu plump, â
â habt klĂŒgere HĂ€nde, greift nach tieferem GlĂŒcke, nach tieferem UnglĂŒcke, greift nach irgend einem Gotte, greift nicht nach mir:
â mein UnglĂŒck, mein GlĂŒck ist tief, du wunderlicher Tag, aber doch bin ich kein Gott, keine Gottes-Hölle: tief ist ihr Weh.
* 8.
Gottes Weh ist tiefer, du wunderliche Welt! Greife nach Gottes Weh, nicht nach mir! Was bin ich! Eine trunkene sĂŒsse Leier, â
â eine Mitternachts-Leier, eine Glocken-Unke, die Niemand versteht, aber welche reden muss, vor Tauben, ihr höheren Menschen! Denn ihr versteht mich nicht!
Dahin! Dahin! Oh Jugend! Oh Mittag! Oh Nachmittag! Nun kam Abend und Nacht und Mitternacht, â der Hund heult, der Wind:
â ist der Wind nicht ein Hund? Er winselt, er klĂ€fft, er heult. Ach! Ach! wie sie seufzt! wie sie lacht, wie sie röchelt und keucht, die Mitternacht!
Wie sie eben nĂŒchtern spricht, diese trunkene Dichterin! sie ĂŒbertrank wohl ihre Trunkenheit? sie wurde ĂŒberwach? sie kĂ€ut zurĂŒck?
â ihr Weh kĂ€ut sie zurĂŒck, im Traume, die alte tiefe Mitternacht, und mehr noch ihre Lust. Lust nĂ€mlich, wenn schon Weh tief ist: Lust ist tiefer noch als Herzeleid.
* 9.
Du Weinstock! Was preisest du mich? Ich schnitt dich doch! Ich bin grausam, du blutest â: was will dein Lob meiner trunkenen Grausamkeit?
âWas vollkommen ward, alles Reife â will sterben!â so redest du. Gesegnet, gesegnet sei das Winzermesser! Aber alles Unreife will leben: wehe!
Weh spricht: âVergeh! Weg, du Wehe!â Aber Alles, was leidet, will leben, dass es reif werde und lustig und sehnsĂŒchtig,
â sehnsĂŒchtig nach Fernerem, Höherem, Hellerem. âIch will Erben, so spricht Alles, was leidet, ich will Kinder, ich will nicht mich,â â
Lust aber will nicht Erben, nicht Kinder, â Lust will sich selber, will Ewigkeit, will Wiederkunft, will Alles-sich-ewig-gleich.
Ihr höheren Menschen, was dĂŒnket euch? Bin ich ein Wahrsager? Ein TrĂ€umender? Trunkener? Ein Traumdeuter? Eine Mitternachts-Glocke?
Ein Tropfen Thauâs? Ein Dunst und Duft der Ewigkeit? Hört ihrâs nicht? Riecht ihrâs nicht? Eben ward meine Welt vollkommen, Mitternacht ist auch Mittag, â
Schmerz ist auch eine Lust, Fluch ist auch ein Segen, Nacht ist auch eine Sonne, â geht davon oder ihr lernt: ein Weiser ist auch ein Narr.
Sagtet ihr jemals Ja zu Einer Lust? Oh, meine Freunde, so sagtet ihr Ja auch zu allem Wehe. Alle Dinge sind verkettet, verfĂ€delt, verliebt, â
â wolltet ihr jemals Ein Mal Zwei Mal, spracht ihr jemals âdu gefĂ€llst mir, GlĂŒck! Husch! Augenblick!â so wolltet ihr Alles zurĂŒck!
â Alles von neuem, Alles ewig, Alles verkettet, verfĂ€delt, verliebt, oh so liebtet ihr die Welt, â
â ihr Ewigen, liebt sie ewig und allezeit: und auch zum Weh sprecht ihr: vergeh, aber komm zurĂŒck! Denn alle Lust will â Ewigkeit!
* 11.
Alle Lust will aller Dinge Ewigkeit, will Honig, will Hefe, will trunkene Mitternacht, will GrĂ€ber, will GrĂ€ber-ThrĂ€nen-Trost, will vergĂŒldetes Abendroth â
â was will nicht Lust! sie ist durstiger, herzlicher, hungriger, schrecklicher, heimlicher als alles Weh, sie will sich, sie beisst in sich, des Ringes Wille ringt in ihr, â
â sie will Liebe, sie will Hass, sie ist ĂŒberreich, schenkt, wirft weg, bettelt, dass Einer sie nimmt, dankt dem Nehmenden, sie möchte gern gehasst sein, â
â so reich ist Lust, dass sie nach Wehe durstet, nach Hölle, nach Hass, nach Schmach, nach dem KrĂŒppel, nach Welt, â denn diese Welt, oh ihr kennt sie ja!
Ihr höheren Menschen, nach euch sehnt sie sich, die Lust, die unbĂ€ndige, selige, â nach eurem Weh, ihr Missrathenen! Nach Missrathenem sehnt sich alle ewige Lust.
Denn alle Lust will sich selber, drum will sie auch Herzeleid! Oh GlĂŒck, oh Schmerz! Oh brich, Herz! Ihr höheren Menschen, lernt es doch, Lust will Ewigkeit,
â Lust will aller Dinge Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit!
* 12.
Lerntet ihr nun mein Lied? Erriethet ihr, was es will? Wohlan! Wohlauf! Ihr höheren Menschen, so singt mir nun meinen Rundgesang!
Singt mir nun selber das Lied, dess Name ist âNoch ein Malâ, dess Sinn ist âin alle Ewigkeit!â, singt, ihr höheren Menschen, Zarathustraâs Rundgesang!
Oh Mensch! Gieb Acht!
Was spricht die tiefe Mitternacht?
âIch schlief, ich schlief â,
âAus tiefem Traum bin ich erwacht: â
âDie Welt ist tief,
âUnd tiefer als der Tag gedacht.
âTief ist ihr Weh â,
âLust â tiefer noch als Herzeleid:
âWeh spricht: Vergeh!
âDoch alle Lust will Ewigkeit â,
ââ will tiefe, tiefe Ewigkeit!â
* * Das Zeichen.
Des Morgens aber nach dieser Nacht sprang Zarathustra von seinem Lager auf, gĂŒrtete sich die Lenden und kam heraus aus seiner Höhle, glĂŒhend und stark, wie eine Morgensonne, die aus dunklen Bergen kommt.
âDu grosses Gestirn, sprach er, wie er einstmals gesprochen hatte, du tiefes GlĂŒcks-Auge, was wĂ€re all dein GlĂŒck, wenn du nicht Die hĂ€ttest, welchen du leuchtest!
Und wenn sie in ihren Kammern blieben, wĂ€hrend du schon wach bist und kommst und schenkst und austheilst: wie wĂŒrde darob deine stolze Scham zĂŒrnen!
Wohlan! sie schlafen noch, diese höheren Menschen, wÀhrend ich wach bin: das sind nicht meine rechten GefÀhrten! Nicht auf sie warte ich hier in meinen Bergen.
Zu meinem Werke will ich, zu meinem Tage: aber sie verstehen nicht, was die Zeichen meines Morgens sind, mein Schritt â ist fĂŒr sie kein Weckruf.
Sie schlafen noch in meiner Höhle, ihr Traum kĂ€ut noch an meinen MitternĂ€chten. Das Ohr, das nach mir horcht, â das gehorchende Ohr fehlt in ihren Gliedern.â
â Diess hatte Zarathustra zu seinem Herzen gesprochen, als die Sonne aufgieng: da blickte er fragend in die Höhe, denn er hörte ĂŒber sich den scharfen Ruf seines Adlers. âWohlan! rief er hinauf, so gefĂ€llt und gebĂŒhrt es mir. Meine Thiere sind wach, denn ich bin wach.
Mein Adler ist wach und ehrt gleich mir die Sonne. Mit Adlers-Klauen greift er nach dem neuen Lichte. Ihr seid meine rechten Thiere; ich liebe euch.
Aber noch fehlen mir meine rechten Menschen!â â
Also sprach Zarathustra; da aber geschah es, dass er sich plötzlich wie von unzĂ€hligen Vögeln umschwĂ€rmt und umflattert hörte, â das Geschwirr so vieler FlĂŒgel aber und das GedrĂ€ng um sein Haupt war so gross, dass er die Augen schloss. Und wahrlich, einer Wolke gleich fiel es ĂŒber ihn her, einer Wolke von Pfeilen gleich, welche sich ĂŒber einen neuen Feind ausschĂŒttet. Aber siehe, hier war es eine Wolke der Liebe, und ĂŒber einen neuen Freund.
âWas geschieht mir?â dachte Zarathustra in seinem erstaunten Herzen und liess sich langsam auf dem grossen Steine nieder, der neben dem Ausgange seiner Höhle lag. Aber, indem er mit den HĂ€nden um sich und ĂŒber sich und unter sich griff, und den zĂ€rtlichen Vögeln wehrte, siehe, da geschah ihm etwas noch Seltsameres: er griff nĂ€mlich dabei unvermerkt in ein dichtes warmes Haar-Gezottel hinein; zugleich aber erscholl vor ihm ein GebrĂŒll, â ein sanftes langes Löwen-BrĂŒllen.
âDas Zeichen kommt,â sprach Zarathustra und sein Herz verwandelte sich. Und in Wahrheit, als es helle vor ihm wurde, da lag ihm ein gelbes mĂ€chtiges Gethier zu FĂŒssen und schmiegte das Haupt an seine Knie und wollte nicht von ihm lassen vor Liebe und that einem Hunde gleich, welcher seinen alten Herrn wiederfindet. Die Tauben aber waren mit ihrer Liebe nicht minder eifrig als der Löwe; und jedes Mal, wenn eine Taube ĂŒber die Nase des Löwen huschte, schĂŒttelte der Löwe das Haupt und wunderte sich und lachte dazu.
Zu dem Allen sprach Zarathustra nur Ein Wort: âmeine Kinder sind nahe, meine Kinderâ â, dann wurde er ganz stumm. Sein Herz aber war gelöst, und aus seinen Augen tropften ThrĂ€nen herab und fielen auf seine HĂ€nde. Und er achtete keines Dings mehr und sass da, unbeweglich und ohne dass er sich noch gegen die Thiere wehrte. Da flogen die Tauben ab und zu und setzten sich ihm auf die Schulter und liebkosten sein weisses Haar und wurden nicht mĂŒde mit ZĂ€rtlichkeit und Frohlocken. Der starke Löwe aber leckte immer die ThrĂ€nen, welche auf die HĂ€nde Zarathustraâs herabfielen und brĂŒllte und brummte schĂŒchtern dazu. Also trieben es diese Thiere. â
Diess Alles dauerte eine lange Zeit, oder eine kurze Zeit: denn, recht gesprochen, giebt es fĂŒr dergleichen Dinge auf Erden keine Zeit â. Inzwischen aber waren die höheren Menschen in der Höhle Zarathustraâs wach geworden und ordneten sich mit einander zu einem Zuge an, dass sie Zarathustra entgegen giengen und ihm den Morgengruss böten: denn sie hatten gefunden, als sie erwachten, dass er schon nicht mehr unter ihnen weilte. Als sie aber zur ThĂŒr der Höhle gelangten, und das GerĂ€usch ihrer Schritte ihnen voranlief, da stutzte der Löwe gewaltig, kehrte sich mit Einem Male von Zarathustra ab und sprang, wild brĂŒllend, auf die Höhle los; die höheren Menschen aber, als sie ihn brĂŒllen hörten, schrien alle auf, wie mit Einem Munde, und flohen zurĂŒck und waren im Nu verschwunden.
Zarathustra selber aber, betĂ€ubt und fremd, erhob sich von seinem Sitze, sah um sich, stand staunend da, fragte sein Herz, besann sich und war allein. âWas hörte ich doch? sprach er endlich langsam, was geschah mir eben?â
Und schon kam ihm die Erinnerung, und er begriff mit Einem Blicke Alles, was zwischen Gestern und Heute sich begeben hatte. âHier ist ja der Stein, sprach er und strich sich den Bart, auf dem sass ich gestern am Morgen; und hier trat der Wahrsager zu mir, und hier hörte ich zuerst den Schrei, den ich eben hörte, den grossen Nothschrei.
Oh ihr höheren Menschen, von eurer Noth warâs ja, dass gestern am Morgen jener alte Wahrsager mir wahrsagte, â
â zu eurer Noth wollte er mich verfĂŒhren und versuchen: oh Zarathustra, sprach er zu mir, ich komme, dass ich dich zu deiner letzten SĂŒnde verfĂŒhre.
Zu meiner letzten SĂŒnde? rief Zarathustra und lachte zornig ĂŒber sein eigenes Wort: was blieb mir doch aufgespart als meine letzte SĂŒnde?â
â Und noch ein Mal versank Zarathustra in sich und setzte sich wieder auf den grossen Stein nieder und sann nach. Plötzlich sprang er empor, â
âMitleiden! Das Mitleiden mit dem höheren Menschen! schrie er auf, und sein Antlitz verwandelte sich in Erz. Wohlan! Das â hatte seine Zeit!
Mein Leid und mein Mitleiden â was liegt daran! Trachte ich denn nach GlĂŒcke? Ich trachte nach meinem Werke!
Wohlan! Der Löwe kam, meine Kinder sind nahe, Zarathustra ward reif, meine Stunde kam: â
Diess ist mein Morgen, mein Tag hebt an: herauf nun, herauf, du grosser Mittag!â â â
Also sprach Zarathustra und verliess seine Höhle, glĂŒhend und stark, wie eine Morgensonne, die aus dunklen Bergen kommt.
THUS SPOKE ZARATHUSTRA IV
The Honey-Sacrifice.
â And again moons and years passedover Zarathustraâs soul,and he paid them no mind;his hair, however, turned white.One day, as he sat on a stonebefore his cave and looked out in silenceâfor from there one looks out over the sea,and across winding abyssesâhis animals went about him thoughtfullyand at last stood before him.
âO Zarathustra,â they said,âare you perhaps looking out for your happiness?ââ âWhat does happiness matter!â he answered,âI have long ceased to strive for happiness,I strive for my work.ââ âO Zarathustra,â the animals spoke again,âyou say that as onewho has more than enough of the good.Do you not lie in a sky-blue lake of happiness?ââ âYou mischievous fools,â answered Zarathustra, and smiled,âhow well you chose the likeness!But you know, too, that my happiness is heavy,and not like a fluid wave of water:it presses me and will not leave me,and is like molten pitch.â â
Then the animals went about him thoughtfully againand then stood once more before him.âO Zarathustra,â they said, âso that is whyyou yourself are ever growing yellower and darker,though your hair wants to look white and flaxen?Behold, you are sitting in your pitch!ââ âWhat are you saying, my animals,âsaid Zarathustra, and laughed at that,âtruly, I blasphemed when I spoke of pitch.As it is with me, so it is with all fruitsthat grow ripe.It is the honey in my veinsthat makes my blood thickerand my soul quieter.ââ âSo it must be, O Zarathustra,âanswered the animals, and pressed themselves against him;âbut will you not climb a high mountain today?The air is pure,and one sees more of the world today than ever.ââ âYes, my animals,â he answered,âyour counsel is excellent and after my own heart:I will climb a high mountain today!But see to it that honey is at hand for me there,yellow, white, good, ice-fresh honeycomb-gold-honey.For know that I mean to bring the honey-sacrifice up there.â â
But when Zarathustra was atop the summit,he sent home the animals that had guided himand found that he was now alone:â then he laughed with all his heart,looked about him, and spoke thus:
That I spoke of sacrifices and honey-sacrificeswas but a ruse of my speechand, truly, a useful folly!Up here I may speak more freelythan before the caves of hermits and the house-pets of hermits.
What, sacrifice! I squander what is given to me,I, a squanderer with a thousand hands:how could I still call thatâsacrificing!
And when I craved honey,I craved only baitand sweet syrup and slime,for which even growling bearsand strange, sullen, evil birds will lick their tongues:
â for the best bait,as is needful for hunters and fishermen.For if the world is like a dark forest of beastsand a pleasure-garden for all wild hunters,it seems to me still more,and more dearly, a fathomless rich sea,
â a sea full of colourful fish and crabs,for which even gods might desireto become fishermen and casters of nets:so rich is the world in wonders,great and small!
Especially the human world, the human sea:â into that I now cast my golden fishing rodand say: open up, you human abyss!
Open up and cast your fishand glittering crabs to me!With my best bait I shall lure to myself todaythe strangest human fish!
â my happiness itself I cast outinto all widths and distances,between sunrise, noon, and sunset,to see if many human fish might notlearn to tug and twitch on my happiness.
Until, biting on my sharp, hidden hooks,they must come up to my height,the most colourful deep-sea bottom-dwellersto the most malicious of all human fishermen.
For I am this, from the ground up and from the beginning,pulling, drawing towards, drawing upwards, raising up,a puller, a breeder and a disciplinarian,who not for nothing once told himself:âBecome who you are!â
Thus may men now come up to me:for I still await the signsthat it is time for my down-going,I do not yet go under myself,as I must, among men.
For that I wait here, cunning and scornful on high mountains,not an impatient one, not a patient one, rather onewho has unlearned even patienceâbecause he no longer âsuffers.â
For my fate allows me time:did it perhaps forget me?Or does it sit behind a great stone in the shadeand catch flies?
And truly, I am grateful to it for this,my eternal fate,that it does not harry and press me,and leaves me time for jests and malice:so that today I climbedthis high mountain for a catch of fish.
Did ever a man catch fish on high mountains?And though it be a folly,what I want and do up here:it is still better than becoming solemn with waiting down below,and green and yellowâ
â a puffed-up snorter of rage with waiting,a holy howling-storm from the mountains, an impatient onewho cries down into the valleys:âListen, or I shall scourge you with the scourge of God!â
Not that I would be vexed with such wrathful men on that account:they are good enough for me to laugh at!They must be impatient, these great alarm-drums,which come to speak today or never!
But I and my fateâwe do not speak to the Today,nor do we speak to the Never:we have patience and time and more than enough time for speaking.For one day he must come,and may not pass by.
Who must one day come and may not pass by?Our great Hazar, that is our great distant human-realm,the Zarathustra-realm of a thousand years â â
How far away may such a âfar awayâ be?What is it to me!But for all that it is no less certain to meâ,with both feet I stand securely on this ground,
â on an eternal ground, on hard primordial stone,on this highest, hardest primordial mountain range,to which all winds come as to a weather-divide,asking Where? and Whence? and Whither?
Here laugh, laugh, my bright, sound malice!From high mountains cast down your glittering scorn-laughter!Lure for me with your glittering the most beautiful human fish!
And whatever in all seas belongs to me,my in-and-for-me in all thingsâfish that out for me, lead that up to me:for that I wait, the most malicious of all fishermen.
Out, out, my fishing hook!In, down, bait of my happiness!Drip your sweetest dew, honey of my heart!Bite, my hook, into the belly of all black affliction!
Out, out, my eye!Oh what many seas around me,what dawning human futures!And above meâwhat rose-red stillness!What unclouded silence!
The Cry of Distress.
The next day Zarathustra satagain on his stone before the cave,while the animals roamed about outside in the world,to bring home new nourishmentâalso new honey:for Zarathustra had spent and squandered the old honeyto the last grain.But as he sat thus,a staff in his hand,tracing the shadow of his figure on the earth,reflecting, and truly! not upon himself and his shadowâhe was suddenly startled and flinched:for he saw another shadow beside his own.And as he quickly looked around and stood up,behold, the soothsayer stood beside him,the same one he had once fedand given drink at his table, the proclaimer of the great weariness,who taught: âAll is the same, nothing is worthwhile,the world is without meaning, knowledge chokes.âBut his countenance had since transformed;and when Zarathustra looked into his eyes,his heart was startled once more:so many evil tidings and ashen-grey lightningsran across this face.
The soothsayer, who perceivedwhat was taking place in Zarathustraâs soul,wiped his hand across his face,as if he wished to wipe it away;Zarathustra did likewise.And when both had thus silently composedand strengthened themselves, they gave each other their hands,as a sign that they wished to recognize each other again.
âWelcome to you,â said Zarathustra,âyou soothsayer of the great weariness,you shall not in vainhave once been my table-companion and guest.Eat and drink with me today also, and forgive itthat a cheerful old man sits at table with you!ââ âA cheerful old man?â answered the soothsayer,shaking his head: âbut whoever you are or wish to be,O Zarathustra, you have been up here for the longest timeâyour boat shall not sit on dry land for much longer!ââ âDo I then sit on dry land?â asked Zarathustra, laughing.âThe waves around your mountain,â answered the soothsayer,âare rising and rising, the waves of great distress and affliction:they will soon lift your boat as well and carry you away.ââ Zarathustra fell silent at this and wondered.â âDo you hear nothing yet?â the soothsayer continued:âdoes it not rush and roar up from the depths?ââ Zarathustra was silent again and listened:then he heard a long, long cry,which the abysses threw to one another and passed on,for none wanted to keep it: so evil did it sound.
âYou evil proclaimer,â Zarathustra spoke at last,âthat is a cry of distress and the cry of a man,it may well come from a black sea.But what is human distress to me!My final sin, which has been saved for meâdo you know what it is called?â
â âPity!â answered the soothsayerfrom an overflowing heart, and raised both his hands on highââO Zarathustra, I cometo tempt you to your final sin!â â
And scarcely were these words spokenwhen the cry resounded once more,and longer and more anguished than before, and also much nearer.âDo you hear? Do you hear, O Zarathustra?â cried the soothsayer,âthe cry is for you, it calls you: come, come, come,it is time, it is high time!â â
Zarathustra was silent at this, confused and shaken;at last he asked, like one who hesitates with himself:âAnd who is it that calls to me there?â
âBut you know, of course,â answered the soothsayer vehemently,âwhy do you hide yourself?It is the higher man who cries for you!â
âThe higher man?â cried Zarathustra, seized with horror:âWhat does he want? What does he want? The higher man!What does he want here?ââ and his skin was covered with sweat.
The soothsayer, however, did not answer Zarathustraâs anguish,but listened and listened towards the depths.But when it remained quiet there for a long time,he turned his gaze backand saw Zarathustra standing and trembling.
âO Zarathustra,â he began with a sorrowful voice,âyou do not stand there like one made giddy by his happiness:you will have to dance, lest you fall over!
But even if you wanted to dance before meand leap all your side-leaps:no one should be allowed to say to me:âBehold, here dances the last joyful man!â
In vain would someone come to this height who sought him here:caves he would find, and back-caves,hiding-places for the hidden,but not shafts of happiness and treasure-chambersand new gold-veins of happiness.
Happinessâhow could one find happinessamong such buried men and hermits!Must I still seek the last happiness on blissful islesand far away between forgotten seas?
But all is the same, nothing is worthwhile,no seeking helps,there are no blissful isles any more!â â â
Thus sighed the soothsayer;but at his last sigh Zarathustra becamebright and certain again, like onewho comes out of a deep chasm into the light.âNo! No! Three times no!â he cried with a strong voice,and stroked his beardââI know better!There are still blissful isles!Be silent about that, you sighing sack of sorrow!
Cease your babbling about that, you rain-cloud of the forenoon!Do I not already stand here,wet with your affliction and drenched like a dog?
Now I shake myself and run from you,that I may become dry again:you should not wonder at this!Do I seem uncivil to you? But here is my court.
As for your higher man, however: well then!I shall seek him swiftly in those forests:from there his cry came.Perhaps a wicked beast is besetting him.
He is in my domain:he shall come to no harm in it!And truly, there are many wicked beasts with me.â â
With these words Zarathustra turned to go.Then the soothsayer spoke: âO Zarathustra, you are a rogue!
I know it already: you want to be rid of me!You would rather run into the forestsand stalk wicked beasts!
But what good will it do you?In the evening you will have me again,in your own cave I will be sitting,patient and heavy as a block of woodâand waiting for you!â
âSo be it!â cried Zarathustra back as he went:âand what is mine in my cavebelongs also to you, my guest and friend!
And if you should still find honey in it, well then!Just lick it up, you growling bear, and sweeten your soul!For in the evening we shall both be of good cheer,
â of good cheer and gladthat this day is ended!And you yourself shall dance to my songsas my dancing-bear.
You do not believe it? You shake your head?Well then! Cheer up! Old bear!But I tooâam a soothsayer.â
Thus spoke Zarathustra.
*
Conversation with the Kings. 1.
Zarathustra had been underwayin his mountains and forests for not yet an hourwhen he suddenly saw a strange procession.Directly on the path he wanted to descend,two kings were walking,adorned with crowns and purple girdlesand colourful as flamingo birds:they drove a laden ass before them.âWhat do these kings want in my realm?âsaid Zarathustra, astonished, to his heartand quickly hid himself behind a bush.But when the kings came up to him,he said, half-aloud, like one speaking to himself:âStrange! Strange! How does this rhyme?I see two kingsâand only one ass!â
Then the two kings halted, smiled,looked towards the place from whence the voice came,and then looked each other in the face.âOne thinks such things among us as well,âsaid the king on the right,âbut one does not speak them.â
The king on the left, however, shrugged his shouldersand answered: âThat may well be a goatherd.Or a hermit who has lived too long among rocks and trees.For no company at all also spoils good manners.â
âGood manners?â retorted the other king, annoyed and bitter:âfrom whom are we running away?Is it not from âgood mannersâ?From our âgood societyâ?
Truly, better to live among hermits and goatherdsthan with our gilded, false, over-rouged rabbleâeven if it calls itself âgood society,â
âeven if it calls itself ânobility.âBut there all is false and foul, foremost the blood,thanks to old, bad sicknessesand worse healers.
The best and dearest to me today is still a healthy peasant,coarse, cunning, stubborn, enduring:that is the noblest kind today.
The peasant is the best today;and the peasant-kind should be master!But it is the realm of the rabbleâI let myself be deceived no longer.But rabble, that means: mishmash.
Rabble-mishmash: in it everything is jumbled up with everything,saint and scoundrel and squire and Jewand every beast from Noahâs ark.
Good manners! Everything with us is false and foul.No one knows how to revere any more:it is precisely that from which we are running away.They are sickeningly sweet, importunate dogs,they gild palm leaves.
This disgust chokes me, that we kings ourselves have become false,draped and disguised by the old, yellowed pomp of our grandfathers,show-coins for the dullest and the cleverest,and whoever traffics with power today!
We are not the firstâand yet we must represent it:of this deceit we have at last grown weary and disgusted.
We went out of the way of the rabble,all these screamers and scribbling blowflies,the stench of shopkeepers, the fidgeting of ambition, the foul breathâ:fie, to live among the rabble,
âfie, to represent the first among the rabble!Ah, disgust! Disgust! Disgust! What do we kings matter any more!â â
âYour old sickness is seizing you,âsaid the king on the left here,âdisgust is seizing you, my poor brother.But you know, of course, that someone is listening to us.â
Immediately Zarathustra,who had opened his ears and eyes to these speeches,rose from his hiding-place, went up to the kings and began:
âHe who listens to you, who gladly listens to you, you kings,is called Zarathustra.
I am Zarathustra, who once said:âWhat do kings matter any more!â Forgive me, I rejoicedwhen you said to each other: âWhat do we kings matter!â
But here is my realm and my dominion:what might you be seeking in my realm?Perhaps, however, you found on your way what I seek:namely, the higher man.â
When the kings heard this,they struck their breasts and spoke with one voice:âWe are recognized!
With the sword of this wordyou shatter the thickest darkness of our hearts.You have discovered our distress, for behold!We are on our way to find the higher manâ
âthe man who is higher than we:although we are kings.To him we lead this ass.For the highest man shall alsobe the highest lord on earth.
There is no harsher misfortune in all of human destinythan when the mighty of the earth are not also the first of men.Then everything becomes false and crooked and monstrous.
And when they are the last, and more beast than man:then the rabble rises and rises in price,and at last even the rabble-virtue saysâbehold, I alone am virtue!ââ â
What did I just hear? answered Zarathustra;what wisdom from kings! I am delighted,and, truly, I already feel the desireto make a rhyme upon it: â
âeven if it becomes a rhymenot suited for everyoneâs ears.I have long since unlearned consideration for long ears.Well then! Cheer up!
(Here, however, it happened that the ass also found its voice:but it said distinctly and with ill will YEA-YUH.) OnceâI think, in the first year of graceâ The Sibyl spoke, drunk, without wine in place: âWoe, now it goes awry! âDecline! Decline! Never did the world sink so nigh! âRome sank to a whore and a whoreâs den, âRomeâs Caesar sank to a beast, God himselfâbecame a Jew then!â
*
2.
The kings took pleasure in these rhymes of Zarathustra;but the king on the right said:âO Zarathustra, how well we didto set out to see you!
For your enemies showed us your image in their mirror:there you looked with the grimace of a devil and sneering laughter:so that we were afraid of you.
But what did it help! Again and again you pierced our ears and heartswith your sayings. At last we said:what does it matter how he looks!
We must hear him, him who teachesâyou shall love peace as a means to new wars,and the short peace more than the long!â
No one ever spoke such warlike words:âWhat is good? To be brave is good.It is the good war that hallows every cause.â
O Zarathustra, the blood of our fathers stirredin our bodies at such words:it was like the speech of spring to old wine-casks.
When swords ran amongst each otherlike red-spotted serpents,then our fathers became fond of life;the sun of any peace seemed to them tepid and lukewarm,but the long peace brought shame.
How they sighed, our fathers,when they saw on the wall gleaming, dried-out swords!Like them, they thirsted for war.For a sword wants to drink blood and sparkles with desire.â â â
â As the kings spoke and chattered thus with zealabout the happiness of their fathers,Zarathustra was overcome by no small desire to mock their zeal:for they were obviously very peaceable kingswhom he saw before him, those with old and fine faces.But he restrained himself. âWell then!â he said,âthat way leads there, where Zarathustraâs cave lies;and this day shall have a long evening!But now a cry of distress calls me hastily away from you.
It honors my cave if kings wish to sit and wait in it:but, to be sure, you will have to wait a long time!
Well now! What of it!Where does one learn to wait better today than at courts?And the whole virtue of kings that has remained to themâis it not called today: being-able-to-wait?â
Thus spoke Zarathustra.
*
The Leech.
And Zarathustra went on thoughtfully, deeper,through forests and past swampy grounds;but as happens to everyone who reflects on heavy matters,he inadvertently trod upon a man.And behold, at once a cry of painand two curses and twenty evil insults shot into his face:so that in his fright he raised his staffand also struck the one he had trodden upon.Immediately thereafter, however, his senses returned;and his heart laughed at the folly he had just committed.
âForgive me,â he said to the trodden one,who had raised himself up grimly and sat down,âforgive me and hear first a parable.
As a wanderer, dreaming of distant things,inadvertently jostles a sleeping dog on a lonely road,a dog lying in the sun:
âas then both start up, fly at each other, like mortal enemies,these two mortally startled ones: so it happened with us.
And yet! And yetâhow little was missingfor them to caress each other, this dog and this solitary one!For they are bothâsolitary ones!â
â âWhoever you may be,âsaid the trodden one, still grimly,âyou come too close to me with your parable as well,and not only with your foot!
Look, am I a dog?ââ and with that the seated one roseand pulled his naked arm from the swamp.For at first he had been lying outstretched on the ground,hidden and unrecognizable like thosewho lie in wait for swamp-game.
âBut what are you doing!â cried Zarathustra, frightened,for he saw that much blood was flowing down the naked armââwhat has happened to you?Did a wicked beast bite you, you unfortunate one?â
The bleeding one laughed, still enraged.âWhat is it to you!â he said and wanted to go on.âHere I am at home and in my domain.Let him who will ask me:but I will hardly answer a blockhead.â
âYou are mistaken,â said Zarathustra with pity and held him fast,âyou are mistaken: here you are not with yourself,but in my realm,and in it no one shall come to harm.
But call me whatever you willâI am who I must be.I call myself Zarathustra.
Well then! Up there is the path to Zarathustraâs cave:it is not farâwill you not tend to your wounds with me?
Things have gone badly for you, you unfortunate one, in this life:first the beast bit you,and thenâthe man trod on you!â â â
But when the trodden one heard the name of Zarathustra,he was transformed. âWhat is happening to me!â he exclaimed,âwho still concerns me in this lifebut this one man, namely Zarathustra,and that one animal that lives on blood, the leech?
For the leechâs sake I lay here by this swamp like a fisherman,and already my outstretched arm had been bitten ten times,when a still more beautiful leech bites for my blood,Zarathustra himself!
O happiness! O wonder! Praised be this daythat lured me into this swamp!Praised be the best, most living cupping-glass alive today,praised be the great conscience-leech Zarathustra!â â
Thus spoke the trodden one;and Zarathustra rejoiced at his wordsand their fine, reverent manner.âWho are you?â he asked and offered him his hand,âbetween us much remains to be cleared up and brightened:but already, it seems to me, the day is becoming pure and bright.â
âI am the conscientious of spirit,â answered the one who was asked,âand in matters of the spirit, hardly anyone takes it more strictly,more narrowly, and more harshly than I,except for him from whom I learned it, Zarathustra himself.
Better to know nothing than to know many things by halves!Better to be a fool on oneâs own accountthan a wise man according to anotherâs whim!Iâgo to the bottom of things:
âwhat does it matter whether it is large or small?Whether it is called swamp or sky?A handâs breadth of ground is enough for me:if only it is truly ground and soil!
âa handâs breadth of ground: on that one can stand.In the true science of consciencethere is nothing great and nothing small.â
âThen you are perhaps the knower of the leech?âasked Zarathustra; âand you pursue the leechto its ultimate grounds, you conscientious one?â
âO Zarathustra,â answered the trodden one,âthat would be something monstrous,how could I presume to do so!
But what I am master and knower ofis the leechâs brain:âthat is my world!
And it is a world!But forgive me that my pride finds words here,for in this I have no equal.That is why I said âhere I am at home.â
How long have I been pursuing this one thing,the brain of the leech,so that the slippery truth may no longer slip away from me here!Here is my realm!
âfor this I cast everything else aside,for this everything else became indifferent to me;and right beside my knowledge lies my black ignorance.
My conscience of spirit demands of methat I know one thing and otherwise know nothing:I am disgusted by all the half-way ones of spirit,all the misty, hovering, rapturous ones.
Where my honesty ceases, I am blindand want to be blind.But where I want to know, I also want to be honest,namely hard, strict, narrow, cruel, inexorable.
That you once said, O Zarathustra:âSpirit is the life that itself cuts into life,âthat led and seduced me to your teaching.And truly, with my own blood I increased my own knowledge!â
â âAs is plain to see,â Zarathustra interjected;for the blood was still flowingdown the naked arm of the conscientious one.For ten leeches had bitten into it.
âO you strange fellow,how much this sight teaches me, namely you yourself!And perhaps not all of it should Ipour into your strict ears!
Well then! Let us part here!But I should gladly find you again.Up there leads the way to my cave:tonight you shall be my dear guest!
Gladly would I also make amends to your bodyfor Zarathustra having trod on you with his feet:I am thinking on that.But now a cry of distress calls me hastily away from you.â
Thus spoke Zarathustra.
*
The Magician. 1.
But when Zarathustra rounded a rock,he saw, not far below him on the same path,a man who threw his limbs about like a madmanand finally fell prostrate to the earth.âHalt!â said Zarathustra then to his heart,âthat one there must be the higher man,from him came that evil cry of distressâI will see if he can be helped.âBut when he ran to the spotwhere the man lay on the ground,he found a trembling old man with staring eyes;and however much Zarathustra struggled to lift him upand set him on his feet again, it was in vain.Nor did the unfortunate one seem to noticethat someone was with him;rather, he kept looking around with moving gestures,like one abandoned and isolated by all the world.At last, however, after much trembling, convulsingand contorting, he began to wail thus: Who warms me, who loves me still? Give hot hands! Give heartâs-braziers! Stretched out, shuddering, Like one half-dead whose feet are warmedâ Shaken, alas! by unknown fevers, Trembling from sharp icy frost-arrows, Hunted by you, Thought! Unnamable! Veiled! Terrifying one! You hunter behind clouds! Struck down by your lightning, You scornful eye that gazes at me from the dark: âthus I lie, Bending, writhing, tormented By all eternal tortures, Smitten By you, cruelest hunter, You unknownâGod! Strike deeper, Strike one more time! Pierce, break this heart! Why this torturing With blunt-toothed arrows? Why do you look again, Not weary of human torment, With mischievous god-lightning-eyes? You do not want to kill, Only to torture, torture? Whyâtorture me, You mischievous unknown God?â Haha! You sneak closer? At such a midnight, What do you want? Speak! You press me, crush meâ Ha! much too close now! Away! Away! You hear me breathing, You listen to my heart, You jealous oneâ Jealous of what, then? Away! Away! Why the ladder? Do you want to get inside, Into the heart, Climb in, into my most secret Thoughts? Shameless! Unknownâthief! What do you want to steal, What do you want to overhear, What do you want to torture out, You torturer! Youâhangman-God! Or shall I, like a dog, Roll before you? Devoted, ecstatically beside myself, Wagâlove to you? In vain! Strike further, Cruelest sting! No, No dogâonly your game am I, Cruelest hunter! Your proudest prisoner, You robber behind clouds! Speak at last, What do you want, waylayer, from me? You lightning-veiled one! Unknown! Speak, What do you want, unknown God? â â
What? Ransom? What do you want for ransom? Demand muchâthat my pride advises! And speak brieflyâthat my other pride advises! Haha! Meâyou want? Me? Meâentirely? Haha! And you torture me, fool that you are, Torture my pride to pieces? Give me loveâwho warms me still? Who loves me still?âgive hot hands, Give heartâs-braziers, Give me, the loneliest one, Whom ice, alas! sevenfold ice Teaches to yearn even for enemies, For enemies, Give, yes, surrender, Cruelest enemy, To meâyourself! â â Away! He himself fled, My last and only companion, My great enemy, My unknown one, My hangman-God!â âNo! Come back, With all your tortures! To the last of all the lonely ones, Oh, come back! All my streams of tears run Their course to you! And my heartâs last flameâ For you it glows up! Oh come back, My unknown God! My pain! My lastâhappiness!
*
2.
â Here, however, Zarathustra could no longer restrain himself,took his staff and struck the wailing man with all his might.âStop it!â he shouted at him, with a grim laugh,âstop it, you actor! You counterfeiter!You liar from the depths! I know you well!
I will warm your legs for you,you wicked magician, I am good atâheating upâsuch as you!â
â âCease,â said the old man and sprang up from the ground,âstrike no more, O Zarathustra!I did it only for sport!
Such things belong to my art;it was you yourself I wanted to put to the testwhen I gave you this test!And truly, you have seen through me well!
But you tooâgave me no small test of yourself,you are hard, you wise Zarathustra!Hard you strike with your âtruths,âyour cudgel forces from meâthis truth!â
â âDo not flatter,â answered Zarathustra,still agitated and scowling,âyou actor from the depths! You are false:why do you speakâof truth!
You peacock of peacocks, you sea of vanity,what did you play before me, you wicked magician,in whom was I to believewhen you wailed in such a guise?â
âThe penitent of spirit,â said the old man,âthatâI played:you yourself once invented this wordâ
âthe poet and magicianwho at last turns his spirit against himself,the transformed onewho freezes from his own evil knowledge and conscience.
And just admit it: it took a long time, O Zarathustra,before you saw through my art and my lie!You believed in my distresswhen you held my head with both your handsâ
âI heard you lament âhe has been loved too little,loved too little!â That I deceived you so far,my malice inwardly exulted over it.â
âYou may have deceived finer men than me,âsaid Zarathustra harshly. âI am not on my guard against deceivers,I must be without caution: so my lot wills it.
You, however,âmust deceive: that much I know of you!You must always be two-, three-, four-, and five-tongued!Even what you have now confessedwas far from being true enough or false enough for me!
You wicked counterfeiter, how could you be otherwise!You would still rouge your sicknessif you showed yourself naked to your physician.
Thus you just rouged your lie before mewhen you said: âI did it only for sport!âThere was also seriousness in it,you are something of a penitent of spirit!
I guess you well: you became the enchanter of all,but against yourself you have no lie and cunning leftâyou are disenchanted to yourself!
You reaped disgust as your one truth.Not a word about you is genuine any more, but your mouth is:namely the disgust that clings to your mouth.â â â
â âWho are you then!â cried the old magician herewith a defiant voice,âwho dares to speak thus to me, the greatest man alive today?ââ and a green lightning bolt shot from his eye at Zarathustra.But immediately after, he transformed himself and said sadly:
âO Zarathustra, I am weary of it,I am disgusted with my arts, I am not great,why do I dissemble! But you know it wellâI sought for greatness!
I wanted to present a great man and persuaded many:but this lie was beyond my strength. I am breaking on it.
O Zarathustra, all about me is a lie;but that I am breakingâthis my breaking is genuine!â â
âIt honors you,â said Zarathustra darkly,looking down to the side, âit honors youthat you sought for greatness, but it also betrays you.You are not great.
You wicked old magician,that is the best and most honest thing about you that I honor,that you grew weary of yourself and spoke it out:âI am not great.â
In that I honor you as a penitent of spirit:and even if only for a breath and a flash,for that one moment you wereâgenuine.
But tell me, what are you seeking here in my forests and rocks?And if you laid yourself in my path,what test did you want from me? â
âof what did you tempt me?â â
Thus spoke Zarathustra, and his eyes sparkled.The old magician was silent for a while, then he said:âDid I tempt you? Iâonly seek.
O Zarathustra, I seek a genuine, righteous,simple, unambiguous one, a man of all honesty,a vessel of wisdom, a saint of knowledge,a great man!
Do you not know it, O Zarathustra?I seek Zarathustra.â
â And here a long silence arose between the two;but Zarathustra sank deep into himself,so that he closed his eyes.But then, returning to his interlocutor,he seized the magicianâs hand and spoke,full of grace and cunning:
âWell then! Up there leads the path,there lies Zarathustraâs cave.In it you may seek whom you would wish to find.
And ask my animals for counsel,my eagle and my serpent:they shall help you seek. My cave, however, is large.
I myself, to be sureâI have not yet seen a great man.For what is great, the eye of the finest is coarse today.It is the realm of the rabble.
Many a one I have found who stretched and puffed himself up,and the people cried: âBehold, a great man!âBut what good are all bellows! At last the wind comes out.
At last a frog bursts, that has puffed itself up too long:then the wind comes out.To pierce a swollen one in the belly,that I call a fine pastime. Hear that, you boys!
This Today belongs to the rabble:who still knows what is great, what is small!Who would seek for greatness there with success!A fool alone: fools have luck.
You seek for great men, you strange fool?Who taught you that? Is today the time for it?O you wicked seeker, whyâdo you tempt me?â â â
Thus spoke Zarathustra, with a comforted heart,and went laughing on his way.
* *
Out of Service.
Not longafter Zarathustra had freed himself from the magician, however,he again saw someone sitting by the pathhe was walking,namely a tall black manwith a gaunt, pale face:this man vexed him mightily.âAlas,â he said to his heart,âthere sits veiled melancholy,that seems to me of the priestly kind:what do they want in my realm?
What! Scarcely have I escaped that magician:must another black artistcross my path, â
â some wizard with laying-on of hands,a dark miracle-worker by the grace of God,an anointed world-slanderer,may the devil take him!
But the devil is never in the placewhere he ought to be:he always comes too late,this accursed dwarf and club-foot!â â
Thus cursed Zarathustra impatiently in his heartand thoughthow hemight slip past the black man with averted gaze:but behold, it turned out differently.For in the same momentthe seated man had already caught sight of him;and not unlike oneto whom an unexpected good fortune befalls,he sprang up and went towards Zarathustra.
âWhoever you may be, you wanderer,â he said,âhelp one who has gone astray, a seeker,an old manwho may easily come to harm here!
This world here is strange and distant to me,I have also heard wild animals howling;and he who could have offered me protectionis himself no more.
I sought the last pious man,a saint and a hermit,who alone in his foresthad not yet heardwhat all the world knows today.â
âWhat does all the world know today?â asked Zarathustra.âPerhaps this, that the old God,in whom all the world once believed, lives no more?â
âYou say it,â answered the old man sadly.âAnd I served this old Goduntil his final hour.
But now I am out of service, without a master,and yet not free,nor cheerful for another hour,except in memories.
For this I climbed into these mountains,that I might at last make a festival for myself again,as befits an old pope and church-father:for know, I am the last pope!âa festival of pious memories and divine services.
But now he himself is dead,the most pious man, that saint in the forest,who constantly praised his Godwith singing and humming.
I myself found him no morewhen I found his hutâbut two wolves in it,howling over his deathâfor all the animals loved him.Then I ran away.
Did I then come in vain into these forests and mountains?Then my heart resolvedthat I should seek another,the most pious of all thosewho do not believe in Godâ,that I should seek Zarathustra!â
Thus spoke the old manand looked with a sharp eye at the onewho stood before him;but Zarathustra seized the hand of the old popeand contemplated it for a long time with admiration.
âBehold, you venerable one,â he said then,âwhat a beautiful and long hand!That is the hand of onewho has always dispensed blessings.But now it holds fast the one whom you seek,me, Zarathustra.
It is I, the godless Zarathustra,who says: who is more godless than I,that I may rejoice in his instruction?â â
Thus spoke Zarathustra and pierced with his gazethe thoughts and afterthoughts of the old pope.At last the latter began:
âHe who loved and possessed him mosthas now also lost him mostâ:
âbehold, am I myself not nowthe more godless of us two?But who could rejoice in that!â â
â âYou served him to the last,âasked Zarathustra thoughtfully,after a deep silence,âyou know how he died?Is it true what they say,that pity choked him,
âthat he sawhow man hung on the crossand could not bear it,that the love of man became his helland at last his death?â â â
The old pope, however, did not answer,but looked aside shylyand with a pained and gloomy expression.
âLet him go,â said Zarathustra after a long reflection,still looking the old manstraight in the eye.
âLet him go, he is gone.And though it does you honorthat you speak only good of this dead one,you know as well as I who he was;and that he went by strange paths.â
âSpoken between three eyes,âsaid the old pope, cheered up(for he was blind in one eye),âin matters of God I am more enlightenedthan Zarathustra himselfâand may well be.
My love served him for many years,my will followed all his will.But a good servant knows everything,and many a thing also that his master hides from himself.
He was a hidden God, full of secrecy.Truly, even to a son he came no other waythan by stealth.At the door of his faith stands adultery.
He who praises him as a god of lovedoes not think highly enough of love itself.Did this God not also want to be a judge?But the lover loves beyond reward and retribution.
When he was young, this God from the Orient,he was harsh and vengefuland built himself a hellfor the delight of his favorites.
But at last he became old and soft and mellowand full of pity,more like a grandfather than a father,but most like a shaky old grandmother.
There he sat, withered, in his chimney-corner,fretting over his weak legs,world-weary, will-weary,and one day suffocated on his all-too-great pity.â â â
âYou old pope,â said Zarathustra, interjecting here,âdid you see that with your own eyes?It might well have happened so:so, and also otherwise.When gods die, they always die many kinds of deaths.
But well then! One way or another, this way and thatâhe is gone!He went against the taste of my ears and eyes,I should not like to say worse of him.
I love all that looks bright and speaks honestly.But heâyou know it, you old priest,there was something of your kind in him,of the priest-kindâhe was ambiguous.
He was also indistinct.How he raged at us on that account, this snorter of rage,that we understood him badly!But why did he not speak more purely?
And if it was our earsâ fault,why did he give us ears that heard him badly?If there was mud in our ears, well then!who put it in?
Too much went wrong for him, this potterwho had not finished his apprenticeship!But that he took revenge on his pots and creaturesfor their turning out badly for himâthat was a sin against good taste.
There is good taste in piety too:which at last spoke âAway with such a God!Better no God, better to make oneâs own destiny,better to be a fool, better to be a god oneself!ââ
â âWhat do I hear!â said the old pope herewith sharpened ears;âO Zarathustra, you are more pious than you believe,with such an unbelief!Some god in you converted you to your godlessness.
Is it not your piety itselfthat no longer lets you believe in a god?And your over-great honesty will yet lead you awaybeyond good and evil!
Behold, what has been saved up for you?You have eyes and hand and mouththat have been destined for blessing from eternity.One does not bless with the hand alone.
In your vicinity, though you want to be the most godless,I scent a secret fragrance and aromaof long blessings:I feel well and woe at it.
Let me be your guest, O Zarathustra,for a single night!Nowhere on earth will I be more comfortable nowthan with you!ââ
âAmen! So shall it be!âsaid Zarathustra with great wonder,âup there leads the path,there lies Zarathustraâs cave.
Gladly, forsooth, would I myself guide you there,you venerable one,for I love all pious men.But now a cry of distress calls me hastily away from you.
In my domain no one shall come to harm;my cave is a good harbor.And most of all I should like to set every sorrowful oneback on firm land and firm legs.
But who would take your melancholy from your shoulder?For that I am too weak.For a long time, truly, we would have to waituntil someone reawakens your God for you.
For this old God lives no more:he is thoroughly dead.â â
Thus spoke Zarathustra.
The Ugliest Man.
â And again Zarathustraâs feet ran through mountains and forests,and his eyes sought and sought,but nowhere was he to be seenwhom they wanted to see,the great sufferer and crier of distress.But all along the way he rejoiced in his heartand was thankful.âWhat good things,â he said, âhas this day given me,in recompense for its bad beginning!What strange interlocutors I have found!
On their words I will now chew for a long timeas on good grains;my teeth shall grind and mill them small,until they flow like milk into my soul!â â
But when the path bent again around a rock,the landscape suddenly changed,and Zarathustra entered a realm of death.Here black and red cliffs stared up:no grass, no tree, no birdâs voice.For it was a valley which all animals avoided,even the beasts of prey;except that a kind of ugly, thick, green snake,when they grew old, came here to die.Therefore the shepherds called this valley: Snake-Death.
Zarathustra, however, sank into a black memory,for it seemed to him that he had stood once beforein this valley.And much heaviness lay upon his mind:so that he walked slowly and ever more slowlyand at last stood still.But then, when he opened his eyes, he sawsomething sitting by the wayside, shaped like a manand scarcely like a man, something unutterable.And with a single blow, great shame overcame Zarathustrafor having looked upon such a thing with his eyes:blushing up to his white hair,he averted his gaze and lifted his footto leave this evil place.But then the dead wasteland became loud:for from the ground there rose a gurgling and rattling,as water gurgles and rattles at night through clogged water-pipes;and at last it became a human voice and human speech: âwhich sounded thus.
âZarathustra! Zarathustra! Solve my riddle!Speak, speak! What is the revenge on the witness?
I lure you back, here is smooth ice!Take care, take care,that your pride does not break its legs here!
You think yourself wise, you proud Zarathustra!Then solve the riddle, you hard nut-crackerâthe riddle that I am!So speak: who am I!â
â But when Zarathustra had heard these wordsâwhat do you think happened to his soul then?Pity overcame him;and he sank down at once, like an oak treethat has long withstood many woodcuttersâheavily, suddenly, to the terror even of thosewho wanted to fell it.But already he stood up from the ground again,and his countenance became hard.
âI know you well,â he said with a brazen voice:âyou are the murderer of God! Let me go.
You could not bear him who saw youâwho saw you always and through and through,you ugliest man!You took revenge on this witness!â
Thus spoke Zarathustra and wanted to go;but the unutterable one grasped a corner of his garmentand began to gurgle again and search for words.âStay!â he said at lastâ
â âstay! Do not pass by! I guessedwhich axe struck you to the ground:praise be to you, O Zarathustra, that you stand again!
You guessed, I know it well, how he feelswho killed himâthe murderer of God.Stay! Sit down here with me, it is not for nothing.
To whom would I go, if not to you?Stay, sit down! But do not look at me!Thus honorâmy ugliness!
They pursue me: now you are my last refuge.Not with their hatred, not with their constables:âoh, I would mock such persecutionand be proud and glad!
Has not all success hitherto been with the well-persecuted?And he who persecutes well, learns easily to follow:âfor he is alreadyâbehind!But it is their pityâ
âit is their pity from which I fleeand to you I flee.O Zarathustra, protect me, you my last refuge,you the only one who guessed me:
âyou guessed how he feelswho killed him. Stay!And if you want to go, you impatient one:do not go the way I came. That way is bad.
Are you angry with me that I have been babbling for too long?That I am already advising you?But know, it is I, the ugliest man,
âwho also has the largest, heaviest feet.Where I have walked, the path is bad.I tread all paths to death and to ruin.
But that you passed me by, silent;that you blushed, I saw it well:by that I recognized you as Zarathustra.
Anyone else would have thrown me his alms,his pity, with look and word.But for thatâI am not beggar enough,you guessed thatâ
âfor that I am too rich, rich in what is great,in what is terrible, in the ugliest, in the unutterable!Your shame, O Zarathustra, honored me!
With difficulty I came out of the throng of the pityingâthat I might find the only one who teaches todayâPity is obtrusiveââyou, O Zarathustra!
âbe it a godâs, be it menâs pity:pity goes against shame.And not-wanting-to-help can be noblerthan that virtue which springs to help.
But that is what all small people call virtue itself today,pity:âthey have no reverence for great misfortune,for great ugliness, for great failure.
I look over all these,as a dog looks over the backs of swarming flocks of sheep.They are small, benevolent, well-wishing grey people.
As a heron looks contemptuously over shallow ponds,with head thrown back:so I look over the swarm of grey small wavesand wills and souls.
For too long one has granted them right, these small people:so at last one gave them power tooânow they teach: âgood is only what small people call good.â
And âtruthâ today is what the preacher spoke,who himself came from them,that strange saint and advocate of the small people,who testified of himself âIâam the truth.â
This immodest one has long since madethe small peopleâs combs swell highâhe who taught no small errorwhen he taught âIâam the truth.â
Was an immodest one ever answered more politely?âBut you, O Zarathustra, passed him byand said: âNo! No! Three times no!â
You warned against his error,you were the first to warn against pityânot all, not none, but yourself and your kind.
You are ashamed of the shame of the great sufferer;and truly, when you sayâfrom pity comes a great cloud,take heed, you men!â
âwhen you teach âall creators are hard,all great love is above its pityâ:O Zarathustra, how well you seem to me versed in weather-signs!
But you yourselfâwarn yourself also against your pity!For many are on their way to you, many sufferers,doubters, despairers, drowning, freezing onesâ
I warn you also against me.You guessed my best, worst riddle,myself and what I did.I know the axe that fells you.
But heâhad to die:he saw with eyes that saw everythingâhe saw manâs depths and grounds,all his hidden shame and ugliness.
His pity knew no shame:he crawled into my filthiest corners.This most curious, over-obtrusive, over-pitying one had to die.
He always saw me:on such a witness I wanted to have revengeâor not live myself.
The God who saw everything, even man:this God had to die!Man cannot bear that such a witness lives.â
Thus spoke the ugliest man.But Zarathustra rose and prepared to go on:for he was chilled to his very entrails.
âYou unutterable one,â he said, âyou warned me of your path.In thanks for that I praise mine to you.Behold, up there lies Zarathustraâs cave.
My cave is large and deep and has many corners;there the most hidden finds his hiding-place.And close by it are a hundred burrows and bolt-holesfor creeping, fluttering and leaping creatures.
You outcast who cast yourself out,you do not want to live among men and menâs pity?Well then, do as I do!Thus you will also learn from me; only the doer learns.
And speak first and foremost with my animals!The proudest animal and the wisest animalâthey might well be the right counselors for us both!â â â
Thus spoke Zarathustra and went his ways,more thoughtful and slower still than before:for he asked himself many things and could not easily find an answer.
âHow poor man is, after all! he thought in his heart,how ugly, how rattling, how full of hidden shame!
They tell me that man loves himself:ah, how great this self-love must be!How much contempt it has against it!
This one too loved himself, as he despised himselfâa great lover he is to me and a great despiser.
I have found none yet who despised himself more deeply:that too is height.Alas, was he perhaps the higher manwhose cry I heard?
I love the great despisers.But man is something that must be overcome.â â â
* The Voluntary Beggar.
When Zarathustra had left the ugliest man,he was cold and felt lonely:for many cold and lonely things passed through his senses,so that his limbs also grew colder thereby.But as he climbed further and further, up, down,now past green meadows,but also over wild, stony bedswhere once perhaps an impatient brook had laid itself to rest:then his mind suddenly grew warmerand more heartfelt again.
âWhat has happened to me?â he asked himself,âsomething warm and living refreshes me,it must be near me.
Already I am less alone;unconscious companions and brothers roam about me,their warm breath touches my soul.â
But when he spied about himand sought the comforters of his solitude:behold, there were cows,which were standing together on a height;their proximity and scent had warmed his heart.But these cows seemed to listen with zeal to a speakerand paid no heed to the one who approached.But when Zarathustra was quite near them,he heard clearly that a human voicewas speaking from the midst of the cows;and evidently they had all turnedtheir heads to the speaker.
Then Zarathustra sprang eagerly upwardsand pushed the animals apart,for he feared that someone had come to harm here,whom the pity of cows could hardly help.But in this he was mistaken;for behold, a man sat on the earthand seemed to be urging the animalsnot to be shy of him,a peaceful man and mountain-preacher,from whose eyes goodness itself preached.âWhat are you seeking here?â cried Zarathustra in amazement.
âWhat I am seeking here?â he answered:âThe same as you seek, you disturber of the peace!namely, happiness on earth.
But for that I would like to learn from these cows.For, do you know, for half a morning I have been speaking to them,and just now they were about to give me their answer.Why then do you disturb them?
Unless we turn back and become like the cows,we shall not enter the kingdom of heaven.For we should learn one thing from them: rumination.
And truly, if man were to win the whole worldand not learn that one thing, rumination: what would it help!He would not be rid of his afflictionâ
âhis great affliction: which today is called disgust.Who today does not have heart, mouth and eyes full of disgust?You too! You too! But just look at these cows!â â
Thus spoke the mountain-preacher,and then turned his own gaze to Zarathustra,âfor until then it had rested with love upon the cowsâ:but then he was transformed.âWho is this I am speaking with?âhe cried, frightened, and sprang up from the ground.
âThis is the man without disgust,this is Zarathustra himself, the overcomer of the great disgust,this is the eye, this is the mouth,this is the heart of Zarathustra himself.â
And as he spoke thus,he kissed the hands of the one to whom he spoke,with overflowing eyes,and behaved entirely like oneupon whom a precious gift and jewel unexpectedly falls from heaven.The cows, however, looked on at all this and wondered.
âDo not speak of me, you wonderful! You lovely one!âsaid Zarathustra and resisted his tenderness,âspeak to me first of yourself!Are you not the voluntary beggarwho once cast away a great wealthâ
âwho was ashamed of his wealth and of the rich,and fled to the poorestto give them his fullness and his heart?
But they did not accept him.ââBut they did not accept me,â said the voluntary beggar,âyou know that.So at last I went to the animals and to these cows.â
âThen you learned,â interrupted Zarathustra the speaker,âhow it is harder to give rightly than to take rightly,and that to give well is an artand the last, most cunning master-art of goodness.â
âEspecially nowadays,â answered the voluntary beggar:âtoday, namely, when all that is base has become rebelliousand shy and in its own way haughty: namely in the rabbleâs way.
For the hour has come, you know it well,for the great, evil, long, slow rabble- and slave-uprising:it grows and grows!
Now all benevolence and small giving-away enrages the lowly;and the over-rich had better be on their guard!
Whoever today trickles like big-bellied bottlesfrom all-too-narrow necks:âone likes to break the necks of such bottles today.
Lustful greed, bilious envy, sullen vengefulness, rabble-pride:all that leaped into my face.It is no longer true that the poor are blessed.But the kingdom of heaven is with the cows.â
âAnd why is it not with the rich?âasked Zarathustra, testing, while he kept the cowsfrom trustfully sniffing the peaceful man.
âWhy do you test me?â answered the latter.âYou know it yourself even better than I.What drove me to the poorest, O Zarathustra?Was it not disgust at our richest?
âat the convicts of wealth,who pick up their advantage from every rubbish-heap,with cold eyes, lecherous thoughts,at this rabble that stinks to high heaven,
âat this gilded, falsified rabble,whose fathers were pickpockets or carrion-birds or rag-pickers,with women compliant, lustful, forgetful:âfor none of them are far from being whoresâ
Rabble above, rabble below! What is âpoorâ and ârichâ today!I unlearned this distinctionâthen I fled,further, ever further, until I came to these cows.â
Thus spoke the peaceful man, and panted himselfand sweated at his words:so that the cows wondered anew.But Zarathustra kept looking into his face with a smile,as he spoke so harshly,and silently shook his head.
âYou do violence to yourself, you mountain-preacher,when you use such harsh words.For such harshness your mouth was not made, nor your eye.
Nor, it seems to me, your stomach itself:all such raging and hating and frothing is repugnant to it.Your stomach wants gentler things: you are no butcher.
Rather you seem to me a planter and a root-man.Perhaps you grind grains.But certainly you are averse to carnal pleasuresand love honey.â
âYou have guessed me well,â answered the voluntary beggar,with a relieved heart. âI love honey,I also grind grains, for I soughtwhat tastes lovely and makes for pure breath:
âalso what takes a long time, a dayâs and mouthâs workfor gentle idlers and loafers.
These cows, to be sure, have gone furthest:they invented rumination and lying-in-the-sun.They also abstain from all heavy thoughtsthat bloat the heart.â
â âWell then!â said Zarathustra: âyou should also see my animals,my eagle and my serpentâtheir like does not exist on earth today.
Behold, that way leads to my cave:be its guest this night.And speak with my animals of the happiness of animalsâ
âuntil I myself come home.For now a cry of distress calls me hastily away from you.You will also find new honey with me,ice-fresh honeycomb-gold-honey: eat that!
But now take a swift farewell of your cows,you wonderful one! You lovely one! though it may be hard for you.For they are your warmest friends and teachers!â â
ââWith one exception, whom I love still more,âanswered the voluntary beggar.âYou yourself are good, and better even than a cow,O Zarathustra!â
âAway, away with you! you wicked flatterer!âcried Zarathustra with malice,âwhy do you spoil me with such praise and flattererâs-honey?â
âAway, away from me!â he cried once more,and swung his staff at the tender beggar:who, however, ran swiftly away.
* The Shadow.
Scarcely had the voluntary beggar run offand Zarathustra was alone with himself again,than he heard behind him a new voice:it cried âHalt! Zarathustra! Do wait!It is I, O Zarathustra, I, your shadow!âBut Zarathustra did not wait,for a sudden vexation came over him on account of the great crowdingand thronging in his mountains.âWhere has my solitude gone?â he said.
âIt is truly becoming too much for me; this mountain range swarms,my kingdom is no longer of this world,I need new mountains.
My shadow calls me? What does my shadow matter!Let it run after me! Iâam running away from it.â
Thus spoke Zarathustra to his heart and ran away.But the one who was behind him followed him:so that soon there were three runners one after another,namely the voluntary beggar in front, then Zarathustra,and third and last, his shadow.They did not run so for longbefore Zarathustra came to his senses about his follyand with a single shake cast off all his vexationand annoyance.
âWhat!â he said, âhave not the most ridiculous things always happenedamong us old hermits and saints?
Truly, my folly has grown high in the mountains!Now I hear six old foolsâ legsclattering one after another!
But should Zarathustra be afraid of a shadow?And it also seems to me, after all,that it has longer legs than I.â
Thus spoke Zarathustra, laughing with eyes and entrails,stood still and turned around quicklyâand behold, he almost threw his followerand shadow to the ground:so closely did the latter follow at his heels,and so weak was he.For when he examined him with his eyes,he was startled as if by a sudden specter:so thin, blackish, hollow and outliveddid this follower look.
âWho are you?â asked Zarathustra vehemently,âwhat are you doing here?And why do you call yourself my shadow?You do not please me.â
âForgive me,â answered the shadow, âthat it is I;and if I do not please you, well, O Zarathustra!in that I praise you and your good taste.
I am a wanderer who has walked much at your heels:always on the way, but without a goal, also without a home:so that truly I lack little of being the eternal Jew,except that I am not eternal,and also not a Jew.
What? Must I be forever on the way?Whirled by every wind, unsteady, driven forth?O earth, you have become too round for me!
On every surface I have already sat,like weary dust I have fallen asleep on mirrors and window-panes:everything takes from me, nothing gives, I become thinâI am almost like a shadow.
But after you, O Zarathustra, I have flown and been drawn the longest,and though I hid myself from you,I was yet your best shadow:wherever you have sat, I have sat too.
With you I have roamed in the furthest, coldest worlds,like a ghostthat voluntarily runs over winter roofs and snow.
With you I strove into everything forbidden, worst, furthest:and if there is any virtue in me, it is thatI had no fear of any prohibition.
With you I broke what my heart ever revered,all boundary-stones and images I cast down,the most dangerous wishes I ran afterâtruly, over every crime I ran once.
With you I unlearned the belief in words and valuesand great names.When the devil sheds his skin, does not his name also fall off?For that too is skin.The devil himself is perhapsâskin.
âNothing is true, all is permittedâ: thus I spoke to myself.Into the coldest waters I plunged, with head and heart.Ah, how often I stood there naked as a red crab on that account!
Ah, where has all my good gone, and all my shameand all my belief in the good!Ah, where is that feigned innocence which I once possessed,the innocence of the good and their noble lies!
Too often, truly, I followed truth close at its heels:then it kicked me in the head.Sometimes I thought I was lying, and behold!only then did I hit uponâthe truth.
Too much has become clear to me: now it concerns me no more.Nothing lives any more that I loveâhow should I still love myself?
âTo live as I please, or not to live at allâ:so I want it, so wants the holiest one too.But, alas! how do I still haveâpleasure?
Do Iâstill have a goal?A harbor towards which my sail runs?
A good wind? Ah, only he who knows where he is sailing,also knows which wind is good and his sailing-wind.
What is left to me? A heart weary and brazen;an unsteady will; fluttering-wings; a broken backbone.
This seeking for my home: O Zarathustra, do you know,this seeking has been my affliction, it consumes me.
âWhere isâmy home?â For that I ask and seek and have sought,that I have not found.O eternal everywhere, O eternal nowhere, O eternalâin vain!â
Thus spoke the shadow, and Zarathustraâs face lengthenedat his words.âYou are my shadow!â he said at last, with sadness.
âYour danger is not a small one, you free spirit and wanderer!You have had a bad day:see to it that you do not have a still worse evening!
To such unsteady ones as you, even a prison at last seems blessed.Have you ever seen how captured criminals sleep?They sleep calmly, they enjoy their new security.
Beware lest in the end a narrow faith should capture you,a hard, strict delusion!For now everything that is narrow and firm seduces and tempts you.
You have lost your goal: alas,how will you get over and get beyond this loss?With itâyou have also lost your way!
You poor wanderer, dreamer, you weary butterfly!do you want to have a rest and a home this evening?Then go up to my cave!
That way leads to my cave.And now I will quickly run away from you again.Already it lies like a shadow upon me.
I will run alone, so that it may become bright around me again.For that I must still be merry on my legs for a long time.But in the evening at my placeâthere will be dancing!â â â
Thus spoke Zarathustra.
* At Noon.
â And Zarathustra ran and ran and found no one moreand was alone and found himself again and again,and enjoyed and sipped his solitude and thought of good thingsâfor hours.But around the hour of noon,when the sun stood directly over Zarathustraâs head,he passed by an old, crooked and gnarled tree,which was embraced all around by the rich love of a grapevineand hidden from itself:from it hung yellow grapes in abundance to meet the wanderer.Then he felt a desire to quench a small thirstand to pluck a grape;but as he was already stretching out his arm for it,he felt a still greater desire for something else:namely, to lie down beside the tree,at the hour of perfect noon, and to sleep.
This Zarathustra did; and as soon as he lay on the ground,in the stillness and secrecy of the colorful grass,he had already forgotten his small thirst and fell asleep.For, as Zarathustraâs proverb says:one thing is more necessary than another.Only his eyes remained open:âfor they could not get their fillof seeing and praising the tree and the love of the grapevine.But in falling asleep, Zarathustra spoke thus to his heart:
Hush! Hush! Did not the world just become perfect?What is happening to me?
As a delicate wind, unseen, dances on a paneled sea,light, feather-light: soâdances sleep upon me.
It does not close my eyes, it leaves my soul awake.It is light, truly! feather-light.
It persuades me, I know not how,it touches me inwardly with a flattering hand, it compels me.Yes, it compels me, so that my soul stretches itself out: â
âhow long and weary it becomes, my strange soul!Did the evening of a seventh day come to it right at noon?Has it wandered too long, blessed, among good and ripe things?
It stretches itself out long, longâlonger!it lies still, my strange soul.Too much good it has tasted,this golden sadness oppresses it, it distorts its mouth.
â Like a ship that has sailed into its stillest bay:â now it leans against the earth,weary of long journeys and uncertain seas.Is the earth not more faithful?
As such a ship lays itself against the land, nestles up:â then it is enough that a spider spins its thread from the landto it.No stronger ropes are needed there.
Like such a weary ship in the stillest bay:so I too now rest close to the earth, faithful,trusting, waiting, bound to it with the softest threads.
O happiness! O happiness! Do you want to sing, O my soul?You lie in the grass.But this is the secret, solemn hourwhen no shepherd plays his flute.
Forbear! Hot noon sleeps on the fields.Do not sing! Hush! The world is perfect.
Do not sing, you grass-fowl, O my soul!Do not even whisper! Lookâhush!old noon is sleeping, it moves its mouth:is it not just now drinking a drop of happinessâ
âan old brown drop of golden happiness, golden wine?Something flits across it, its happiness laughs.Thusâlaughs a god. Hush! â
âFor happiness, how little is enough for happiness!âThus I once spoke and thought myself wise.But it was a blasphemy: that I have now learned.Wise fools speak better.
The very least, the softest, lightest, a lizardâs rustle,a breath, a whisk, a glanceâLittle makes up the quality of the best happiness. Hush!
â What happened to me: Hark! Did time fly away?Am I not falling? Did I not fallâhark!into the well of eternity?
â What is happening to me? Hush!It stings meâalasâin the heart? In the heart!O break, break, heart, after such happiness,after such a sting!
â What? Did not the world just become perfect? Round and ripe?Oh the golden round ringâwhere does it fly?I will run after it! Swiftly!
Hush â â (and here Zarathustra stretched and felt that he was asleep.)
Up! he said to himself, you sleeper! You noon-sleeper!Well then, get up, you old legs!It is time and more than time, many a good stretch of road is still left for youâ
Now you have slept your fill, for how long?Half an eternity!Well then, up now, my old heart!How long will it take you to wake up after such a sleep?
(But then he fell asleep again,and his soul spoke against him and resistedand lay down again) ââLeave me be! Hush! Did not the world just become perfect?Oh the golden round ball!â â
âGet up,â said Zarathustra, âyou little thief, you daylight-thief!What? Still stretching, yawning, sighing,falling down into deep wells?
Who are you then! O my soul!â(and here he was startled,for a sunbeam fell from the sky down upon his face)
âO heaven above me,â he said, sighing, and sat upright,âyou are looking at me? You are listening to my strange soul?
When will you drink this drop of dewthat fell upon all earthly thingsâwhen will you drink this strange soulâ
âwhen, well of eternity!you serene, terrifying noon-abyss!when will you drink my soul back into yourself?â
Thus spoke Zarathustra and rose from his resting-place by the treeas from a strange intoxication:and behold, the sun still stood directly over his head.From this one might rightly inferthat Zarathustra had not slept long at that time.
* The Greeting.
It was only in the late afternoon that Zarathustra,after a long and fruitless search and wandering,came home again to his cave.But when he stood opposite it,not twenty paces away,that which he now least expected happened:again he heard the great cry of distress.And, astonishingly! this time it came from his own cave.It was, however, a long, manifold, strange cry,and Zarathustra clearly distinguishedthat it was composed of many voices:though heard from a distance,it might have sounded like the cry from a single mouth.
Then Zarathustra sprang towards his cave, and behold!what a spectacle awaited him after this audio-play!For there they all sat together,those whom he had passed during the day:the king on the right and the king on the left,the old magician, the pope, the voluntary beggar,the shadow, the conscientious of spirit,the sad soothsayer, and the ass;but the ugliest man had put a crown on his headand wrapped himself in two purple girdlesâfor he loved, like all ugly people,to disguise himself and act beautiful.In the midst of this sorrowful company, however,stood Zarathustraâs eagle, ruffled and restless,for it was supposed to answer too many thingsfor which its pride had no answer;but the wise serpent hung around its neck.
All this Zarathustra beheld with great wonder;but then he examined each of his guestswith affable curiosity,read their souls and wondered anew.In the meantime, the assembled had risen from their seatsand waited with reverence for Zarathustra to speak.But Zarathustra spoke thus:
âYou despairing ones! You strange ones!So I heard your cry of distress?And now I know where he is to be soughtwhom I sought in vain today: the higher manâ:
âin my own cave he sits, the higher man!But why do I wonder!Did I not myself lure him to me through honey-sacrificesand the cunning lures of my happiness?
Yet it seems to me you are ill-suited for company,you make each otherâs hearts morose, you criers of distress,when you sit here together? First someone must come,
âsomeone who makes you laugh again,a good, cheerful buffoon, a dancer and wind and wild rover,some old fool:âwhat do you think?
Forgive me, you despairing ones,for speaking before you with such small words,unworthy, truly, of such guests!But you do not guess what makes my heart wanton: â
âyou yourselves do it, and your sight, forgive me!For everyone becomes courageous who watches a despairing one.To speak to a despairing oneâfor that everyone thinks himself strong enough.
You yourselves gave me this strengthâa good gift,my high guests! A proper guest-gift!Well then, do not be angry now that I also offer you something of mine.
This here is my realm and my dominion:but what is mine, for this evening and this nightit shall be yours.My animals shall serve you:let my cave be your resting place!
At my home and hearth no one shall despair,in my territory I protect everyone from his wild beasts.And that is the first thing I offer you: security!
The second, however, is: my little finger.And once you have that, then just take the whole hand,well then! and the heart with it!Welcome here, welcome, my guest-friends!â
Thus spoke Zarathustra and laughed with love and malice.After this greeting his guests bowed againand remained silent in reverence;but the king on the right answered him in their name.
âBy the way, O Zarathustra, that you offered us hand and greeting,we recognize you as Zarathustra.You humbled yourself before us;you almost hurt our reverenceâ:
âbut who could humble himself with such prideas you?That lifts us up ourselves,it is a balm to our eyes and hearts.
Just to see this alone, we would gladly climb higher mountainsthan this one.For we came as curious onlookers,we wanted to see what makes gloomy eyes bright.
And behold, already all our cries of distress are over.Already our mind and heart stand open and are enraptured.Little is lacking: and our courage will become wanton.
Nothing, O Zarathustra, grows more joyful on earththan a high, strong will: that is its most beautiful plant.A whole landscape is refreshed by one such tree.
I compare to the pine tree one who grows like you, O Zarathustra:long, silent, hard, alone, of the best, most supple wood, magnificentâ
âbut at last reaching out with strong green branchesfor its dominion,asking strong questions of winds and weathersand whatever is native to the heights,
âanswering more strongly, a commander, a victor:oh, who would not climb high mountains to see such plants?
Your tree here, O Zarathustra, refreshes also the gloomy,the ill-born; at your sight even the unsteady becomes secureand heals his heart.
And truly, to your mountain and your treemany eyes are directed today;a great longing has arisen,and many have learned to ask: who is Zarathustra?
And to whomever you have ever dripped your song and your honey into his ear:all the hidden ones, the hermits, the two-hermits,spoke at once to their hearts:
âDoes Zarathustra still live? It is no longer worth living,all is the same, all is in vain:orâwe must live with Zarathustra!â
âWhy does he not come, who announced himself so long ago?âso many ask; âdid solitude devour him?Or should we perhaps come to him?â
Now it happens that solitude itself becomes mellow and breaks,like a grave that breaksand can no longer hold its dead.Everywhere one sees resurrected ones.
Now the waves are rising and rising around your mountain, O Zarathustra.And however high your height is, many must come up to you;your boat shall not sit on dry land for much longer.
And that we despairing ones have now come into your caveand no longer despair:it is but a sign and a portentthat better ones are on their way to you, â
âfor he himself is on his way to you,the last remnant of God among men,that is: all the men of great longing,of great disgust, of great weariness,
âall who do not want to liveunless they learn to hope againâor unless they learn from you, O Zarathustra, the great hope!â
Thus spoke the king on the rightand seized Zarathustraâs hand to kiss it;but Zarathustra resisted his veneration and stepped back, startled,silent and suddenly as if fleeing into far distances.After a little while, however, he was already back with his guests,looked at them with bright, probing eyes and said:
My guests, you higher men,I will speak to you in plain German.It was not for you that I waited here in these mountains.
(âPlain German? God have mercy!âsaid the king on the left here, aside;âone notices he does not know the dear Germans,this wise man from the East!
But he means âGerman and bluntââwell then!That is not the worst taste these days!â)
âYou may truly all be higher men,âZarathustra continued: âbut for meâyou are not high and strong enough.
For me, that is: for the inexorable that is silent in me,but will not always be silent.And if you belong to me, it is not as my right arm.
For he who stands on sick and tender legs himself, like you,wants above all, whether he knows it or hides it from himself:to be spared.
But my arms and my legs I do not spare,I do not spare my warriors:how then could you be fit for my war?
With you I would spoil every victory yet.And many of you would fall down alreadyif they only heard the loud sound of my drums.
Nor are you beautiful enough and well-born for me.I need pure, smooth mirrors for my teachings;on your surface my own image is still distorted.
Your shoulders are pressed by many a burden, many a memory;many an evil dwarf squats in your corners.There is hidden rabble in you too.
And though you are high and of a higher kind:much in you is crooked and misshapen.There is no smith in the worldwho could forge you right and straight for me.
You are only bridges: may higher ones step over you!You signify steps:so do not be angry with him who climbs over you to his height!
From your seed a genuine son and perfect heir may one daygrow for me: but that is far off.You yourselves are not those to whom my heritage and name belong.
It is not for you that I wait here in these mountains,not with you may I descend for the last time.You came to me only as portents,that already higher ones are on their way to meâ
ânot the men of great longing, of great disgust,of great wearinessand that which you called the remnant of God.
âNo! No! Three times no!For others I wait here in these mountainsand will not lift my foot from hence without them,
âfor higher, stronger, more victorious, more cheerful ones,such as are built at right angles in body and soul:laughing lions must come!
Oh, my guest-friends, you strange onesâhave you heard nothing yet of my children?And that they are on their way to me?
Speak to me of my gardens, of my blissful isles,of my new beautiful kindâwhy do you not speak to me of that?
This guest-gift I beg of your love,that you speak to me of my children.For this I am rich, for this I became poor:what have I not given,
âwhat would I not give to have one thing:these children, this living plantation,these life-trees of my will and my highest hope!â
Thus spoke Zarathustra and suddenly stopped in his speech:for his longing overcame him,and he closed his eyes and mouth before the emotion of his heart.And all his guests were also silent and stood still and dismayed:except that the old soothsayer made signs with his hands and gestures.
* * The Last Supper.
For at this point the soothsayer interruptedthe greeting of Zarathustra and his guests:he pushed forward, like one who has no time to lose,seized Zarathustraâs hand and cried: âBut Zarathustra!
One thing is more necessary than another, so you yourself say:well then, one thing is now more necessary to me than all others.
A word at the right time:did you not invite me to supper?And here are many who have made long journeys.Surely you do not mean to feed us with speeches?
You have all already thought too much for my taste of freezing,drowning, suffocating and other bodily distresses:but no one thought of my distress,namely, starvingââ
(Thus spoke the soothsayer;but when Zarathustraâs animals heard these words,they ran away in fright.For they saw that whatever they had brought home during the daywould not be enough to stuff the one soothsayer.)
âIncluding thirsting to death,â the soothsayer continued.âAnd though I hear water splashing here,like speeches of wisdom, namely abundant and tireless:Iâwant wine!
Not everyone is a born water-drinker like Zarathustra.Water is also not fit for the weary and withered:we deserve wineâonly that gives sudden recoveryand impromptu health!â
On this occasion, as the soothsayer craved wine,it happened that the king on the left, the silent one,also found his voice for once.âFor wine,â he said, âwe took care,I together with my brother, the king on the right:we have wine enoughâa whole ass-load.So nothing is lacking but bread.â
âBread?â retorted Zarathustra, and laughed at that.âIt is precisely bread that hermits do not have.But man does not live by bread alone,but also by the meat of good lambs, of which I have two:
âthese should be slaughtered quickly and prepared spicily,with sage: that is how I love it.And there is no lack of roots and fruits,good enough even for gourmands and epicures;nor of nuts and other riddles to crack.
So in short we will have a good meal.But whoever wants to eat with us must also lend a hand,even the kings.For with Zarathustra even a king may be a cook.â
This proposal was to everyoneâs liking:only the voluntary beggar balked at meat and wineand spices.
âNow just listen to this glutton Zarathustra!âhe said jestingly:âdoes one go into caves and high mountainsto have such meals?
Now, of course, I understand what he once taught us:âPraised be the small poverty!âAnd why he wants to abolish beggars.â
âBe of good cheer,â Zarathustra answered him, âas I am.Stay with your custom, you excellent one, grind your grains,drink your water, praise your cooking:if only it makes you cheerful!
I am a law only for my own,I am not a law for all.But he who belongs to me must be of strong bones,also of light feetâ
âmerry in wars and feasts, not a gloomy-guts, not a dream-puss,ready for the hardest as for his feast, healthy and whole.
The best belongs to my own and to me;and if it is not given to us, then we take it:âthe best food, the purest sky, the strongest thoughts,the most beautiful women!â â
Thus spoke Zarathustra; but the king on the right retorted:âStrange! Has one ever heard such clever thingsfrom the mouth of a wise man?
And truly, that is the strangest thing about a wise man,if he is, on top of everything else, still clever and not an ass.â
Thus spoke the king on the right and wondered;but the ass said to his speech with ill will YEA-YUH.This, however, was the beginning of that long mealwhich is called âThe Last Supperâ in the history books.And during it, nothing else was spoken ofbut the higher man.
Of the Higher Man. 1.
When I first came to men,I committed the hermitâs folly, the great folly:I placed myself in the marketplace.
And when I spoke to all, I spoke to none.In the evening, however, tightrope walkers were my companions, and corpses;and I myself was almost a corpse.
But with the new morning a new truth came to me:then I learned to say âWhat do I care for the marketplace and the rabbleand the rabbleâs noise and the rabbleâs long ears!â
You higher men, learn this from me:in the marketplace no one believes in higher men.And if you want to speak there, well then!But the rabble blinks, âwe are all equal.â
âYou higher men,ââso the rabble blinksââthere are no higher men, we are all equal,man is man, before Godâwe are all equal!â
Before God!âBut now this God has died.Before the rabble, however, we do not want to be equal.You higher men, go away from the marketplace!
* 2.
Before God!âBut now this God has died!You higher men, this God was your greatest danger.
Only since he has lain in the grave have you been resurrected.Only now comes the great noon,only now will the higher manâbecome master!
Did you understand this word, O my brothers?You are startled: are your hearts growing dizzy?Does the abyss yawn for you here?Does the hound of hell bark for you here?
Well then! Cheer up! You higher men!Only now is the mountain of the human future in labor.God has died: now we wantâthe Overman to live.
* 3.
The most concerned ask today: âhow is man to be preserved?âBut Zarathustra asks as the only and the first one:âhow is man to be overcome?â
The Overman lies on my heart,he is my first and only concernâand not man:not the neighbor, not the poorest,not the most suffering, not the bestâ
O my brothers, what I can love in man,is that he is a transition and a going-under.And in you too there is much that makes me love and hope.
That you have despised, you higher men, that makes me hope.For the great despisers are the great reverers.
That you have despaired, in that there is much to honor.For you did not learn how to surrender,you did not learn the petty prudence.
For today the little people have become master:they all preach surrender and modesty and prudence and diligenceand consideration and the long and-so-forth of the little virtues.
What is of the womanly kind, what stems from the servile kindand especially the rabble-mishmash:that now wants to become master of all human destinyâoh disgust! Disgust! Disgust!
That asks and asks and does not grow tired:âhow is man preserved, best, longest, most pleasantly?âWith thatâthey are the masters of today.
Overcome these masters of today for me, O my brothersâthese little people: they are the Overmanâs greatest danger!
Overcome for me, you higher men, the little virtues,the little prudences, the sand-grain considerations,the ant-hill bustle, the miserable comfort,the âhappiness of the greatest numberââ!
And rather despair than surrender.And, truly, I love you for it,that you do not know how to live today, you higher men!For so you liveâbest of all!
* 4.
Do you have courage, O my brothers? Are you stout of heart?Not courage before witnesses, but hermit- and eagle-courage,which not even a god watches any longer?
Cold souls, mules, the blind, the drunkenI do not call stout of heart.He has heart who knows fear but conquers fear,who sees the abyss, but with pride.
He who sees the abyss, but with an eagleâs eyes,he who grasps the abyss with an eagleâs talons:he has courage. â â
* 5.
âMan is evilââso all the wisest have spoken to comfort me.Ah, if only it were still true today!For evil is manâs best strength.
âMan must become better and more evilââso I teach.The most evil is necessary for the Overmanâs best.
That may have been good for that preacher of the little people,that he suffered and bore manâs sin.I, however, rejoice in the great sin as my great comfort. â
But such things are not said for long ears.Not every word belongs in every mouth.These are fine, distant things:sheepâs-hooves should not grasp for them!
*
* * 6.
You higher men, do you think I am here to make goodwhat you have made bad?
Or that I wanted henceforth to bed you sufferers more comfortably?Or to show you unsteady, erring, straying climbersnew, easier footpaths?
No! No! Three times no!Ever more, ever better of your kind shall perishâfor you shall have it ever worse and harder.Thus aloneâ
âthus alone does man grow to the heightwhere the lightning strikes and shatters him:high enough for the lightning!
My mindand my longing are set on the few, the long, the distant:what would I care for your little, many, short miseries!
You do not suffer enough for me yet!For you suffer from yourselves, you have not yet suffered from man.You would lie if you said otherwise!You all do not suffer from what I have suffered. â â
*
* * 7.
It is not enough for me that the lightning no longer does harm.I do not want to divert it: it shall learn to workâfor me. â
My wisdom has long been gathering like a cloud,it grows quieter and darker.So does every wisdom that is one day to bear lightnings. â
For these men of today I do not want to be a light,nor be called a light.ThemâI want to blind: lightning of my wisdom!Stab out their eyes!
*
* * 8.
Will nothing beyond your capacity:there is a wicked falseness in thosewho will beyond their capacity.
Especially when they will great things!For they arouse mistrust against great things,these fine counterfeiters and actors: â
âuntil at last they are false to themselves,squint-eyed, white-washed worm-eatenness,cloaked by strong words, by display-virtues,by brilliant false works.
Have a good caution there, you higher men!For nothing is more precious and rare to me today than honesty.
Is this Today not of the rabble?But the rabble does not know what is great, what is small,what is straight and honest:it is innocently crooked, it always lies.
*
* * 9.
Have a good mistrust today, you higher men,you stout-hearted ones! You open-hearted ones!And keep your reasons secret! For this Today is of the rabble.
What the rabble once learned to believe without reasons,who couldâoverthrow that for it with reasons?
And in the marketplace one convinces with gestures.But reasons make the rabble mistrustful.
And if truth has once been victorious there,then ask yourselves with good mistrust:âwhat strong error has fought for it?â
Beware also of the learned! They hate you:for they are barren!They have cold, dried-up eyes,before them every bird lies unfeathered.
Such men boast that they do not lie:but inability to lie is far from being love of truth.Beware!
Freedom from fever is far from being knowledge!I do not believe in chilled spirits.He who cannot lie does not know what truth is.
*
* * 10.
If you want to go up high, use your own legs!Do not let yourselves be carried up,do not sit on othersâ backs and heads!
But you have mounted a horse?You are now riding swiftly up to your goal?Well then, my friend! But your lame foot is also sitting with you on the horse!
When you are at your goal, when you leap from your horse:precisely on your height, you higher manâyou will stumble!
*
* * 11.
You creators, you higher men!One is pregnant only with oneâs own child.
Do not let yourselves be talked into anything, persuaded of anything! Who then is your neighbor?And even if you act âfor the neighborââyou still do not create for him!
Unlearn this âfor,â you creators:your virtue itself wantsyou to do no thing with âforâ and âin order toâ and âbecause.âYou should stop up your ears against these false little words.
âFor the neighborâ is the virtue only of the little people:there they say âlike for likeâ and âhand washes handâ:âthey have neither the right nor the strength for your selfishness!
In your selfishness, you creators,is the caution and providence of the pregnant!What no one has yet seen with eyes, the fruit:that your whole love shelters and spares and nourishes.
Where your whole love is, with your child,there is also your whole virtue!Your work, your will is your âneighborâ:do not let yourselves be talked into false values!
*
* * 12.
You creators, you higher men!Whoever must give birth is sick;whoever has given birth, however, is unclean.
Ask the women: one does not give birth because it is a pleasure.The pain makes hens and poets cackle.
You creators, there is much that is unclean in you.That is because you had to be mothers.
A new child: oh how much new filth has also come into the world!Go aside! And whoever has given birthshould wash his soul clean!
*
* * 13.
Be not virtuous beyond your strength!And will nothing of yourselves against the probable!
Walk in the footsteps where your fathersâ virtue has already walked!How would you climb highif your fathersâ will does not climb with you?
But he who wants to be a firstling, let him see to itthat he does not also become a lastling!And where the vices of your fathers are,there you should not want to pass for saints!
He whose fathers were partial to womenand strong wines and wild boars:what would it be if he wanted chastity from himself?
It would be a folly!Much, truly, it seems to me for such a one,if he is the husband of one or two or three women.
And if he founded monasteries and wrote over the door:âthe way to the saint,ââI would still say: what for!it is a new folly!
He has founded a house of correction and refuge for himself: much good may it do!But I do not believe in it.
In solitude grows what one brings into it,also the inner beast.Thus solitude is inadvisable for many.
Has there been anything filthier on earth so far than desert-saints?Around them not only was the devil looseâbut also the pig.
*
* * 14.
Shy, ashamed, clumsy, like a tigerwhose leap has failed:thus, you higher men, I have often seen you slink aside.A throw failed you.
But, you dice-players, what does it matter!You have not learned to play and mockas one must play and mock!Do we not always sit at a great table of mockery and play?
And if great things have failed you, are you yourselves thereforeâa failure?And if you yourselves have failed, has man thereforeâfailed?But if man has failed: well then! cheer up!
*
* * 15.
The higher the kind, the more rarely a thing succeeds.You higher men here, are you not allâfailures?
Be of good cheer, what does it matter!How much is still possible!Learn to laugh at yourselves as one must laugh!
What wonder that you have failed and half-succeeded,you half-broken ones!Does notâmanâs futureâpress and push in you?
Manâs furthest, deepest, star-highest,his tremendous strength:does not all that foam against each other in your pot?
What wonder that many a pot breaks!Learn to laugh at yourselves as one must laugh!You higher men, oh how much is still possible!
And truly, how much has already succeeded!How rich is this earth in small, good, perfect things,in what has succeeded well!
Place small, good, perfect things around you, you higher men!Their golden ripeness heals the heart. The perfect teaches hope.
*
* * 16.
What has been the greatest sin here on earth so far?Was it not the word of him who said:âWoe to those who laugh here!â
Did he find no grounds for laughter on earth himself?Then he sought badly. A child still finds grounds here.
Heâdid not love enough: otherwise he would have loved us too,the laughing ones! But he hated and mocked us,weeping and gnashing of teeth he promised us.
Must one then curse where one does not love?Thatâseems to me a bad taste.But so he did, this unconditional one. He came from the rabble.
And he himself just did not love enough:otherwise he would have been less angry that one did not love him.All great love does not want love:âit wants more.
Go out of the way of all such unconditional ones!That is a poor, sick kind, a rabble-kind:they look grimly upon this life,they have the evil eye for this earth.
Go out of the way of all such unconditional ones!They have heavy feet and sultry hearts:âthey do not know how to dance.How could the earth be light to such ones!
*
* * 17.
Crookedly do all good things approach their goal.Like cats they arch their backs,they purr inwardly at their approaching happinessâall good things laugh.
Oneâs step betrays whether one is already walking on oneâs own path:so see me walk!But he who comes near his goal, he dances.
And, truly, I have not become a statue,nor do I stand there yet, stiff, dull, stony, a pillar;I love swift running.
And though there be moor and thick affliction on earth:he who has light feet runs even over mudand dances as on swept ice.
Lift up your hearts, my brothers, high! higher!And do not forget your legs!Lift up your legs too, you good dancers,and better still: stand on your heads!
*
* * 18.
This crown of the laughing one, this rose-wreath crown:I myself have placed this crown upon my head,I myself have pronounced my laughter holy.I found no other strong enough for it today.
Zarathustra the dancer, Zarathustra the light,who beckons with his wings, one ready to fly,beckoning to all birds, ready and prepared, a blessedly light-hearted one:â
Zarathustra the soothsayer, Zarathustra the true-laugher,not an impatient one, not an unconditional one,one who loves leaps and side-leaps;I myself have placed this crown upon my head!
*
* * 19.
Lift up your hearts, my brothers, high! higher!And do not forget your legs!Lift up your legs too, you good dancers,and better still: stand on your heads!
There are also heavy beasts in happiness,there are club-footed ones from the beginning.Strangely they toil, like an elephantthat toils to stand on its head.
But it is better to be foolish with happinessthan foolish with unhappiness,better to dance clumsily than to walk lame.So learn my wisdom from me:even the worst thing has two good reverse sidesâ
âeven the worst thing has good dancing-legs:so learn, you higher men, to put yourselveson your right legs!
So unlearn this blowing of affliction and all rabble-sadness!Oh how sad the rabbleâs buffoons still seem to me today!But this Today belongs to the rabble.
*
* * 20.
Be like the wind to me, when it rushes out of its mountain caves:it wants to dance to its own pipe,the seas tremble and leap under its footsteps.
He who gives wings to asses, who milks lionesses,praised be this good, untamable spirit,who comes like a storm-wind to all Todays and all rabbleâ
âwho is an enemy to thistle-heads and muddle-headsand all withered leaves and weeds:praised be this wild, good, free storm-spirit,which dances on moors and afflictions as on meadows!
Who hates the rabble-curs and all ill-born, gloomy brood:praised be this spirit of all free spirits, the laughing storm,which blows dust into the eyesof all black-seers, black-sufferers!
You higher men, your worst is:you have all not learned to dance as one must danceâdancing over and beyond yourselves! What does it matter that you have failed!
How much is still possible! So learn to laugh over and beyond yourselves!Lift up your hearts, you good dancers, high! higher!And do not forget the good laughter!
This crown of the laughing one, this rose-wreath crown:to you, my brothers, I throw this crown!I have pronounced laughter holy;you higher men, learn from meâto laugh!
*
* * The Song of Melancholy. 1.
As Zarathustra spoke these words,he stood near the entrance of his cave;but with the last words he slipped away from his guestsand fled for a short while into the open.
âO pure scents around me,â he exclaimed,âO blessed stillness around me! But where are my animals?Come here, come here, my eagle and my serpent!
Tell me, my animals:all these higher menâdo they perhaps not smell good?O pure scents around me!Only now do I know and feel how I love you, my animals.â
â And Zarathustra spoke once more: âI love you, my animals!âBut the eagle and the serpent pressed against himas he spoke these words, and looked up to him.In this way the three of them were quietly togetherand sniffed and sipped the good air with one another.For the air was better out herethan among the higher men.
*
* * 2.
Scarcely had Zarathustra left his cave, however,when the old magician rose,looked about cunningly and said: âHe is gone!
And already, you higher menâthat I may tickle you with this name of praise and flattery,like he himselfâalready my evil spirit of deceit and magic assails me,my melancholy devil,
âwhich is an adversary to this Zarathustra from the very depths:forgive it! Now it wants to work its magic before you,it has just its hour;in vain I wrestle with this evil spirit.
To all of you, whatever honors you may give yourselves with words,whether you call yourselves âthe free spiritsâ or âthe truthfulâor âthe penitents of spiritâ or âthe unfetteredâor âthe great longerersââ
âto all of you who suffer from the great disgust as I do,for whom the old God has diedand no new god yet lies in cradle and swaddling clothesâto all of you my evil spirit and magic-devil is gracious.
I know you, you higher men, I know himâI also know this fiend whom I love against my will,this Zarathustra: he himself often seems to melike a beautiful saintâs-mask,
âlike a new, strange masqueradein which my evil spirit, the melancholy devil, delights:âI love Zarathustra, so it often seems to me,for the sake of my evil spirit. â
But already it assails me and compels me,this spirit of melancholy, this twilight-devil:and truly, you higher men, it desiresâ
âjust open your eyes!âit desires to come naked,whether male, whether female, I do not yet know:but it is coming, it compels me, alas! open your senses!
The day is fading, for all things evening now comes,even for the best things;hear now and see, you higher men, what a devil,whether man, whether woman, this spirit of evening-melancholy is!â
Thus spoke the old magician, looked about cunningly,and then reached for his harp.
*
* * 3. In the clearing air, When the dewâs comfort Already trickles down to earth, Unseen, also unheard:â For tender footwear wears The comforter dew, like all comfort-gentle onesâ: Do you remember then, remember, hot heart, How once you thirsted, For heavenly tears and dew-droppings, Scorched and weary you thirsted, While on yellow grass-paths Mischievous evening sun-glances Ran around you through black trees, Blinding sun-glow-glances, full of spite. âThe wooer of truth? You?â â so they sneered â âNo! Merely a poet! A beast, cunning, preying, stalking, That is bound to lie, That knowingly, willfully, must lie: Lusting for quarry, Cloaked in motley, A mask unto itself, Its very own quarryâ Thatâthe wooer of truth? No! Merely a fool! Merely a poet! Speaking but motley, From foolsâ-masks crying out in motley, Climbing about on deceitful word-bridges, On colorful rainbows, Between false heavens And false earths, Roaming about, hovering aboutâ Merely a fool! Merely a poet! Thatâthe wooer of truth? Not still, stiff, smooth, cold, Become an image, A pillar of God, Not set up before temples, A godâs doorkeeper: No! Hostile to such truth-statues, More at home in any wilderness than before temples, Full of cat-like wantonness, Leaping through every window Swiftly! into every chance, Sniffing at every primeval forest, Addictively, longingly sniffing, That you in primeval forests Among color-spotted beasts of prey Might run sinfully-healthy and colorful and beautiful, With lustful lips, Blissfully-scornful, blissfully-hellish, blissfully-bloodthirsty, Preying, stalking, lying you ran:â Or, like the eagle, that long, Long stares stiffly into abysses, Into its abysses:â â Oh how they coil down here, Below, within, Into ever deeper depths!â Then, Suddenly, in a straight line, In a drawn flight, Pounce upon lambs, Headlong down, hotly hungry, Lusting for lambs, Vexed with all lamb-souls, Fiercely vexed with all that looks Sheep-like, lamb-eyed, curly-wooled, Grey, with lamb-sheep-benevolence! Thus, Eagle-like, panther-like Are the poetâs longings, Are your longings under a thousand masks, You fool! You poet! You who saw man As both God and sheepâ: To tear the God apart in man As the sheep in man, And laughing in the tearingâ That, that is your bliss! A pantherâs and an eagleâs bliss! A poetâs and a foolâs bliss!ââ â In the clearing air, When the moonâs sickle Green between purple-reds And envious already steals along: âhostile to the day, With every step secretly On rose-hammocks Sickling, till they sink, Night-downward pale they sink:â So I myself once sank From my truth-madness, From my day-longings, Weary of the day, sick from the light, âsank downwards, evening-wards, shadow-wards: By one truth Burned and thirsty: âdo you still remember, remember, hot heart, How then you thirsted?â That I be banished From all truth, Merely a fool! Merely a poet!* * * Of Science.
Thus sang the magician;and all who were gathered togetherwent like birds unawaresinto the net of his cunningand melancholy lust.Only the conscientious of spiritwas not caught:he quickly took the harp away from the magicianand cried: âAir! Let in good air!Let in Zarathustra!You make this cave sultry and poisonous,you wicked old magician!
You seduce, you false, subtle one,to unknown desires and wildernesses.And woe, when such as youmake a practice of speaking of the truth!
Woe to all free spiritswho are not on their guard against such magicians!Their freedom is done for:you teach and lure back into prisonsâ
âyou old melancholy devil,from your lament sounds a lure-pipe,you resemble those who with their praise of chastitysecretly invite to lusts!â
Thus spoke the conscientious one;but the old magician looked about him,enjoyed his victory, and swallowed the vexationwhich the conscientious one caused him.âBe quiet!â he said with a modest voice,âgood songs want to echo well;after good songs one should be silent for a long time.
So do all these, the higher men.But you have probably understood little of my song?In you there is little of a magic spirit.â
âYou praise me,â retorted the conscientious one,âby separating me from you, well then!But you others, what do I see?You all still sit there with lustful eyesâ:
You free souls, where has your freedom gone!Almost, it seems to me, you resemble thosewho have long watched wicked, dancing, naked girls:your own souls are dancing!
In you, you higher men,there must be more of whatthe magician calls his evil magic- and deceit-spirit:âwe must be different.
And truly, we spoke and thought enough togetherbefore Zarathustra came home to his cave,for me to know: we are different.
We seek different things up here too, you and I.I, for one, seek more security,for that reason I came to Zarathustra.For he is still the firmest tower and willâ
âtoday, when everything is shaky, when all the earth quakes.But you, when I see the eyes you are making,it almost seems to me that you seek more insecurity,
âmore shuddering, more danger, more earthquakes.You lust, it almost seems to me so,forgive my presumption, you higher menâ
âyou lust for the worst, most dangerous life,that which frightens me most,for the life of wild animals,for forests, caves, steep mountains and labyrinthine gorges.
And it is not the guides out of danger that please you best,but those who lead you away from all paths, the seducers.But if such a lust is truly in you,it still seems impossible to me.
For fearâthat is manâs hereditary and fundamental feeling;from fear everything is explained,original sin and original virtue.From fear my virtue also grew,which is called: science.
For the fear of wild beastsâthat has been bred into man for the longest time,including the beast that he harbors and fears in himselfand for fears:âZarathustra calls it âthe inner beast.â
Such long, old fear, at last become fine,spiritual, intellectualâtoday, it seems to me, it is called: science.ââ
Thus spoke the conscientious one; but Zarathustra,who had just returned to his caveand had heard and guessed the last speech,threw a handful of roses at the conscientious oneand laughed at his âtruths.ââWhat!â he cried, âwhat did I just hear?Truly, it seems to me, you are a fool or I myself am one:and your âtruthâ I will quickly turn on its head.
For fearâis our exception.But courage and adventure and lust for the uncertain,the unwageredâcourage seems to me manâs entire prehistory.
He has envied and robbed the wildest, most courageous animals of all their virtues:only thus did he becomeâman.
This courage, at last become fine, spiritual, intellectual,this human-courage with eagleâs-wings and serpentâs-wisdom:that, it seems to me, is today calledââ
âZarathustra!â cried all who were sitting together,as from one mouth, and made a great laughter therewith;but there rose from them something like a heavy cloud.The magician also laughed and said with cunning:âWell then! He is gone, my evil spirit!
And did I not myself warn you against himwhen I said that he was a deceiver,a spirit of lies and deceit?
Especially, namely, when he shows himself naked.But what can I do about his wiles!Did I create him and the world?
Well then! Let us be good and of good cheer again!And though Zarathustra looks grimâlook at him! he is vexed with meâ:
âbefore the night comes, he will learn againto love and praise me, he cannot live longwithout committing such follies.
Heâloves his enemies:this art he understands best of all I have seen.But he takes his revenge for itâon his friends!â
Thus spoke the old magician,and the higher men applauded him:so that Zarathustra went aroundand shook the hands of his friends with malice and loveâas one who has something to make goodand to apologize for to everyone.But when he came to the door of his cave,behold, he longed againfor the good air outside and for his animalsâand wanted to slip out.
*
* * Among Daughters of the Desert. 1.
âDo not go away!â said the wanderer then,who called himself Zarathustraâs shadow,âstay with us, otherwisethe old, dull affliction might befall us again.
Already that old magician has given ushis worst for our best, and behold,the good, pious pope there has tears in his eyesand has embarked again entirely upon the sea of melancholy.
These kings may well put on a good face before us:for that is what they have learned best of all from us today!But if they had no witnesses, I wagerthat with them too the evil game would begin againâ
âthe evil game of the passing clouds,of the damp melancholy, of the overcast skies,of the stolen suns, of the howling autumn winds!
âthe evil game of our howling and cries of distress:stay with us, O Zarathustra!Here is much hidden misery that wants to speak,much evening, much cloud, much damp air!
You have nourished us with strong manâs-fare and powerful sayings:do not allow the effeminate, womanly spiritsto befall us again for dessert!
You alone make the air around you strong and clear!Did I ever find such good air on earthas with you in your cave?
I have seen many lands,yet my nose has learned to test and appraise many kinds of air:but with you my nostrils taste their greatest delight!
Unlessâunlessâoh forgive an old memory!Forgive me an old dessert-song,which I once composed among daughters of the desert:â
âfor with them there was equally good, bright, oriental air;there I was furthest from cloudy, damp, melancholy Old Europe!
At that time I loved such oriental girlsand other blue kingdoms of heaven,over which hang no clouds and no thoughts.
You would not believe how gracefully they sat therewhen they were not dancing, deep, but without thoughts,like little secrets, like beribboned riddles, like dessert-nutsâ
colorful and strange, forsooth! but without clouds:riddles that can be solved:for the love of such girls I then devised a dessert-psalm.â
Thus spoke the wanderer and shadow;and before anyone answered him,he had already taken the harp of the old magician,crossed his legs, and looked around him calmly and wisely:âbut with his nostrils he slowly and inquiringly drew in the air,like one who in new lands tastes new, strange air.Thereupon he began to sing with a kind of roar.
* 2.
The desert grows: woe to him who harbors deserts! â Ha! Solemnly! In truth, solemnly! A worthy beginning! Africanly solemn! Worthy of a lion, Or of a moral roaring-apeâ âbut nothing for you, You most beloved girlfriends, At whose feet it is granted to me, For the first time, A European, under palm trees, To sit. Selah. Wonderful, truly! Here I sit now, Near the desert and yet already So far again from the desert, Also in no way yet laid waste: Namely, swallowed down By this smallest oasisâ: âit just opened yawning Its lovely mouth, The most fragrant of all little mouths: Then I fell into it, Down, throughâamong you, You most beloved girlfriends! Selah. Hail, hail to that whale, If it thus made its guest Feel well!âyou understand My learned allusion? Hail to its belly, If it was thus Such a lovely oasis-belly As this one: which, however, I doubt, âfor this I come from Europe, Which is more doubt-addicted than all Elderly little wives. May God improve it! Amen! Here I sit now, In this smallest oasis, Like a date, Brown, over-sweet, gold-pustuled, lusting For a round girlâs-mouth, But still more for girlish, Ice-cold, snow-white, sharp Biting-teeth: for these, namely, The heart of all hot dates languishes. Selah. Similar, all too similar To the aforementioned southern fruits I lie here, by small Winged beetles Danced around and played around, Likewise by still smaller, More foolish, more malicious Wishes and notions,â Besieged by you, You silent, you prescient Girl-cats, Dudu and Suleika, âbesphinxed, so that into one word I Stuff many feelings: (Forgive me, God, This sin of speech!) âsit here, sniffing the best air, Paradise-air, truly, Bright, light air, gold-streaked, Such good air as ever Fell down from the moonâ Be it by chance, Or did it happen out of high spirits? As the old poets tell. But I, the doubter, hold it In doubt, for this, however, I come From Europe, Which is more doubt-addicted than all Elderly little wives. May God improve it! Amen! Drinking this most beautiful air, With nostrils swollen like goblets, Without future, without memories, So I sit here, you Most beloved girlfriends, And watch the palm tree, How it, like a dancer, Bends and sways and rocks its hips, âone does it too, if one watches long! Like a dancer who, it seems to me, Too long, dangerously long, Always, always stood on only one leg? âso that she forgot, it seems to me, The other leg? In vain, at least, I sought the missing Twin-jewel ânamely the other legâ In the sacred vicinity Of her most beloved, most dainty Fan- and flutter- and flitter-skirt. Yes, if you, my beautiful girlfriends, Will believe me completely: She has lost it! It is gone! Gone forever! The other leg! Oh, what a pity about that lovely other leg! Whereâmight it be lingering and mourning forsaken? The lonely leg? In fear perhaps of a Grim, yellow, blond-locked Lion-monster? Or even already Gnawed off, nibbled awayâ Pitiably, woe! woe! nibbled away! Selah. Oh, do not weep for me, Soft hearts! Do not weep for me, you Date-hearts! Milk-bosoms! You licorice-heart- Pouches! Weep no more, Pale Dudu! Be a man, Suleika! Courage! Courage! âOr should perhaps Something strengthening, heart-strengthening, Be in place here? An anointed saying? A solemn exhortation?â Ha! Arise, dignity! Virtue-dignity! European-dignity! Blow, blow again, Bellows of virtue! Ha! Roar one more time, Morally roar! As a moral lion Roar before the daughters of the desert! âFor virtueâs-howl, You most beloved girls, Is more than anything European-fervor, European-hot-hunger! And here I stand already, As a European, I can do no other, God help me! Amen!
The desert grows: woe to him who harbors deserts!
* * * The Awakening. 1.
After the song of the wanderer and shadow, the cave was suddenly filled with noise and laughter; and since the assembled guests all spoke at once, and even the ass, with such encouragement, was no longer silent, Zarathustra was overcome by a small aversion and mockery towards his visitors: although he rejoiced in their cheerfulness. For it seemed to him a sign of recovery. So he slipped out into the open and spoke to his animals.
âWhere has their distress gone now?â he said, and already he himself breathed a sigh of relief from his small annoyance, ââwith me they have unlearned, it seems to me, the cry of distress!
âthough, alas, not yet crying out.â And Zarathustra covered his ears, for just then the YEA-YUH of the ass mixed strangely with the jubilant noise of these higher men.
âThey are merry,â he began again, âand who knows? perhaps at their hostâs expense; and if they learned to laugh from me, it is yet not my laughter they have learned.
But what does it matter! They are old people: they recover in their own way, they laugh in their own way; my ears have endured worse things and did not grow morose.
This day is a victory: he is already yielding, he is fleeing, the spirit of gravity, my old arch-enemy! How well this day will end, which began so badly and heavily!
And it wants to end. Already evening comes: over the sea he rides, the good rider! How he sways, the blessed, homeward-bound one, in his purple saddles!
The sky looks on clearly, the world lies deep: oh all you strange ones who have come to me, it is already worthwhile to live with me!â
Thus spoke Zarathustra. And again the shouting and laughter of the higher men came from the cave: then he began anew.
âThey are biting, my bait is working, their enemy too is yielding, the spirit of gravity. Already they are learning to laugh at themselves: do I hear right?
My manâs-fare is working, my sap- and strength-saying: and truly, I did not nourish them with bloating-vegetables! But with warriorâs-fare, with conquerorâs-fare: new desires I have awakened.
New hopes are in their arms and legs, their heart stretches itself out. They find new words, soon their spirit will breathe wantonness.
Such fare may, to be sure, not be for children, nor for longing old and young females. One persuades their entrails otherwise; I am not their physician and teacher.
Disgust is yielding in these higher men: well then! that is my victory. In my realm they become secure, all foolish shame runs away, they pour themselves out.
They pour out their hearts, good hours return to them, they celebrate and ruminate againâ they become thankful.
I take that as the best sign: they are becoming thankful. Before long, they will devise festivals and erect memorials to their old joys.
They are convalescents!â Thus spoke Zarathustra joyfully to his heart and looked out; but his animals pressed against him and honored his happiness and his silence.
* 2.
Suddenly, however, Zarathustraâs ear was startled: for the cave, which until now had been full of noise and laughter, at once became deathly still;â but his nose smelled a fragrant smoke and incense, as from burning pine-cones.
âWhat is happening? What are they doing?â he asked himself and crept up to the entrance, so that he could watch his guests, unobserved. But, wonder of wonders! what did he have to see there with his own eyes!
âThey have all become pious again, they are praying, they are mad!ââ he said and was astonished beyond measure. And, forsooth! all these higher men, the two kings, the pope out of service, the wicked magician, the voluntary beggar, the wanderer and shadow, the old soothsayer, the conscientious of spirit and the ugliest man: they all lay like children and believing old women on their knees and worshiped the ass. And just then the ugliest man began to gurgle and to snort, as if something unutterable wanted to come out of him; but when he had really brought it to words, behold, it was a pious, strange litany in praise of the adored and incensed ass. And this litany sounded thus:
Amen! And praise and honor and wisdom and thanks and glory and strength be to our God, from everlasting to everlasting!
â But the ass cried thereto YEA-YUH.
He bears our burden, he took on the form of a servant, he is patient of heart and never says No; and whoever loves his God, chastises him.
â But the ass cried thereto YEA-YUH.
He does not speak: except to say always Yes to the world he created: thus he praises his world. It is his cunning not to speak: thus he is seldom wrong.
â But the ass cried thereto YEA-YUH.
Inconspicuously he goes through the world. Grey is the body-color in which he cloaks his virtue. If he has spirit, he hides it; but everyone believes in his long ears.
â But the ass cried thereto YEA-YUH.
What hidden wisdom is this, that he wears long ears and says only Yes and never No! Did he not create the world in his own image, namely as stupid as possible?
â But the ass cried thereto YEA-YUH.
You go straight and crooked paths; it concerns you little what seems straight or crooked to us men. Beyond good and evil is your kingdom. It is your innocence not to know what innocence is.
â But the ass cried thereto YEA-YUH.
Behold how you push no one away from you, neither beggars nor kings. You let the little children come to you, and when the wicked boys tempt you, you say simply YEA-YUH.
â But the ass cried thereto YEA-YUH.
You love she-asses and fresh figs, you are no despiser of food. A thistle tickles your heart when you are hungry. Therein lies the wisdom of a god.
â But the ass cried thereto YEA-YUH.
* The Ass Festival. 1.
At this point in the litany, however, Zarathustra could no longer master himself, cried YEA-YUH himself, even louder than the ass, and sprang into the midst of his crazed guests. âBut what are you doing there, you children of men?â he cried, as he tore the praying ones from the ground. âWoe, if anyone other than Zarathustra were to see you:
Everyone would judge you to be, with your new faith, the worst blasphemers or the most foolish of all old women!
And you yourself, you old pope, how does it accord with yourself that you worship an ass here as God in such a way?â â
âO Zarathustra,â answered the pope, âforgive me, but in matters of God I am more enlightened even than you. And so it is fitting.
Better to worship God thus, in this form, than in no form at all! Ponder this saying, my high friend: you will quickly guess, in such a saying there is wisdom.
He who said âGod is a spiritââ he made the greatest step and leap towards unbelief so far on earth: such a word is not easily made good again on earth!
My old heart leaps and hops at the thought that there is still something to worship on earth. Forgive that, O Zarathustra, to an old pious popeâs-heart! ââ
â âAnd you,â said Zarathustra to the wanderer and shadow, âyou call and imagine yourself a free spirit? And you practice such idolatry and priest-service here?
Worse, truly, you are behaving here than with your wicked brown girls, you wicked new believer!â
âBad enough,â answered the wanderer and shadow, âyou are right: but what can I do! The old God lives again, O Zarathustra, you may say what you will.
The ugliest man is to blame for everything: he has resurrected him. And when he says that he once killed him: death among gods is always just a prejudice.â
â âAnd you,â said Zarathustra, âyou wicked old magician, what have you done! Who, in this free time, shall henceforth believe in you, if you believe in such god-ass-fooleries?
It was a stupidity, what you did; how could you, you clever one, do such a stupidity!â
âO Zarathustra,â answered the clever magician, âyou are right, it was a stupidityâ it has also been hard enough for me.â
â âAnd you especially,â said Zarathustra to the conscientious of spirit, âconsider now and put your finger to your nose! Is there nothing here that goes against your conscience? Is your spirit not too clean for this praying and the fumes of these prayer-brothers?â
âThere is something to it,â answered the conscientious one and put his finger to his nose, âthere is something in this spectacle that even does my conscience good.
Perhaps I may not believe in God: but it is certain that God seems most credible to me in this form.
God is said to be eternal, according to the testimony of the most pious: he who has so much time, takes his time. As slowly and as stupidly as possible: with that such a one can still go very far.
And he who has too much of the spirit might well become infatuated with stupidity and folly himself. Think about yourself, O Zarathustra!
You yourselfâtruly! you too could well become an ass out of abundance and wisdom.
Does not a perfect wise man gladly walk on the crookedest paths? The evidence shows it, O Zarathustraâyour evidence!â
â âAnd you yourself at last,â said Zarathustra and turned towards the ugliest man, who was still lying on the ground, raising his arm to the ass (for he was giving it wine to drink). âSpeak, you unutterable one, what have you done there!
You seem transformed to me, your eye glows, the mantle of the sublime lies about your ugliness: what did you do?
Is it then true what those say, that you resurrected him? And why? Was he not with good reason killed and done away with?
You yourself seem awakened to me: what did you do? why did you turn back? why did you convert? Speak, you unutterable one!â
âO Zarathustra,â answered the ugliest man, âyou are a rogue!
Whether he still lives or lives again or is thoroughly deadâ who of us two knows that best? I ask you.
One thing I know, howeverâfrom you yourself I once learned it, O Zarathustra: he who wants to kill most thoroughly, laughs.
âNot by wrath, but by laughter does one killââ so you once spoke. O Zarathustra, you hidden one, you destroyer without wrath, you dangerous saintâ you are a rogue!â
* 2.
But then it happened that Zarathustra, astonished by all such roguish answers, sprang back to the door of his cave and, turning to all his guests, cried with a strong voice:
âO you roguish fools all, you jesters! Why do you dissemble and hide yourselves from me!
How each of you had his heart wriggling with pleasure and malice, because you had at last become again like little children, namely piousâ
âthat you at last did again as children do, namely prayed, folded your hands and said âdear Godâ!
But now leave me this nursery, my own cave, where today all childishness is at home. Cool off your hot childrenâs-high-spirits and heartâs-noise out here!
To be sure: unless you become like little children, you will not enter the kingdom of heaven. (And Zarathustra pointed with his hands upwards.)
But we do not want to enter the kingdom of heaven at all: we have become menâso we want the kingdom of earth.â
* 3.
And once again Zarathustra began to speak. âO my new friends,â he said, ââyou strange ones, you higher men, how well you please me nowâ
âsince you have become cheerful again! You have all truly blossomed: it seems to me, such flowers as you are need new festivals,
âa little brave nonsense, some divine service and ass festival, some old cheerful Zarathustra-fool, a roaring wind that blows your souls bright.
Do not forget this night and this ass festival, you higher men! That you invented at my place, I take that as a good signâ only convalescents invent such things!
And if you celebrate it again, this ass festival, do it for your own sakes, do it also for my sake! And in my memory!â
Thus spoke Zarathustra.
* The Drunken Song. 1.
In the meantime, however, one after another had stepped out into the open and into the cool, thoughtful night; Zarathustra himself, however, led the ugliest man by the hand, to show him his night-world and the great round moon and the silver waterfalls by his cave. There they finally stood still together, all old men, but with a comforted, brave heart and amazed in themselves that they felt so well on earth; but the secrecy of the night came closer and closer to their hearts. And anew Zarathustra thought to himself: âoh how well they please me now, these higher men!ââ but he did not say it out loud, for he honored their happiness and their silence. â
But then that happened which was the most astonishing thing on that astonishingly long day: the ugliest man began once more and for the last time to gurgle and to snort, and when he had brought it to words, behold, a question sprang round and clean from his mouth, a good, deep, clear question, which moved the heart in the body of all who listened to him.
âMy friends all,â said the ugliest man, âwhat do you think? For the sake of this dayâI am for the first time satisfied that I have lived my whole life.
And that I testify to so much is not yet enough for me. It is worthwhile to live on earth: one day, one festival with Zarathustra has taught me to love the earth.
âWas thatâlife?â I will say to death. âWell then! Once more!â
My friends, what do you think? Will you not, like me, say to death: Was thatâlife? For Zarathustraâs sake, well then! Once more!â â â
Thus spoke the ugliest man; but it was not long before midnight. And what do you think happened then? As soon as the higher men heard his question, they became aware at once of their transformation and recovery, and who had given it to them: then they sprang towards Zarathustra, thanking, revering, caressing, kissing his hands, as was the manner of each: so that some laughed, some wept. But the old soothsayer danced for pleasure; and even if, as some storytellers think, he was then full of sweet wine, he was certainly still fuller of sweet life and had renounced all weariness. There are even some who relate that the ass danced then: for not in vain had the ugliest man given it wine to drink beforehand. This may have been so, or otherwise; and if in truth the ass did not dance that evening, yet greater and stranger wonders happened then than the dancing of an ass would be. In short, as Zarathustraâs proverb says: âwhat does it matter!â
* 2.
Zarathustra, however, when this happened with the ugliest man, stood there like one intoxicated: his gaze was extinguished, his tongue faltered, his feet swayed. And who could guess what thoughts then ran through Zarathustraâs soul? But evidently his spirit withdrew and fled ahead and was in far distances and, as it were, âon a high ridge, as is written, between two seas,
âwandering between past and future as a heavy cloud.â Gradually, however, while the higher men held him in their arms, he came back to himself a little and with his hands resisted the throng of the venerating and concerned; yet he did not speak. But at once he turned his head quickly, for he seemed to hear something: then he put his finger to his mouth and said: âCome!â
And immediately it became still and secret all around; but from the depths the sound of a bell came up slowly. Zarathustra listened for it, like the higher men; but then he put his finger to his mouth a second time and said again: âCome! Come! It is approaching midnight!ââ and his voice had changed. But still he did not move from the spot: then it became stiller and more secret, and everything listened, even the ass, and Zarathustraâs honorary animals, the eagle and the serpent, likewise Zarathustraâs cave and the great cool moon and the night itself. But Zarathustra put his hand to his mouth a third time and said:
Come! Come! Come! Let us walk now! It is the hour: let us walk into the night!
* 3.
You higher men, it is approaching midnight: then I want to say something in your ears, as that old bell says it in my earâ
âso secretly, so terribly, so heartfeltly, as that midnight bell speaks to me, which has experienced more than one man:
âwhich has already counted your fathersâ heartâs-pain-strokesâ alas! alas! how it sighs! how it laughs in its dream! the old, deep, deep midnight!
Hush! Hush! Then many a thing is heard that may not become loud by day; but now, in the cool air, when all the noise of your hearts has also grown silentâ
ânow it speaks, now it is heard, now it steals into nocturnal, over-awake souls: alas! alas! how it sighs! how it laughs in its dream!
âdo you not hear how secretly, terribly, heartfeltly it speaks to you, the old, deep, deep midnight?
O man, take heed!
* 4.
Woe is me! Where has time gone? Did I not sink into deep wells? The world sleepsâ
Ah! Ah! The dog howls, the moon shines. I would rather die, die, than tell you what my midnight-heart is thinking now.
Now I have already died. It is over. Spider, what are you spinning around me? Do you want blood? Ah! Ah! the dew is falling, the hour is comingâ
âthe hour when I shiver and freeze, which asks and asks and asks: âwho has heart enough for it?
âwho shall be master of the earth? Who wants to say: thus shall you run, you great and small streams!â
âthe hour is approaching: O man, you higher man, take heed! this speech is for fine ears, for your earsâ what does deep midnight say?
* 5.
It carries me away, my soul dances. Dayâs work! Dayâs work! Who shall be master of the earth?
The moon is cool, the wind is silent. Ah! Ah! Have you flown high enough yet? You have danced: but a leg is not a wing.
You good dancers, now all pleasure is over, wine has become lees, every cup has become mellow, the graves stammer.
You did not fly high enough: now the graves stammer âredeem the dead! Why is the night so long? Does the moon not make us drunk?â
You higher men, redeem the graves, awaken the corpses! Ah, why does the worm still dig? The hour is approaching, approachingâ
âthe bell hums, the heart still rattles, the woodworm, the heart-worm, still digs. Ah! Ah! The world is deep!
* 6.
Sweet lyre! Sweet lyre! I love your tone, your drunken toad-tone!âfrom how long ago, from how far away your tone comes to me, from far away, from the ponds of love!
You old bell, you sweet lyre! Every pain has torn into your heart, fatherâs-pain, fathersâ-pain, forefathersâ-pain, your speech has become ripeâ
âripe like golden autumn and afternoon, like my hermitâs-heartânow you speak: the world itself has become ripe, the grape is browning,
ânow it wants to die, to die of happiness. You higher men, do you not smell it? A scent is welling up secretly,
âa fragrance and scent of eternity, a rose-blessed, brown gold-wine-scent of old happiness,
âof drunken midnight-dying-happiness, which sings: the world is deep, and deeper than the day had thought!
* 7.
Leave me! Leave me! I am too pure for you. Do not touch me! Did my world not just become perfect?
My skin is too pure for your hands. Leave me, you dumb, clumsy, dull day! Is midnight not brighter?
The purest shall be masters of the earth, the most unknown, strongest, the midnight-souls, who are brighter and deeper than any day.
O day, you grope for me? You feel for my happiness? Am I rich to you, lonely, a treasure-trove, a gold-chamber?
O world, you want me? Am I worldly to you? Am I spiritual to you? Am I divine to you? But day and world, you are too clumsyâ
âhave cleverer hands, reach for deeper happiness, for deeper unhappiness, reach for some god, do not reach for me:
âmy unhappiness, my happiness is deep, you strange day, but yet I am no god, no godâs-hell: deep is its woe.
* 8.
Godâs woe is deeper, you strange world! Reach for Godâs woe, not for me! What am I! A drunken sweet lyreâ
âa midnight-lyre, a bell-toad, which no one understands, but which must speak, before the deaf, you higher men! For you do not understand me!
Gone! Gone! O youth! O noon! O afternoon! Now have come evening and night and midnightâ the dog howls, the wind:
âis the wind not a dog? It whines, it yaps, it howls. Ah! Ah! how it sighs! how it laughs, how it rattles and gasps, the midnight!
How soberly it speaks now, this drunken poetess! has it over-drunk its drunkenness? has it become over-awake? is it ruminating?
âit ruminates its woe, in a dream, the old, deep midnight, and still more its pleasure. For pleasure, though woe be deep: pleasure is still deeper than heartâs-grief.
* 9.
You grapevine! Why do you praise me? I cut you, after all! I am cruel, you are bleedingâ: what does your praise of my drunken cruelty want?
âWhat has become perfect, all that is ripeâwants to die!â so you speak. Blessed, blessed be the vintnerâs-knife! But all that is unripe wants to live: alas!
Woe speaks: âPerish! Away, you woe!â But everything that suffers wants to live, that it may become ripe and joyful and longing,
âlonging for what is further, higher, brighter. âI want heirs,â so speaks everything that suffers, âI want children, I do not want myselfââ
Pleasure, however, does not want heirs, not childrenâ pleasure wants itself, wants eternity, wants recurrence, wants everything-eternally-the-same.
Woe speaks: âBreak, bleed, heart! Wander, leg! Wing, fly! Onward! Upward! Pain!â Well then! Cheer up! O my old heart: Woe speaks: âperish!â
* 10.
You higher men, what do you think? Am I a soothsayer? A dreamer? Drunken? A dream-interpreter? A midnight-bell?
A drop of dew? A vapor and scent of eternity? Do you not hear it? Do you not smell it? Just now my world became perfect, midnight is also noonâ
Pain is also a pleasure, curse is also a blessing, night is also a sunâgo away or you will learn: a wise man is also a fool.
Did you ever say Yes to one pleasure? O, my friends, then you said Yes to all woe as well. All things are chained together, threaded together, in loveâ
âif you ever wanted one time two times, if you ever said âyou please me, happiness! Swiftly! Moment!â then you wanted everything back!
âall anew, all eternal, all chained together, threaded together, in love, oh then you loved the worldâ
âyou eternal ones, love it eternally and at all times: and to woe too you say: perish, but come back! For all pleasure wantsâeternity!
* 11.
All pleasure wants the eternity of all things, wants honey, wants lees, wants drunken midnight, wants graves, wants grave-tears-comfort, wants gilded evening-redâ
âwhat does pleasure not want! it is thirstier, more heartfelt, hungrier, more terrible, more secret than all woe, it wants itself, it bites into itself, the ringâs will strives in itâ
âit wants love, it wants hate, it is over-rich, gives, throws away, begs that one take it, thanks the taker, it would gladly be hatedâ
âso rich is pleasure that it thirsts for woe, for hell, for hate, for shame, for the cripple, for worldâ for this world, oh you know it!
You higher men, for you it longs, the pleasure, the untamable, blessedâfor your woe, you failures! For what has failed, all eternal pleasure longs.
For all pleasure wants itself, therefore it also wants heartâs-grief! O happiness, O pain! O break, heart! You higher men, learn it, pleasure wants eternity,
âpleasure wants the eternity of all things, wants deep, deep eternity!
* 12.
Have you now learned my song? Have you guessed what it wants? Well then! Cheer up! You higher men, so sing me now my roundelay!
Sing me now yourselves the song whose name is âOnce More,â whose meaning is âinto all eternity!â, sing, you higher men, Zarathustraâs roundelay!
O man! Take heed!
What does deep midnight say?
âI slept, I sleptâ,
âFrom a deep dream I have awoken:â
âThe world is deep,
âAnd deeper than the day had thought.
âDeep is its woeâ,
âPleasureâdeeper still than heartâs-grief:
âWoe speaks: Perish!
âBut all pleasure wants eternityâ,
ââwants deep, deep eternity!â
* * The Sign.
In the morning, however, after this night, Zarathustra sprang from his bed, girded his loins, and came out of his cave, glowing and strong, like a morning sun that comes from dark mountains.
âYou great star,â he said, as he had once spoken, you deep eye of happiness, what would all your happiness be if you did not have those for whom you shine!
And if they remained in their chambers while you are already awake and come and give and distribute: how your proud shame would rage at that!
Well then! they are still sleeping, these higher men, while I am awake: they are not my proper companions! It is not for them that I wait here in my mountains.
To my work I will go, to my day: but they do not understand what the signs of my morning are, my stepâis no wake-up call for them.
They are still sleeping in my cave, their dream is still chewing on my midnights. The ear that listens for meâ the obedient ear is missing in their limbs.â
â This Zarathustra had spoken to his heart as the sun rose: then he looked inquiringly into the height, for he heard above him the sharp cry of his eagle. âWell then!â he cried upwards, âso it pleases me and is fitting. My animals are awake, for I am awake.
My eagle is awake and, like me, honors the sun. With eagleâs-talons it grasps for the new light. You are my proper animals; I love you.
But I still lack my proper men!â â
Thus spoke Zarathustra; but then it happened that he suddenly heard himself swarmed and fluttered about as if by innumerable birdsâthe whirring of so many wings, however, and the throng about his head was so great that he closed his eyes. And truly, like a cloud it fell upon him, like a cloud of arrows which is discharged upon a new enemy. But behold, here it was a cloud of love, and over a new friend.
âWhat is happening to me?â thought Zarathustra in his astonished heart and slowly sat down on the great stone that lay beside the exit of his cave. But as he reached with his hands around him and above him and below him, and fended off the tender birds, behold, something even stranger happened to him: for in doing so he inadvertently reached into a thick, warm tangle of hair; at the same time, however, a roar resounded before himâ a gentle, long lionâs-roar.
âThe sign is coming,â said Zarathustra, and his heart was transformed. And in truth, when it became bright before him, a yellow, mighty beast lay at his feet and nestled its head against his knees and would not leave him for love and behaved like a dog that finds its old master again. The doves, however, were no less zealous with their love than the lion; and every time a dove flitted across the lionâs nose, the lion shook its head and wondered and laughed at it.
To all this Zarathustra spoke only one word: âmy children are near, my childrenââ, then he became completely silent. But his heart was released, and from his eyes tears dripped down and fell on his hands. And he paid no more heed to anything and sat there, motionless and without defending himself any longer against the animals. Then the doves flew to and fro and settled on his shoulder and caressed his white hair and did not grow tired of tenderness and exultation. The strong lion, however, always licked the tears that fell on Zarathustraâs hands and roared and rumbled shyly at it. Thus these animals behaved. â
All this lasted a long time, or a short time: for, rightly spoken, there is no time for such things on earthâ. In the meantime, however, the higher men in Zarathustraâs cave had awoken and arranged themselves together in a procession to go to meet Zarathustra and offer him the morning greeting: for they had found, when they awoke, that he was no longer among them. But when they reached the door of the cave, and the sound of their steps ran before them, the lion started mightily, turned at once away from Zarathustra and sprang, wildly roaring, at the cave; but the higher men, when they heard him roar, all cried out, as with one mouth, and fled back and were in an instant gone.
Zarathustra himself, however, stunned and strange, rose from his seat, looked about him, stood there astonished, questioned his heart, collected himself, and was alone. âWhat did I hear?â he said at last slowly, âwhat just happened to me?â
And already the memory came to him, and he understood with one glance everything that had happened between yesterday and today. âHere is the stone,â he said and stroked his beard, âon which I sat yesterday morning; and here the soothsayer came to me, and here I first heard the cry that I just heard, the great cry of distress.
O you higher men, it was of your distress that yesterday morning that old soothsayer prophesied to meâ
âto your distress he wanted to seduce and tempt me: O Zarathustra, he said to me, I come to tempt you to your last sin.
To my last sin?â cried Zarathustra and laughed angrily at his own word: âwhat has been saved up for me as my last sin?â
â And once more Zarathustra sank into himself and sat down again on the great stone and reflected. Suddenly he sprang upâ
âPity! The pity for the higher man! he cried out, and his countenance transformed into bronze. Well then! Thatâhas had its time!
My suffering and my pityâwhat does it matter! Do I strive for happiness? I strive for my work!
Well then! The lion has come, my children are near, Zarathustra has become ripe, my hour has come: â
This is my morning, my day is beginning: arise now, arise, you great noon!â â â
Thus spoke Zarathustra and left his cave, glowing and strong, like a morning sun that comes from dark mountains.
Preparing your book... This may take a few seconds for large books